Ausgabe Mai 2012

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    Nur eine Geschichte

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    steinsoeja_50x250_dezemberNur eine Geschichte

    Es ist beängstigend eng in meinem Zuhause ich muss hier unbedingt raus. Außerdem lockt mich dort draußen etwas. Es ist nicht leicht zu erklären. Stimmen die mir etwas von großen Abenteuern erzählt. Verführerisch, wild, lockend. Ich will meine Sachen packen und ausziehen.

    Nur muss ich jetzt noch eine Tür finden in meinem runden Zuhause. Die Wände sind weich und elastisch. Da ich den Ausgang nicht finde, muss ich durch die Wand brechen. Ich zerre, beiße und stupse. Ganz schön anstrengend kann ich euch sagen. Nach langer und mühsamer Arbeit schaffe ich es endlich. Zum ersten Mal sehe ich, was außerhalb meiner Wohnung ist. Ich sehe viele Kieselsteine und Felsen. Es zerrt an mir und ich muss aufpassen, dass ich die Balance nicht verliere. Aber allmählich gelingt es mir das Gleichgewicht zu halten. Nun erkundige ich neugierig die mir ungewohnte Umgebung. Nach 2-3 Flossenschlägen sehe ich einen großen Haufen andere Kinder die so aussehen wie ich. Ich stoße einfach mal zu ihnen rüber.

    Sie erzählen mir, dass wir Geschwister sind und Meerforelle heißen. Es ist toll, so viele Geschwister zu haben. Wir tollen und spielen den ganzen Tag miteinander. Ja das ist echt toll. Nach ein paar Tagen geht uns allen der Proviant aus. Hungrig suchen wir gemeinsam was zu Essen. Zwischen den Felsen und Kieselsteinen finden wir immer wieder etwas zu Essen. Auch wachsen wir langsam. Wir entdecken, dass auch die lustigen Wasserflöhe schmecken. Vorhin ist etwas Furchtbares passiert. Ein Trupp große Monster ist zwischen uns gefahren und hat einen Teil meiner Geschwister aufgefressen. Fürchterlich sahen sie aus. Groß, mit Streifen auf den Seiten und einen riesigen stacheligen Fächer auf den Rücken. Ihre Flossen waren rötlich gefärbt. Sie nennen sich Barsche. Ich hatte tierische Angst vor ihnen und konnte nur mit Mühe ihnen entkommen.

    Von nun an beobachten wir beim spielen immer wieder unsere Umgebung. Die Zeit vergeht und das Wasser wird wärmer. Wir wachsen alle und bestehen ganz, ganz viele Abenteuer. Auch werden wir alle ganz flink beim schwimmen. Wir können tolle Kreise ziehen, Saltos schlagen und andere tolle Sachen machen.

    So vergeht unsere Zeit hier im Bach. Nach einigen Jahren wird es uns aber zu eng hier. Wir schwimmen tagelang den Bach abwärts. Dann stoßen wir auf ein größeres fliesendes Gewässer. Er sieht fast genauso aus wie unser Bach nur halt größer. Hier verbringen wir viele Tage. Es ist recht abenteuerlich, kann ich euch sagen und wir müssen immer ganz doll aufpassen. Viele meiner Geschwister sind von Barschen, Hechten und anderen gejagt und gefressen worden. Auch meiden uns inzwischen andere Fischarten, die sonst früher mit uns gespielt haben. Sie sehen aber auch recht lecker inzwischen aus und ich hätte große Lust mal auf ihnen rumzukauen. Ich habe auch jetzt viele spitze Zähne.

    Langsam lassen wir uns von dem Fluss stromabwärts treiben. Über uns fahren große und kleine so genannte Boote rum. Auch haben wir mehr Feinde bekommen. Einer von ihnen ist schwarz und stößt von oben auf uns herab. Er hat einen großen langen Schnabel. Er dezimiert uns arg. Aber wer ganz, ganz doll aufpasst kann sich rechtzeitig retten. Je weiter wir im Fluss abwärts kommen, desto breiter wird er. Auch das Wasser schmeckt anders. Es wird na ja, wie soll ich sagen, salziger.

    Auch lernen wir andere Fische kennen. Einer von ihnen, er nennt sich Gevatter Dorsch Erzählt uns, dass wir jetzt in ein Meer kommen. Es nennt sich Ostsee. Dort soll es auch viele, viele andere Fischarten geben und neue Feinde. Die Ostsee soll groß sein und wir müssen lange, lange schwimmen, eher wir das andere Ufer zu sehen bekommen. Er sagt uns auch, dass der schlimmste Feind für uns der Berufsfischer sein soll. Mit seinen Schlepp- und Stellnetzen. Netze sind große Gebilde wo ganz viele Bänder miteinander verknüpft sind. Wir sollen dort mit unseren Kiemen und Flossen hängen bleiben. Ich nehme mir vor ganz doll aufzupassen.

    Hier in der Ostsee ist es recht abenteuerlich. Auch gibt es ganz viele neue Leckereien.

    Ich mag die Krabben ganz gerne. Meine Geschwister und ich haben uns in kleine Gruppen aufgeteilt. Wir sind jetzt meistens so 3 bis 6 pro Gruppe und schwimmen den ganzen Tag umher auf der Suche nach Beute. Ich bin jetzt 5 Jahre alt und habe schon eine Menge Abenteuer erlebt. Auch habe ich ein silbernes Kleid an. Todschick kann ich euch sagen. Aber mir fällt ein, dass ich euch ein besonderes Abenteuer hatte. Das muss ich euch unbedingt erzählen.

    Wir schwammen bei Waabs umher. Das ist eine Strandecke im nördlichen Teil der Ostsee. Wir waren wie immer auf der Jagd nach etwas essbarem, als wir ein verführerisches Platschen hörten. Immer wieder war es zu hören. Schnell fanden wir heraus, woher es stammte. Als wir ankamen, war genau vor uns wieder das Platschen.

    Ein Fisch den wir noch nicht kannten tauchte ins Wasser. Er sah lustig aus. Gelb-rot mit einem dreischenkeligen Etwas hintendran. Schnell schwamm ich hinter dem Fisch her und schnappte ihn mir. Als ich dann wegtauchen wollte mit meiner neuen Beute, gab es einen Schlag in meinem Maul und ich hatte ganz große Schmerzen. Ich wurde Richtung Ufer gezogen. Ich wehrte mich so gut ich konnte. Es gelang mir immer wieder einige Meter weg zu schwimmen, bevor ich wieder Richtung Ufer gezogen wurde. Ich sprang aus dem Wasser und schüttelte mich. Dabei sah ich am Ufer eine komische Gestalt, mit einem langen Stock. Man habe ich einen Schreck bekommen. Die Gestalt sah aber auch beängstigend aus. Sie hatte so ein komisches Gewand an. Das bestand aus einem dunklen grünen Unterteil aus. Obenrum war es grau. Da wo der Kopf bei uns ist hatte die Gestalt alles verhüllt. Ich sah nur 2 blitzende Augen, die sich auf mich hefteten.

    Auf dem Rücken hatte er etwas Rundes mit einem Netz. Voller Angst begann ich nun zum Boden zu stoßen um mich in den Tangfeldern zu verstecken. Aber immer wieder wurde ich hervor gezogen. Panisch versuchte ich nun nach recht und links zu schwimmen. Doch ich wurde immer weiter gezogen. Als ich nur noch einige Meter von der komischen Gestalt weg war, begann ich mich um mich selbst zu drehen und mit dem Kopf zu schlagen. Auf einmal löste sich meine Beute aus dem Maul. Schnell schwamm ich nun wieder Richtung offene See. Weg von dieser Gestalt. Ich hatte noch tagelang Schmerzen in meinem Maul. Aber nun ist es wieder alles verheilt.

    Jetzt habe ich Eier im Bauch und möchte wieder nach Hause, dort wo ich meine Wohnung hatte. Es ist mein Instinkt, der mich leitet und bald bin ich wieder im Fluss, wo ich damals hergekommen bin. So das sollte es fürs erste gewesen sein. Vielleicht erzähle ich euch mal wieder etwas aus meinem Leben und von meinen Abenteuern.

    Eure kleine Meerforelle

     

    Sven Matthiesen

    http://www.der-norden-angelt.de

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