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Ausgabe Januar 2018

Usertest: Favorite Impulse IMP-832L-T

Usertest: Favorite Impulse IMP-832L-T

Vorwort:
Nach 2 Jahren Pause wird es mal wieder Zeit dem Forum einen Input zu geben. Durch einen ‚Mitleidskauf‘ vom Forenmitglied ‚UrbanStepper‘ bin ich an eine Favorite Impulse IMP-832L-T gekommen.
Ein kleines einleitendes Wort zum Hersteller Favorite soll es im ersten Favorite-Review hier auch noch geben. Favorite ist ein Tackle-Ausrüster der sich auf das Spinnfischen konzentriert. BC-Material gibt es dort kaum. Die Ruten werden in der Ukraine entwickelt. Die Endproduktion findet in China statt. Das Lineup reicht dabei von Low-Budget-Ruten bis hin zur Luxusklasse die sich hinter teuren Japan-Stecken nicht verstecken müssen. Die getestete Impulse gehört dabei zur ‚ProSeries‘. Diese Serie umfasst 5 Modelle (Skyline, Impulse, Solo, Shard und Synapse BFS). Dazu wurden die ProSeries unter der federführenden Egide ukrainische Wettkampfangler auf die speziellen Turnierbedingungen in der Ukraine hin designed. Die Signaturgeber scheinen einen sehr weitreichenden Einfluss auf das Rutendesign gehabt zu haben was sich gerade an der Impulse mit am deutlichsten nach außen hin ausdrückt, aber mehr dazu später.

Was sind ukrainische Gewässertypen? Riesige weitläufige Seen- und Flusssysteme meist langsam fließend und nicht sehr tief. Kurzum eine Großausgabe meines Bundeslandes Brandenburg &alt5533;&alt5533; Es ist sogar der gleiche Zielfisch vorhanden wie bei uns, namentlich Barsch, Zander, Hecht, Rapfen und Döbel und natürlich auch mal ein Wels.

Zur Konzeption der Impulse:
Die Impulse gibt es in 3 Varianten. Alles Tubular-Modelle (Hohle Spitze) alle mit Fast-Taper.
IMP-762UL-T (2,29m; 0,6-7g; 90g; Fast)
IMP-792L-T (2,36m; 2-10g; 98g; Fast)
IMP-832L-T (2,51m; 3-12g; 108g; Fast)

Die Impulse ist konzipiert als Finesse-Distanz-Jig-Rute ohne speziellen Zielfisch. Sie wird beworben um damit unter Wettkampfbedingungen möglichst viel Fisch zu fangen. Wettkampf heißt konkret es geht um die GesamtMasse gefangener Fische nicht um den größten und dicksten. Das bedeutet, dass die Rute im Einsatz darauf ausgelegt ist erstens schwer erreichbare Fische zu erreichen und zweitens diese sicher und schnell zu landen. Um dies umzusetzen hat man sich für einen sehr weichen Blank entschieden bei dem auch ich mich am Anfang gefragt habe, ist das euer Ernst?! Mir waren ja weiche Finesse- und UL-Ruten in Form der Abu Eradicator Mebaru oder KR-X Ajing in tubularer Bauweise durchaus vertraut. Aber was ich hier mit der 832L in den Händen hielt kannte ich in der Form so noch nicht. Für mich wäre das eine reine Hardbaitrute gewesen.

Mittlerweile wurde die Impulse neu aufgelegt. Die Wurfgewichte und Längen sind identisch, jedoch sanken die Rutengewichte, die getestete 832L-T wiegt dann nur noch 98g. Auch wurde der Kork-ForeGrip gegen eine Carbon-Umhüllung ersetzt.
http://favorite-fishing.com/rods/impulse/

Zur Vervollständigung noch die technischen Features:
- Fuji AT-Beringung mit Torzit-Einlage und Titanrahmen
- Fuji TVS-Rollenhalter
- Kork/Kork-Splitgrip
- 46T Toray Carbon
- 4-Achsen Krezuwicklung über 3/5 des Blanks

Genug des Vorgeplänkel und hin zum Wesentlichen
Optik/Aufmachung/Style:
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Die Rute kommt mit einer Klarlackierung daher. Die Kreuzwicklung sieht richtig edel aus. Umgarnt wird das ganze von blauen Zierwicklungen und blauem Epoxyllack an den Spitzenringen. Im Handteil setzt sich die einheitliche Linie von Blau und Kreuzwicklung fort und findet in einer sehr elegant gestalteten Abschlusskappe ihr Ende. Die Gesamterscheinung wirkt sehr wertig. Ein freiligendes Schraubgewinde sucht man vergebens.

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Der Signaturgeber
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Der Blank:
Wie schon angesprochen ist dieser sehr sehr weich gehalten trotzdem stellt sie recht schnell zurück und schwingt nicht übermäßig nach. Bei großräumigen Schwingungen wie sie beim Wurf auftreten kommt es natürlich schon zu einem gewissen Nachschwingen dass mir aber nicht negativ auffiel. Der Fast-Taper ist schön zu erkennen. In dem 1. YT-Video erkennt man wie weich diese Rute ist. Wer aber nun meint, das ist ein träger unempfindlicher Schwabbelstock der irrt ganz gewaltig! Die Rute ist so weich, dass sie aufgrund ihrer Länge in der Spitze schon fast ein wenig durchhängt. Aber genau darin liegt der Reiz der Rute. Dennoch verfügt sie über einen deutlichen Backbone, der der ganzen Geschichte ein Hauch von Dominanz verleiht. Aber nur soviel Dominanz wie es gerade so nötig ist. Kräftig ist er trotzdem. Es gelang mir in der Anfangsphase damit zwei 70+ Rapfen sicher in den Kescher zu dirigieren.
https://www.youtube.com/watch?v=lwUL-r3Avyg

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Egonomie:

Ein Punkt der mir persönlich immer sehr wichtig ist. Ich war sehr skeptisch ob ich mit dem TVS-Halter klarkommen werde. Das Design der Rute hat mir dabei geholfen mich mit dem RH zu arrangieren. Der Foregrip vergüngt sich nach vorne hin. Ich habe nahezu alle Freiheiten die Rute so zu greifen wie ich es gerade will. Ein direkter Blankkontakt ist jederzeit gegeben.

Kopflastigkeit ist bei 108g bei 2,51m kein Thema mehr. Sie neigt zwar schon ein wenig nach vorne zu ziehen, aber wir sprechen hier von einem Combogewicht von 318g mit 2500er Rolle! Das geht alles ganz wunderbar easy aus dem Handgeklenk heraus. Der Kontergriff könnte aber ruhig etwas größer gestaltet sein. EDIT - Keine Anti-Schlupf-Beschichtung vorhanden. Der Griff ist also sehr sicher auch bei Näße und liegt sehr gut in der Hand.

Werfen:
Das ist einer der Punkte bei dem sich so mancher wird ein wenig umstellen müssen. Es spielt keinerlei Rolle ob man 100% Energie in den Wurf legt oder nur 75%. Ab einem gewissen Punkt puffert die Rute so stark, dass ein Mehr an Wurfenergie beim Köder effektiv nicht ankommt. Das bedeutet im konkreten Einsatz, dass man bereits mit sehr wenig Wurfenrgie gehörige Weiten erzielen kann. Durch das niedrige Line-Rating von PE 0.2-0.8 ist ohnehin eine gute Wurfperformance zu erwarten gewesen durch die dünnen Schnüre. Ein deutliches Peitschgeräusch ist stets zu vernehmen. Aus dem Bauch heraus sind 50m eine real zu werfende Weite beim Einsatz von Jigs.

Einsatzspektrum:
https://www.youtube.com/watch?v=54uJVW4Cnlg
Hardbaits:
Anfangs mit einer Revo MGX20 unterwegs ging ess damit auf Rapfenjagd in der potsdamer City. Es kamen kleine Jointed-Wobbler zw. 6g und 9g zum Einsatz. Tiefläufer wurden nicht gefischt. MGX20+Impulse+JointedWobbler=Gelenkprobleme. Die Rute ist zwar weich leitet Schwingungen aber par excellence ins Handteil weiter. Das führte zu einer Überlastung meiner Gelenke. Also schraubte ich eine MagPro Extreme 500 ran um weiter Wobbler angeln zu können. Das ging dann deutlich angenehmer. Auch in der Köderführung war nun der Einsatz vom X-Rap 6/8 möglich, der vorher garnicht so richtig laufen wollte. Mit dem langen Blank kann man damit wunderbar im Sommer über die Seerosenfelder hinweg seine Minnows ganz langsam twitchen. Schön beim Wobblern ist die Weichheit, der die Barsche solange am Köder knabbern lässt bis es zu spät für sie ist. Sie merken den Widerstand durch die Rute einfach nicht (wenn man denn laufen lässt).

Softbaits:
Mit dem sich nähernden Herbst war dann die Zeit gekommen die Rute am Jig auf den Zahn zu fühlen. Dazu gabs denn auch gleich noch eine neue passende Rolle in Form der Abu Garcia Revo Deez Spin. Also wieder High-Speed mit 88cm Schnureinzug. Schlanke Gufi’s, Würmer, Creatures und Pintails bis 4“ kamen am Jig- und StandupJig zum Einsatz. Die Rute performt mit Softbaits in einer Art und Weise und Suveränität, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Kleinste Anfasser werden mit einem kräftigem Anhieb quittiert, der den Haken sicher setzt. Die Länge von 2,51m hilft dabei ungemein. Und dann kommt die eigentliche konzeptionelle Stärke der Rute zum Tragen, der Drill.

Drill:
Fast unmöglich einen Fisch im Drill damit zu verlieren. Die Spitze puffert jeden Bedienfehler und jede Attacke des Fisches sauber weg und hält jederzeit die Spannung. Kombiniert mit der Revo Deez die nur eine 2kg-Bremse hat kann man auf diese Weise sehr entspannt auch größere Fische quasi aus dem Handgelenk heraus drillen. Eine Bremsleistung von <1kg reicht bereits aus um einen maßigen Zander sicher zu haken und landen. Es ist daher überhaupt nicht nötig 6-7kg-Schnüre damit zu fischen. Es langt eine 2-3kg-Schnur sofern denn der Knoten hält und nicht durchflutscht. Barsche ab 20cm machen bereits richtig alarm an der Rute. Maßige Zander zeichen sich durch weiträumige Fluchten aus die über die Länge der Rute perfekt ausgepuffert werden, und der Rapfen donnert einfach nur wie ein Ochse rein und legt sein ganzes Gewicht in die Waagschale. Hier dauert der Drill doch etwas länger (~2-3Min). Ein Kescher wird ab Fischen von 30cm jedoch Pflicht – der Rute UND dem Fisch zuliebe.

Empfindlichkeit:
Die Bisserkennung ist allererste Sahne. Kleinste Knabbereien am Köder auf große Distanz kann man deutlich von ungewollten Kontakten mit anderen Fischen oder Hindernissen unterscheiden. Dem Einsatz von Jigs steht vom Punkt der Empfindlichkeit her nichts im Wege. Ein richtiges ‚crispy‘-feeling wollte sich jedoch nicht einstellen – das ist die Domäne der Skyline. Das Niveau der Empfindlichkeit erinnert an eine Eradicator oder Rocksweeper.

Ködergewichte und Größen:
Für Wobbler fand ich den X-Rap 8 mit 7g ideal. Der Wohlfühlbereich liegt bei 5g bis 10g. Auf zu große Schaufeln sollte verzichtet werden wie auch auf zu großen Strömungsdruck was vor allem für Jointed‘s gilt. Einen 13g schweren BX-Minnow zu führen war immernoch möglich.

Für Softbaits verhält sich das ganz ähnlich. Ein 7g-Kopf+3,5“ TellerschwanzWurm (9-10g) stecken den oberen Bereich ab. Nach unten hin hab ich bei 3,5g+3“Gufi Schluss gemacht. Der Einsatzbereich ist also nicht sonderlich groß, wie auch die Toleranz gegenüber größerem Strömungsdruck. Jetzt im Herbst kann ich die Impulse nur noch an wenigen Orten einsetzen. Das schränkt die Einsetzbarkeit in der kalten Jahreszeit doch ein wenig ein.

Warum hat diese Rute AT-Beringung?
Das AT-Beringungskonzept (was sich nur maximal auf die ersten 3 Ringe bezieht) sieht vor, dass sich der Ringrahmen entsprechend der Biegung des Blanks mitverbiegt und so stets den gleichen Winkel zum Blank hält. Im Drill besonders schwerer Fische ist das nicht ganz unwichtig, da mit dem falschen Gleitwinkel die Schnur schwerer durch die Ringeinlagen gleitet. Dazu ist die AT-Beringung die leichetste, die es bei Fuji für Spinnruten gibt. Im oberen Bereich kommen dann gewöhnliche KB bzw. KT-Ringe zum Einsatz wie wir sie von den Micro’s her kennen.

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Torzit-Einlagen schaffen größeren Innendurchmesser - wichtig für Verbindungsknoten und in der Baumblütenzeit
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Rollenempfehlung:
Wie schon angedeutet, wenn’s sich mehr in Richtung Hardbaits entwickelt, dann eher niedrig übersetzt. Überwiegt der Jig-Anteil, rate ich dringend zu einer hochübersetzten Rolle. Die gezeigte Revo Deez erfüllt diese Aufgabe mit absolutem Bravour und würde diese jederzeit wieder einer Luvias 2506H vorziehen. Eine so gut harmonierende Combo habe ich sonst nicht in meinem Sortiment.

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Fazit und Ausblick:
Und damit nähern wir uns schon dem Ende des Reviews.
Die Impulse ist eine konzeptionell einzigartige Finesse-Rute. Ein ungewöhnlich langes weiches Modell mit breitem Köderspektrum bei gleichzeitig geringer Toleranz gegenüber steigendem Strömungsdruck.

Technisch erstklassig ausgestattet leistet sie sich im praktischen Einsatz keinerlei Blöße auf der Jagd nach Barschen, Zandern und was sonst noch so alles in der Havel rumschwimmt. Eine hohe Ergonomie zeichnet die Rute, neben dem bereits erwähnten genialen Design, genauso aus wie eine erstklassige Verarbeitung. Das Köderspektrum mit Wobblern und Jigs (Gufi, Würmer, Creatures) ist bei 5 bis 10g wunderbar aufgehoben. Die Empfindlichkeit könnte kaum besser sein für so ein weiches Modell. Im Drill zeigt sie ihre ganze Stärke.

Würde ich sie nochmal kaufen? Wenn ich sehe dass das neue Modell nochmal 10g leichter ist juckt’s mir schon wieder in den Fingern &alt5533;&alt5533;
Für Fragen zum Review und zum Talk allgemein stehe ich jederzeit zur Verfügung. Ein Review zur Favorite Skyline SKY-862M ist in Arbeit.

 

geomujo

 



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