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Neues vom Ferkelfahnder | Drucken |
Neues vom Ferkelfahnder

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Schamlose Schleicher schmarotzen schmählich.

 

Wer ein interessantes Produkt hat, dass an den Mann oder -wir sind ja emanzipierte Angler- an die Frau zu bringen ist, der steht immer vor dem einen gleich großen oder gleich kleinen Problem: Wie finde ich meinen Kunden.

Und wenn der Kunde nicht zur Ware kommt, muss die Ware halt zum Kunden kommen.

Als Kinder kannten wir diese kleinen Emailleschilder an den Klingelknöpfen der Mietskasernen, wo drauf stand: „Betteln und Hausieren verboten!" -

Hausierer waren Personen hart am Rande der Legalität, vor denen uns mindestens unsere Großeltern ständig gewarnt haben, ohne zu ahnen, dass sie uns damit direkt auf ein vermeintlich interessantes Abenteuer gestoßen haben.

In den sauberen Wohnvierteln der größeren Städte in den späten sechziger und frühen siebziger Jahre gab es ja sonst keinerlei zwielichtigen Gestalten. Selbst Prostituierte gaben sich den Anschein, ein bürgerliches Leben zu führen und wurden von Nachbarn nie als solche identifiziert, bis der doch so bieder saubere Biedermann dann durch den berühmten Zufall im Kreise seiner genauso biederen Freunde auf einer nächtlichen Kneipentour in die eher weniger biederen Stadtviertel vorgedrungen war, nur um die Erkenntnis mitzubringen, dass die liebe Frau Krause aus dem 4. Stock des Nachbarhauses doch nicht so lieb war, sondern nächtens als heiße Uschi im Negligé in einem eigens durch das Aufstellen einer roten Laterne als solches gekennzeichneten Etablissement ihrer lukrativen aber doch so gar nicht in das Klischee der sauberen Siedlung passenden Beschäftigung nachging.

Wir Kinder erfuhren natürlich überhaupt nichts von solchen Machenschaften, erbeuteten beim plötzlichen Auszug der lieben Frau Krause aus der leer stehenden Wohnung oder den sich auftürmenden nicht für umzugswürdig befundenen Inventarresten das eine oder andere Sammlerstück, das liebevoll gehortet zu der Vielzahl der Fundsachen aus der letzten großen Sperrmüllaktion in eine Kiste kam, nur um im nächsten Frühsommer auf einer Wolldecke am Straßenrand Markthändler zu spielen und das Taschengeld mit ein paar Groschen aufzubessern.

Unser Hausierer hieß Erwin, und obwohl es ja bei Höchststrafe Stubenarrest strengstens verboten war auch nur im Umkreis von 50 Metern in seiner Nähe gesehen zu werden, war er es, der uns die meisten dieser Sperr- und Restmüllbeutestücke gegen bare Münze eintauschte. Abends lag man dann im Bett mit dem glücklichen Gefühl, erfolgreich was strengstens Verbotenes getan zu haben und dem nicht weniger glücklichen Bewusstsein, zur reichen Elite derer zu gehören, die ein Eis beim fahrenden Eismann einfach kaufen konnten, ohne dazu bei den Eltern oder -was meist erfolgreicher war- bei der Großmutter um die nötigen drei Groschen betteln zu müssen.

Mit zunehmendem Äletrwerden lässt dieses Verhalten nach, erstens, weil man keine Zeit dazu hat, sich mühselig durch Sperrmüllkartons zu wühlen, die ohnehin schon von den jüngeren Kindern leer geräumt waren, die eine Stunde früher aus der Schule raus waren, zweitens, weil es nichts Peinlicheres gibt, als direkt nach dem Auftauchen aus dem Müllkarton der Susanne mit den langen blonden Zöpfen in die strahlend blaue Augen zu blicken.

 

Heutzutage kommt die Ware nicht mehr einfach so zu den Kunden. Der Berufsstand des Hausierers ist ausgestorben beziehungsweise nahtlos ersetzt worden durch den Anbieter für die Schnäppchenjäger der 3-2-1-meins-Generation. War es damals der Hauch des Anrüchigen, der diese Menschen so interessant und spannend machte, ist es heute der Anschein des Normalen, der die Nachfolger der Hausierer von früher so gefährlich macht. Hier und da mal ein kleiner Hinweis nach dem Motto: „Wie, Du suchst gerade nach ´ner guten Rolle? Ich hätte da zufällig was bei I-bäh im Angebot...", ab und zu ein dezenter Tipp: „Wenn Dir die An- und Abreise zu weit ist, ich vermiete nebenbei auch günstig Zimmer...", oder der Erlebnisbericht vom allertollsten Forellenteich westlich von Klein-Wülferode, bei dem dann dummerweise vergessen wird zu erwähnen, dass der eigene Schwager der Verpächter ist. Durch das Internet kommt halt nicht mehr die Ware zum Kunden, sondern nur die Information, wie leicht man an diese Ware kommen kann.

Ehrbare und seriöse Händler, Anbieter, Vermieter, Verpächter und sonstige Verkäufer haben die Chancen des Internet kennen und nutzen gelernt, haben erkannt, dass man für wenig Geld an den Stellen des weltweiten Netzes, die auch von den potentiellen Kunden besucht werden, mit wenig Werbegeld viel erreichen kann. Auch die Kunden haben dies erkannt und nutzen diesen Werbemarkt für ihre gezielte Informationssuche.

Und wie früher derjenige, der Putzbürsten, Schuhwichse und Wischschwämme im Bauchladen von Haustür zu Haustür trug und dem Krämer an der Ecke das ohnehin nicht leichte Leben noch schwerer machte, sind es heute die schamlosen Schleicher ohne Gewerbeschein und Umsatzsteuervoranmeldung, die ja „nur ein gutes Geschäft machen wollen", ohne Rücksicht auf diejenigen, die von ihrem Beruf leben, eine Familie ernähren und zum Wohle aller ihren Obulus an den Staat entrichten müssen.

Warnt Eure Kinder und Enkelkinder davor, aber bleibt fröhlich.

 

Euer Ferkelfahnder

 

 

 

 

 

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