Abenteuer Costa Rica - Sails ohne Ende
Reisebericht COSTA RICA
Nachdem die Entscheidung für meine diesjährige BIG GAME
Reise auf Costa Rica gefallen war, führte mich mein Weg in die Region Drake
Bay. Zum einen weil die Mittel-/Süd Region zu dieser Jahreszeit eine gute
Saison haben soll, zum anderen reizte mich die relative Naturbelassenheit. Das
„DRAKE" kommt von Sir Francis Drake, dem bekannten Freibeuter, der hier eines
seiner Verstecke gehabt hat. Die Region ist nach wie vor etwas schwer
zugänglich. Die Anreise erfolgte von Frankfurt mit CONDOR via Havanna (nur
Zwischenlandung) bis San Jose. Dort wurde ich vom Flughafen abgeholt und zu
meinem Hotel für eine Zwischenübernachtung gebracht. Dort erwartete mich ein
äußerst herzlicher Empfang. Mein „Kontaktmann" aus den USA, mit dem ich die
Details des Trips am Telefon ausgehandelt hatte, war in der vorangegangenen
Woche mit seiner Frau dort zum Fische und wollte den nächsten Tag von San Jose
wieder in die Staaten zurück. Zufällig waren auch die Frau des Inhabers der
Boote und sein Sohn mit dort. Wir hatten einen netten Abend und nach einigen
Flasche Imperial lag ich dann von dem Flug gut müde im Hotelbett.
Am nächsten Morgen holte mich Alfonso, der Fahrer, wieder vom Hotel ab und brachte mich zum „Inland-Flughafen", das Nachbargebäude des International-Flughafens. Start- und Landebahn ist dieselbe. Von hier ging es dann mit einer kleinen einmotorigen Maschine an die Pazifikküste. Der Flug über die Bergketten ist etwas ruppig, sobald man diese aber hinter sich hat, sehr entspannt. Ja weiter man sich von San Jose entfernt, umso grüner und „urwaldiger" wird die Region. Der Küstenstreifen am Pazifik ist dann von dichten Mangrovenwäldern bewachsen, die von einen weit verzweigten Netz von Flüssen durchzogen sind.
Der Pazifik selbst ist war glatt wie eine Tischplatte aus Glas. Aus dieser Höhe lies sich sehr gut ein Wal beobachten, der gerade zum Luft holen an die Oberfläche gekommen war.
Die Landebahn des Zielflughafens war immerhin asphaltiert und liegt wirklich „sehr grün". Hier wurde ich vom Inhaber der Boote, Rande Schuck, abgeholt und zum Hotel am Endziel gebracht.
Der Ausgangspunkt der Boote ist nicht direkt am Pazifik sondern liegt am RIO SIERPE, den man morgens dann in ca. 30 Minuten runterfährt, um aufs offene Wasser zu gelangen. Das bedeutet natürlich zusätzlicher Zeitaufwand auf dem Weg zum Fisch. Allerdings fand ich diese Fahrt jedes Mal wieder sehr beeindruckend.
Der Fluss ist Anfangs mit ca. 30 Metern Breite recht schmal, wird dann aber auf dem letzten Abschnitt mehrere hundert Meter breit und auf beiden Seiten von sehr dichter Vegetation eingerahmt.
Ein Ornithologe hätte an dem Artenreichtum hier ganz sicher seine Freude. Millionen Schmetterlinge fliegen über dem Wasser und das eine oder andere Krokodil lässt sich auch aufscheuchen.
Den nächsten Tag habe ich zunächst mit einem Tag „River-fishing" zugebracht, bevor es dann am darauf folgenden Tag zur ersten der geplanten 4 Ausfahrten ging.
Gefischt wird auf knapp 30 Fuß großen Apex Center-Konsolern, die für 2 Angler wirklich ausreichend Platz bieten würden. Ich hatte das Boot allein gebucht und so waren wir mit Captain und Mate zu dritt an Bord.
Und los ging´s!
Auf dem Weg aufs offene Meer sind wir durch mehrere Schulen Delfine gefahren, es waren hunderte Tiere, die ganz ruhig unsere Spur kreuzten. Auch Meeresschildkröten gab es häufig zu sehen. Nach ca. 30 Minuten Fahrtzeit auf dem offenen Meer sprang dann in ca. 50 Metern Entfernung der erste Sailfisch aus dem Wasser. Sofort wurde Gas weggenommen und eine der vorbereiteten Ballyhoos zu Wasser gelassen. Zwei kurze Runden haben wir gedreht, aber der Fisch war wohl weiter gezogen. Auch wir nahmen unsere Fahrt wieder auf, bis wir dann zu der Unterwasserkante kamen, die für die nächsten Tage unser Ziel sein sollte. Der Grund fällt hier recht Steil ab (wie ich hinterher auf einer topographischen Wasserkarte nachvollziehen konnte). Getrollt wurde jeweils mit zwei Ruten auf Marlin (eine Kunstköder und eine mit Naturköder) sowie an den beiden Outriggern mit 30lbs Geschirr und den Ballyhoos. Hin und wieder auch noch einer 5. Rute auf dem Bootsdach in der Mitte ganz weit draußen, ebenfalls mit Bally.
Und nun wurde es ja langsam spannend. Wann würde der erste Strike kommen? Das Meer war glatt wie ein Spiegel und wir hielten nach den üblichen Anzeichen für Fisch Ausschau. Das erste ersehnte Geräusch der Rollenbremse lies auch tatsächlich nicht lange auf sich warten. Rute in die Hand, einen Augenblick warten und dann Bremse rein und Anschlag setzen! Und ab ging die Post! Die Frage, welcher Fisch denn wohl den Köder genommen hatte, war schnell beantwortet. Keine zwei Sekunden nach dem Anschlag schwebte der Sail drei oder viermal in seiner ganzen Größe einen Meter über dem Wasser. Ein herrlicher Anblick und ein herrliches Gefühl. Dieser erste Fisch war mit 70-80 Pfund kein Riese, machte am 30 lbs. Geschirr aber einen Riesenspaß.
Nach dem Foto wurde der Fisch wieder releast und wir nahmen unsere Fahrt erneut auf. Und wieder war gar nicht so viel Zeit verstrichen, als der nächste Strike erfolgte. Und auch hier war sofort nach dem Anschlag klar, dass ein Sailfisch hing. Überhaupt habe ich die Fische hier als sehr agil empfunden, es gab keinen Drill, in dem ein Sail nicht mindestens 4-mal gesprungen wäre.
Auch dieser Fisch wurde vorsichtig vom Circlehook befreit. . .
. . . fotografiert und wieder releast. Der nächste Biss erfolgt nach ca. 30 Minuten, diesmal aber ohne Sprung nach dem Anschlag. Gut zu sehen war die Dorade aber im glasklaren Wasser trotzdem. Leider konnte sie sich nach kurzen Drill wieder verabschieden. Schade, die hätte ich gern gehabt. Aber gut, zwei Sails am ersten Tag bis jetzt war ja schon was. Und der nächste Biss lies diesmal auch nicht lange auf sich warten. Und diesmal hing sie fest, die Dorade.
Ein schöner Drill mit diesem kräftigen Burschen folgte, bis der Mate dann beim dritten Versuch das Gaff setzen konnte.
Nun hatte ich Hunger und das Lunch wurde serviert. Ich hatte allerdings kaum den ersten Bissen im Mund, als der nächste Fisch Biss. Erneut ein Sail. Ein besonders verrückter sogar. Unzählige Sprünge folgten, die letzten unmittelbar am Boot! Es sah aus, als wollte der Fisch sich auf mein Lunch stürzen! Allerdings sind diese Bilder nichts geworden, der Captain übte halt noch mit der Digicam! Dieser Fisch hatte so ca. 100 Pfund.
Zum Abschluss gab es dann noch einen Bonito, den wir aus einem Schwarm raubender Vögel entführen konnten, damit ging dieser erste Tag dann zu Ende. 3 Sailfische, ein Mahi-Mahi und ein Bonito. Ich war glücklich.
Der zweite Tag startete sehr zäh! Etwas verwöhnt vom ersten Tag war es ganz ungewohnt, so ca. 2 ½ Stunden über den erneut spiegelglatten Ozean zu trollen, ohne einen Strike zu bekommen. Dann, wie immer urplötzlich, ein Biss auf die Marlin-Naturköder-Rute. Der Fisch nahm aber nur so ca. 5 Meter Schnur und ward nicht mehr gesehen. Marlin???
Und dann eine Viertelstunde später hörten wir erneut eine Bremse. Rute in die Hand, der Fisch nimmt Schnur! Anschlag . . . und er hängt. Sailfisch! Doch was ist das? Nach wenigen Sekunden gibt auch die zweite Rute am Outrigger deutliche Signale: Strrrrrrrrrrike! Der Mate nimmt sich der Sache an und auch dort hängt 10 Sekunden später ein Sail. Doublette! Während ich den ersten Fisch versuche in Richtung Boot zu bringen, lässt der Mate dem zweiten Fisch freien Lauf. Zum Glück kämpfen beide Fische an verschiedenen Seiten des Bootes, so dass keine Gefahr einer Verwicklung besteht. Nach ca. 20 Minuten habe ich diesen ca. 80 Pfünder am Boot und bekomme die zweite Rute gereicht.
Kurzes Foto und auf zum nächsten Kampf. Dieser Fisch hatte nun zwischenzeitlich die Rolle fast leer gemacht, so dass der Drill doch etwas länger dauerte. Hinzu kam, der der Fisch auch deutlich stärker war. Aber auch er musste dann klein bei geben.
Das „ins Boot heben" war aber schon deutlich schwerer.
Klappte dann aber doch noch! Der Captain schätzt ihn auf ca. 110 Pfund.
Nun wurde es wieder lebhafter, ähnlich wie am Vortag. Der nächste Biss war erneut eine Dorade, die ich jedoch nach kurzem drill wieder verlor. War wohl zu knapp gehakt. Es folgten dann ein weiterer Biss, den wir nicht verwerten konnten, bevor dann der dritte Sailfisch des Tages am Haken hing . . .
. . . und wieder zurückgesetzt wurde.
Der vorletzte Biss erfolgte dann erneut von einem Sail. Sehr schön war zu beobachten, wie der Fisch den Köder verfolgte und attackierte, aber auch hier gingen wir leer aus.
Abschließend gab es dann erneut einen Bonito, dann ging es zurück zum Dock. Auch an diesem zweiten Tag also wieder 3 Sailfische!
Der 3. Tag startete mit einer wilden Jagd. Wir hatten kurz nach Beginn unserer „Trolling-Session" einen großen Schwarm Fische ausfindig gemacht, die gemeinsam mit Vögeln Baitfischen nachstellten. Wir fuhren mit Vollgas dem Schwarm hinterher, der sich dann als Delfinschwarm entpuppte.
Wir mutmaßten Thunfische darunter und stellten das Geschirr daraufhin um. Die nächsten 45 Minuten kreuzten wir immer kurz vor der Delfinherde und bekamen aber nur einen Biss. Zumindest kein großer Fisch, den wir nach kurzer Zeit auch wieder verloren. Aufregend, aber erfolglos. Wir drehten dann ab und begannen unsere Ballyhoos durchs Wasser zu ziehen. Zunächst war es ruhig. Dann bekamen wir in ca. 1 ½ Stunden 5-6 Strikes, einmal auch gleichzeitig. Alle Fische konnten nicht gehakt werden! Wir hatten den Eindruck, so richtig fressen wollte keiner. Nun hatten wir noch keinen Fisch und ich stellte mich so langsam innerlich auf meinen ersten Schneidertag des Urlaubs ein, da kam er dann doch noch, der Sailfisch!
Und mit ca. 100 Pfund auch kein schlechter. Erneut viele Sprünge und ein sagenhafter Spaß.
Und dann erneut Strike! Nur ca. 30 Minuten nach dem ersten Fisch
Und dieser war der bisher größte, das war zu merken. Gut 35 Minuten war ich damit beschäftigt, den Fisch ans Boot zu bekommen.
Und dann erst ins Boot! Fürs Foto. Der Fisch war kaum rauszuheben.
Hat dann aber doch noch so gerade geklappt, der Captain schätzt 130 Pfund. Zumindest tragen konnte ich den nicht mehr!
Das waren dann erneut zwei Sails für den 3. Angeltag.
Der vierte und letzte Tag brach an. Auf der Fahrt nach draußen sahen wir Mantas an der Oberfläche das Wasser nach Plankton durchsieben. Und dann kam er, der Regen! Was zunächst wie eine einzelne dunkle Wolke am fernen Himmel schien, entpuppte sich als handfestes Tropengewitter! Ich zog also meine Regenjacke an, um mich vor dem warmen Nass zu schützen, hätt´ ich aber auch bleiben lassen können. Wenn man mit Regensachen tauchen geht, wird man nass! Und so war das. Selten haben ich solche Wassermassen vom Himmel stürzen sehen. Ich konnte meine Hand kaum vor Augensehen, wir fuhren noch immer Fullspeed Richtung Fanggrund. Dafür waren meine beiden Guides auf Zack. „Vollbremsung": Finn on Surface. Also sind die beiden im strömenden Tropengewitter auf die Bordwände geklettert und haben die Outrigger klargemacht. Fortan waren wir also definitiv im Umkreis mehrerer Meilen der absolut höchste Punkt auf dem Ozean. Gab es da nicht irgendwas mit Gewittern zu bedenken??? Zumindest Captain und Mate ignorierten das Gewitter nahezu völlig, und richtig kalt war es ja auch nicht. Nach 1 ½ Stunden gab es einen winzigen Spalt Licht am Himmel, was den Captain sogleich zu der Aussage „Pass away! veranlasste. Erstaunlicherweise hatte er Recht. Nach weiteren 15 Minuten war es trocken und dann kam auch die Sonne wieder heraus. Einen Biss hatten wir während dieser Regenphase nicht gehabt, aber kaum das es trocken war, kam der erste Sailfischstrike.
25 Minuten später konnten wir den ersten Sail des Tages fotografieren
Sich neben dem Boot erholen lassen
und releasen.
Nach einer weiteren Stunde erneut ein Biss. Der Fisch nimmt Schnur.... Warten.....Bremse rein und Anschlag. Was für ein Fisch! Der Sail springt schon sehr weit draußen aber er schien riesig zu sein.
Und er fühlte sich auch genauso an! Am 30lbs Geschirr war das ein echtes Stück Arbeit. Aber diese Art von Arbeit macht Spaß. Das Zeitgefühl hatte ich verloren, nahezu 2 Stunden sagt der Captain hat es gedauert, bis der Fisch am Boot war.
Ganz ins Boot haben wir ihn bei aller Anstrengung nicht bekommen
Aber auch so hat man wohl einen ganz guten Eindruck von der Größe dieses Fisches. Der Captain schätzt 150 - 160 Pfund.
Diesem Fisch gönnen wir dann eine besonders lange Erholungspause, bevor wir Ihn dann entlassen und er auch sofort kraftvoll abtaucht.
Aber auch am letzten Tag sollte noch ein dritter Sailfisch dazukommen, diesmal wieder die „normale" Größe von 90-100 Pfund.
Der kommt auch wieder lockerer ins Boot . . .
. . . und aufs Foto,
Nun war es eigentlich auch schon fast Zeit für die Rückfahrt, die Crew hängte aber noch eine Stunde dran, weil doch eigentlich noch ein Marlin fehlte. Der kam natürlich nicht mehr, so dass mein erster Marlin dann wohl einer anderen Ausfahrt vorbehalten bleibt.
Insgesamt bin ich mit 11 Sailfische wirklich guter Größe, einem Mahi-Mahi, 2 Benitos und vielen weiteren Fischkontakten aber mit dem Ergebnis für 4 Tage sehr zufrieden gewesen. Das war ganz großer Spaß! Die Wetterbedingungen sind optimal; warm und ruhiges Wasser. Und auch Marlin ist da. Ein Tag vor meiner ersten Ausfahrt wurde auf diesem Boot ein 500-Pfüner gefangen. Also ein wirklich tolles Revier.
Der Fluss und der Mündungsbereich bieten ebenfalls hervorragende Möglichkeiten auf Roosterfisch, Snook, Snapper, Grouper etc. Und preislich lag dieses Angebot deutlich unter dem, was die benachbarten Lodges aufrufen. Die Crew war motiviert, professionell und hatte spürbar Spaß bei der Sache. Von mir eine klare Empfehlung.
Mark-Uwe Falkenhain
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