Dänemarkreise der Autoren - der Bericht!
Warum ich so gerne Angler bin
oder
Die Reise der Autoren
Ich gestehe es, ich angle gerne, sehr gerne sogar. Schon seit ich 12 bin, hat mich dieser Sport fasziniert. Es ist nicht nur, dass ich dabei Fische fangen kann, es ist auch immer wieder das einfach schöne Erlebnis, Mutter Natur nahe zu sein und deren Wunder hautnah erleben zu dürfen. Und man lernt dabei auch noch eine Menge netter Leute kennen.
So wie bei der Reise der Anglerpraxis-Autoren. Jedes Jahr werden vom Anglerboard die von den Werbepartnern gestifteten Preise unter den Anglerpraxis-Autoren verlost. Der Hauptpreis für 2006 war eine Reise ins Angelparadies Dänemark. Otto Kamphues vom Lydum Art Center (nahe Hvide Sande) hat für 6 Autoren ein Haus für eine Woche gestiftet. Das Losglück hat eine wahrlich tolle Truppe zusammen gebracht.
Karsten kannte ich bereits von vielen gemeinsamen Angelurlauben, die anderen (Stefan, Jörg und Sönke) lernte ich erst kennen. Leider musste der sechste in unserem „Triumvirat" passen, Achim hätte bestens dazu gepasst, da waren wir uns einstimmig sicher.
Was war nun das wirklich besondere an dieser Tour? Ein Haufen einander unbekannter Menschen waren einander mit ihren individuellen Eigenschaften auf Gedeih und Verderb „ausgeliefert". Das kann theoretisch böse ins Auge gehen.
Eine kurze Charakteristik:
Karsten: eingefleischter Sitzkiepenangler, der besser mit dem Futterkorb umgehen kann, als ich mit dem Blinker. Ein Mensch, der auch andere gelten lässt.
Stefan: ich habe ihm gerne über die Schulter geschaut, anglerisch sehr versiert. Er gibt sein Wissen weiter ohne sich produzieren zu müssen. Ein angenehmer Zeitgenosse, der keinem seine Hilfe verwehrt.
Sönke: schade, dass er sein Bellyboot nicht dabei hatte und auch das Wetter dafür nicht geeignet war, da hätte ich meinen Horizont erweitern können. Ein super trockener Humor.
Jörg: wenn ich so gut angeln könnte wie er fotografieren, würde man nicht mehr „Petri Heil" sagen, sondern „Peter Heil". Zurückhaltend ohne schüchtern zu sein.
Otto: ihn darf ich nicht vergessen, er hat uns an den Fisch geführt, hat uns die besten Methoden in den dänischen Gewässern gezeigt und die langen Gespräche mit ihm werden unvergessen bleiben.
Wir hatten alle in etwa dieselbe Wellenlänge. Jeder hatte seine Schwächen und seine Stärken, die er auch mit einbrachte. So hatten wir weder Stress mit dem Badezimmer, noch mit dem Kochen, noch mit dem Abwasch. Morgens etwas länger schlafen? Klar, aber danach bitte ein feistes Frühstück mit Speck und 25 Rühreiern.
Ach ja, geangelt haben wir natürlich auch. Auch wenn das Wetter nicht so recht mitgespielt hat. Ein Temperatursturz von gut 15° zur Vorwoche hat den Fischen etwas den Appetit verdorben und uns die großen Erfolge verhagelt. Schließlich fiel auch die Tour aufs Gelbe Riff flach; Wolfgang Smolka von der Arctic Janus hatte uns, als er von der Autorenreise hörte, spontan für eine 2 Tagestour eingeladen. Schicksal, das holen wir später einmal nach.
Was gab es an anglerischen Höhepunkten? Karsten begann mit einer Minischolle am ersten Nachmittag, gefolgt von einer Miniregenbogenforelle - beides in Hvide Sande an der Schleuse. Wir versuchten unser Glück auf Heringe, konnten auch einige landen. Es hat für eine leckere Vorspeise zum Abendessen gereicht. Mit den Schnabelaalen (Hornhechte) war es ebenso.
Und an dem Tag, als die Hornies in Massen in Hvide Sande gefangen wurden, waren wir bei den Hechten, aber bei denen ohne Horn, also den entenschnäbeligen. An einer von Ottos bevorzugten Barschstellen hatten wir wilde Fights mit den ungestümen dänischen Wildwasserhechten. Leider waren es alles nur Grashechte - bis auf einen. Der hatte sich unvorsichtigerweise Karsten gezeigt, der augenscheinlich Spaß am Spinnangeln bekam. Karsten hat ihn systematisch beharkt, Köder gewechselt und successive zermürbt, bis ihm der Suizid durch einen Biss auf den Turbotwister der einzige Ausweg schien. Karsten, der Gute, drillte ihn müde - es war klar zu sehen, dass das ein guter Fisch war - und dann riss die Schnur. Armer Karsten. Meine unglückselige Rolle bei dieser Tragödie verschweige ich, denn ich konnte den Fisch leider bei der versuchten Handlandung nicht festhalten und als der Hecht wieder Schnur abzog und diese an meinen Ärmel kam, war es das.
Kaum eine halbe Stunde später beangelte ich dieselbe Stelle, nur von der anderen Seite. Jörg war da geblieben, um ein paar schöne Fotos zu machen. „Nimm den barschfarbenen Effzett", meinte er, „und wirf direkt an der Schilfkante entlang". Gesagt, getan. Und wer auf den barschfarbenen Effzett direkt an der Schilfkante biss, war Karstens Hecht. Jörg hat tolle Fotos gemacht und Karsten seinen Turbotwister wieder.
Nicht verschweigen sollte ich auch unsere Barschevents mit Heringspaternoster im Ringköbing Fjord. Wir sahen es an einer Stelle immer wieder silbern aufblitzen; das konnten ablaichende Heringe sein. Versuch macht klug, heißt es. Tat es auch. Denn was biss waren Barsche. Keine Riesen, aber es machte Riesenspaß. So zogen wir zum Tagesabschluss mehrfach mit einer Kollektivspinnrute und Heringspaternoster an diese Stelle. Jeder hatte einen Wurf, danach durfte er sich wieder hinten anstellen. Das war Gaudi pur.
Forellen und Äschen fingen wir dann auch noch in einer der süßen kleinen dänischen Auen. Zum Spinnangeln war es schon zu krautig, für die Fliege zu windig. Also hieß die Methode: mit Naturköder an der treibenden Pose oder freien Leine. Es ist immer wieder erstaunlich, wie hart selbst die kleinen Salmoniden kämpfen in diesen Auen und wie kräftig ihre Farbzeichnung ist - hier ist die Natur noch in Ordnung. Insgesamt haben wir 9 Fischarten landen können, was wir dann auch richtig gefeiert haben.
Unser Abschlussabend mit Gegrilltem und Lagerfeuer zog sich bis tief in die Nacht hinein, bis die Nachtigall nicht mehr unser banges Ohr durchdrang. Otto machte eine kleine Einlage, eine Feuerperformance mit altem Gartenstuhl und Baumstamm.
Es war eine super schöne Zeit in Lydum mit super tollen Menschen und einer Erweiterung des eigenen Horizonts. Und genau darum liebe ich das Angeln.
Anbei noch einige Fotoimpressionen:
Fotos: Sönke Städlter, Jörg Brosius, Peter Franzen
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