Elbe in Magedburg
Elbe in Magdeburg
Um mal eines klar zu stellen: Die mittlere Elbe im Raum Magdeburg inklusive ihrer Nebengewässer ist natürlich kein „Forellenpuff“, wo einem die Fische in den Kescher springen. Dennoch verbinde ich mit diesem Gewässersystem so etwas wie eine Fanggarantie, da es nur sehr selten vorkommt, dass ich dort mal einen Schneidertag erlebe. Vor allem als Raubfischrevier ist die Elbe erstklassig, so dass ich selten in Versuchung komme den ebenfalls hervorragenden Friedfischbestand zu beangeln.
Das „Herz“ des Gewässersystems ist natürlich der Strom selbst. Im Stadtgebiet von Magdeburg teilt sich die Elbe in die Stromelbe, die teilweise kanalähnlichen Charakter hat und die Alte Elbe, bei der es sich um einen recht naturbelassenen Seitenarm handelt. Außerdem gibt es noch die Zollelbe, welche die Verbindung zwischen Stromelbe und Winterhafen bildet. Der Winterhafen selbst darf allerdings nicht beangelt werden, dafür aber der Industrie- sowie der Handelshafen. Erwähnenswert ist auch noch der Abstiegskanal im Norden Magdeburgs, der Elbstrom und Mittellandkanal miteinander verbindet. Am südlichen Stadtrand hingegen befindet sich eine herrliche Auenlandschaft rund um die Elbe. Allerdings ist dieses Gebiet weitestgehend nur zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar. Wem das jedoch keine Probleme bereitet kann dort sein Glück an zahlreichen Altarmen, Teichen und Gräben versuchen, die bei stärkerem Hochwasser immer wieder gut „besetzt“ werden.
Doch wo und wie fängt man nun welchen Fisch am besten?
Während sich viele Angler beklagen, dass sie fast keine Aale mehr an ihren Gewässern fangen, erbeutet man die Schleicher an der Elbe im Überfluss. Erste Adresse ist dabei die Stromelbe. Die Aalsaison ist von Juni bis September in vollem Gange. Während dieser Zeit fängt man selten weniger als fünf Aale in einer Nacht. Läuft es gut, sind durchaus zehn Fische und mehr möglich. Dabei müssen nur einige Regeln beachtet werden. In der Stadtmitte Magdeburgs, wo die Elbe keine Buhnen hat, sind die Bedingungen günstig um im Hauptstrom zu angeln. Und genau da muss ihr Köder auch hin. Bei normalem Wasserstand reichen Bleie zwischen 100 und 150 g dafür vollkommen aus. Je weiter sie ihre Montage in Richtung Flussmitte werfen, desto seltener werden sie von Wollhandkrabben geklaut. Dafür beißen die Aale aggressiv und auch die Beifänge sind relativ gering. Bei Bissen wird sofort angeschlagen. Diese erfolgen übrigens vor allem nach 2 Uhr nachts. Wenn bis dahin also nur ein oder zwei Aale im Eimer liegen, sollte man keinesfalls schon einpacken. Als eindeutig bester Köder hat sich ein einzelner Tauwurm an einer Laufbleimontage erwiesen. Wer in Buhnen oder zu nah am Ufer fischt, fängt meist nur Weißfische, Krabben und kleine Aale. Die Elbaale aus dem Hauptstrom sind zwar auch nur selten Riesen, haben aber meistens eine schöne „Küchengröße“. Angesichts der großen Fangmengen kann man den Räucherofen dann bereits nach einem oder zwei Ansitzen anwerfen.

Als Zanderrevier hat die Elbe deutschlandweit einen hervorragenden Ruf. Der Bestand ist in der Tat enorm, jedoch ist es nicht immer ganz einfach einen Zanderschwarm zu finden. Richtige Topp-Stellen sind daher eher rar, so dass Wanderangeln angesagt ist. Der Krakauer Wasserfall an der Alten Elbe, der Abstiegskanal, die Buhnenfelder und im Winter auch die Häfen sind aber auf jeden Fall für Zander empfehlenswert. Hat man erst mal einen Zanderschwarm gefunden, fängt man dann oft auch mehrere Zander hintereinander. Beste Angelmethode ist das Spinnfischen mit Gummifisch. Die optimale Ködergröße liegt um die 10 cm, die Gewichte der Bleiköpfe zwischen 10 und 30 g. An der Elbe habe ich gute Erfahrungen mit weißen, gelben und grünen Gummifischen gemacht, also eher Schockfarben.

Das Angeln mit Köderfisch ist angesichts der vielen Wollhandkrabben nicht zu empfehlen. Einige Spezialisten fischen allerdings erfolgreich mit Pose an der Stellfischrute, wodurch der Köder nicht ständig in Reichweite der Krabben ist. Beste Zanderfänge gelingen an trüben Tagen oder in den Dämmerungsphasen. Zwar werden ganzjährig Zander gefangen, jedoch ist es im Winter sehr schwierig die Standplätze der Räuber zu lokalisieren, weshalb ein Versuch eher im Sommer oder Herbst lohnenswert ist. Meist sind die gefangenen Zander um die 60 cm lang, doch jedes Jahr werden auch sehr kapitale Fische erbeutet.
Durch den Zanderboom wird die Elbe als Hechtgewässer von vielen Anglern unterschätzt. Ein großer Fehler, denn die Entenschnäbel kommen insbesondere in den Auengewässern im Süden Magdeburgs sehr reichlich vor. Mehrere Hechte an einem Tag zu fangen ist hier vollkommen normal. In jedem kleinen Tümpel lauern immer ein paar Hechte und der Angeldruck ist relativ gering. Auch zum Hechtangeln ist das Spinnfischen die optimale Methode, wobei natürlich nichts gegen einen gemütlichen Ansitz mit Köderfisch an einer Posenmontage spricht. Ich habe beim Spinnfischen sehr gute Erfolge mit flachlaufenden Schwimmwobblern um die 10 cm Länge gehabt. Mit diesen können die meist flachen und verkrauteten Gewässer recht gut beangelt werden. Bei den Farben sollte die Wahl auf natürliche Muster, die Barschen und Weißfischen ähneln, fallen. Im Sommer kann außerdem ein schnell geführter Effzettblinker gute Erfolge bringen. Zwar sind die Hechte meistens nur 50 bis 70 cm lang, aber Angelspaß ist Dank der vielen Bisse und der natürlichen Umgebung in den Auen trotzdem garantiert, zumal man vor größeren Überraschungen natürlich nie sicher ist. Größere Hechte von vereinzelt mehr als einem Meter beißen in den Buhnen des Hauptstroms oder gelegentlich auch in der Alten Elbe, dafür ist die Anzahl der gefangenen Fische dort aber deutlich niedriger. Als Köder sind in diesen Bereichen eher Gummifische zu empfehlen. Die Elbhechte lassen sich ganzjährig, natürlich ausgenommen der Schonzeit, überlisten. Auch im Hochsommer habe ich gut gefangen, wobei dann meistens nur am zeitigen Morgen ein Angelversuch lohnt. Im Herbst und Winter können sie ganztägig mit Hechtbissen rechnen.

Rapfen sind in der Elbe zahlreich und in kapitalen Größen vorhanden. Besonders im Sommer scheinen sie im Hauptstrom allgegenwärtig zu sein. Beim Spinnangeln mit kleinen, flachlaufenden Wobbler, Poppern, Spinnern oder einem oberflächennah geführten Gummifisch können Rapfenspezialisten Sternstunden erleben. Die Köder sollten silbrig, weiß oder grau sein, da die Rapfen hauptsächlich den Ukeleis hinterher jagen. Außerdem muss der Köder sehr schnell geführt werden, da die Bisse sonst ausbleiben. Rapfen sind relativ schnurscheu, weshalb man nur mit monofilen Hauptschnüren und Vorfächern angeln sollte. In der kalten Jahreszeit stehen die Rapfen nicht mehr an der Oberfläche und werden gelegentlich beim Zanderangeln auf Gummifische gefangen. Allerdings ist es nicht möglich sie auf diese Weise gezielt zu befischen, so dass man von Zufallsfängen sprechen muss.

An weiteren Räubern kommen noch Barsche und Quappen vor. Erstere sind im gesamten Revier verbreitet, wobei es auch hier gilt einen Schwarm ausfindig zu machen. Zeitweise ziehen viele Barsche in die Häfen im Stadtgebiet von Magdeburg. Mit kleinen Spinnern, Blinkern, Wobblern und Twistern kann es beim Barschangeln dann Schlag auf Schlag gehen und nicht selten sind gute Fische von über 30 cm dabei. Vor allem Köder im gestreiften Dekor laufen auf Barsch sehr gut. Gelegentlich beißen die Fische auch mal auf einen Tauwurm.
Quappen kommen in der Elbe zwar reichlich vor, jedoch ist die einzige mir bekannte Topp-Stelle der Krakauer Wasserfall, denn hier sammeln sich die Süßwasserdorsche im Winter zu ihrer Laichwanderung. Das Quappenangeln ist allerdings an dieser Stelle sehr vom Wasserstand abhängig. Erst wenn der Elbpegel in Magdeburg über zwei Meter liegt, lohnt sich auch eine Tour dorthin. Die Quappenfänge sind in den letzten Jahren leider rückläufig.
Bei günstigen Bedingungen bleibt ein gezielter Ansitz trotzdem selten erfolglos. Als Köder kommen Tauwürmer oder kleine Köderfische an einer Grundbleimontage zum Einsatz. Eine Leuchtperle auf dem Vorfach kann die Fangquote noch erhöhen. Die Quappen beißen nur in Winternächten und sind im Schnitt um 40 cm lang, allerdings nur sehr selten wesentlich größer.
Der letzte erwähnenswerte Räuber der Elbe ist natürlich der Wels. Der Bestand der Uriane hat in den vergangenen Jahren rapide zugenommen. Wer sich in den Buhnenfeldern nachts mit Wurm auf Aal ansetzt, fängt nicht selten mehr kleine Welse als „Schlangen“. Das gezielte Welsangeln steckt hingegen noch in den Kinderschuhen. Vor allem Kunstköderangler bekommen immer wieder Welsbisse, aber nur in seltenen Fällen können diese Fische gelandet werden, da sie in die Hauptströmung ziehen und dann unhaltbar sind. Darum ist zum gezielten Welsangeln an der Elbe unbedingt sehr kräftiges Gerät erforderlich. Anders als in kleineren Flüssen ist die Landung von guten und größeren Welsen ansonsten unmöglich. Obwohl die Welse auch gerne auf Kunstköder beißen, so gelingen gezielte Welsfänge an der Elbe eher beim Ansitz. Dafür muss man sich sehr tiefe Buhnen suchen und dann dort sein Glück mit einem großen Wurmbündel oder einem Köderfisch an einer Unterwasserposenmontage versuchen.
Veit Wilde
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Kommentare
Dieser Bericht ist Dir sehr gut gelungen, er entspricht meinen Erfahrungen.
Gruß snoekbars
wirklich ein sehr toller Informationsber icht den Du da geschrieben hast. Kann diese beschriebenen Tatsachen zur Elbangelei nur bestätigen. Ich selber habe sehr viele und schöne Wels (der größte lag bei 160cm) als Beifang beim Gummifischen auf Zander gefangen, ist der Wels jedoch einmal inner Hauptströmung ist er wirklich verloren! Veit vielleicht hast ja mal Lust Dich bei mir zu melden. easyfreeway@gmx .de
vielen dank für die geteilten erkenntnisse
und weiterhin petri heil