Warum sind Rutenblanks zum selberbauen so teuer??
Rutenbau Preise
Im Forum vom Anglerboard lebt eine ziemlich intensive Diskussion rund um die Preise von Blanks für Selberbauer. Da diese teilweise teuer sind als selbst gute Ruten von der Stange:
http://www.anglerboard.de/board/showthread.php?t=130539
Eine interessante Argumentation dazu liefert Anglerboardmitglied AngelDet:

Sprich: Der Importeur, Großhändler und der Endanbieter schlagen alle kräftig drauf, sofern sie meinen das damit absetzen zu können.
Sicher gibt es auch ein paar Herstellungsunterschiede, eine einfacher Einschichtenblank ohne weitere Sonderteile ist einfacher herzustellen, wie eine Eistüte. Einige andere sind aber vielschichtig oder haben ein Innen-, Mittelwand- oder Außenskelett. Das ist bestimmt 2-3 mal teurer. Macht aus einem 8-10 EUR China Blank aber auch höchstens 24-30 EUR, auch VHF oder BP. Den Aufschlag will aber der Hersteller und die anderen oben beschriebenen, ist ja auch ihr gutes Recht.
Wenn die Blanks zu diesen günstigen Preisen direkt in eine Asia.Rutenherstellung gehen, kommt
ganz was
anderes als Preis für die fertige Rute raus, als wenn man die Einzelteile zu
Apothekenpreisen hier in DE bezieht und dann erst zusammenbaut. Aber auch aiuf
Apotheken mag man nicht verzichten, selbst wenn es dort extrem überteuert ist.

Stellt sich die Frage nach dem Nutzen, mal ab von dem Selberbauen, Kreativität usw., also nur die Endfunktion.
Wenn ich eine individuell handgebaute mit einer von der Stange vergleiche, fällt zuerst mal die Griffanpassung auf. Ruten von der Stange passen in der Regel nie, die Statistik spricht dagegen, Menschen sind unterschiedlich.
Hier kann man ansetzen und den Griff/Rollenhalter umbauen, die Richtung wie cbrr das oben schon ansprach. Damit macht man sowas wie die Hälfte zum Individualneuaufbau gut, der Griff kann zumindest funktional mit wenig EURos gleichwertig gemacht werden. Ein Rollenhalter und ein neues Stück Kork, Preise von 20-30 EUR.
Das interessante Hauptteil der Rute ist aber der Blank. Hier geben sich einige Hersteller sehr viel Mühe, und ein reiner Blankverkäufer ganz besonders, sonst kann er die nicht verkaufen. Ein Rutenhersteller kann sich auch irgendwelche Blanks schustern, egal wo her und aufbauen, die wird er als Rute in bestimmten Marktsegementen sicher los. Der Luxusblankmarkt definiert sich viel exklusiver, vor allem gucken die Endkunden dort sehr exakt hin, sozusagen fetischistisch.
Das ist der erste Unterschied: Genauer definierte Aktions+Leistungsprofile.
Das zweite ist das definierte Blankprodukt, vergleichbar, mit längerer Lebensdauer und Verfügbarkeit, vor allem nachkaufbar. Ein No-Name Blank kann sich jederzeit ändern, wieder verschwinden, das nächste mal ganz anders ausfallen. Je besser und hochqualitativer der Blankhersteller, umso exakter und reproduzierbarer kommen dort die Blanks heraus. Im Idealfall halten die sogar ihre Solldaten ein, was bei Billigblanks fast nie der Fall ist, siehe selbst die Berkley Series One/Skeletor. Eine erkennbar andere Philosophie: Blank werden gebaut, und dann geschaut wo man die überall vermarkten kann.
Das sind alles Zusatznutzen, also Leistungen des Herstellers, die man letztendlich auch für hoffentlich lieferbare Ersatzteile (Spitzen) mitkauft.
Technisch bleiben die Fertigung und die Leistung.
Die Fertigungsqualität zeigt sich in Präzision, Homogenität und Oberflächenverarbeitung. Ein farbig unterlasierter und sauber spiegelglatt epoxierter Blank ist was anderes als handgepinselt, rein schwarz oder gar ohne weitere Lackierung, Sowas kostet Geld, bringt Haltbarkeit. Ganz wesentlich sind die Steckungen, Anschliff, Passung, Wackel. Hier gibt es Riesenunterschiede, die beste Fertigung hat für mich bisher z.B. Harrison.
Die Leistungsdaten, die heute gerne in Schnelligkeit und Belastbarkeit angegeben werden. In der Tat giebt es dort Unterschiede. Die Straffheit merkt man sofort. Die Rückstellschnelligkeit erst beim aktiven Einsatz. Die Belastbarkeit kann man durch die Biegekurve sehen. Dort fällt erst mit höherer Belastung auf, ob die Biegekurve homogen oder inhomogen ist. Eine inhomogene Biegekurve wird nicht soviel halten, an Knicken crashen. Versteckte Reserven merkt man erst durch Hochbelastung, fallen im normalen Gebrauch Wurf-Führen-kleiner Drill überhaupt nicht auf. Eher schon beim Hänger, vor allem wenn man derbe zieht. Die Hochbelastbarkeit und Kurve geben aber die Chance bei einem übergroßen Fisch an, entscheiden zwischen Rutencrash und Fangerfolg. Hier spielt aber der Rutenaufbau mit den Ringen eine weitere wichtige Rolle.
Die Schnelligkeit äußert sich im Wesentlichen in der Rückstellgeschwindigkeit, und vor allem dem Stehenbleiben. Das Nachschwingen kostet Zeit und Kraft, belastet die Arme und Handgelenke, weit mehr als man denkt. Bei jedem Wurf kann eine Rute nachschwingen, ausschlagen und muß gebremst werden. Die eine wabert rum, die andere nicht. Ganz unabhängig vom straffen Führen beim GuFieren oder so hat man einen starken Nutzen davon, wenn die Angelrute 1a ohne schwanken steht. Es gibt Blanks, die schwingen nach Auslenkung zurück in die Gerade, aber praktisch nicht weiter und nicht wieder zurück. Das ist das optimale "Stehen". Dies ist im Prinzip erstmal unabhängig von der WG-Klasse und der Rutenlänge. Je stärker der Blank von den Wandungen und dem Material her ist, umso stärker macht sich dies als Straffheit bemwerkbar. Eine straffe Rute muß aber nicht schnell sein, und eine schnelle nicht straff sein. Je nach Rutenbaukunst gibt es auch schnelle weichere Ruten usw. Ruten die sehr straff sind, extrem steif im Feeling sind, die bezeichnet man gerne als Besenstiele. Eine vom Material und Bauart her schnelle Rute wird man evtl. erstmal verwechseln, aber nur solange bis man sie durchgebogen und zurückfedern lassen hat, danach weiß man es sofort. Die Entwicklung eines sehr leichten, aber gut straff stehenden, dabei schnellen und insgesamt aber nicht harten Blank kann man als sowas wie das aktuelle Leitmotiv bezeichnen. Und dem kommen verschiedene Hersteller unterschiedlich nahe.
Insgesamt muß man als Blankkäufer halt bewerten, ob einem die verschiedenen Faktoren und die dazu gemachten Angebote das Geld wert sind. Wenn ich eine bestimmte Blankcharakteristik haben will, und eben genau die, dann steigt für mich der Wert dieses Blanks, dann zahle ich dafür auch gerne einen hohen Preis. Und genauso funktioniert es auch: Solange ich den Blank nicht kenne, begrabbelt und besser noch gefischt habe, sagt er mir wenig, ist potentiell einfach zu teuer.
Ich denke, das geht auch den meisten
so. Sobald man sich damit beschäftigt hat, ein Begeistungsfunke möglichst aus dem infizierenden Livekontakt losgeblitzt
hat, dann steigt die
Emotion dazu, man möchte diesen Blank als Rute auch gerne fischen, ein wenig
anders, aber in der reifenden Überzeugung dazu ist man auch eher bereit dafür
viel Geld, über 100 EUR auszugeben. In dem Treffen und Erfüllen meiner
Anforderungen liegt ein großer Reiz, und ab einer bestimmten Anforderungshöhe
erfüllen das nur noch wenige Blanks. Zur Zeit gibt es keine Stangenrute, die das
täte, und nur wenige die ich überhaupt fischen täte, wenn es denn sein müßte,
dann auch nur umgebaut.Als Fortsetzung der Sache kommt die Reifung und Weiterentwicklung, mit jeder neuen gefischten Rute verändern sich langsam die Erfahrungen, und es kommen wieder Ideen zur Verbesserung hoch. Wenn sich dazu eine Chance anbietet, oder sich ein Mangel herausgestellt hat, schwupps - sucht man wieder.
Es ist aufgrund vorliegender Rutenerfahrungen und Vergleichswerte aber immer leichter, etwas passendes zu finden und zu bewerten, ich denke nur mal an eine WG-Klasse höher, weil man doch größere Köder fischt oder stärkere Fische fängt. Dann ist es sehr leicht, mit einer neuen Rute auf derselben Blankfamilie eine Stufe höher zu gehen.
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