Ausgabe Februar 2012

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    Fischsterben im Baldeneysee- aus der Sicht eines Anglers

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    Fischsterben im Baldeneysee- aus der Sicht eines Anglers
    Es ist Samstag morgen, 10Uhr und ich liege im Bett. Mein Kumpel Max ruft an, doch ich drück ihn weg. Was kann er bloß um diese Uhrzeit von mir wollen?! Wir waren doch heute gar nicht zum Angeln verabredet. Ich stehe auf, esse mein Müsli und rufe Max zurück. Völlig aufgelöst erzählt er mir von dem Fischsterben im Baldeneysee. Das Thema hat es wohl auch auf die Titelseite der WAZ und die aktuelle Stunde des WDR geschafft. Da ich die Zeitung selber nicht bekomme, spurte ich rüber zur Schwiegermutter, die die Zeitung hat. Bei dem Anblick des Titelbildes fällt mir die Kinnlade runter und ein Gefühl aus Wut und Traurigkeit steigt in mir hoch. Mein erster Gedanke ist: „Wenn ich den erwische...“. Mein zweiter Gedanke ist: „was ist, wenn die Fische vergiftet sind und sie von Vögeln gefressen werden?“. Nach meinem dritten Gedanken („wie geht es jetzt mit Angeln weiter??“) setze ich mich ins Auto und fahre zum 5 Minuten entfernten See.

    Was viele Leute, die nicht aus der Region kommen, nicht wissen ist, dass der Baldeneysee eigentlich gar kein See ist. Er ist eigentlich nur eine Verdickung der Ruhr zwischen Essen- Kupferdreh/Heisingen und Essen- Werden. Der Baldeneysee ist also ein Fließgewässer. Das macht die Sache im Falle eines Giftes natürlich nicht besser.
    Das so ein schönes Gewässer mitten im Pott ein Magnet für Wassersportler und Touristen ist, erklärt sich von selbst.
    Ich parke wie immer am Vereinsheim des Fischereivereins- Essen und erwarte eigentlich aufgebrachte Vereinskollegen, aber niemand ist da. Die trübe Stimmung am See wird durch einen eiskalten Sturm und starken Regen unterstützt.
    Der Deilbach, aus dem die giftige Brühe laut der Medien stammt, liegt auf der anderen Seite. Hier am Ufer sehe ich keinen einzigen toten Fisch. Ich gehe über die Brücke und verschaffe mir einen Blick über die Lage. Auf der einen Seite sitzen hunderte Wasservögel und ich hoffe tief und fest, dass die toten Fische nicht vergiftet waren. Auf der anderen Seite erkenne ich die Deilbachmündung, ein Kamera-Team des WDR und ein Feuerwehraufgebot. Dort angekommen, treffe ich eine kleine Gruppe von Vereinskollegen, deren Gesichtsausdrücke Bände sprechen.




    Das Ufer ist immer noch voll mit toten Fischen. Rotaugen, Rotfedern, Alande, Hybriden und ein paar Brassen, 95% handlang, taumeln tot durchs Wasser oder liegen bereits, von der Feuerwehr gekeschert, in einem großen Container. Ich versuche ein paar Fotos mit meinem Handy zu machen, was bei der Feuerwehr allerdings nicht so gut ankommt. Jedes Mal, wenn ein Boot der Feuerwehr eintrifft, werden dutzende Fässer voller Fisch entladen.


    Laut erster Vermutungen sind die Fische nicht vergiftet, sondern wegen ein kalkartigen Substanz erstickt. Ich möchte Fische nicht vermenschlichen, aber grausam ist die Vorstellung, dass tausende Fische einfach erstickt sind schon. Warum es „nur“ Weißfische sind, kann mir keiner der Anwesenden genau sagen. Noch vor einigen Tagen wurden hier 5000 Rotfedern mit einem Gesamtgewicht von 500Kg eingesetzt. In den Medien ist 2 Tage später von 4 Tonnen toten Fisch die Rede.
    Natürlich ist der wirtschaftliche Schaden groß, aber wenn ich bedenke, wie viel Arbeit die Besatz- und Zuchtmaßnahmen meine Angelkollegen gekostet haben, wird mir ganz anders. Noch ist auch nicht das gesamte Ausmaß dieser Katastrophe bekannt.
    Wer weiß, wie viele andere und größere Fischarten vielleicht noch betroffen sind?
    Wer weiß, ob es nicht auch weiter hinten im Deilbach die hübschen Bachforellen erwischt hat?
    Und wie sehen zukünftig die Veranstaltungen der Jugendgruppe oder der Integrativen Gruppe aus?
    Vor allem Rotaugen, Rotfedern (geschützt) und Brassen gehen den Jugendlichen und Anglern mit Behinderung immer wieder an den Haken, was stets zur Erheiterung aller Beteiligten beigetragen hat. Wie viele meiner Freunde und Bekannte werden zukünftig meinen zubereiteten Fisch gar nicht oder nur ungern verzehren, weil sie dem Wasser des Baldeneysees trotz aller Entwarnungen nicht trauen werden?
    Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Kai Gehring fordert ein hartes Vorgehen gegen den Verursacher. Bleibt zu hoffen, dass dieser gut versichert ist und vor allem wirklich gefasst und verurteilt wird. Meiner Meinung nach darf der Verantwortliche, zusätzlich zu einer fetten Geldstrafe, einen Teil seiner Strafe im Verein abarbeiten um zu einer Rehabilitation des Fischbestandes beizutragen.
    Was im Detail wie genau und warum passiert ist, ist bis jetzt noch nicht 100%ig bekannt, deshalb bleibt es zunächst nur bei Spekulationen.
    Fakt ist aber:
    Es wird Jahre dauern, bis die Folgen dieser durch menschliches Versagen enstandenen Katastrophe behoben sind. Für die Umwelt, für die Tierwelt und für uns Angler... .
    Siever

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    Humminbird


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