Ausgabe Mai 2012

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    Lottes Antarktisabenteuer, Teil 3

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    Lottes Antarktisbericht, Teil 3

    King Georg Island (Base Frei) und Badevergnügen auf Deception Island!!!

     

    Heute morgen wachte ich erst gegen 7:30 auf und stellte fest, daß wir immer noch vor King Georg Island lagen.

     

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    Damit war klar, daß wir nicht zu Halfmoon Island fahren werden, da wir unseren Kranken scheinbar noch nicht übergeben hatten. Beim Frühstück hörte man schon die ersten ärgerlichen Stimmen über unsere Situation. Ich bin mir aber sehr sicher, daß unser Kapitän sich etwas einfallen lassen wird um diese Situation doch noch zu retten.

     

    Um 8:30 bestiegen wir dann die Schlauchboote und unternahmen einen kurzen Besuch auf der chilenischen Antarktis Station „Base Frei"!!! Naja, richtig interessant war es nicht, aber die Poststation wurde für uns geöffnet und wir konnten die ersten Postkarten mit sehr seltenen Poststempeln an unsere Lieben schicken.

     

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    Einzig das Wetter ist total genial. Kapitän Lampe erzählte mir, daß er hier noch niemals so gutes Wetter hatte und er hat schon mehr als 80 Antarktisreisen hinter sich gebracht. Selbst ein so erfahrener Seebär lernt immer wieder etwas neues kennen. Wir hatten max. 2 Windstärken und einen strahlend blauen Himmel. Die Luft war zwar kalt, aber in windgeschützten Ecken konnte man sich richtig sonnen. Fast so wie auf einer Skihütte.

     

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    Beim verlassen der Station konnten wir noch eine Seeelefantenkuh am Strand liegen sehen. Leider waren einige Passagiere so blöde und gingen zu nahe an das Tier heran, daß sie umdrehte und das Weite suchte.

     

    Gegen 11:30 verließen wir unsere Ankerbucht in Richtung Deception Island und Jule sah ihren ersten Buckelwal. Leider stand ich ausgerechnet zu dieser Zeit in der Raucherecke und der Wal blies nur 2 mal um dann wieder zu tauchen. 

     

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    Nach dem Dinner entschloß ich mich meine restlichen Karten zu schreiben, da wir wohl morgen zum letzten Postamt kommen werden. Jule schlief derweil und ich hatte nebenbei Walwache, da die Ansagen nicht in die Kabine des Funkoffiziers durchgestellt wurden. Ich genoß also die Sonne und schrieb meine Karten. Als ich gegen 16:00 damit fertig war, weckte ich Jule zur Walwachablösung und legte mich selbst für einen kleinen Nap in unsere Koje.

     

    Ich war gerade eingeschlafen als Jule in der Kabine den Walalarm auslöste. Schnell schnappte ich meine Kamera (habe aber leider keine Fotos geschossen) sowie die Videokamera und rannte auf das Vordeck!!! Es waren ein paar Orcas zu sehen. Nach einiger Zeit wurden es immer mehr, so daß es zum Schluß ca. 30 Tiere der B-Klasse waren. Vermutlich waren es 3-4 Schulen, da mehrere große Bullen mit dabei waren. Nach einiger Zeit stellten wir auch fest, warum so viele Tiere hier versammelt waren. Sie testeten 3 Buckelwale und einen Finwal auf deren Konstitution. Der eine Buckelwal war noch recht klein (ca. 8-10m) und suchte zum teil den Schutz der Endeavour, so daß wir ihn 2 mal direkt unter dem Bug hatten. Ebenfalls sprang er einmal direkt neben der Brücke zur Hälfte aus dem Wasser und winkte uns danach mit der Fluke. Sicherlich galt dieser Gruß nicht wirklich uns. Ich hoffe für Ihn, daß er es geschafft hat den Orcas zu entkommen. Aber diese Menge an Walen war schon faszinierend. Immerhin sahen wir innerhalb kürzester Zeit mehrere Buckelwale, jede Menge Orcas sowie einen Finwal.

     

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    Später beim sogenannten Recap hörten wir etwas über die B-Klasse!!! Diese Orcas sind etwas gräulicher und haben weniger weiß am Kopf !!! Ebenfalls haben sie eine andere Ernährung. Sie jagen hauptsächlich Robben und große Wale!!! Wenn eine Schule auf eine Gruppe von Walen trifft, wird sofort abgeklärt, ob sich darunter ein lohnendes Opfer befindet. Sollte dem so sein, schließen sich andere Orcaschulen der Verfolgung an. Es kann dann durchaus sein, daß sie ihr Opfer über mehrere Tage jagen, bis sie es zur Strecke bringen können. Am Anfang wird es nur gehetzt und von der Gruppe getrennt. Ist es separiert greifen die Orcas an indem sie in die Fluken beißen und sich auf das Atemloch legen. Dadurch kann der Wal zwar noch ausatmen, aber wenn er einatmet schließt der Körper des Orcas das Atemloch und das Opfer erstickt. Wie ich schon schrieb, ich hoffe unser kleiner Buckelwal wird seinen tollen Gesang noch viele Jahre durch die Antarktis schicken können.

     

    Durch diese Aktion wurde unsere Fahrt abermals unterbrochen, aber dieses Mal beschwerte sich keiner darüber (warum diesmal nicht???). Aber ich sagte ja, der Kapitän wird sich etwas zur Entschädigung einfallen lassen.

     

    Etwas verspätet kamen wir auf Deception Island an und wir hatten nur wenig Zeit für den ersten Landgang, da um 20:00 das Dinner serviert werden sollte. Aber die Zeit reichte noch um ein paar schöne Aufnahmen einer Skua sowie von ein paar wenigen Eselspinguinen zu machen.

     

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    Um das Highlight an diesem Tage noch zu schaffen, blieben Jule und ich nur kurz auf dieser Insel. Nachdem wir unser Steak verdrückt hatten, welches wieder ausgezeichnet war, gingen wir in unsere Kabine um uns umzuziehen. Denn es sollte nun das verrückteste stattfinden, was ich je gemacht habe. Deception Island ist ein riesiger Vulkan, der Mitte der 60er und 70er Jahre das letzte mal ausgebrochen ist. Der Strand besteht aus schwarzem Lavagestein und schwarzem Lavasand und hat 15m vom Strand entfernt zum Teil Permanentfrost. Am Strand aber braucht man nur ein wenig zu graben, und man bekommt recht heißes Grundwasser. Dieses mischt sich dann mit dem eindringenden Seewasser und man hat die perfekte Badewannen - Temperatur. Also wurde dort eine Badewanne für ca. 10 Personen gegraben und es wurde bei Außentemperaturen um die 2° Celsius zum Bade geladen. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Wind!!! Der blies immerhin mit ca. 4-5 Windstärken und die Sonne war bereits hinter dicken Wolken verschwunden.

     

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    Wir bestiegen also unser Zodiac - Schlauchboot und wurden zum Strand gefahren. Unter den dicken Regenklamotten trugen wir unsere Badehosen, bzw. die Badeanzüge. Die meisten Herren trugen gegen den kalten Wind ein T-Shirt. Damit wir uns nicht die Füße verbrannten, bzw. verletzten trugen Jule und ich noch ein Paar dicke Socken. Nachdem wir am Strand ankamen half ich noch ein wenig mit unsere Badewanne zu vergrößern, was sich als recht schweißtreibende Arbeit herausstellte. Der Lohn dieser Arbeit ließ aber nicht lange auf sich warten. Wir waren (fast) die ersten die ins Wasser durften.

     

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    Es ist schon irre, wenn man bei 2° Celsius Außentemperatur in ein mit Wasser gefülltes Loch hinein steigt, dessen Wassertemperatur ca. 38° Celsius beträgt. Direkt neben uns war das „normale" Wasser nicht mal einen Meter entfernt und hatte höchstens 1° Celsius Wassertemperatur. Keine hundert Meter von uns entfernt lagen große Schneefelder und das Wetter lud auch nicht gerade zum Baden ein. Ich hatte mir bei Anders (er ist der Barkeeper auf der Endeavour) eine kleine Flasche mit Whiskey besorgt sowie ein paar Becher. Als wir da nun so in unserer „Badewanne" lagen schmeckte dieser ganz besonders gut. Nach ca. 15 min in diesem Pool machten wir Platz für die nächste Gruppe. Mensch, was war das kalt, als man aus dem warmen Wasser kam und sich das T-Shirt vom Leib riß!!!

     

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    Ich kann euch sagen, ich glaube ich habe mich noch nie soooo schnell abgetrocknet und angezogen. Dann hieß es: schnell ins Zodiac und ab aufs Schiff und unter die Dusche. Aber geil war diese Aktion auf jeden Fall.

     

    Wo es morgen als erstes hingeht kann ich euch noch gar nicht sagen, aber am nachmittag sind wir auf Port Lockroy!!!

        

    Lotte

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