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Ausgabe Juni 2017

Immer wieder geflochtene.......

Immer wieder geflochtene.......

Wenn man im Forum vom Anglerboard schaut, nehmen die Diskussionen rund um geflochtene Schnüre kein Ende. Dass die Angaben der Hersteller/Großhändler eher sehr wohlwollend ausgelegt sind, dürfte inzwischen jeder wissen. Persönliches Empfinden scheint da aber immer mehr eine Rolle zu spielen als tatsächliche Messungen.

 

Was prinzipiell auch vollkommen in Ordnung ist. Wenn jemand mit einer Schnur zufrieden ist, soll er sie auch fischen. Ob die Angaben dann stimmen oder nicht ist dann ja zweitrangig. Immer wieder interessant ist es aber, wie da einzelne User im Brustton der Überzeugung davon schreiben, wie dünn oder dick diese oder jene Schnur sei bei welcher phänomenalen oder katastrophalen Tragkraft.

 

Und immer noch gehen die meisten Angler beim Schnurkauf (ob mono oder geflochten) vom Durchmesser aus, statt von der Tragkraft. Und bei der Tragkraft von der auf der Packung angegebenen linearen Tragkraft. Bedenken für die Praxis sollte man dabei, dass die Tragkraftangaben immer lineare Tragkraft, also die Tragkraft ohne „schwächende" Elemente wie Knoten oder NoKnots sind.

 

Dumm nur, dass man ohne Knoten, Schlaufen oder NoKnots keine Fische fangen kann. Für die anglerische Praxis wäre das also abseits aller Diskussionen im Forum vom Anglerboard die eigentlich wichtige Frage. Und sie wird ja auch immer wieder erwähnt. Allerdings auch hier seltenst mit gemessenen (wie auch immer) Werten, sondern mit dem Gefühl des Anglers dass die eine Schnur Knoten halt besser verträgt als andere.

 

Ich weise da immer gerne auf Walkos Schnurtest hin - Beileibe kein wissenschaftliches Werk. Darauf erhebt Walko auch keinerlei Anspruch. Aber er hat neben der Knotentragkraft auch die Tragkraft mit NoKnots getestet - und das für alle Schnüre mit dem gleichen Verfahren und mehrmals pro Schnur. Unabhängig davon ob das nun also ein wissenschaftliches Verfahren war, machte er somit die verschiedenen ihm zugesandten Schnüre vergleichbar.

 

 

Fürs normale Spinnfischen reich eine Knotentragkraft von um die 5 Kilo dicke aus, das ist mehr als die meisten Ruten überhaupt an Druck aufbauen können, von der Bremskraft der Stationärrollen mal ganz abgesehen.... Ich hab mir daher mal Walkos Liste vorgenommen und bin den Weg gegangen, Schnüre mit einer getesteten Knotentragkraft von um die 5 Kilo miteinander zu vergleichen.

 

Das Interessante dabei ist, dass unabhängig von dem was auf der Packung der jeweiligen Schnur steht, bei (ungefähr) gleicher Knotentragkraft auch ungefähr der gleiche reale Durchmesser rauskommt. Den hat Walko berührungsfrei mit einem Meßmikroskop gemessen. Da gibts wenig „Ausreißer" nach oben oder unten.

 

Schnur          Realer Durchmesser  Knotentragkraft NoKnotTragkraft

Powerline 0,08                0,18 - 0,19         4,5 - 5 kg             7,5 kg

Quantum PT Braid 0,17       0,195                  5 kg                 7,8 - 9 kg

PowerPro 8lbs                 0,14 - 0,26             4 kg                 6,5 - 7,5 kg

Penn 15kg                            0,20                   4 kg                 7 kg

Spiderwire 0,17                0,22 - 0,23             5 - 7 kg          9 - 12 kg

Titanit7,8                              0,24                   5kg                  9kg

Stroft GTP 8kg                      0,26                    5kg                  9kg

Fireline 0,17                         0,27                  5 - 6,5kg         9 - 11 kg

Hemingway Dynema 12      0,29 - 0,30         6 - 8kg            10 kg

 

Fazit dieser Auswertung:

Wer eine Schnur mit einer Knotentragkraft von um die 5 Kilo angeln möchte, wird unabhängig davon was auf den Packungen steht, einen Durchmesser zwischen 0,19 und 0,27 im Schnitt haben. Im Mittel also so um die 0,22 - 0,23... Im gleichen Maße wie die Knotentragkräfte sind, sind auch die Tragkräfte mit Knotenlosverbindern gestaffelt. Eine Schnur mit um die 5 Kilo Knotentragkraft hat also mit NoKnots zwischen 7,5 - 10 Kilo.

 

Das Ärgerliche

Dass der Angler sich nicht auf die Angaben auf der Packung verlassen kann bei der Auswahl der geflochtenen Schnüre.

 

Während man aus der Auflistung aus Walkos Liste ja klar sieht, dass schlichtweg Schnüre gleicher realer Tragkraft auch ungefähr den gleichen Durchmesser haben, ist die Bandbreite der Angebote da wirklich abenteuerlich zu nennen.

 

Das reicht bei Durchmesserangaben von 0,08 - 0,17mm. Wie gesagt: Die gemessenen, realen Durchmesser liegen im Schnit um die 0,23, keine unter 0,18! Und bei den angegebenen Tragkräften von 8lbs (also knapp 4 Kilo) bei der PowerPro bis hin zu 16,5 Kilo bei der Spiderwire - wohlgemerkt alles Schnüre, die Walko mit ungefähr gleichen Ergebnissen getestet hat!!!!

 

Einigermaßen verlässlich sowohl bei Durchmesser wie bei Tragkraft scheint laut Walkos Test da nur die PT Braid von Quantum zu sein sowie die PowerPro mit 8lbs, die ja keinen Durchmesser angibt.

 

Bei allen anderen Schnüren weichen entweder der Durchmesser, die Tragkraft oder gar beides deutlich von den Angaben ab. Selbst wenn man berücksichtigt, dass auch der Knotenlosverbinder einen Tragkraftverlust zur Folge hat, ist die Differenz zu den Angaben auf mancher Packung doch dann eher groß zu nennen.....

 

Leider gibt es ja kein genormtes, für alle geflochtenen Schnüre geltendes Messverfahren - weder für die Tragkräfte noch für den Durchmesser. Je nachdem wie man misst, können alle Angaben der jeweiligen Firmen durchaus so gemessen worden sein. Als kleines Beispiel nur der Durchmesser:

Sicherlich ist eine berührungsfreie Messung wie bei Walko die objektivste.

 

Mißt man z. B. mit einer Lehre kann man je nach eingesetzter Kraft und Flechtung der Schnur durchaus auch die angegebenen Durchmesser erreichen bzw. „erpressen"....

 

In einem gnadenlosen Wettbewerb ist dies sicher ein legales Mittel - Leider hilft es dem Angler bei der Auswahl seiner Schnur relativ wenig.

 

Wäre es da nicht schön, wenn sich die Hersteller da ALLE auf ein gleiches und objektiv überprüfbares Messverfahren sowohl bei der Tragkraft- wie auch bei der Durchmesserangabe einigen könnten?

 

So dass wir Angler endlich wissen, was wir uns da eigentlich auf die Rolle spulen....

Thomas Finkbeiner

Kommentare 

 
0 #1 Sprock 2008-06-03 19:08
Hallo,

vielen Dank für den aufwändigen Test!
Eine Bitte:
Sollte es noch mal zu so einem Test kommen, könntet ihr dann bitte die Hemingway Monotec Futura (dünnster Durchmesser) mit in den Test aufnehmen?
Es handelt sich um eine Schnur mit einer ganz speziellen Oberfläche, welche die Schnur wintertauglich macht.

Vielen Dank!
 
 
0 #2 Ernst Lanz 2008-08-24 20:25
Ich habe versucht die Knotentragkraft von verschiedenen Schnüren und Knoten zu testen. (Ohne Wissenschaftlic hen Anspruch: zu wenig Versuche und zuwenig verschiedene Schnüre)
Testaufbau: Wallerwirbel - Knoten - Schnur - Wirbel - Digitalwaage.
Resukltate:
Spiderwire: Angabe Rolle 0.30 mm 33.95 kg
Belastungstest Schnur (älterer Versuch) Bruch bei 19.7 kg
Knotenbruch: Raptorknoten: ~ 8 - 10 kg Uniknoten: 12kg Noknot 10kg

Powerpro 80lb
Knotenbruch: NoKnot hilt test nicht stand - Raptorknoten: 25kg Uniknoten:26kg

Hat jemand andere Erfahrungen gemacht und weiss jemand bessere Knoten?
 


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