Ausgabe Mai 2012

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    Können Angler Gewässer leer fischen bzw. schaden zufügen?

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    Können Angler Gewässer leer fischen bzw. schaden zufügen?



    Jeder der im Forum vom Anglerboard unterwegs ist, kennt die vielen Diskussionen rund um die Entnahme oder das zurücksetzen von Fischen.  Leider sind da viel zu oft kein Fachwissenm, sondern persönliche Einstellungen oder auch nur individuelle Einschätzungen die Grundlage solcher Diskussionen. Das hat auch Anglerboardmitglied
    mike_w erkannt und daher folgende Frage in folgendem Thread gestellt (Auszüge hier veröffentlicht):

    http://www.anglerboard.de/board/showthread.php?t=130680



    Hallo Zusammen,
    eine Frage beschäftigt mich schon länger und soll hier nicht wieder zu einer C&R Diskussion ausarten.Anzeige_Zebco_50x250mm_2004
    Ich frage micht, ob der Angler in der Lage ist, dem Fischbestand eines Gewässers erheblichen Schaden zuzufügen. Ich sehe ständig, dass deswegen viele unsinnige C&R Streitgespräche geführt werden, die alle unfruchtbar und verletzend sind. Es wäre schön, mal objektiv darüber nachzudenken, wovon der Fischbestand abhängt und ob der Angler überhaupt einen nennenswerten Einfluss hat. Gibt



    Dazu leiten mich folgende Überlegungen:
    Pro:

    - gigantische Fänge an jahrelang unbefischten (und unbesetzten) Gewässern-> einmalig so viele Großfische wie in vielen zusammengerechneten Jahren danach nicht mehr. Nach einem Angeljahr dann eine sehr wenig effektive Angelei.

    - gewaltiger Rückgang der Zanderbestände am Rhein, als der Fisch essbar wurde und die Buhenfelder täglich beangelt wurden.

    - Aussage von Dr. Staas (Rheinfischereigenossenschaft), dass ein starker selektiver Angeldruck am Rhein auf Zander besteht und daher der Zanderbestand leiden könnte.

    - ständiges Wiederfangen von (Groß)Karpfen über viele Jahre. Anscheinend fangen wenige Karpfenangler jedes Jahr den gesamten Großkarpfenbestand eines Gewässer mindestens einmal.

    - Aussage von Olivier Portrat, dass er alleine in seinem Boot über 1000 Großwelse (über 35kg) in 3 Jahren am Po fing. Geschätzter Bestand ca. 3000-5000Großwelse in den letzten 300 Pokilometern .

    - sehr viel bessere Hechtfänge in Releasegewässern (Gewässer in Holland gegenüber Gewässern im Ruhrgebiet).

    - Aussage von Prof. Arlinghaus ("Der unterschätzte Angler"), dass Angler je nach Gewässertyp bis über 50% des Gesamtbestandes bestimmter Fischarten entnehmen.


    Kontra:
    - sehr große Vermehrungsrate bei Fische. -> viel Entnahme= große Reproduktion.

    - Mindestmaße so, dass jeder Fisch mindestens einmal laichen konnte.

    - keine extrem große Effektivität beim Angeln (kein Vergleich zur Netzfischerei).

    - nicht jeder Fisch wird entnommen, immer mehr Releaser.

    - viele Stellen sind unzugänglich und nicht befischbar (keine Bootangelei, Naturschutz- Laichgebiete, Privatgrundstücke ....)


    Pro oder Kontra
    - Gewässer werden gehegt, d.h. in der Regel besetzt (ob dem Gewässer damit mehr geschadet oder genutzt wird, lass ich mal dahingestellt)


    Würde mich freuen, wenn sich besonders Gewässerfachleute melden würden.


    Dazu meine Antwort - sollten  im Verlaufe der Diskussion noch weitere interessante oder erhellende Antorten erfolgen, werden wir das auch hier veröffentlichen:

    Eine immer wieder - wie Du ja leider auch schon bemerkt hast - eher von Anglern als von Fachleuten (Fischwirte, Fischereibiologen) geführte Diskussion.

    Ob man dabei Olivier Portrat zu "Fachleuten" zählen sollte, lass ich mal dahingestellt. Wenn aber jemand u. a. auch davon lebt, große Fänge medienwirksam zu verbreiten, habe ich zumindest mal grundsätzliche Zweifel an veröffentlichten Zahlen (keine Unterstellung, diese können selbstverständlich trotzdem stimmen, haben aber auch in meinen Augen keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft).

    Wobei wohl einiges ins Reich der Spekulation verwiesen werden kann. So z. B. der Zanderrückgang im Rhein, der wohl defintiv weniger mit Angeldruck sondern eher mit der Veränderung des Gewässers (klarer, sauberer, dadurch andere Nahrungstruktur etc.) zu tun haben dürfte, nach allem was man von wissenshaftlicher Seite hört.

    Daher kommt auch der Hecht wieder besser auf. Ob das wie in Deinem Beispiel in Holand am releasen liegt, oder schlicht daran dass der Hecht in den dortigen Poldergewässern (mehr Struktur) besser zurechtkommt, sollte man mal klären.

    Denn dieser Punkt stimmt zumindest mal grundsätzlich und wird Dir jeder Fischereibiologe und Fischwirt bestätigen:
    Zitat:

     

    - sehr große Vermehrungsrate bei Fische. -> viel Entnahme= große Reproduktion.
    Oder anders gesagt:
    Um die volle Produktionskraft eines Gewässers auszunutzen (also möglichst viele Kilo Biomasse pro Hektar Gewässer und Jahr zu produzieren) MUSS entnommen werden.

    Dass Biomasse nicht immer gleich Fisch sein muss, und Fisch nicht immer gleich von Anglern bevorzugte Fischarten ist dabei der andere Punkt.

    Das bedeutet dass Angler in bestimmten Gewässern sicherlich eine anglerisch interessante Fischart über das Maß hinaus dezimierern können (das hängt aber stark von der Gewässergröße ab, je größer desto unbdenklicher. Ebenso von den jeweiligen Laichmöglichkeiten, Nahrungsgrundlage aber auch Gefahren wie Wasserkraftwerke, verbaute Flüße und Aufstiege etc. ab).

    Dem Bestand/Biomasse insgesamt werden sie kaum was anhaben können.

    Viel mehr als durch die Entnahme durch Angler dürften Fischbestände durch falschen Besatz der Verieine/Bewirtschafter leiden. Da man davon ausgehen kann (s.o., gewisse Gewässergröße vorausgesetzt), dass das Potential an Produktivität in der Natur IMMER ausgeschöpft wird, bringt ein Besatz IMMER nicht mehr Produktivität, sondern zuerst mal eine Verschiebung innerhalb des Artenspektrums. Auch das kann dann durchaus dazu führen, dass bestimmte Arten dann eher darunter leiden (oft sogar die, welche gefördert/besetzt werden sollen, durch dann übermäßige Nahrungs- bzw. auch Platzkonkurrenz).

    Dass Angler dagegen in kleineren Gewässern sehr wohl durch übermäßige Entnahme Fischbestände runterbringen können, ist sicherlich unbestritten. Wobei dann auch immer die Relation
    Gewässergröße : Zahl der Angler/Angel/Entnahmedruck
    zu beachten ist.

    Wenn an einem 1 Hektartümpel nur 1 oder 2 Angler regelmäßig angeln/entnehmen, ist das sicherlich was anderes als wenn an einem 5 Hektar Teich 30 oder 40 Angler regelmäßig unterwegs sind und auch entnehmen.

    Oder anders gesagt:
    Man kann zu diesem Thema schlicht keine allgemeingültige Aussage treffen.

    Auch wenn das sowohl die Anhänger der c+r - Fraktion das genauso gerne hätten wie die Anhänger der Entnahmefraktion - und das dann ja auch bei jeder (un)möglichen Gelegenheit z. B. hier im Forum pauschalisieren und anzubringen versuchen.

    Das kann nur für jedes Gewässer und jede Fischart im Einzelfall bestimmt werden und bräuchte dann auch jedesmal entsprechend langjährige Forschung mit gesicherten Zahlen...


    Eine interressante Stellungnahme von FoolishFarmer :


    Eigentlich wollte ich mich hier ja raushalten - aber wenn schon so um ne Stellungnahme gebettelt wird...
    Wir reden hier aber nicht von Teichen, gell? Dass die Situation dort etwas anders ist, dürfte wohl jedem hier klar sein!

    Zitat:
    Zitat von Thomas9904 Beitrag anzeigen Eine immer wieder ... eher von Anglern als von Fachleuten (Fischwirte, Fischereibiologen) geführte Diskussion.
    Warum wohl? Möglicherweise weil die Einflußgröße Angler wesentlich kleiner ist, als die Angler selbst gerne hätten? Eventuell auch deshalb, weil andere Einflußgrößen wesentlich bedeutsamer sind?
    Es gibt halt Dinge über die lohnt es sich zu reden... und andere...


    Ich bin ganz sicher kein Fischbiologe, geschweige denn ein Fischereibiologe, sondern viel mehr ein Gewässerökologe. Gewässerökologisch betrachtet haben die meisten Fische tatsächlich eher eine schädigende Wirkung auf das Ökosystem Gewässer. Insbesondere wenn die Fischbestände dann auch noch völlig unpassend sind...



    Ich krieg da in letzter Zeit immer häufiger Lachanfälle - es ist doch heute einfach mal so:
    Die "Angler" jammern fortwährend, dass die Fischbestände kaputt sind (sei es durch mangelndes C&R, zuviel C&R, mangelnden Besatz, Kormoran, Überfischung, etc. pp.) - und dabei haben sie in den allermeisten Fällen völlig recht!
    Dummerweise nur, sind die Fischbestände i.d.R. durch das Wirken und Handeln der Angler kaputt - welches Gewässer (an dem geangelt wird) hat denn heute noch angepasste Fischbestände?
    Es wird doch überall und stets Fisch in Gewässer geworfen - egal ob das sinnvoll ist oder nicht.
    Wenn man sich konsequent über Jahrzehnte den eigenen Fischbestand verhunzt, braucht man sich hinterher auch nicht zu wundern.
    Und sicherlich - ein solcher nicht angepasster Fischbestand ist auch mit Rute und Haken durchaus zu schädigen. Es ist eben nicht normal das 90% der Biomasse eines Sees aus Großkarpfen bestehen. Dass diese dann regelmäßig gefangen werden ist klar...
    Ebenso wenig ist ein Fischbestand mit nur kapitalen Hechten natürlich - hier kann genauso selektiv der "Bestand kaputt gemacht werden", wenn nur ein Spezialist mal eben die Hälfte der Großhechte in einem Jahr fängt.




    Ich war erst vorgestern noch im Elsaß an einem Baggersee tauchen, der nie mit Fisch besetzt worden ist und an dem eigentlich überhaupt nicht geangelt wird. Ein Paradebeispiel für ein perfekt funktionierendes Ökosystem mit einem naturnahen Fischbestand (mit einer ebenfalls naturnahen Populations- und Alterspyramide). Wie es da aussieht?
    Glasklares, türkisblaues Wasser; 20m Sichtweiten, Bewuchs bis 20m Tiefe, und nur sechs Fischarten:
    Barsch, Hecht, Schleie, Aal, Döbel und (die dort allgegenwärtigen) Sonnenbarsche. Massenhaft Barschbrut, aber auch einige Großbarsche (50cm+), viele Großhechte und kapitale Schleien. Keine Karpfen, keine Brassen, keine Störe, keine Welse, keine Zander...
    Wäre dort ein Angelverein, wäre es sicherlich anders, oder nicht?




    Thema Rhein:
    Nein, und wenn noch so viele Angler sich dort dicht an dicht stellen - den Fischbestand im Rhein bekommen sie selbst heute (nach dem der Rhein eigentlich mehr ein Kanal als ein Fluß ist) nicht klein. Weder den gesamten, noch eine einzelne Art!
    Das sich dort heute der Fischbestand ändert hat vielfältige und weitaus gewichtiger Einflüsse (hab ich hier schon viel zu geschrieben, kann bei Bedarf gerne nochmal ausgeführt werden) als die paar Angelhaken.
    Man könnte auch sagen - "Jungs, so gut seid ihr noch lange nicht!"


    Zum Abschluß vielleicht doch noch eine Zahl dazu (Quelle muss ich suchen, hab ich aber):
    Geschätztes Jungfischaufkommen (nicht Brut) an Zandern im BaWü-Rhein pro Jahr: 10.000.000 Stück.
    Noch Fragen?



    Thomas Finkbeiner

    Kommentare 

     
    0 #1 Blausi 2008-07-11 18:42
    Moin,
    mir hat mal einer gesagt immer viel \\\"maßige gefangene Fische\\\" in die Fangstatistik eintragen damit die Gewässer ordentlich besetzt werden..........
    Zum Nachdenken !
    Das kanns auch nicht sein.
    Gruß
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    0 #2 Gubbi 2008-07-23 01:46
    Nach dem lesen dieser Komentare, möchte ich aus meiner Sicht die Dinge zum leer fischen eines See's durch Angler darstellen.
    Ich sage es ist nicht möglich, weil durch geziehlte "Bestandmaß nahmen " ein See immer mit Fischen besetzt bleibt.
    Aber wie sieht es bei Seen aus die privat oder durch Pachtung an privaten Menschen vergeben werden. In vielen Fällen ist in Seen die Entnahme von "Großen" Fischen nicht erlaubt. In solchen Fällen ist ein See so gut wie zerstörrt.
    Das sogenannte C&R führt doch nur dazu das andere Fische die in diesem See leben in ihren Wachstum durch Nahrungskongrur enten nicht richtig abwachsen.
    Ein See in dem viele große leben führt somi zu einer "Verbutteru ng" der anderen Arten. Begründung hier zu sei gesagt , ein großer Fisch der zur Leichzeit seine Brut durchbekommt sorgt damit für viele Fische seiner Art.
    Ist nun aber eine Art noch nicht in dem Alter der Geschlech's reife ist dieser so gut wie verloren.
    Durch Bestandmaßnahme n (Netze,Strom) wird durch die Kontrolle einen Ausgleich geschaffen.
    Nartührlich sollten solche Maßnahmen vom geschultem Personal durchgeführt werden.
    In einem See ca 2 bis 3 ha groß werden im Durchschnitt 2 bis 6 Angler gezählt.
    Aber leer fischen auch ohne Besatzmaßnahme halte ich für nicht machbar.
    Meine Begründung: Ist ein See der erst von vielen Anglern befischt wird
    nicht mehr so attrackttiv in seinem Bestand, das soll heißen die Fänge bleiben aus, keine besonderen loben's werten Fänge, geriet dieser See also in Vergessenheit.
    Nun liegt es in der Narthur der Fische sich zu paaren, also entsteht wieder neues Leben. Weche Art besser also umfangreicher vorkommt ist nun abhängig von dem Rest der Arten und Geschlechtreife .
    Sind sehr viele kleine Fische die übrig geblieben sind erst noch nicht Geschlecht'sreif dauert es nartührlich lange bis der See sich erhollt hat.
    Sind aber mehere größere Raubfische noch in diesem Gewässer hat ein kleiner Friefischbestan d es schwer große seiner Art wachsen zu lassen.
    Von den sogenannten Friedfischen werden immer eine bestimmte Größe gefrässen werden, je nach der Größe der Raubfische.
    Egal wie viele überleben und rausgefischt werden aus einem See,
    aber leerfischen geht nicht.
    Das beste Beispiel zur Überbefischerun g von Gewässern zeigt uns die Hochseeflotte.
    Ob kleine "Fischkutte r" oder große Fischkutter die schon ganze Ferbriken sind sind nur dazu da den Fisch zu entnehmen.
    Keine Bestandmaßnahme n werden durchgeführt, aber kleinere Maschen der Netze werden genommen und damit auch die kleineren Arten zerstört.
    Ich selber stimme jeder Besatzmaßnahme zu die durch ein geschultes Personal durchgeführt werden.
    Dem C&R sind Ansichtsache eines jeder Angler's, aber verbieten würde ich es auch nicht(trotz meiner Ansicht).

    "Es ist jeder Tag ein Angeltag, aber nicht jeder Tag ist ein Fangtag"
    Somit kan kein See leer geangelt werden.

    Gruß Gubbi
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