Pfingsten : Friedfisch pur, auch beim blinkern
Pfingsten : Friedfisch pur, auch beim
blinkern
Was macht ein Spinnfischer, wenn er mal ansitzen will?
Nönönö, kein Köfi baden.
Ne Dose Mais aus dem Supermarkt, Picker und Matche schnappen und raus ans Wasser. Zu Pfingsten kamen ja die ersten Sonnenstrahlen mal durch, aber das Wasser war für die Jahreszeit natürlich noch viel zu kalt. Ich dachte daher auch eher an das erholsame Schwimmerbeobachten als an ernsthaftes Angeln - aber auch das muss man sich ja mal gönnen...
Und das geht genau so lange gut, bis man am Wasser sitzt, als erstes die Pickerrute montiert, den 12er Haken mit einem Maiskorn garniert und an die Strömungskante legt und dann anfäng die Matchrute aufzubauen. Immer natürlich mit einem Blick auf die Spitze der Pickerrute.
Die dann mitten ins Matche montieren hinein auch natürlich gleich zu zittern und auszuchlagen anfing - der erste Biss. Da erwacht dann natürlich sofort das Jagdfieber, vor allem dann wenn der erste Anhieb gleich mal ins Leere geht.
Anfüttern bingt an der Stelle zwar logischerweise Fisch, aber nach meinen Erfahrungen eher die kleineren. Und ich wollte ja nicht in stundenlangen Sitzungen mich durch die Kleinen angeln, sondern - wenn schon - gerne lieber die Größeren fangen.
Die stehen als Barben oder Döbel, aber auch große Brassen und Rotaugen gerne an der Stromkante. Die richtig schönen Rotaugen stehen dagegen in einer Kehrströmung, da wollte ich mi der Matchrute angreifen. Für die, welche es nicht wissen: Große Rotaugen schmecken klasse!!
Wie immer, wenn man dann nach dem ersten Biß so richtig heiss ist, passiert natürlich zuerst mal nix mehr. Und dann auch immer die gleichen Überlegungen:
Nun doch anfüttern um wenigstens "Äktschn" zu haben, oder bei der bewährten und oft erfolgreichen "warte - und bloss nicht anfüttern - Methode" bleiben?
Während ich noch am überlegen war und nach dem ganzen kalten Frühling den ersten schönen Tag draußen genießen konnte, kamen die ersten Enten vorbei, die sich lautstark schnatternd auf die Paarung vorbereiteten. Gut, dachte ich, gibt mit den Küken dann wieder schönes Wallerfutter ....
Aber irgendwann wird dann auch Enten beobachten langweilig, vor allem dann, wenn nix beisst. Das traf es sich prima, dass ein Angelkollege, der die Strecke nicht kannte, auf der Suche nach Angelplätzen bei mir vorbeikam. Und wie immer in solchen Fällen entspinnt sich schnell ein Gespräch rund ums Gewässer und die Fische darin sowie die Angelmethoden.
Die Ruten wurden nur noch aus dem Augenwinkel beobachtet, ich glaubte eh nicht mehr an einen Erfolg. Als Nikotinsüchtiger war ich dann gerade - neben dem Gespräch her mit dem Kollegen - dabei mir eine Zigarette zu drehen, als mich der Kollege auf die vorsichtig abdippende Pose an der Matchrute aufmerksam machte.
Zu schnell und unvorsichtig angeschlagen, aber immerhin noch einen guten, wenngleich kurzen Widerstand gespürt. Also gut, schnell wieder beködert mit dem guten Dosenmais, die Pose so hinausgeschlenzt dass sie nach absinken genau an die Stelle getrieben war, wo das kleine Loch für das Kehrwasser sorgt und sich dort halb aufrichtete (Pose war so montiert, dass 2 Bleischrote auflagen).
Und diesmal natürlich aufgepaßt dabei! Und es dauerte auch keine 2 Minuten, bis die Pose wieder tanzen anfing. Und diesmal setzte ich den Anhieb richtig, genau ins abziehen hinein und merkte gleich, dass das diesmal ein schöner Fisch war und nicht nur ein Köfi. Ein Rotauge mit einem guten Pfund machte die Bekanntschaft mit sauerstoffhaltiger Luft.
Da gerade größere Rotaugen gerne in kleineren Schulen umherziehen, wurde sofort wieder beködert und ausgeworfen, und fast direkt, nachdem sich Pose aufrichtete, kam der nächste Biss und das nächste Rotauge, die gleiche Klasse wie das vorher.
Dem Kollegen fielen schon fast die Augen raus, da er wie viele andere auch beim Angeln mit Futter eben oft nur die Köderfischgröße fing. Und er gar nicht verstehen konnte, wie man solche Fische ohne Futter fangen konnte.
"Genau eben wegen "ohne Futter",
sagte ich ihm.
"Wenn man weiss, wo die Fische stehen oder ziehen.."
Und wen wunderts, nach dem erneuten einwerfen direkt wieder ein Biss, wieder ein schönes Rotauge, diemal aber noch größer, so zwischen anderthalb und zwei Pfund.
Ein also rundum gelungener Angeltag, wenngleich die Beisszeit nach einer guten Viertelstunde wieder vorbei war. Ich hätte vielleicht die Fische noch länger halten können, wenn ich sie etwas angefüttert hätte nach den ersten Bissen, aber die drei schönen Fische reichten mir für ne schöne Mahlzeit.
Tags darauf war aber auch gut mit Friedfischen, dachte ich, und packte mir die Spinnrute ein. Ein Zander oder schöner Barsch wäre ja auch mal wieder was. Zuerst jedoch hatte ich mit Verkehr zu kämpfen. Das schöne Pfingstwetter verlockte viele Bootseigner dazu, die erste Ausfahrt des Jahres zu machen.
Manche Angler fluchen da, wenn dauernd Boote vorbeifahren. Ich seh das etwas gelassener, da ich die Erfahrung gemacht hatte, dass gerade Barsche oder Zander da hochgescheucht werden durch die Boote und dann auch oft zupacken.
Daher werfe ich immer gerne direkt in die Heckwelle der Boote. So auch diesmal, und auch sofort von Erfolg gekrönt. Ich hatte zwar keinen Biss beim absinken gespürt, aber schon beim ersten anheben des Gummifisches spürte ich sofort Widerstand und das typische Kopfschütteln eines Zanders.
Und es musste ein guter sein, der Fisch ging sofort sowohl in die Strömung wie auch in die Bremse der Rolle. Wie immer bei Zandern sind das ja aber keine lange Fluchten.
...........................................und von "Fluchten" brauchts nicht viel bis zum "fluchen".
Das kam nämlich dann von mir, als auf einmal die Schnur anfing an der Oberfläche zu kreisen - das sichere Zeichen, dass doch kein Zander den Gufi geschnappt hatte, sondern ich damit beim ersten anheben desselben eine Brassen von aussen, oben an der Flosse, gehakt hatte. So wars denn auch, und der ca. 3 Pfund schwere Fisch durfte wieder zurück.
Zum einen weil ich ja einen Zander oder Barsch wollte, zum andern weil sich die Brassen gerade zum laichen sammelten und ich dem Fisch noch die Chance auf etwas netten Sex in den nächsten Tagen geben wollte..
Alles in allem - wenngleich nicht freiwillig - aber zwei schöne "Friedfischangeltage" - denn außer dem Brassen gabs dann auch keinen Räuber mehr..
Thomas Finkbeiner
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