Norwegen - Bömlo - Rolvsnes: Eine Tour mit Hindernissen..
Norwegen - Bömlo - Rolvsnes: Eine Tour mit Hindernissen...
Anreise und Tag I
Vor einigen Wochen hatten wir die Idee, Norwegen mal wieder zu besuchen. An sich bei mir ja nichts Neues, aber für einige der Mitfahrer war es totales Neuland. Nun gut, kurzer Hand ein Treffen vorab veranstaltet und alles besprochen. Und dann ging es ans Buchen. Am nächsten Tag dann mit unserem Vermieter in Norwegen telefoniert, ob überhaupt eine Hütte zur Verfügung steht. Von dort gab es dann das OK: Ihr könnt kommen! Dann noch schnell die Fähre buchen und auf den Abreisetag warten.
Bis dahin hat alles wunderbar geklappt, aber dann, zwei Tage vor der Abfahrt, kam ein Anruf von der Fährenagentur mit der Ansage: wir müssen ihnen leider mitteilen das die Fähre defekt ist und ausfällt, aber zur Rückfahrt ist die Fähre wieder heil. Naja, ärgerlich, aber nicht zu ändern. Dann mal eben eine andere Fähre gebucht, per Blitzüberweisung online bezahlt, zwischendurch die anderen Mitfahrer informiert und die Tickets per E-Mail erhalten - klappte auch ganz hervorragend. Und nun kommt's: drei Stunden vor der Abfahrt klingelt das Handy, am anderen Ende ist die erste Fährenagentur: Hallo, die Fähre ist wieder heil und fährt doch... Wiederum alle Mitfahrer angerufen, mit der Frage was nun? Welche Fähre nehmen wir? Schnell darauf geeinigt, dass wir die ursprüngliche Fähre nehmen. Dort angerufen und bestätigt, dass wir fahren, dann noch schnell die zweite Agentur angerufen, dass wir stornieren. Alles hervorragend, nur ich hatte so langsam ein leichtes Grumeln in der Magengegend...
Dann endlich war die Abreisestunde da und nachdem wir das ganze Gerödel auf zwei Autos und einen Anhänger verteilt hatten, ging es los. Irgendwo im tiefsten Dänemark machten wir eine kurze Kaffeepause und danach kamen wir frohen Mutes in Hanstholm an. An die Bude zum Einchecken gefahren, Papiere klar gemacht und dann kam der Hammer. Die überaus gut aussehende nette Dame in der Hütte wünschte uns eine gute Reise und im gleichen Atemzug sagte sie: Die Fähre fährt am Abreisetag nicht, weil sie in die Werft muss. Ich glaub, ich habe noch nie so viele Mundwinkel gesehen, die auf einmal herunterklappten. Und was nun??? - keine weitere Auskunft..........
Die Überfahrt war dann OK - und nach einigen Bierchen an der Pianobar ging es denn gegen 0.00h in die Heia.
Am nächsten Tag noch gaaaaaaanz schnell an den finster blickenden Zollbeamten vorbei (wenn der gewusst hätte...) und nach knapp 50 Minuten waren wir endlich am Ziel.
Schnell notdürftig ausgepackt, die Angelsachen klar gemacht und raus auf's Wasser.
Wir hatten schon vorher beschlossen, dass wir die letzten Stunden vom Tag zum Einangeln nur im Fjord verbringen wollten... Haben hier und da einige der mir bekannten, guten Stellen angefahren, aber außer einigen Miniköhlern, Wittlingen und Heringen war nicht viel los. Bei mir gab es nur einen Schellfisch, der mir zur Begrüßung meinen eigenen Pilkerdrilling in den Daumen drückte - Aua...
Haben den Haken schnell abgeknipst und versucht ihn zu ziehen, was aber leider nicht möglich war. Somit war der erste Tag beendet und ich durfte noch zum Doc-Center in den 30km entfernten nächsten Ort fahren. Die anwesende Krankenschwester erzählte mir in ihrem norwegisch/englischen Kauderwelsch grinsend, dass der Doc in ca. 30 Min. da ist und dass ich erstmal Platz nehmen möchte. Der Doc kam dann irgendwann und führte mich - auch seltsam grinsend - in sein Mini-OP-zimmer. Als ich mich dort etwas umschaute, wusste ich auch, warum die alle grinsten --- dort gibt es eine „Andenkenwand" voller Pilker und Beifängerhaken, die aus diversen Körperteilen entfernt wurden. Und nun musste auch ich grinsen, denn mein Drillingsrest würde von nun an auch da platziert sein!
Der Rest ging schnell - Betäubungsspritze - Schnitt - laufendes Blut - Haken entfernen - wasserdichter Verband mit Pflaster - Tetanusauffrischung - Antibiotikum - fertig. Danach noch die Formalitäten erledigt, zur nächsten Tanke gedüst, ein Bier geholt und ganz in Ruhe genossen.
Passend zum Abendessen war ich dann zurück. Was ich nicht wusste: die Angelkollegen waren noch mal los gefahren und konnten noch einige Seelachse und einen Seeteufel verhaften.
Den gab es denn auch zum Abendessen.
Tag II...
...ist bei mir leider wegen Unpässlichkeit ins Wasser gefallen. War zwar kurz mit raus, merkte aber schon nach einigen Minuten, dass mein Magen rebellieren wollte. Da hat sich wohl das ganze medizinische Zeug nicht mit den Wellenbewegungen vertragen. Die anderen fischten noch mal den Fjord ab und konnten einige gute Dorsche und Seelachse mitbringen. Die ersten Filets wanderten somit in den Kühler. Und zum späten Nachmittag zog Nebel auf...
Tag III - VI
Nun ja, es war nebelig und ans Rausfahren nicht zu denken. Und das wiederholte sich bis zum fünften Tag. Wir dümpelten fast den ganzen Vormittag an der Nebelgrenze herum und konnten einige sehr gute Fische ins Boot helfen. Nur am sechsten Tag konnten wir für einige Stunden auf's offene Meer heraus. Dort ging es denn auch richtig zur Sache. Dorsche, Pollaks, mittelgroße Köhler, Lumbs, Lengs und noch ein großer Seeteufel füllten ganz schnell unsere Fischkisten.
Ü-5Kilo-Dorsch:
Knapp 7-Kilo-Pollak:
Was für ein Beifang: Lachs, 3,2Kilo:
Wir hatten da Bisse, die uns beinahe die Ruten aus den Händen geschlagen hätten. Ich hatte z.B. einen Biss, den ich leider nicht verwerten konnte: der Fisch knallte bei 70 Meter am Grund rein, brachte meine Rute gleich in Hufeisenform, zappelte einmal und ließ sich nicht mehr bewegen. Irgendwann, nach ganz vielen Minuten, merkte ich dann, wie er langsam ausschlitzte. Von diesen Bissen hatten wir so einige. Schade, aber ab und zu muss auch mal der Fisch gewinnen. Allerdings hätte ich gerne gewusst, welche Monster dort ihr Unwesen trieben....
Tag VII..
Der letzte Angeltag wurde - wie vorher besprochen - zum Bachforellenangeln genutzt.
An der leichten Spinnrute sind selbst die kleinsten Forellen (um die 10cm) eine wahre Pracht!
Es macht riesigen Spaß, die Fische auszudrillen und (wenn sie zu klein waren) ihren Fluchtweg im glasklaren Wasser zu verfolgen.
Tag VI: Abreise
Unser Vermieter, dem wir unseren Fährenschlamassel erzählt haben, kümmerte sich in den vergangenen Tagen um eine Fähre, die uns zurück brachte. Wie er sagte, haben wir eine der letzten Möglichkeiten nutzen können, per Fähre zurück zu kommen. Für uns bedeutete es, wieder quer durch Norwegen zu fahren, um nach Kristiansand zu kommen. In Kristiansand angekommen, durften wir noch vier Stunden auf die Schnellfähre warten, aber dann ging es alles sehr schnell.
Nach knapp zwei Stunden waren wir dann auch schon in Hanstholm (DK) und der Rest war nur noch ein gemütliches Heimfahren...
Bericht und Fotos: Micha Knaack
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