Ausgabe Mai 2012

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    Hochwassergedanken

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    Hochwassergedanken

    Auch wenn in einer aktuellen Hochwassersituation der erste Gedanke natürlich den Betroffenen gehören sollte, macht man sich doch auch gerade als Angler, der viel Zeit am Wasser verbringt (und gerne noch mehr Zeit am Wasser verbringen würde), so seine Gedanken ums Hochwasser – und vor allem die Entwicklung in den letzten Jahren und Jahrzehnten.

     

    Natürlich, Hochwasser hat es immer gegeben und wird es immer geben. Warum aber steigen fast jährlich die Frühjahrsfluten zu neuen Rekordständen, so dass die „Abwehrmaßnahmen“ wie die Deiche, bzw. zumindest deren augenblickliche Höhe, nicht mehr ausreichen.

     

    Viele verschiedene Gruppen haben viele verschiedene Erklärungen bereit – je nach Interessenlage. Da wird von davon gesprochen dass es am Klimawandel liegt, an der Verbauung der Gewässer,, am „zubetonieren“ der Landschaft und was noch alles...

     

    Fakt ist, dass heute z. B. wesentlich mehr Menschen in Deutschland leben als noch vor 300 oder 500 Jahren und somit auch mehr Platz brauchen. Fakt ist auch, dass es auch vor 300 oder 500 Jahren wohl für die Flüsse in extremen Situationen die gleiche Wassermenge wie heute zu bewältigen gab. Mit einem großen Unterschied:

    Da es damals wesentlich weniger Menschen gab, diese auch nicht unbedingt ein „Haus mit Flussblick“ brauchten, wo es keine „Industriegebiete“ in hochwassergefährdeten Gebieten gab, um Gewerbesteuer für die Gemeinden zu generieren, wo die Flüsse nicht in enge „Korsette“ eingezwängt waren um die Schifffahrt zu ermöglichen, wo es noch viele Auwälder, Altarme und Überschwemmungsflächen gab, die man aus der Erfahrung heraus eben unbebaut ließ, wo die Landschaft nicht mit Straßen, Flugplätzen, Dörfern und Städten zubetoniert war so dass das Wasser nicht mehr abfließen oder versickern konnte

     

    Da hatten die Wassermengen sowohl die Chance sich entweder auf die genannten Auwälder, Altarme und Überschwemmungsflächen auszubreiten und dort u „versickern“, wie auch die Bebauung weit genug weg von den gefährdeten Gebieten war, so dass Schäden an Menschen oder Gebäuden naturgemäß wesentlich geringer waren.

     

    Solange weiterhin Hochwasserschutz letztlich nur bedeutet die Dämme immer höher zu bauen, solange wird sich an den jetzigen Hochwassersituationen mit immer größeren Schäden kaum was ändern. Wasser hat einfach eine zu große Macht, welche der Mensch eben nicht so einfach aufhalten kann. Wir dürfen in meinen Augen nicht gegen das Wasser (respektive das Hochwasser, die Flut etc.) kämpfen, sondern wir müssten dem Wasser wieder genügend Platz geben, damit es die Möglichkeit hat wie früher, ohne so großen Schaden wie heute anzurichten, in angemessenem Zeitraum sich auszubreiten und dann zu versickern oder über die Flüsse wieder abgeführt zu werden.

     

    Das wäre auch ein typisches Beispiel, wo Angler, Natur- und Umweltschützer, Wirtschaft und Politik gut zusammenarbeiten könnten, um etwas Sinnvolles zu erreichen:

     

    Wir Angler hätten von einem entsprechenden naturnahen Ausbau der Flüsse mehr Geld zur Verfügung, da wir wesentlich weniger Geld für Fischbesatz ausgeben müssten. Zumeinen würden viele Fischarten in den Altarmen, Auen und Überschwemmungsgebieten natürliche Laichmöglichkeiten finden, zum anderen wäre dadurch z. B. auch die „Kormorangefahr“ für die Fischbestände wesentlich geringer, da die Fische in so ausgebauten Flüssen ganz andere Versteckmöglichkeiten hätten.

     

    Und auch Umwelt- und Naturschützer müssten davon eigentlich begeistert sein und mit den Anglern an einem Strang ziehen. Nicht nur dass auch „Schützern“ sich möglichst selbst erhaltende Fischbestände am Herzen liegen sollten, gerade Altarme und Auwälder bieten ja auch für viele Pflanzenarten und Tiere hervorragende Lebensbedingungen.

     

    Die Wirtschaft müsste eigentlich daran auch ein Interesse haben – allen voran die Versicherungswirtschaft. Aber auch jeder Betrieb, egal wie klein oder groß, hat ja durch die Hochwasser auch Schäden die durch keine Versicherung abgedeckt werden. Wenn man nur an Umsatz- und Gewinnausfall alleine während der Hochwasser- und „Aufräum“zeit denkt. Und zudem werden ja jetzt schon viele Betriebe und auch Privatpersonen in den gefährdeten Gebieten gar nicht mehr versichert. Zudem würden solche (Rück)Baumaßnahmen natürlich auch die lahmende Bauwirtschaft ankurbeln. Natürlich muss das Geld dazu letztlich wieder von uns Bürgern über Steuern aufgebracht werden, wenn dafür zukünftig weniger Schäden für die Wirtschaft zu erwarten sind, dürfte sich das aber schnell rechnen.

     

    Und wenn sich die Politik das alles überlegt, sollten eigentlich alle Fraktionen hinter einer Forderung zum Rückbau und/oder naturnahen Ausbau unserer Gewässer stehen. Vielleicht auch einmal mit (flächendeckenden) Taten statt einzelner (Klein)Projekte oder sogar nur großer Worte.

     

    Natürlich gibt es auch Wirtschaftszweige die eher die jetzige Situation beibehalten würden (und in deren Gefolge wie immer die entsprechende Lobby welche die Politiker oft genug davon abhält etwas Sinnvolles zu tun). Ich könnte mir vorstellen, dass die Binnenschiffer eher Interesse an vielen möglichst gut befahrbaren Wasserstraßen als an einem sinnvollen Rückbau der Flüsse haben. Sicherlich werden auch viele Stromerzeuger mit Wasserkraftwerken eher dazu neigen, die heutige Situation positiv zu sehen. Ein entsprechender Rückbau könnte übers Jahr gesehen natürlich auch eine geringere Wassermenge in den Flüssen bedeuten und damit sowohl weniger zu transportierende Fracht (weniger Wasser = weniger Tiefgang = weniger Frachttonnage, weniger Wasserdurchfluss durch die Turbinen der Kraftwerke bedeutet natürlich auch weniger Stromproduktion).

     

    Und ob sich die Gemeinden bei der jetzigen Finanzsituation davon abhalten lassen weiterhin auch Gewerbegebiete in gefährdeten Gebieten zu erschließen, um das Gewerbesteueraufkommen zu erhöhen, das wage ich auch mal zu bezweifeln.

     

    Das wiederum geht ja dann „Hand in Hand“ mit Länderinteressen, denen ja auch an wirtschaftlichem Fortschritt gelegen ist. Dass auf lange Sicht gesehen ein naturnaher Aus- oder Rückbau der Flüsse da vielleicht volkswirtschaftlich wesentlich sinnvoller sein könnte, wird niemanden – ob Gemeinde, Land oder Bund – interessieren, der eben jetzt momentan in Finanzkrisen steckt.

     

    Was aber bedeutet es denn, wenn weiterhin die Landschaft zubetoniert wird, wenn weiter in gefährdeten Gebieten gebaut wird?? Dass man die Deiche immer höher bauen muss, dadurch die Flüsse immer mehr eingezwängt werden und zwangsläufig eben dadurch kommende Hochwasser noch extremer ausfallen werden was wiederum die weitre Deicherhöhung zur Folge hat.

     

    En Teufelskreis.

     

    Hier müsste in meinen Augen der Hochwasserschutz statt über Landes- oder Kommunalrecht über Bundesrecht geregelt werden. Indem man einen bundesweiten „Abfluss- und Hochwasserplan“ erstellen würde, in dem die ganzen Maßnahmen aufgelistet werden müssten, die einen effektiven Hochwasserschutz durch naturnahen Aus- und Rückbau der Gewässer ermöglichen würden. Und an den sich dann Länder und Gemeinden zu halten hätten – egal wie die wirtschaftlichen Interessen vor Ort aussehen mögen.

     

    Wird das nicht kommen, werden wir weiterhin mit den Hochwasserfluten leben müssen, werden weiterhin Unsummen von Geld ausgegeben werden müssen um zeitnah den Opfern zu helfen und darüber hinaus weitere Unsummen für einen eigentlich sinnlosen Hochwasserschutz durch Erhöhung der Deiche. Und ebenfalls werden enorme Summen für die Bewältigung der Schäden nach den Hochwassern ausgeben werden müssen.

     

    Da bin ich doch einmal gespannt, ob sich da mal was rühren wird. Wenn ich in den Medien aber mitbekomme, dass man es schon „feiert“, dass die jetzige Flutkatastrophe nicht (ganz) die Ausmaße des „Jahrhunderthochwassers“ 2002 hat, dann zweifle ich daran doch ein bisschen.

     

    Aber wie immer bei solchen Themen:

    Die Hoffnung stirbt zuletzt!!

     

    Thomas Finkbeiner

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