Nordseetour
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„Freitag der Dreizehnte mit dem Nordsee-Express“Da die Nordsee für uns Rheinländer nur 2,5 Stunden Fahrtzeit entfernt liegt, wollten wir, mein Bruder und ich, mal wieder auf die Nordsee rausfahren. Nach längerem Surfen über die möglichen Schiffe und Boote, welche im Winter zum Wrackangeln rausfahren, fand ein Boot unser Interesse. Der Preis für eine Ausfahrt hob sich preislich deutlich von den üblichen Kutter-Preisen ab, das Boot allerdings auch.
Die Bilder auf der Website zeigten ein sichtbar schnelles Doppelrumpf-Boot für maximal 12 Angler. Genau das Richtige, fand mein Bruder, der Preis war allerdings doppelt so hoch wie für eine Wrack-Tour mit einem üblich Nordsee-Kutter. Ein Telefonat wurde geführt, das freundliche Gegenüber klärte einen über alle Punkte auf, und so buchte ich 2 Plätze mit 4 Portionen Wattwurm.
Gegen 2.45 Uhr fuhren wir Richtung Niederlande los und trafen gegen 5:15 Uhr in dem uns völlig unbekannten Hafen ein. Nach weiteren 30 Minuten Suchen fanden wir die Ablegestelle, wo sich mittlerweile auch die anderen 8 Angler aus den Niederlanden und Belgien versammelt hatten. „Take Off“ sollte um 6:45 Uhr sein, um 7:00 Uhr ging es los.
Die Ausrüstung wurde auf das Boot gebracht, für die Ruten standen mittig Rutenhalter in ausreichender Stückzahl bereit. Die Platzwahl war nebensächlich, was an der Bauart des Bootes lag: fast quadratisch, praktisch, gut.
Der Kapitän erklärte das wir zwei, drei Wracks ansteuern würden, dann folgte die Sicherheitsbelehrung. Während der Fahrt hatten alle Kisten und Ausrüstungsgegenstände auf dem Deck zu stehen und der hintere Bereich des Bootes war für die mitfahrenden Angler bei Fahrt Tabu. Die Kabine (Nichtraucher) bot sieben bis acht „Mitreisenden“ Sitzgelegenheiten, wir als Nikotinsüchtige nahmen daher freiwillig im Windschatten der Kabine einen Außenplatz.
Dann wurde die Fahrt Richtung Nordsee aufgenommen. Schon der Motorsound hob sich deutlich von einem Kutter-Diesel ab, hörte sich wie eine hubraumstarke Turbine an, welche auf das „Go“ wartete. Dieses „Go“ erhielten die beiden Motoren sobald der Hafen hinter uns war. Die Geschwindigkeit steigerte sich immer mehr, die Fahrt ab sofort war kein normaler Angeltörn, es war bei Windstärke 5-6 und Wellenhöhe 1,5 bis 2 Meter auf offener See ein dem Wrackentgegenrasen mit 45km/h. Vorbereitende Maßnahmen um die Ausrüstung fertig zumachen, sollten hinsichtlich der herrschenden Bedingungen möglichst schon abgeschlossen sein, werden auch wir uns für die nächste Fahrt merken. Zigaretten und Feuerzeug können dagegen getrost zurückgelassen werden, die äußeren Umstände machen das Anzünden einer Zigarette zum Glücksspiel...ebenso das Binden von Haken stellte eine ungeahnte Herausforderung dar...
So rasten wir ca. 2 Stunden Richtung Nordsee raus, vorbei an den schön beleuchteten Bohrinseln und an den dicken, vor dem Europoort auf Reede wartenden Tankern und Containerschiffen.
Nach zwei Stunden Rasen und Durchschütteln, was schon alleine einen riesigen Spaß gemacht hatte, wurde das erste Riff angesteuert. Geangelt wurde zum größten Teil mit 2-Haken-Montage und Wattwurm, hier ein Angler mit Pilker, da einer mit Muschelfleisch. Das erste Wrack war nicht allzu hoffungsvoll, ich hatte zwei kleine Baby-Dorsche dran (schwimmen wieder), gegenüber wurde ein Dorsch gefangen, der die passende Größe hatte. Der Kapitän machte auch nicht lange Federlesen, alle Angeln wieder rein, und so ging es nach 20 Minuten wieder „volle Pulle“ weiter raus.
Die Fahrt wurde jetzt recht unruhig, die Wellen draußen auf der Nordsee pendelten sich so um die 2 Meter ein, kombiniert mit der schönen Geschwindigkeit, ein wirkliches Erlebnis, und da wir beide bis jetzt nicht blau angelaufen waren, waren wir uns recht sicher, das wir die Fische nicht füttern werden.
Nach ca. 45 Minuten erhielten wir die Info um Kapitän, das wir gleich am Ziel, dem zweiten Wrack ankommen werden. Unsere Hoffnung, das diese Wrack hoffentlich erfolgreicher sein wird, sollte kurze Zeit später erfüllt werden.
Fünf Minuten später wurde die Fahrt gestoppt, die Bleie sanken Richtung Grund, ca. 35-38 Meter. Es dauerte nicht lange, da bog sich auch schon die eine und die andere Rute und die ersten Dorsche wurden freudig an Board begrüßt. Die Bisse kamen, und wir konnten den einen und den anderen Dorsch Richtung Kiste lotsen, mussten aber auch das eine und das andere Blei den Wrack als Tribut überlassen. Ich hatte mittlerweile eingesehen das meine bis 220WG Rute hier nicht so wirklich passend war und setzte meinen 500WG-Prügel ein, hing mein dickstes Blei mit 350g dran, in der Hoffnung zügig genug Richtung Grund zukommen. Die Entscheidung sollte sich nur kurz Zeit später als goldrichtig erweisen, ein Biss und das Teil bog sich hochachtungsvoll Richtung Wasser. „Dick Fisch“ rief der Kapitän, über dem Wrack immer selber mit der Rute in der Hand, stellte dieselbe beiseite und kam mit dem Gaff zu Hilfe, kaum war der Dorsch an der Wasseroberfläche, zack war er auch schon zu meinen Füssen angelandet worden. Mit 85cm fettes Teil, dachte ich mir, freute mir ein Bein ab und versenkte das Blei wieder in die das mittlerweile recht ruppige Nordsee.
Es folgten für mich noch zwei Ü80er. Diverse Ü60 und Ü50, gefangen von meinen Bruder und mir, wanderten in unsere Kiste. Auf der anderen Seite gegenüber wurde zwischenzeitlich der Dorsch des Tages hochgepumpt, mit über 100cm ein wirklich dicker Brummer. Untermäßige waren an diesem Wrack die Ausnahme, wir hatten zu zweit aus dieser Ausfahrt 9 Stück die nicht die notwendige Länge hatten. Gegen 15:00 Uhr kam dann das Kommando „Ende im Gelände, Saubermachen“. Wohlgemerkt Saubermachen, mehr war nicht drin als Ausnehmen, der Wellengang und die Rollbewegung des Bootes sollte man mit einem Messer in der Hand nicht unterschätzen, und so wurden die Fische gesäubert und in die Kühltaschen verstaut. Nachdem der Deckel der letzten Kühltasche geschlossen war, die Angler sich wieder in der Kabine bzw. im Windschatten Platz genommen hatten, wurden die Motoren wieder unter Vollgas gesetzt und des ging Richtung Hafen. Da der Seegang recht ruppig war, war die Fahrt mehr ein Ritt den Wellen. Wir hatten es nun doch mal geschafft uns, auf der Zubehör-Box sitzend eine Zigarette anzumachen. Die Sucht währte nicht lange, eine wohl einen Tacken zu hohe Welle stellte sich dem Boot entgegen, den Bug tauchte in dieselbe ein und wieder aus, wir, mein Bruder, unser Sitz, die Box und Ich, flogen kurz mal einen halben Meter nach oben und umgehend mit einem lauten Knall wieder in Sitzposition zurück. Also auch mit in die Kabine, es war ja mittlerweile auch schon 16:00 Uhr und die Temperatur ging unter den Gefrierpunkt. Die rauhe See konnte dem Kapitän nicht aus der Ruhe bringen, kam wieder eine störende Welle und das nachfolgende Wellental, quittierte der Kapitän diese kurz vor ihrem Auftreffen mit einem „HOPPA“, jeder wußte das es nahezu zeitgleich ziemlich Rappeln würde.
So war auch der Versuch der beiden Fahrt-Ältesten ihr verdientes Heineken aus der Dose zutrinken nicht allzu erfolgreich, aber es hob die schon so hervorragende Stimmung noch weiter. Wer sieht schon mal einen Holländer, welcher beim „Heineken-Trinken“ kläglich scheitert und statt dessen sein Gesicht, seine Tisch-Nachbarn und alles weitere im Umkreis von einem halben Meter einer „Heinneken-Dusche“ unterzieht.
Ein dahin treibendes Tau, welches in voller Fahrt überfahren würde, sorgte dann kurzzeitig für einen Moment der Aufregung, es hatte sich jedoch nicht um die Schrauben gewickelt, so konnte der Kapitän und seine Gäste tief durchatmen und die Fahrt wieder aufnehmen. Um 17:30 Uhr wurde angelegt, die Leistung des Kapitäns mit einem internationalen Applaus honoriert, und die Ausrüstung vom Boot gehievt.
Zusammenfassung
Das die Fahrt zu den Fischgründen auf der Nordsee länger dauern, muß man als gegeben hinnehmen. Der „flotte Hobel“ machte aus dem üblichen Warten jedoch ein unterhaltsames „Dahinbrettern“.
Die gesamte Ausfahrt dauerte insgesamt 10,5 Stunden Die reine Angelzeit betrug ca. 5,0 Stunden, die Anteil an Fahrtzeit belief sich ebenfalls auf 5,0 Stunden, hinzu kam eine halbe Stunde für das Säubern der Fänge.
Wir waren mit der Dauer der reinen Angelzeit vollausgelastet. Das Boot konnte durch seine Wendigkeit und Schnelligkeit, sich nach dem Abdriften wieder so schnell über das Wrack stellen, das die Zeit für das Köderaufzeihen reichte, dann war das Signal für „Blei frei“ auch schon wieder da. Zum Ende hin hatten daher auch schon zwei Mitfahrer den aktiven „Dienst“ eingestellt. Daher war auch kein negativer Ton zuhören, als um 15:00 Uhr der aktive Teil der Tour vom Kapitän als beendet erklärt wurde.
Das Wetter und die See machten das Angeln zu einer wirklich sportlichen Herausforderung, wir bekennen uns: „The Day After“ wurde mit schweren Beinen und Muskelkater vornehmlich in denselben verbracht. Bis dato unbekannte Muskeln wurden zwecks Standfestigkeit durch das Schaukeln und Rollen durchgehend genötigt und be- bzw. überlastet.
Die Fänge an Boot übertrafen deutlich unsere Erwartungen. 3 Stück über 80cm, dazu noch 15 in der 50er und 60er-Klasse, 10 durften wieder nach Hause. Womit wir im Vergleich zu den Mitreisenden nicht besonders gut oder schlecht da standen. Jeder hatte seine Kiste gut bestückt.
Das Boot, eindeutig ein Prachtstück, macht einfach nur Spaß, nicht zu klein und nicht zu groß, wunderbare Rutenhalte mittig, und eine schöne familiäre Stimmung. Die Kabine bietet neben dem Kapitän 7 bis 8 Anglern Sitzgelegenheiten. Blei, Montagen sowie Getränke sind bei Kapitän erhältlich. Bei Windstärke 5-6 BF sollte man sich jedoch sicher sein, einigermaßen Seefestigkeit aufweisen zukönnen. Ebenso ist die körperliche Belastung von acht Stunden „Schnellbootfahren“ nicht ohne. Wir sind sicherlich nicht unsportlich, stehen aber dazu, das die Fahrt uns einen feinen Muskelkater bescherte. Angler mit Wirbelsäulen-Problemen sollten von einer Fahrt bei ruppiger See Abstand nehmen, es schepperte manchmal wirklich satt. Schwimmanzug und Weste sind obligatorisch.
Die Stimmung an Board war perfekt, sobald einer einen größeren Fisch an der Leine hatte, hat der Nachbar oder auch der Kapitän gegafft.
Die Drift war außerirdisch, muß man unter dem sportlich Aspekt als gegeben hinnehmen.
Der Preis ist aus unserer Sicht völlig gerechtfertigt, zahlt man für eine „normale“ Wracktour auf die Nordsee ca. 35,- € so betrug unser „Fahrpreis“ 70,- €, jedoch ist diese Tour mit einer „Normalen“ in keiner Weise vergleichbar.
Für uns steht fest, wir kommen wieder, den nächsten Törn ist schon gebucht und die Tage werden ab heute wieder gezählt.













Der Link:
http://www.ahoy-hengelsport.nl
Jan Bockelmann
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