Facebook Button

Ausgabe Januar 2018

So far away - Mit dem Köderboot auf Raubfisch


von kati48268



Obwohl wir uns alle an Technik beim Angeln gewöhnt haben, ich denke da an elektronische Bissanzeiger, Echolote, usw., sind Köderboote weiter umstritten oder werden zumindest oft belächelt.
Ich gebe zu, als ich zum ersten mal sah, wie ein Karpfenangler sein ferngesteuertes Boot zu Wasser ließ, dachte ich auch, „der hat doch nicht alle Latten am Zaun“. Als er die Ladung Futter an einem Spot versenkte, wanderte mein Blick weiter zu der großen, ins Wasser gestürzten Weide am gegenüberliegenden, unzugänglichen Ufer. „Dort“ hätte ich jetzt gern meinen Köfi stehen gehabt und nicht vor meinen Füssen…
Die Idee hatte mich infiziert – es war klar, dass ich mir eines anschaffen musste.



Vorteile für den Raubfischangler
Ein Köderboot bietet auch dem Raubfisch- oder Allroundangler Vorteile.
Und den wohl Wichtigsten muss ich gleich anfangs herausstellen: es ist ein klasse Männerspielzeug!
Bekam ich anfangs von meinen Angelkumpels dasselbe Lächeln, wie so ein Gerät anfangs bei mir hervorrief, ist mittlerweile jeder scharf darauf, seine Köder auf diese Weise raus zu transportieren. Nicht nur, weil sonst unerreichbare Weiten plötzlich befischbar sind, sondern auch weil man dabei wieder zum kleinen, begeisterten Jungen wird.



Zu dem viel größeren Angelbereich & dem Spaß kommen noch weitere Pluspunkte:
- Spots, die für einen Wurf zu schwierig sind, weil z.B. Äste im Weg sind, stellen kein Problem mehr dar,
- Brot, Teig, Wurm oder aufgetaute Sardinen? Kein Problem mehr, weiche, empfindliche Köder vor die Mäuler zu bekommen. Und die leichte Montage für Sensibelchen-Zander erreicht auch endlich die Gewässermitte,
- schwere Welsmontagen sind auch an Gewässern ohne Ruderbootzulassung auszubringen,
- mit Echoausstattung lassen sich viele neue Raubfischspots finden und bei Bedarf auch anfüttern.







Besonderheiten für das Distanzfischen

Eine gut sichtbare Pose hilft, Bisse auf weite Entfernungen zu erkennen.
Geflochtene Schnur lässt bekanntermaßen den Anhieb viel besser durchkommen als Mono und hat den weiteren Effekt, dass sie i.d.R. schwimmt. Doch man muss permanent auf den Schnurbogen achten, der auf große Entfernung ebenfalls riesig werden kann & so einem gelungenen Anschlag entgegen wirkt. Ansonsten ist wichtig, dass beim Transport die von der Rolle ablaufende Schnur nirgendwo hakt.
Das Ausbringen ist zu zweit einfacher, aber mit etwas Umsicht, großen Ringen, sauber bespulter Rolle, klappt es auch prima allein.

Natürlich erkennt man vorsichtige Bisse auf weite Distanzen und entsprechend starken Posen schwieriger. Deswegen ist es ratsam, Köder so an den Haken zu bringen, dass sie schwer zu stehlen sind.

Beim Anhieb unbedingt erst Fühlung aufnehmen, sonst kommt auch trotz Geflochtener der Anschlag auf so große Entfernung nicht an.





Was für ein Boot macht Sinn?
Ferngesteuerte Baitboats gibt es viele am Markt, die Preisspanne liegt von knapp über 100 bis deutlich über 2000€.
Die Karpfenanglerszene diskutiert permanent, welches Boot für welchen Zweck empfehlenswert ist. Von diesen Erfahrungen sollte jeder Interessent profitieren, indem er sich in den gängigen Foren erkundigt, bevor er sich für ein Modell entscheidet, denn während die Ausstattung oft ähnlich erscheint, bestehen insbesondere bei Zuverlässigkeit & Service deutliche Unterschiede.
Händler, die zu ihrem Produkt stehen, führen dies gern persönlich & ausführlich am Wasser vor. Schließlich ersteht man kein Päckchen Haken, sondern investiert in ein Luxusprodukt.

Neben den genannten Kriterien gibt es weitere:

- Reichweite des Bootes, bzw. der Fernsteuerung
Üblich sind Reichweiten von mind. 300m, manche schaffen es auf über 1km, über die Sichtweite hinaus. Natürlich bringt niemand seinen Köder so weit raus. Eine hohe Reichweite bietet jedoch die Sicherheit, dass bei schlechten Bedingungen das Signal zum Boot nicht abreißt. Alternativ ziehen manche Modelle bei verlorenem Funksignal automatisch größer werdende Kreise, um erneut Kontakt zu bekommen. Dies hilft bei Hindernissen im Wasser jedoch nicht weiter. Darum: Hohe Reichweite = Sicherheit.

- Ladevolumen
Für den Raubfischangler ist dies eher Nebensache, solange es auf Hecht, Forelle oder Aal geht. Welsangler können Steine samt Bojenmontagen und sperrige Knochen ebenfalls mit Köderbooten an den Bestimmungsort bringen, da ist schon eine ordentliche Tragkraft nötig.
Etwas Stippfutter mit dem Köderfisch abzusetzen kann bei wenig Drift hilfreich sein, um Futterfische und somit Räuber anzulocken.

- Ladetechnik und Releasekupplung
Die Finger sollte man von Modellen lassen, die Köder & Futter wie ein Baufahrzeug abkippen, die Gefahr von Verwicklungen ist zu groß.
Ideal ist es, wenn mit nach unten zu öffnenden Klappen und Schlepphaken gearbeitet wird. Der KöFi wird von unten in die Klappe eingeführt und das Vorfach mit Wirbel oder Schlaufe in die Releasekupplung eingehängt. Verwicklungen sind so ausgeschlossen.
Eine vorhandene Releasekupplung ist die Lösung, wenn man – dort wo es erlaubt ist – mit lebenden Köderfischen angelt. Wichtig ist in diesem Fall eine sehr langsame Fahrt, damit sich die Haken nicht in der Hauptschnur verfangen.
Für das Ausbringen von Welsknochen, -bojen ist eine Releasekupplung ebenfalls mehr als hilfreich.

- Akkuart & -laufzeit
Die Einsatzdauer eines Akkus, für uns gemessen in Wegstrecke, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Temperatur, zu fahrendes Gewicht, Wind, Strömung, vor allem von der Fahrgeschwindigkeit. Etwas weniger Tempo verlängert die Leistungsdauer enorm.
Und natürlich ist die Bauart mit entscheidend:
· Lithiumakkus sind klein und leicht bei hoher Kapazität, sie haben zwar keinen Memoryeffekt, aber starke Leistungsverluste ab Temperaturen <20° und nehmen bei Überladung und Tiefentladung schnell Schaden. Eher nicht geeignet.
· Speicher aus Nickel/Cadmium (NiCd) sind schnellladefähig, jedoch durch den Memoryeffekt für unseren Zweck ungeeignet.
· Nickel/Metallhydridakkus (NiMH) sind ebenfalls schnellladefähig, der Memoryeffekt ist viel geringer als bei NiCd. Eine brauchbare, aber nicht die beste Wahl.
· Blei/Gel-Akkus sind die gängige Lösung. Sie benötigen zwar eine etwas längere Ladezeit, als die anderen, haben anders als die zuvor genannten jedoch null Memoryeffekt, sind ladbar, wenn sie noch nicht entleert sind, können voll gelagert werden und sind somit jederzeit einsatzbereit.
· Eisen-Phosphat-Akkus sind relativ neu am Markt, erfüllen den Standart der Blei-Gel-Batterien, sind leichter und gleichzeitig leistungsfähiger, aber auch etwas teurer.

- Beleuchtung
Diese ist nicht dazu gedacht, den Fahrtweg auszuleuchten, sondern auf größere Entfernung und besonders bei Dunkelheit, die Position und Fahrtrichtung des Bootes erkennen zu können. Deswegen benötigt man unterschiedliche Beleuchtungsfarben an Bug und Heck des Bootes.

- Echolot oder nicht?
Ist das Köderboot ohnehin schon eine Investition, erhöht die Ausstattung mit einem Echo den Preis nicht unerheblich. Die Vorteile, die ein Echolot auch dem Raubfischangler bietet (Finden von Kanten, Löchern, Plateaus, etc.), sind vielleicht nicht ganz so fangentscheidend wie beim Karpfenangeln, jedoch werden sich die meisten nach einer Zeit der Nutzung doch ein Echolot wünschen, wenn sie ein Boot ohne Echo verwenden.
Natürlich kann man Baitboote auch nachträglich mit Echoloten ausrüsten, entweder durch den Hersteller selbst oder durch andere Zusatzgeräte.

- GPS/Autopilot
Mit diesem System können zuvor abgespeicherte Hot Spots angefahren werden, per Zusatzfunktion Autopilot sogar vollautomatisch. Eher für Karpfenangler gedacht, die per Baitboot regelmässig füttern. Der Raubfischangler kann darauf verzichten, es sei denn er wünscht sich Luxus pur um auch jeden Barschberg problemlos und schnell wieder zu finden.

Weitere Ausstattungsfragen wie:
Rumpftyp (Mono, Tri- od. Katamaran), Rumpfmaterial (div. Kunststoffe), Antriebstechnik (Schraube oder Jet), Sendefrequenz, Größe & Gewicht, max. Geschwindigkeit, etc., haben ihre jeweiligen Anhänger und sind - meiner Meinung nach - für den Raubfischangler nicht primär wichtig.
Ich empfehle jedoch nochmals, sich gründlich vor einem Kauf zu informieren. Ein Gebraucht-Köderboot ist in der Anschaffung natürlich günstiger, Sie sollten sich zuvor aber fragen, „warum verkauft er es?“. Viele, die einen Fehlgriff beim Erstkauf machten, stoßen die Problemkähne über den Gebrauchtmarkt ab um sich ein zuverlässigeres Produkt zu suchen.



Ich entschied mich vor einigen Jahren für ein (leicht modifiziertes) Fischfeeder Professionell II und bin sehr damit zufrieden (Infos zu diesem Typ, bzw. zu den Nachfolgemodellen: www.Futterboot.de ).

Nach und nach fallen mir immer mehr Stellen an bekannten Gewässern ein, die per Wurf aufgrund der Weite oder zu vieler Hindernisse im und am Wasser nicht zu knacken waren. Mein Bötchen wird mir helfen, einige alte Rechnungen zu begleichen.



kati48268


Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten! - Ein Projekt von anglerboard.de.
Alle Grafiken und Warenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Recht der jeweiligen Eigentümer.
Das Kopieren von Bildern und Texten von Anglerpraxis.de ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet!

© 2003-2013 Anglerpraxis.de
Weitere Projekte: Angeln in Norwegen , Angeltreff.org
Technical support by MLIT