Erlebnisse am Asnen
Erlebnisse am Asnen
Dieses Mal sollte alles anders werden.
Nachdem wir sonst im Hochsommer oder über Sylvester am Asnen waren, was zwar durchaus
auch seine Vorzüge hat,
aber dem Fischfang nicht grade zuträglich war, machten wir uns jetzt Ende Mai auf den Weg ins gelobte Land. Voller Zuversicht verzichteten wir dieses Mal sogar auf die sonst obligatorischen Fischkonserven. Wir würden ja Berge von frischem Fisch fangen. Im Auto wurde dann bereits über den zu erwarteten Muskelkater vom vielen Angeln geklagt. Ja, wir waren unserer Sache ziemlich sicher. Die Frage nach dem Wetter wurde auch kurzerhand mit „Ach Hauptsache nicht zu windig und konstant, alles andere ist egal..." beantwortet und nicht weiter angeschnitten. Wie naiv wir doch waren.
Nach schier endlosen elf Stunden Fahrt war es nicht verwunderlich, dass wir nur kurz am Haus anhielten um unseren „Jungangler" samt Klamotten auszuladen und Kaffe und zusätzliches Angelmaterial einzuladen. Das Wetter war optimal, kein Wind, kein Regen und keine Wolke am Himmel. Und Samstag morgen halb neun schien uns auch eine schöne Zeit für ein Frühstück mit angeln am See.
Der Schreck war groß als eine von unseren zwei Uferangelstellen, Brücke eins, von einer Gruppe Wohnwagen besiedelt war. Egal, wir hatten ja immer noch Brücke zwei in der Hinterhand. Schon von weitem sahen wir dann, dass auch hier ein Camper sein Nachtlager auf geschlagen hatte. Nach sehr kurzem Überlegen, haben wir uns dann auf Zehenspitzen am VW-Bus vorbei geschlichen um endlich ans Wasser zu kommen.
Die Köderfischrute war noch nicht ganz im Wasser als auch schon das erste Rotauge für kurze Zeit sein Element verlassen sollte. Aber weder Hechtrute noch Köderfischeimer waren einsatzbereit. Also erstmal Wasser in den Eimer und dann die Rute fertig gemacht. Aber noch bevor ich meine Rute mit Haken und Köderfisch versehen hatte, hatte Christian bereits einen schönen Barsch von 36 cm gelandet, der sich in seinen Tauwurm verliebt hatte.
Also erstmal freuen und mit ner Tasse Kaffe auf einen Superangelurlaub anstoßen. Alles sah nach einem Erfolg auf der ganzen Linie aus. Nachdem dann der Köfieimer voll war und alle Ruten im Wasser, sollte aber die nächsten Stunden außer Frühstück nichts passieren. Dann sollte endlich meine Segelpose bestückt mit einem Handgroßen Köderfisch in den Fluten verschwinden. Mit einem riesen Grinsen und zitternden Händen beginne ich Schnur einzuholen und habe dann auch Kontakt zum Fisch. Dann der Anhieb. Aber in meiner Freude habe ich wohl vergessen die Bremse einzustellen, so dass der Anhieb durch eigenes Unvermögen ins leere geht.
Verdammt, das war bestimmt kein kleiner. Während ich vor mich hin schimpfe wächst der Fisch immer mehr, so dass ich mir nach einer halben Stunde ausgiebigem Selbstbeleidigen sicher bin, dass ich da grade mindestens nen Meter Hecht durch die Finger gegangen ist. Dem schlechten Omen entsprechend sollten wir auch den ganzen Vormittag keinen Biss mehr bekommen. Als es mittags dann auch anfängt zu Regnen haben wir dann auch die Schnauze erstmal voll, schließlich sollten wir ja noch etliche Stunden mit dem Drill kapitaler Fische verbringen. Also erstmal ne Mütze Schlaf. Am Haus angekommen strahlt Mutter Sonne auch wieder als ob nicht gewesen wäre. Da wir aber beide mittlerweile über 36 Stunden wach waren, sprach auch keiner aus was wir wohl beide gedacht haben: „Umdrehen?".
Am Sonntag zeigte sich das Wetter dann auch von der Seite die keiner wahr haben wollte: Regen und starker Wind. Egal das wird schon wieder, also die Regenjacken eingepackt und ans Wasser. Hier sollte dann auch unser Jungangler seine ersten Köderfische überlisten und trotz stündlich wechselnden Wetterbedingungen schaffte Christian es dann auch unser Abendessen zu sichern und zwei Hechte von 53 und 58 cm zu laden.
Letzterer landete dann abends auch auf unseren Tellern.
Ich sollte noch ein Deja-vu der unschönen Sorte haben. Gleiche Stelle, gleiches Spiel, nur das diesmal die Bremse natürlich eingestellt war. Manche Fehler macht man nur einmal. Aber trotz Bremse und System ging mein Anschlag erneut ins leere. Ich will hier nicht wiedergeben was ich alles gesagt und gedacht habe aber mein Ärger sollte Verwunderung weichen als wir sahen, dass nicht nur der Köderfisch sondern auch die Segelpose deutliche Bissspuren aufwiesen.
Trotz quasi stündlich wechselndem Wetter konnte ich noch 37 cm Barsch und knappe 50 cm Esox für kurze Zeit an die Luft holen. Beide bissen auf einen gelb schwarzen Tandemspinner.
Aufgrund des wechselnden Wetters beschlossen wir den Bootskauf auf das nächste Mal zu verschieben und sicherheitshalber ein Boot auf Tagesbasis zu mieten. Um es vorweg zunehmen wir waren letzen Endes nur einen Tag draußen, von daher clevere Entscheidung. Am nächsten Tag sollten wir also endlich angeln können. Denn auch wenn die Uferangelei am Asnen durchaus Spaß machen kann und auch den ein oder anderen Fisch bringt,
war es aufgrund der begrenzten Stellen (zumindest in unsere Ecke) doch eher nur Ersatzangeln und aufgrund der in beträchtlicher Anzahl vorkommenden nimmersatten Steinen und ähnlichen Lieblingsköderfressern auch nicht grade na ja billig. Nachdem uns der Motor dann schon nach etwa 20 Minuten erstmal in seine Gewerkschaftspause verließ, war uns klar dass auch dieser Tag seine Eigenheiten haben würde. Da aber keiner von uns großes Verlangen spürte zurück zu rudern haben wir die gewonnene Zeit genutzt ne Kleinigkeit an Bier und Stullen zu frühstücken. So gestärkt lief dann der Motor auch wieder und sollte uns die wenigen Stunden schönen Schleppens ohne Wind und Regen dieses Urlaubs bescheren. Nach gefühlten zehn Minuten schönem Wetter und Schleppens (angebliche 3 Stunden...) hatten wir dann auch vier eher unspektakuläre aber schöne Entenschnäbel zwischen 50 und 60 cm ein paar kurze Impressionen vom Landleben zeigen können. Erneut sollte ein geschätzter zwei Meter Hecht die Wende einleiten, aber fangen wir vorne an. Nichts ahnend was der Eselssee für krokodilgroße Schuppenträger heute für uns auf Lager hatte schleppten wir drei also in unserer Plastiknussschale von Boot über einen knapp 5 Meter tiefen Graben in dem letzten Sommer deutsche Angler einen Hecht von 1,17 m gefangen hatten, wie uns unsere Bootsverleiherin versicherte. Während wir alle unserem persönlichen Traumfisch hinterher träumen schlägt es in meine Rute ein als hätten wir Anker geworfen.
„Sch**** Hänger, mein letzter FZ..." (Danke Fishmac btw für den Tipp) denke ich. Aber nachdem letztes Jahr einige meiner Hänger dazu geneigt haben sich mit einem deutlich spürbaren Kopfschütteln just in dem Moment zu verabschieden als wir fast über der Hängerstelle waren, schlage ich sicherheitshalber mal an. „Kontakt!" „Ja, ja träum weiter..." Aber das so vermisste Schnurren meiner Bremse bringt auch die anderen dazu den Stein mit anderen Augen zu sehen. Während meine Kollegen ihre Ruten einholen schaffe ich es dem Untier Meter für Meter Schnur abzutrotzen. Trotz der mittlerweile erwähnenswerten Wellen stehe ich mit einem Grinsen im Boot, dass wenn es breiter geworden wäre wohl unweigerlich dazu geführt hätte, dass meine obere Kopfhälfte abgefallen wäre. Am anderen Ende scheinen aber drei Meter Fisch zu beschließen doch mal zu schauen wer denn da am anderen Ende so zieht. Mindestens 50 Kilo Hecht drehen also kurzerhand um und schwimmen im Mordstempo auf mich zu. Jetzt heißt es kurbeln, kurbeln, kurbeln. Als ich dann sehe wie sich der Fisch an der Oberfläche wälzt wird mir klar, dass ich diese Schlacht nicht gewinnen werde. Noch bevor ich es spüre weiß ich, dass der Hacken und mein persönlicher Weißer Wal von nun an getrennte Wege gehen. Die wenigen Minuten waren aber einfach zu spannend um sich zu ärgern. Also stoßen wir auf einen schönen Fisch an der als verdienter Sieger vom Platz geht, bzw auf dem Platz bleibt.
Unser Jung bzw Neuangler appelliert dann auch an unseren Verstand doch bitte zurück zu fahren schließlich ist „es sau kalt, es regnet in Strömen und es stürmt". Während Christian ihn aufklärt, dass es „fast perfektes Angelwetter" heißt, fällt mir der unsterbliche Shakespeare ein: „Once more unto the breach, dear friends, once more;".
Also keine Gnade, weiter geht die wilde Fahrt. Entgegenkommend beschließen wir eine relativ geschützte Bucht anzufahren und da ein wenig Köderfische zu baden und Posen zu kiecken. Auf dem Weg dahin schaffe ich es dann noch einen schönen 75er Esox zu verhaften (FZ in Kupfer), was an und für sich nicht soo spannend ist,
aber ähnlich wie meine Segelpose weißt auch Freund Entenschnabel deutliche Bissspuren auf. Was bei 75cm und 5,5 Pfund doch zum Nachdenken anregt. Leider war abends nur noch die große Fleischwunde zu sehen, man konnte aber auch an der anderen Seite deutliche Abdrücke sehen.
An der Bucht angekommen konnte dann Christian und Markus noch jeweils einen 50-55er Hecht auf Köderfisch fangen. Markus, unser Jung bzw. Neuangler kommentierte seinen ersten Hecht stielsicher mit „Können wir dann jetzt endlich nach Hause fahren..." Nicht seine Argumente aber das nervende klappern seiner Zähne konnte uns dann zumindest überzeugen Kollege Weichei beim Auto raus zu lassen. Am Anleger angekommen beschließen wir dann aber auch in anbetracht von ins Boot schwappenden Wellen und Stockfinsterem Himmel das Boot fürs erste zu verlassen und uns den Weicheistiefel aus Sympathie mitanzuziehen. Wir sollten das Boot den ganzen Urlaub nicht wieder sehen.
Am nächsten Tag war morgens nicht an Rausfahren zu denken, so dass wir hofften in Stenford (Angelkarten gibt's in der Tourist-info Ursuhlt und wahrscheinlich auch an den anderen Fiskekartstellen) ein wenig Ruhe wenigstens vor dem Wind wenn schon nicht dem Regen zu haben und wirklich wir hatten abgesehen von einigen Schauern (jede Stunde mindestens einer...) echt schönes Wetter in Stenford. Wir haben zwar nichts gefangen, aber die alte Fabrik in Stenford ist einfach ein himmlischer Platz zum Angeln (wo angeblich auch Berge von Fischen seien soll...) so dass ich euch einige Bilder nicht vorenthalten will.
Aufgrund eines Wetters was jeder Beschreibung trotz, stellenweise wechselten strömender Regen und strahlender Sonneschein im Viertelstunden Takt gemischt mit zwar nicht Sturm aber deutlich zu viel Wind um mit dem Boot raus zu fahren, sollten wir zwar noch einige schöne Angelstunden am Ufer des Asnen verbringen, aber wir sollten keine Fische mehr fangen. Das krasseste Beispiel war wohl Freitagvormittag als Markus und Christian auf „Schrottplatztour" waren. Eigentlich sollten sie mich am Wasser absetzen, aber als ich morgens schon mit stürmischem Wind begrüßt werde, beschließe ich auf dem Sofa zu bleiben und was für die Uni zu tun. Nach etwa einer Stunde verdächtig wenig Regen- oder Windgeräuschen beschließe ich dann doch meine alten Knochen unter die Dusche zu treiben und dann mit dem Fahrrad zum See zu fahren.
Guter Plan schließlich war draußen ja schönes Wetter, na ja zumindest bevor ich unter die Dusche gegangen war, ihr ahnt es bereits, als ich fertig mit ausgiebigem Urlaubsduschen war, war draußen strömender Regen, also erstmal wieder Sofa schauen wie sich die Sache entwickelt. Kaum gelegen - Regen ende und Sonne an...klasse hoch vom Sofa und raus in den Schuppen Fahrrad ausgraben, raus aus dem Schuppen - Wind ohne Ende...egal erstmal Sachen packen, fertig gepackt - Regen, also Sofa, zehn Minuten später kein Regen und kein Wind mehr...clever wie ich bin habe ich mir dann noch ne knappe Stunde keinen Regen und nur wenig Wind vom Sofa aus angeschaut, als ich sicher war, dass es keine Falle ist wieder hoch und den ganzen Kerl samt Takle aufs Fahrrad gepackt und ab Richtung Wasser, böse Falle! Ich habe es nicht nachgemessen aber ich bin mir sicher dass ich genau in der Mitte zwischen Wasser und Haus war als Wind und Regen zufällig wieder mit nie da gewesener Kraft einsetzen...ja ich hätte weiter zum Wasser fahren können, ja ich hätte mich wie ein Mann durch Wind und Wetter zu Bergen von Fisch schlagen können, ja ich hätte noch einen unglaublich großen Fisch fangen können, aber glaubt mir ich hatte die Schnauze gestrichen voll!
Ach ja am Abreisetag hatten wir strahlendes Sommerwetter ohne Wind oder Wolke am Himmel...and the rest is silence.
Jan Berger
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