Ausgabe Mai 2012

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    Am Haken, Juni

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    Am Haken

    VORSICHT: satirisch, sarkastisch, politisch unkorrekt, überzogen!!

    Wer dies nicht für richtig hält oder meint dies nicht ohne Schaden überstehen zu können, sollte nicht weiterlesen!

     

    Vielen Dank, für die Blumen...

    Wer kennt ihn nicht? Ich wüsste auf Anhieb niemanden... Man muss ihn einfach kennen! Schließlich ist er ja nun der Gott unter den Anglern. Gefeiert in jeder größeren Runde, immer im Mittelpunkt. Immer wieder fing er den größten Fisch und wusste davon mit blumigen Worten seine Heldentaten zum Besten zu geben. Seine Zuhörer hängen dann förmlich an seinen Lippen, fiebern mit, drillen im Geiste und bekommen nicht nur feuchte Hände dabei.

     

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    Fragt man ihn um Rat, ist er nie um eine Antwort verlegen, die bis ins Detail unwiderlegbar begründet wird. Jeder Zweifel wird wie selbstverständlich weggefegt. Mit väterlichem und liebevollen Ratschlägen versehen, versucht man nun die neu erlernten Tipps in die Praxis umzusetzen. Wie war das noch? Vor dem Auswerfen 3 mal links und dann rechts mit halbrechtem Schwung? Oder war es auf halblinks angesetzt? Oder doch nur 2 mal? Musste die Montage nun mit 5 Windungen geknotet werden? Durchschlaufen oder Einschlaufen? Versuchen wir es mal einfach...

     

    Mit Akribie wird alles festgehalten... Alles wird notiert: Wetter, Wind, Strömung, Trübung, Wasserstand, Sonneneruptionen, Erdmagnetfeldintensität, Luftdruck, Luftfeuchte, Taupunkt, Wassertemperatur und Lufttemperatur. Er macht es schließlich auch. Muss also klappen!

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    An seinem freien Tag macht man sich mit den neu gewonnenen Erkenntnis auf ans Wasser. Voller Tatendrang und Optimismus macht man sich ans Tagwerk: Tackle abladen, aufmontieren, Futtergeheimmischung anrühren und Würmer besprechen ist angesagt. Man spürt förmlich den Geist überspringen... Hoffnungsvoll erwartet man nach dem rituellen Ausbringen den ersten Biss. Aber nichts rührt sich. Daher wird erst einmal eine Tasse heissen Kaffee aus der Thermosbuddel und ein Brötchen mit dick Käse darauf genossen! Langsam kitzeln die ersten Sonnenstrahlen in den Augen, die Luft riecht frisch und nach Morgen. Ruhe...

     

    Plötzlich schallt ein uriger Gruß aus dem Nichts. Er kommt aus dem Gebüsch gestampft. Die obligatorische Frage nach dem bisherigen Fangerfolg bleibt selbstverständlich nicht aus - und der bisherige Misserfolg wird selbstverständlich sofort felsenfest begründet. Man hat so ziemlich aber sicher alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte.  Nach einem Dreistündigen Vortrag fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Der Fehler wurde analysiert und eingegrenzt. Er wird nie wieder vorkommen.

     

    Inzwischen ist der Kaffee alle, die restlichen Brötchen mit Appetit verspeist. Wissen macht hungrig, und er weiss eine Menge. Artig bedankt man sich bei ihm, was mit großer Geste abgetan wird: es war selbstverständlich für ihn. Fisch hat man daher natürlich nicht gefangen. Man ist halt dumm.

     

    Um die Mittagszeit macht sich der Brötchenmangel bemerkbar - was sollte es noch zu Hause geben? Roulade mit Klößen und Rotkohl, von dem man noch etwas übrig lassen wollte? Frisch schmeckt es eh besser... Abrüsten und Abmarschieren ist nun angesagt. Die Liebsten warten vielleicht ja noch mit dem Essen. Ausserdem kann man ja nach einem Nickerchen noch einmal kurz los.

      

    Nach einem opulenten Mahl und einem „Viel-Erfolgs-Küßchen" der Liebsten geht man frisch gestärkt wieder ans Wasser. Leichtes Geschirr und gute Laune sollen das Abendbrot sichern.

     

    Am Wasser wird kurz die Lage gepeilt. Gut sieht es aus! Leichter Wind, ganz leicht angetrübtes Wasser und stahlend blauer Himmel. Die Barsche dürfen sich warm anziehen, denn der schwarze Twister mit rotem Schwanz und Silberglitter in 7 cm Länge wird zu Wasser gebracht. Hochkonzentriert wird leicht gezupft - war da nicht ein Zuppeln? Anhieb - Drill und Landung! Ein strammer Stachelritter kommt in die „Fischtüte". Nächster Wurf - nächster Treffer! Der Drill an leichtem Gerät ist eine Freude! Wieder ein strammer Barsch kommt an die frische Luft und in die „Tüte". Wofür die komischen Einkaufstaschen aus dem Supermarkt nicht alles taugen. Die Hightech-Kühltasche mit Drainagesystem, die er einem beim letzten Besuch im Angelladen empfohlen hatte, lag ja zu Hause. Da liegt sie warm und trocken.

     

    Ein paar Stunden später ist das Abendbrot sicher und auch das der Nachbarn. Auf dem Rückweg kommt er einem entgegen und grüßt laut und urig. Wie immer wird man nach dem Erfolg gefragt und zeigt stolzerfüllt die Tragetasche gut mit Barsch gefüllt. Anerkennendes Nicken macht den Tag komplett. Tief einatmend erklärt er, wie es noch besser hätte laufen können - aber man kann ja nun nicht alles beachten. Da man ja noch den Fisch versorgen müsse, entschuldigt man sich und eilt nach Hause.

     

    Der Tag endet mit einem weiteren Festmahl in fröhlicher nachbarschaftlicher Runde - man wird beneidet, einen solch entspannten Tag gehabt zu haben - und der nächste kommt bestimmt.

     

    Unter der Woche ist kurz Zeit für einen Besuch beim Gerätehändler - schauen, schnacken und kaufen. Er ist natürlich auch wieder dabei und erklärt mit väterlicher Liebe seinen Zuhörern, wie sie die dicken Brocken fangen. Großzügigerweise darf man gespannt lauschen und versucht all die Tipps einzusaugen. Das Abendbrot aber wartet schon zu Hause. Also wird schnell noch das nötigste eingepackt und gezahlt. Aber hat man auch das richtige Gerät? Was sagte er noch? Egal. Keine Zeit jetzt. Das nächste Wochenende kommt!

     

    Wie die Zeit vergeht. Das Wetter ist nicht all zu schön; leichter Nieselregen. Naja, aber man hat sich so gefreut, dass das egal ist. Motiviert fährt man zum Wasser und hofft auf guten Fang.

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    Während des Aufmontierens knistert es im Gebüsch. Ein uriger Gruß schallt durch die feuchte Morgenluft, die nach Moos und nassem Gras riecht. Was man denn heute fangen möchte wird man gnädigerweise gefragt. Auf die Antwort, dass das egal wäre, wird von einem großen Karpfen berichtet, den er hier verloren hatte. Ausführlich erlebt man jede Sekunde noch einmal. Betört von den Schilderungen vergisst man fast selbst zu angeln. Um ihn in Aktion zu sehen, wird er gebeten, doch einmal seine Kunst zu demonstrieren. Bescheiden wird abgewehrt. Man wolle nicht weiter stören. Mit diesen Worten verabschiedete er sich dann auch, zumal es stärker zu regnen begann.

     

    Für leckere Fischfrikadellen werden die ganzen Weißfische sorgen, die kurz darauf gefangen wurden. Brachsen, Plötze, Güster sind die Hauptausbeute des Angeltags ausmachten. Durchnässt aber entspannt und glücklich macht man sich auf den Heimweg.

     

    Jahr über Jahr zieht wiederholt sich der Vorgang Woche für Woche, Tag für Tag, Stunde für Stunde. Man lernt immer wieder von ihm die neusten Tricks, wird immer wieder auf schwerste Fehler hingewiesen und bedankt sich artig beim Gönner. Er ist der Angler schlechthin, der in jeder Situation das richtige tut. Auf jede Frage hat er die Antwort parat..

     

    Doch eines wundert einen dann doch? Wie oft hat man ihn selbst beim Angeln getroffen? Man mag es kaum zählen können...

     

    Typen wie diesen werden wir alle kennen. Vielleicht steckt ja auch in jedem von uns ein kleines Stück von ihm?! Vergessen viele Angler den zweiten Sinn des Angelns?

     

    Wenn ich so manches Gespräch überdenke, komme ich da nicht dran vorbei. Fisch fangen ist das eine - aber das wie das andere. Mit dem „wie" meine ich aber nicht die Technik und das Gerät (vielleicht auch Ritual), sondern viel mehr das ganze drum herum. Natur pur, Entspannung, Ruhe und vielleicht der Schnack mit dem Kumpel, der auch wortlos erfolgen kann. Hightech mit Super-haste-nicht-gesehn ist in. Schneller, größer, weiter, besser, teurer, aufwendiger ist scheinbar in. Die Beifallsheischerei ist fast an einem Höhepunkt angekommen. Neid ist leider immer mit dabei und führt zu manchen Worten, die man sonst nicht gesagt hätte

     

    Vergessen ist schnell dabei die Entspannung, die ein Tag am Wasser mit sich bringt. Die ruhige und stille Kraft überträgt sich auf den Menschen. Frische Luft als weiterer Faktor, der auch zur Gesundheit beiträgt, ist schnell aufgebraucht.

     

    Mir bleibt sehr oft nur eines übrig: als Betrachter aus einer anderen Sichtweise oder aus anderem Blickwinkel lache ich oft und herzlich - denn Freunde, Lachen ist gesund...

     

    Kai Hay

     

     

    Die Rubrik „Am Haken" soll die Möglichkeit eröffnen, dass man auch kontroverse Meinungen zu strittigen Themen (satirisch) aufbereiten kann. Der Autor „Kai Hay" als Anonymus deswegen, dass sich niemand auf Grund seiner Meinung im Anglerboardforum nachher als Mitglied auf Grund eines Artikels „verfolgt" fühlen muss.

     

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