Ausgabe Mai 2012

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    Boddenerlebnisse

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    Bodden - das erste Mal

     

    Ich musste es einfach mal versuchen. So viel wird über den Bodden berichtet: große Hechte, viele Hechte, jeder fängt hier seinen Meterfisch, es ist doch nicht so leicht wie es scheint... die allgemeinen Aussagen vieler Boddenangler waren doch recht unterschiedlich.

     

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    Auf Hecht habe ich nun schon sehr viel gefischt und muss sagen, dass es nicht gerade der schwierigste Zielfisch ist. Jedenfalls ist es so bei den kleinen Exemplaren, wie es mit den Größeren steht wusste ich bis dahin nicht, hatte ich doch noch keinen wirklich großen Hecht gefangen, der Meterfisch stand auch noch aus. Lag es nun am Gewässer oder an schwerwiegenden Fehlern, die ich bis dahin begangen hatte?

     

     

    Man kann nur lernen, wenn man viel fängt, also wurde eine 4 tägige Tour mit dem Team Boddenangeln gebucht. Ende November sollte es losgehen, Wetter war ok, jedenfalls keine unfischbaren Bedingungen: milde 5-6° und Windstärke 6 in Böen 7. Tja, was soll man davon als bekennender Flussangler schon halten?

     

    Voller Euphorie ging es also ins Boot, insgesamt 4 Angler waren wir, also ein Guide und 2 weitere Mitangler. Meine Köder hatte ich gepackt, schwere Jigköpfe sollte man mitnehmen, überwiegend zwischen 20 und 30g für 15cm Gummifische, gespickt mit einem Zusatzdrilling im hinteren Teil des Gummis.

     

    Ich bekam also einen Platz in der Mitte des Bootes, eigentlich einer der schlechtesten wie sich später herausstellte, jedenfalls bei viel Wind und einem Anker, der vorne am Boot befestigt wird. Und viel Wind hatten wir! Meine Güte, was pustet es bei Windstärke 6. Dazu noch volle Breitseite. Na egal, den Regen hab ich eh schon kaum noch gemerkt, die Ausfahrt war schon „nass" genug.

     

    Also gut, Regen, morgens früh, sehr dunkler Himmel: da muss was Grelles ran. Der rosa Gummifisch lachte mich förmlich an, also wurde er auch montiert und ausgeworfen. Nicht sehr weit, weil der Wind echt stark war, aber immerhin raus. Dann die Köderführung: man merkt genau nichts, viel zu groß ist der Schnurbogen, also erstmal einen schwereren Kopf aufgezogen, muss doch gehen. Der Guide hatte schon 2 Fische gefangen, mickrige 50er Hechte auf einen 23er Gummifisch, so was hatte ich auch noch nie gesehen. Ich blieb erstmal bei 15cm, hatte in der Ködergröße doch mehr Vertrauen. Dann fing einer der Mitangler (der neben dem Guide stand, plötzlich auch 2 Hechte hintereinander, klar, mit dem Wind fischt es sich auch leichter: kein Schnurbogen, jeder Wurf 45m weit. Und ich krebste da irgendwo in 25m Entfernung mit 37m Schnurbogen rum, toll.

     

    anzeige_zebco_50x50_2004 Nach 2 Stunden kam, worauf ich (so konzentriert wie lange nicht) gewartet hatte: Ein kaum merkbares Ziehen am anderen Ende. Von Biss kaum eine Rede, eher ein Schnurbogen straff ziehen - egal, Anhieb und zwar voller Durchzug! Und der hing zu meinem Erstaunen sogar, war aber kein großer Fisch, hatte ihn rein subjektiv auf etwa 75cm geschätzt. Der Guide hat nichts davon bemerkt und fischte weiter. Bei dem Wind kein Wunder. Dann kam der Hecht das erste Mal hoch und ich dachte nur: nanu, der ist ja doch nicht schlecht! Noch 3 eher kurze Fluchten zum Grund und der Hecht war so gut wie ausgedrillt, dann erst merkte der Guide was los war (hab vor lauter Aufregung auch keinen Mucks gemacht...) und meinte nur: „Hast du das Ankerseil dran?"

     

    „ Nee, Fisch!" Mehr brachte ich nicht heraus.

    Dann sah er den Hecht zum ersten Mal und sagte nur: ja, der hat bestimmt die magischen 99cm. Tja, so war's nicht ganz, der Hecht war nämlich genau 100cm.

     

     

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    Erster Fisch, gleich der Meter, so ist also Boddenangeln. Geil.

    Ich war bereits zufrieden, komme was wolle. Den Tag fing ich noch einen ca. 55cm Hecht und kassierte einige Fehlbisse, der verdammte Schnurbogen lässt grüßen.

    Ein Mitangler fing noch einen Hecht von 105cm, die anderen Beiden jeweils einen 90er und einen 94er Hecht, sodass am Ende des ersten Tages jeder einen guten Hecht und ein paar kleine hatte.

     

     

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    Der zweite Tag begann dann deutlich ruhiger, kein Regen, kaum Wind und der kam auch im Verlauf des Tages nicht mehr. Ein Mitangler war krank, hatte nen steifen Hals vom Wind - tja, bleiben mehr Hechte für mich.

     

    Diesmal hatte ich also den guten Platz neben dem Guide im hinteren Teil des Bootes. Dieses Mal wollte ich auch große Köder probieren, montierte also gleich einen 21cm Attractor in flieder (meinem Favoriten in klarem Wasser) und es knallte sofort: nach zwei Fehlattacken fing ich vier Hechte auf diesen Köder, allerdings keiner über 75cm. Der wenige Wind machte ein konzentriertes Angeln möglich, was man deutlich an der Bisszahl merkte. Der Guide fing gut auf 23er Gummis, allerdings auch nur recht kleine Hechte, der verbliebene Mitangler hatte sehr viel weniger Bisse als wir, fischte allerdings auch nur mit 15er Gummis.

     

    Über einer Krautbank probierte ich meinen Welstwister mit 20cm Länge in grünglitter am ganz leichten Kopf, recht zügig gejerkt. Und es klappte, nach einigen sehr harten Fehlbissen hingen noch mal 2 Hechte der 70cm Klasse am grünen Ungetüm.

     

     

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    Mittags gab es dann auch am Bodden die berühmte Beißflaute, in der nur wenige Bisse kamen und wenn, dann waren es kleine Hechte. Später am Abend, mit zurückgehendem Licht, fing ich noch einen etwa 80cm langen Hecht und einen 60er auf den fluogrünen 23er extra-soft am ganz leichten Kopf.

     

     

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    Daran sinkt der Gummi viel langsamer zu Boden, was die Hechte anscheinend gut fanden. Ich habe es eh nicht verstanden, warum ich einen 30g schweren Kopf montieren sollte, um in 5 Metern Wassertiefe mit nicht mal einer Sekunde Absinkphase am Boden rumzuschlurren.

    Interessant war, dass die meisten Hechte am Kopfdrilling des Köders gehakt waren, auch bei den 20er Modellen. Ein Schwanzdrilling ist eigentlich nicht wirklich nötig, stört aber auch nicht.

     

    Der dritte Tag begann ähnlich wie der erste mit recht viel Wind, ich hatte dieses Mal aber wieder den guten Platz hinten und konnte mit dem Wind fischen. Trotzdem bissen die Hechte irgendwie gar nicht. Der Guide gab sich wie auch an den anderen Tagen alle Mühe, wechselte oft den Platz und fuhr verschiedene Gebiete an. Außer einem kleinen Hecht auf Profiblinker und einen auf rauch/metallic Turbotail in 18cm tat sich bei mir auch nicht viel, damit hatte ich aber schon mal 50 % der Fischkontakte, denn der Guide fing auch nur 2 „Frittenhechte".

     

    Also wurde umdisponiert und wir fuhren raus auf die Ostsee zum Dorschangeln. „Braune Gummifische in 12-15cm Länge gehen gut" sagte der Guide. Gesagt getan und einen ollen 12cm Slottie S in Karausche rausgekramt, dazu nen 14g Kopf und los.

    Gejiggt wurde genauso wie auf Hecht, nur dass auf der Ostsee driften erlaubt ist. Die Bisse sind wie beim Zanderangeln: „Tock!" Anhieb und dann ging es los: ich dachte erst, ich hätte einen 30 Pfünder Dorsch dran, so gab der Gas. Von wegen, knappe 70cm, kein schlechter Fisch, der Gegenwehr nach aber deutlich größer eingeschätzt.

     

     

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    Das ging so weiter, es biss aber tatsächlich wie angekündigt fast nur auf braune Gummifische, der Attractor in Kaulbarsch war am besten. Auf genau diesen in 15cm fing der Guide auch den größten Dorsch mit 80cm. Echt ein super Angeln und nicht nur als Alternative zum Hechtangeln zu empfehlen.

     

     

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    Insgesamt fingen wir etwa 40-50 Dorsche, hab nachher aufgehört zu zählen, wobei keiner unter 50cm maß!

     

     

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    Am letzten Tag lief es anfänglich für mich überhaupt nicht, hatte ich doch mittlerweile so viel Vertrauen in meine 20er Gummifische entwickelt. Aber dann kam die Idee, es war recht klares Wetter, wenig Wind und hin und wieder kam sogar die Sonne raus. Also montierte ich den rauch/metallic Turbotail in 18cm und schon kamen die Bisse! Richtig aggressiv, teilweise komplett inhaliert von 60er Hechten. An diesem Tag war der Köder anderen klar überlegen, jedoch ging der fliederne 16cm Kopyto auch ganz gut.

     

    Auf einer langen Krautbank abgeparkt versuchte ich es mit Wobblern, Gummi fing mir irgendwie zu viel Kraut. Und es klappte hervorragend, 19cm Nils Master in blau, Abu Tormentor in Barschfarben, alles, was irgendwie klarwassertauglich schien, brachte Bisse. Ein Nachläufer von ca. einem Meter brachte mich echt ins Schwitzen, hing aber leider nicht.

    Eins ließ mir aber keine Ruhe: mein geliebter Rapala Jointed in orange muss doch auch gehen.

     

    Und er ging, gegen jede Regel, knallige Farbe und klares Wasser, aber der Wobbler ist ein Hechtmagnet, egal wo. Nach einigen eher mittleren Hechten wollten meine Mitangler gegen 13.30 die Heimreise antreten, weil sie noch weit fahren und am nächsten Tag arbeiten sollten. Ich zwar auch, aber bevor es dunkel ist streiche ich bestimmt nicht die Segel, also 2 Mann am Steg raus gelassen und wieder mit dem Guide rausgedüst.

    „Lass uns mal eine ganz andere Stelle probieren" sagte er. „Da hab ich lange nicht gefischt, ist aber immer für einen vernünftigen Hecht gut".

     

    Also ging es in ein recht strukturloses Gebiet, 4m tief und kein Kraut, also gut zum Twistern geeignet. Ich montierte wieder den rauch/silbernen Turbotail in 18cm am 11g Kopf. Diese Kombi war gut, die Absinkphase nicht zu kurz und aufgrund des geringen Windes auch gut zu werfen.

     

    Beim dritten Platzwechsel bekam ich einen satten Biss in der Absinkphase, so richtig schön „tock", wie bei einem guten Zander. Anhieb, hängt!

     

    „Ist kein Großer, kannste aber trotzdem filmen, das Wetter passt gerade, so schön ruhig!" sagte ich zum Guide, als der Hecht zu einer 30m langen Flucht ansetzte. Ups, doch etwas besser. Die zweite Flucht ging dann 20m quer zum Boot, direkt unter der Oberfläche in Richtung Ankerseil. Na hoffentlich schwimmt er da jetzt nicht rein dachte ich nur, aber ich habe ihn umlenken können.

     

    Nach mehreren Fluchten und zwei Sprüngen gab sich der Hecht aber geschlagen und ich konnte ihn per Kiemendeckelgriff landen, Turbotail war nicht zu erkennen, komplett eingeatmet.

     

    Genaues Messen ergab dann 98cm, zwar knapp den Meter verfehlt, aber ich war gar nicht böse drum. Den Meter hatte ich schon am ersten Tag geknackt und dieser Fisch lieferte einen super Drill, was für ein Abschluss.

     

     

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    Gegen Abend versuchten wir es dann noch mit fluogelben 23er Shads in einem etwas tieferen Bereich und verhafteten noch mal einen 85er und zwei kleine 50er Hechte (ja, ich hab nur die 2 Fritten auf den Gummilatschen bekommen...).

     

    Ich fischte bei Einbruch der Dunkelheit noch etwas weiter, während der Guide sich das Filmmaterial der vier Tage anschaute, bekam aber keine Bisse mehr. Die hervorragende Kulisse während dieser Abenddämmerung war aber mehr als ein genialer Abschluss der 4- tägigen Tour.

     

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    Das Team Boddenangeln kann ich nur sehr empfehlen, sie geben sich wirklich alle Mühe und fahren viele Stellen an, um jedem zu seinem Traumfisch zu verhelfen. Das war das Geld allemal wert!

     

    Eines muss ich noch hinzufügen: die Guides waren nicht darauf bedacht, möglichst viele Fische zu fangen. Sobald der Guide gemerkt hat, dass in einem Gebiet nur kleine Hechte gebissen haben, haben wir das Gebiet gewechselt, auch wenn dies zur Folge hatte, dass wir dadurch etwas weniger gefangen haben. Aber gezielt auf kleine und viele Hechte angelt man hier nicht! Ziel war es, einen großen Hecht zu fangen und deren Standplätze unterscheiden sich von denen der Kleinen. Also fischten wir auch oft an Plätzen, wo die Bissquote sehr niedrig war, aber wenn einer biss, dann war es ein guter.

     

    Als Angler fällt es manchmal schwer, einen Platz zu verlassen, obwohl es gut beißt, aber man muss sich klarmachen, warum man zum Bodden fährt: um einen möglichst großen Hecht zu fangen! Ich habe es mir auch verkniffen, kleinere Gummifische als 15cm ranzuhängen, auch wenn an manchen Stellen teilweise sehr viele Barsche da waren (die gingen teilweise auch auf 16er Kopytos). Der Reiz ist groß, hier mal Barsch auf Barsch zu fangen, aber die Chancen mit einem 10 oder 12cm Gummi einen richtig großen Hecht zu erwischen, ist nun mal geringer als mit einem 20er Gummi; also muss man schon mal etwas „leidensfähig" sein.

     

    Petri Heil,

    Birger

    www.zandertwistern.de

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