Vom Rapfentrottel zum Welskönig
Für den heutigen Abend hatte ich mal wieder einen Einladung zum Grillen von meinen Großeltern erhalten und da sagte ich natürlich nicht Nein. Da ich zuvor noch ein wenig Zeit hatte und mich mein Weg ohnehin an der Saale entlang führte, entschloss ich mich, die Spinnrute mitzunehmen, um vielleicht ein paar dicke Döbel zu angeln oder endlich den unrühmlichen Titel "Rapfentrottel" abzulegen, der daraus resultiert, dass ich zu blöd bin einen Schied zu überlisten, während alle möglichen Kumpels welche fangen.
An der
anberaumten Angelstelle angekommen, beobachtete ich zunächste mehrere Minuten
lang die Wasseroberfläche, musste aber feststellen, dass keinerlei
Raubaktivitäten erkennbar waren. Also sollten tieflaufende Wobbler zum Einsatz
kommen, die über den Grund rattern. Die Köderwahl fiel dann auf einen 6 cm
langen Berkley Frenzy in Firetigeroptik. Ein billiges Teil, was mir aber schon
zahlreiche Großdöbel beschert hatte.
Als ich in die Wathose geschlüpft war, gings endlich los. Nach zehn Minuten hatte ich leider nur drei Fehlattacken auf den Wobbler kassiert und fing schon an mich zu ärgern. Dann war die Rute aber doch endlich krumm und guter Widerstand am anderen Ende zu spüren. Das schien ein schöner Rapfen zu sein. Na endlich, hoffentlich schlitzt er jetzt nicht aus. Nach dem vergleichsweise verhaltenen Drillbeginn, machte mich eine plötzliche starke Flucht des Fisches aber stutzig.
Es folgten einige harte Schläge meines Gegners und eine weitere rasante Flucht. Nun wusste ich, dass es mal wieder Welsalarm geschlagen hatte. Sofort kamen Erinnerungen an die vergangene Woche hoch, als mir ein Wels, der auf einen kleinen Gummifisch gebissen hatte, fast die Rolle geleert und dann letztlich abgerissen war. Nun hieß es erstmal gegenhalten und abwarten zu was mein Gegenüber fähig ist. Das war nicht wenig, den schnelle Fluchten wechselten mit kurzen Stopps ab.
Hinter mir spielten am Saaleufer ein paar kleine Kinder mit ihrer Mutter und eines sagte "Schau mal, Mama, der Mann hat einen großen Fisch dran und kann den nicht rausholen..." Das lässt sich Veit natürlich nicht zweimal sagen, also setzte ich alles auf eine Karte und stellte die Rollenbremse meiner Shimano Biomaster FA noch etwas fester ein.
Und siehe da, nachdem ich schon ca. eine halbe Stunde gedrillt hatte, merkte ich erstmals, dass der Wels an Kraft verlor und die Fluchten kürzer wurden. Auch bekam ich jetzt immermal wieder einige Meter der 0,12er Powerline auf die Rolle zurück. Langsam wurde mir klar, dass ich nun eine reele Chance hatte, den Urian zu landen.
Doch noch war lange nix entschieden, schließlich hatte ich nur ein 5 kg-Stahlvorfach montiert und meine Shimano Speedmaster war nach wie vor bedrohlich krumm. Und doch zeigte der Wels zunehmend Schwäche, so dass sich die bis ca. 30 Meter lange Distanz zwischen meinem Standort und dem Fisch allmählich verkürzte.
Dann zeigte er sich erstmals an der Oberfläche. Was für ein Tier! Könnte mein neuer Personal Best werden, wenn auch nur knapp, doch diese Gedankenspiele sollten nicht die Tatsache vertuschen, dass ich ihn noch immer nicht gelandet hatte. Immer wieder musste ich mit Wasser mein Gesicht beträufeln,denn der Schweiß ronn mir in der glühenden Abendsonne nur so von der Stirn und meine Arme schmerzten schon mächtig. Hinter mir standen mittlerweile bestimmt 20 Zuschauer, einen Fehler konnte ich mir also nicht mehr leisten, wenn ich eine Blöße vermeiden wollte.
Nun endlich die Chance den Waller zu landen. Der erste Versuch scheiterte und der Fisch gab nochmal alles, was ihm an Kraft geblieben war. Im vierten Anlauf und nach rund einer Stunde Drill klappte es dann endlich.
Der Wels reagierte auf den leichten Schädelklapps nicht mehr, ich setze zum Wallergriff an und hievte den Riesen an Land, was mit einem großen Applaus der staunenden Passanten honoriert wurde. Die Drillinge des Wobblers hatten gut im Oberkiefer gefasst.
Leider hatte ich kein Maßband mit und legte deshalb schnell die Rute neben den Urian und machte mir eine Markierung am Blank, wie lang er war. In Anbedracht der Rutenteilung mussten es mindestens 1,50 m sein und mein bisheriger Wels-PB lang bei 1,55 m. Eine ältere Dame, machte dann netterweise zwei Fotos, danach entließ ich den Bartelträger zurück in die Saale.
Bei meinen Großeltern angekommen, nahm ich dann Maß an der Rute
und dabei kamen genau 1,60 m heraus. Es war also mein neuer Fisch des
Lebens! Dafür bleibt man doch gerne "Rapfentrottel" und Grillwürstchen+Bier
schmecken gleich doppelt so gut. 

Veit Wilde
| < Zurück | Weiter > |
|---|

Kommentare
mir ist unverständlich, wie man solch ein >Tier wieder zurück setzen kann. Den sollte man aufessen, der Grund warum Angeln nicht als Tierquälerei eingestuft wird. Ganz davon abgesehen, was dieser Wels in einem Jahr frisst.
Harry