Uschis Angelerlebnisse Teil 13
Uschis Angelerlebnisse Teil 13
Anangeln am Gevattersee in Minden 2003
Achim hatte drei Tage vor dem Anangeln übers Internet eine Futtermischung gefunden, mit der jemand eine Forelle von 1,3 kg gefangen hatte. Nachdem das Futterrezept im Netz bekannt gegeben worden war, „korrigierte“ dieser Angelkollege seine Angaben dahingehend, dass er nicht alle Zutaten genannt hätte. Unter anderem kämen noch bestimmte Zusatz- bzw. Aromastoffe hinzu, die er jedoch nicht verraten wollte. Sicher hatten ihm viele geschrieben und nun wollte er verhindern, dass andere ebenso gut fingen wie er. Trotzdem kauften wir uns die Zutaten, die er angegeben hatte.
Im Supermarkt bekamen wir nicht alle in gemahlener Form, so dass wir sie später durch eine Mandelmühle drehten, was eine sehr aufwendige Arbeit war. Doch was tut man nicht alles, um Fische zu fangen! Als die Mischung fertig war duftete sie so gut, dass ich sie am liebsten selbst probiert hätte. Endlich war der Tag des Anangelns am Gevattersee in Minden gekommen. So richtig gut kam ich an diesem Morgen nicht aus den Federn, aber dabei sein wollte ich auf jeden Fall. Da das Anangeln um 7 Uhr begann, und wir wenigstens eine Stunde vorher da sein wollten, fuhren wir schon um 5.30 Uhr von zuhause weg. Unsere Angelsachen hatten wir schon am Abend vorher ins Auto gepackt, damit wir keine Zeit verloren.
Als wir in Minden ankamen war es noch bitterkalt, aber wenigstens trocken. Vorsichtshalber hatte ich mir Handwärmer eingepackt, falls mir die Finger abfrieren sollten. Und zum inneren Aufwärmen eine Kanne Tee. Um ihm und mir etwas mehr Geschmack zu geben, hatte ich auch noch etwas 40%igen Rum reingeschüttet.
Am See angekommen war es windstill und auch gar nicht mehr so kalt. Unsere Freunde Willi und Christian waren schon vor uns da und hatten uns einen Platz reserviert. Nachdem wir unsere Angelsachen ausgepackt und die Ruten aufgebaut hatten, begann das Warten auf den Startschuss. Bis dahin waren es noch gute 30 Minuten. Da ich es nicht erwarten konnte, meine drei Ruten endlich auszuwerfen, sah ich alle 5 Minuten auf die Uhr.



Endlich hörten wir den Schuss, der uns signalisierte, dass das Anangeln begonnen hatte. Als erstes landete meine durchsichtige Wasserkugel, die ich an meiner 3,6 m langen Teleskoprute montiert hatte, auf dem Wasser. Auf den 6er Forellenhaken hatte ich zwei Mehlwürmer L-förmig aufgezogen.
An meiner Grundrute hatte ich einem schwimmenden Sbirolino montiert und den 6er Forellenhaken mit einem orangegelben Marshmellow bestückt. Ich war gerade dabei meine dritte Rute, an der noch die 10-Gramm-Pose vom letzten Köderfischangeln hing, auszuwerfen, als ich sah, wie meine Wasserkugel abtauchte. Willi und Achim standen neben mir und meinten, ich müsste meine beiden Ruten reinholen und neu auswerfen, weil sie durch den Wind, der inzwischen aufgekommen war, weit nach rechts abgetrieben waren. „Das geht jetzt nicht! Meine Wasserkugel ist gerade abgetaucht“, antwortete ich und drillte sie langsam rein. Am Haken hing eine kleine, höchsten 300 g schwere Forelle. „Ich habe mein Abendessen schon“, rief ich freudestrahlend den Männern zu. Worauf Willi antwortete: „Das ist aber eine kleine Portion. Na, ja, es wird bestimmt noch besser werden. Wir fangen ja gerade erst an.“



Nachdem Achim ein paar Fotos von mir und der Forelle gemacht hatte, warf ich die Rute wieder aus. Von mir aus konnte es so weitergehen. Aber es tat sich nichts mehr. Inzwischen war ein dicker Nebel aufgekommen und es wurde immer windiger. Die angenehmen Temperaturen, die noch morgens zwischen 6 und 7 Uhr geherrscht hatten, veränderte sich schlagartig. Es wurde bitterkalt. Der Nebel wurde so dicht, dass man gerade noch seinen Nachbarn erkennen konnte. Erst nach 2 Stunden, als sich der Nebel langsam wieder lichtete, bekam auch Willi eine Forelle an den Haken. Achim und Christian gingen jedoch leer aus. Gegen Mittag hatte zwar Christian noch einen Biß und freute sich schon auf seine erste Forelle, aber es war nur ein kleiner Hecht von vielleicht 30 cm, den er wieder reinsetzen musste.


Wir blieben noch bis ca. 15 Uhr am See, aber wir sahen keine Forellen springen. Und an den Haken bekamen wir auch keine mehr. Als wir mit anderen Anglern sprachen, hörten wir, dass nur einige wenige etwas gefangen hatten. Die meisten der ca. 120 Angler, die morgens zum Anangeln gekommen waren, waren schon nach 2 Stunden frustriert nach Hause gefahren. Manche kamen gegen Mittag, als sich die Sonne wieder sehen ließ, noch einmal zurück, doch sie fingen auch nichts.
Als wir nach Hause fuhren, war ich so erledigt, wie selten beim Angeln. Kein Wunder: Alle 2 oder 3 Minuten musste ich meine Posen reinholen und neu auswerfen, denn der starke Ostwind trieb sie immer wieder ab. Zuhause hatte ich nur einen Gedanken: Aufs Sofa und schlafen. Als ich 3 Stunden später aufwachte, spürte jeden Muskel in meinem Körper. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und legte mich sofort wieder hin.
Am nächsten Morgen ging es mir etwas besser und wir entschlossen uns noch einmal zum Gevattersee zu fahren. „Wenn sie gestern nicht beißen wollten, tun sie es vielleicht heute“, meinte Achim unterwegs. Meine Tochter Heike fuhr mit uns mit und war schon ganz aufgeregt. Sie war schon einige Male mit uns zum Angeln gefahren. Irgendwann hatte ich ihr erlaubt meine Rute auszuwerfen und als sie dann tatsächlich ein paar Rotaugen fing, war sie ganz heiß mit uns mitzufahren.
An diesem Tag schien die Sonne und es war relativ windstill. Wieder hatte ich meine Teleskoprute mit der durchsichtigen Wasserkugel ausgeworfen und eine weitere mit Rotwurm auf Grund gelegt. Dann montierte ich an die dritte Rute eine gelbe Wasserkugel und nahm einen Teighaken, an den ich eine kleine Kugel mit dem Super-Futter befestigte.
Dieses Mal trieben die Wasserkugeln nur ganz langsam ab und auch in eine Richtung, wo ich Achim nicht in die Quere kam. Angler, die an unserer Angelstelle vorbei kamen, fragten neugierig, ob die Forellen heute beißen würden. „Bis jetzt noch nicht“, antworteten wir ihnen. Auch sie waren erneut gekommen, weil sie tags zuvor nichts gefangen hatten.

Da es windstill war, war die Wasseroberfläche spiegelglatt. Aber wir konnten keine Ringe und auch keine Sprünge sehen. Als die ersten Angler wieder gingen, meinten einige, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen würde. „Das gibt es doch gar nicht. Gestern hat nichts gebissen, heute tut sich wieder nichts. Hat der Verein überhaupt Forellen eingesetzt? Falls ja, dann müssen sie aber vollgefressen sein, dass sie nicht beißen“, sagte ein frustrierter Angler.
Als wir am Samstag von einem Fischereiaufseher kontrolliert wurden, erzählte er uns, der Verein hätte am Freitagabend viele Forellen eingesetzt. Und das seinen nicht nur kleine, auch sehr große gewesen. Er selber sei bis morgens um 4 Uhr geblieben und habe den See kontrolliert, damit nicht schon einige eifrige Angler vorher welche rausholen würden. Ich glaubte ihm zwar, dass Forellen eingesetzt waren, aber bestimmt nicht genügend.
Gegen 18 Uhr packten wir etwas frustriert unsere Angelsachen wieder ein. Wir hatten zwar einen schönen warmen Tag am Gevattersee verbracht, aber leider wieder nichts gefangen. Die Angler, die rund um Minden herum wohnten, konnten ihr Glück an einem der nächsten Tage versuchen. Aber wir, die wir immer eine Strecke von über 50 km vor uns hatten, waren nicht so gut dran.
Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: http://www.angelberichte.de
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