Von Norge - Koys und roten Teufeln, Teil 3
Von Norge-Koys und Roten Teufeln
Teil 3
Weiter ging´s.
Und zwar per Boot, da wir noch mal die Stelle wechseln wollten. War die Drift auch erfolgreich, so hatten wir Lust auf ein bisschen Bewegung, die hält schließlich fit.
Motor aus, Driftsack raus, Montage und Pilker runter, weitergeangelt. Na, bitte, da war der Nicker, langsam wurde es amtlich, diesmal ist es bestimmt ‚n kleiner Heili, na vielleicht auch ‚n Leng oder Steinbit, Breiflabb, hach, was ist es nur? Um es kurz zu machen...es war ein Knurrhahn! Och, nö, nicht schon wieder. Geht das schon wieder los, schweißdurchwachte Nächte, der Horrortrip in „Knorrwegen"? Langsam stellte sich auch wieder ein nervöses Augenblinkern ein, ein Tick, den ich vor 23 Jahren nach dem hundersten Knurrhahn entwickelte, da war es wieder, das Trauma. Wenigstens hätte der hier ja mal ein wenig vor sich hinknurren können, so als Beweis für min Fru, dass die Stories von damals alle der Wahrheit entsprechen, als wir schon mit Stöpsel in den Ohren auf den Fjord gefahren sind, angesichts der vielen knurrenden, kläffenden Monsterfische. Nee, auch der war stumm, dafür stach ich mir beim abhaken kräftig in die eigenen Flossen, dieses blöde Augengeblinkere!
Weiter ging´s.
Selbe Drift, wir hatten noch rund 200 Meter bis zum Ufer. Jetzt noch einen Knurrhahn und ich wäre ein Fall für die Geschlossene. So hing ich meinen Gedanken nach, als meine Rutenspitze plötzlich wieder Beugerchen machte. Na, wir sind ja nicht so, wollen wir doch mal kurbeln. Oh, je, jetzt rede ich von mir schon im Plural, erst das Augenblinkern, jetzt noch ‚ne multiple Persönlichkeit, ja, ist ja klar, jetzt drehste vollkommen ab, weil, was soll schon an Fisch dran sein, ist bestimmt ‚n kleiner Knurrhahn, na vielleicht auch ‚n atlantischer Stichling, oder ‚n Putzerfisch, Cola-Dose, hach, was ist es nur? Um es kurz zu machen...es war ein Leng! Neptun, ich danke Dir.
Freitag: Oh, die Sonne schien, Wetter wurde besser. Augenblinkern war Vergangenheit, ich und nicht wir freuten uns aufs Frühstück im Garten, Knurri-Trauma glücklich überstanden! Wäre alles bestens gewesen, wenn uns nicht die Information ereilt hätte, dass Urenkel Sven einen bösen Autounfall hatte. Sein Vater zeigte uns sogar Fotos vom Firmenwagen, den hatte er übel zerlegt, wenn die Norweger was anpacken, dann scheinbar immer richtig. Gott sei Dank musste Sven nur für einige Tage in die Klinik, hatte trotz allem verdammtes Glück gehabt. Bemerkenswert, dass wir bei unserem Vermieter trotzdem immer auf offenen Ohren stießen, wenn es uns nötig schien, leise Hilfe zu rufen.
Für den weiteren Verlauf des Tages war die obligatorische Wanderung (999!) angesagt. Während ich Tags zuvor mit min Fru und zehn anderen Frangos augenzwinkender Weise auf dem Fjord waren, unternahmen Dorit und tito eine kleine Erkundungstour des uns umgebenden Bergpanaromas. Mal gucken, was hinter der Fototapete steckt. Gar erstaunliches, wie uns berichtet wurde. So fanden beide einen kleinen, im Wald gelegenen See, umsäumt von Tannen und Fichten und dergleichen mehr. Dort wollten sie uns hin führen, im Gepäcke titos genialer Minigrill, ein Geburtstagsgeschenk seiner Superfru, war so ein kleiner Wandergrill, der wie auf wundersame Weise in sich selbst verschwindet und dazu fast noch selbst reinigend ist, also richtig was für Männer. Zur Feuertaufe gönnten wir uns ein paar Grillwürstchen, natürlich bei Georgie-Boy ersteigert. Zwei leichte Ruten hatten wir auch dabei, entdeckte tito doch, aufmerksam wie er sein kann, kleine Kringel auf des Sees spiegelglatter Oberfläche. Mann, was war ich froh, ein paar Monate zuvor dem blauen Dunst abgesagt zu haben, mir ab und zu höchstens noch ein Pfeifchen oder eine gute Zigarre gönne! Es war ein atemraubender Gang durch eine atemberaubende Natur, also doppelatemraubend. Auch diese Wanderung hatte ein Ende und nach der zigsten Biegung standen wir auf einmal vor ihm. Dem See, dem kleinen. Einfach nur schön. Da konnte es nur heißen: Pfeife stopfen , Angel auspacken und ab den Erdwurm. Dorit und Ute machten es sich derweil auf einem der moosbedeckten Felsen gemütlich, tito widmete sich seinem Supergrill. Augenblinkernknurrhahntrauma konnte heute ja nicht das Thema sein, war ich also auf der sicheren Seite. Es war ein total entspannter Aufenthalt, für mich gekrönt durch den Fang einer schönen Rotgetupften, leckeren Grillwürstchen und dem immer wieder schweifenden Blick über die uns umgebende phantastische Natur.
Zurück am Haus angelangt erwartete uns die nächste Überraschung. Hatten Dorit und Ute bei ihrem Lieblingskaufmann doch nicht nur Grillwürstchen gekauft, sondern ihren Männern auch eine Packung schicker Dorschblinker mitgebracht. Makrelen- Herings- Knurrhahn (Neiiiiiin)- Dekor, so zwischen 15 und 25 Gramm schwer, also richtig was zum rauspfeffern. Und da wollten wir uns doch nicht lumpen lassen, also runter zum See, mal gucken, was angesichts der einbrechenden Dämmerung geht. Ich stand an meiner ausgewiesenen Lieblingsstelle, nahe dem Flusseinlauf, tito machte es sich auf dem Bootssteg zurecht. Dauerte auch nicht lange und bei mir sagte jemand „Gød tøg", das typische Kopfgeruckel, aber immer wieder erstaunlich, wie sich Dorsche an der Spinnrute gebähren. Zumal Süßseedorsche! Schließlich lag ein schöner Küchendorsch um die 50irgendwas im Kescher. Fisch versorgen, weiterangeln war die Devise. Wie stellte sich diese Situation jetzt dar? Da steht man inmitten dieser norwegischen Landschaft, an einem See, der früher wohl keiner war, neben einem rauscht der Gebirgsfluss tosender Weise dahin, vor einem springen die Forellen, die Pfeife qualmt, Wasserfälle umsäumen das massive Gebirg, der erste Dorsch liegt einem zu Füßen, der Blinker surrt durch die klare Luft, der tito steht auf dem Steg mit einer bis zu den Socken durchgebogenen Rute...so what? Nennt es Intuition, nennt es Resteverwertung in der Umgebungsgeräuschdifferenzierung, jedenfalls hatte ich diese Eingebung, einmal zum Bootssteg rüberzuschauen, auf dem tito breitbeinig mit hochgehobener Rute dabei war, einem offensichtlich großformatigen Fisch Paroli zu bieten.
Mir war klar, dass dieses Spektakel nur unter der uneigennützigen Hilfe eines Angelbuddys gut ausgehen kann, immerhin befand sich tito gut einen Meter über der Wasseroberfläche. Eigene Rute ablegen und zum Kescher spurten war eins. Unser Gaff lag im Boot, das zwar auch am Steg lag, jetzt aber erst aufs Boot stiefeln und das Gaff suchen während tito stramm wie ein Baum seinem Gegenspieler versucht, die Fluchten auszutreiben, erschien mir zu riskant. Der Kescher war stabil, fürs Hechtangeln gedacht, Bügellänge 70 cm, da sollte doch nichts schief gehen, oder? Mit fliehenden Köcher sprang ich auf den Steg. tito hielt sich weiterhin tapfer, auf meine Frage, ob alles o. k. sei antwortete er mit einem „Knnrgghlopnnm", es war also alles in Butter. Am Winkel der Schnur konnten wir erkennen, dass es ihm langsam gelang, den Fisch Richtung Steg zu bugsieren. Vom Steg abgehende Festmachleinen, die in gerader Bahn in die Tiefe führten, bildeten dabei eine nicht unerhebliche potentielle Gefahrenquelle. Kommt der Fisch da mit der Leine rein, ist Sense angesagt. Gleichmäßig holte tito jetzt Zentimeter für Zentimeter Schnur ein, der Schweiß tropfte ihm auf die heißgelaufene Spule, mit einem leichten „Zisch" verdampft er in der merklich kühler gewordenen Abendluft. Für solche Kleinigkeiten hatten wir aber kein Auge, unsere gesamte Aufmerksamkeit galt dem Fisch, diesem großen Unbekannten, der jetzt nur noch wenige Meter von uns entfernt gewesen sein konnte...
Es ist immer wieder ein berauschender Anblick, wenn man in Norge das Glück hat, vom Boot aus einen guten Fisch zu landen. Zu sehen, wie sich die hellen Flanken langsam aus der dunklen Tiefe empor heben, er Gestalt annimmt und die kühnsten Hoffnungen des Anglers erfüllt. Wir aber standen auf einem Bootssteg, von dem man aus nur kurze Zeit vorher noch Seesterne und anderes Getier beobachten konnte, somit quasi einen ganz anderen Hintergrund für einen Größenvergleich hat. So war es nicht weiter verwunderlich, dass uns, als sich wie von Geisterhand auf einmal ein wunderbarer Dorsch aus dem Schattenreich erhob, schlicht und ergreifend die Spucke wegblieb. Ich senkte den Kescher, jetzt nur keine Panik, wir wussten beide nicht, ob der Fisch ausgedrillt ist, einen K.O., wie wir ihn den Dorschen, die wir aus großer Tiefe hervorpumpen, verpassen, konnten wir bei dem Burschen nicht zwangsläufig erwarten. tito zog den Fisch, den wollte er haben, der darf sich nicht mit einem Flossenschlag verabschieden. Ich hockte auf den Knien, den Teleskopstock voll ausgezogen, hielt krampfhaft den Stiel in den Händen, jetzt nur nicht ins Wasser fallen, auf den Fisch rauf, ihm den Blinker aus dem Maul schlagen, tito würde mich mit seinen Edelmessern bis ans Kapp der guten Hoffnung jagen! tito ging einen Schritt zurück, die Rute steil nach oben gerichtet, der Fisch kam näher, jetzt durchbrach seine Flanke die Wasseroberfläche, noch zwei Meter, noch einen, nur noch ein Stück, komm zu Papi, Hallelujah, er beugt sich seinem Schicksal, sanft gleitet er in den Kescher, es ist vollbracht.
Es ist vollbracht? Ich wäre nicht Frango, wenn ich nicht selbst in diesem Moment noch einen Schmankerl abliefern könnte. Angesichts des Dorsches war ich dermaßen stoned, dass ich in vollkommener Entledigung sämtlicher anglerischer Kenntnisse den Kescher einfach hochhob. Besser gesagt hochheben wollte. Kaum nämlich, dass ich das Paket etwa einen Meter über der Wasseroberfläche hatte, machte es nur kurz knack, und die Telekosstange zeigte uns, was eine Sollbruchstelle ist. Ach, du Sch...., schnell noch mal nach vorne gehechtet und den Kescher am verbleibenden Stiehl gegriffen und jetzt zügig nach oben gezogen.
Da lag er vor uns, titos bislang bester Fisch, der mit seinen 94 cm nur denkbar knapp die magische Marke verpasste, aber egal, den musst Du mit der Spinne auch erst mal bändigen. Ein knapper süßer Meter, das war doch der vollkommen perfekte Abschluss eines perfekten Tages!!
By the way, in einer Sache waren wir dies Jahr ziemlich schludrig drauf; wir haben kaum Fotos gemacht. Ich weiß, ich weiß, unverzeihlich, aber ist mir auch zu spät aufgegangen. Gibt Abzüge in der B-Note!
Der Rest des Abends ging für die Fischverwertung drauf. „Guck mal Dorit, mein Filetiermesser ist für den 94 cm Dorsch fast zu kurz" hieß es, als er zwei zugegebener Maßen stattliche Filets aus dem Fisch schnitzte. Der nicht gerade knappe Rest wanderte mitsamt Wurzelkram und anderen ehemaligen Zahlungsmitteln in den Topf - „Guck mal, Dorit, mein fast ein Meter Dorsch passt fast gar nicht in den grooooßen Topf!" - um in den folgenden Stunden einen vorzüglichen Fond mitsamt Sättigungsbeilage zu zaubern. Fleisch und Gemüse landete auf den Teller - „Guck mal, Dorit, an diesem Riesendorsch können wir noch zwei Jahre essen!" - der Fond landete indes in die eigens mitgebrachten Eiswürfeltüten! Muss man den Frauen ja lassen, portionsweise Fischfond in Eiswürfeltüten zu verfrachten ist schon eine klasse Idee, haste immer lecker Fond zur Melzermäßigen Verfeinerung der heimischen Garküche. Hatten allerdings auch schon den Fall, dass sich `ne Freundin einen dieser Fischfondwürfel in ihren Drink kippte, hat seitdem keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Nachdem wir den „...Dorit, der größte Dorsch, der hier je gefangen wurde..." bis auf seine Gräten abgekocht, abgeknappert, ausgelutscht und restlos verwertet hatten, gönnte ich mir am Kampfplatz des Geschehens noch eine Pfeife. tito rannte derweil durchs Haus und maß aus, wo der „...Dorit, hier in den Schrank hätte er auch nicht reingepasst..." Dorsch alles nicht rauf- rein -oder runtergepasst hätte (als wenn jemand ernsthaft auf die Idee käme, seinen Fisch im Kleiderschrank aufzuhängen). Nachdem ich den Blick über diese schöne Stückchen Erde schweifen ließ, musste ich titos anglerische Leistung nochmals neidlos anerkennen. Einen entsprechenden Dorsch vom Boot/Kutter aus mit einer Boots- oder Pilkrute, analog dazu dimensionierter Rolle und 0,25 Wäschestrippe hoch zu hieven ist toll und super, macht Spaß und fordert die Muckies, ist aber, solange man nicht gerade beide Arme in Gips hat, auch keine große Kunst. Solch einen Fisch mit `ner leichten Spinnrute an einer 0,12 zu bändigen, noch dazu dabei auf den klassischen K.O.-Effekt zu verzichten, der Dorsche ja bekanntermaßen nach den ersten Metern Hochpumpens aus großen Tiefen ereilt, Respekt, das war schon große Klasse!
Wochenende! Auch im Norge-Urlaub was besonderes, ist der heilige Samstag in Norge traditionell der Tag der Räuchertonne. Ich schlief mittlerweile bis 08.00 Uhr, war somit immer noch drei Stunden vor den anderen wach. Den zu räuchernden Fisch hatte ich schon Tags zuvor präpariert, glücklicherweise lange bevor tito die Küche mit seinem „...Dorit, das ist bestimmt Norwegens größter Süßwasser-..." Dorsch belegte. Ach, war das schön. Von Ruhe war angesichts der uns umtosenden Wasserfälle und Flüsse nicht zu reden, aber diese Ruhe!! Schließlich qualmte die Tonne und meine Pfeife, was kann es schöneres geben?
Angeln!
Nachdem es sich ausgequalmt hatte sind wir auf den Fjord rausgefahren. Hatten diesmal die Sorreidebucht anvisiert. Schönen Sicherheitsabstand zur Lachsfarm ein- und Drift aufgenommen. Sollte auch nicht lange dauern und es ruckelte an Utes Rute. Während sie aufgeregt am pumpen war, hielt ich mir schon einmal vorsichtshalber die Augenlider fest. Aber was war das? Kein Knurrmonster, auch kein Leng oder Schellfisch oder einer der üblichen Verdächtigen, die wir auf einen Schwatz aufs Boot überreden konnten. Es war ein Lumb! Und zwar wirklich der erste Lumb, den wir alle in Natura zu sehen bekamen, ein absoluter Premierenfisch also. Das war dann wieder ein typisches Meisterstück von min fru, der Tollen! Soll ja Angler geben, die auf den Fang eines Lumben nichts geben, andere sind wieder ganz vernarrt in diese Biester. Wir wussten bis zu diesem Zeitpunkt nur, dass es sie gibt und das u. U. ganze Völkerwanderungen den Ritt ins Boot aufnehmen. Nur auf unseren bisherigen Norge-Touren war uns der Fang eines Lumben bis dato nicht gegönnt, so ist Utes Fang umso höher einzuschätzen, na, ja, wenn min fru wat an der Rute hat....bei dem Lehrer....!
Mit dem Fang des Lumbs begann allerdings auch ein kleines Problem. Uns gingen nämlich die Köderfilets aus. Alle Versuche von tito und meiner einer, einen weiteren Köhlertrupp zu finden, schlugen bislang fehl und da wir im nachhinein betrachtet an diesem Montag zuvor doch recht sorgsam mit der Ressource Kinderköhler umgegangen sind, kamen wir so langsam in die Situation, auch das letzte, zermanschte und angekaute Stückchen Filet zusammenzuknoten und irgendwie auf die Haken zu bringen. Schien uns aber einigermaßen gelungen zu sein, gesellten sich doch im weiteren Verlauf den Angelnachmittags noch zwei Leng, ein Flügelbutt sowie ein Pollack zum Lumben.
Abends gab es dann lecker Räucherware, Forellen und Flügelbutt. War für mich gleich ein Grund, noch mal runter an den See zu gehen, Erdlinge baden. Das Angeln mit Wurm und Pose war nach dem Gepilke und Gekurbel an der Bootsrute für mich das, was unsere Pubertätslinge „chillen" nennen würden: entspannend, locker, nichtsdestotrotz auch erfolgreich. Wir hatten Flut, was sich am Seeufer vorzüglich ablesen ließ, abgesehen davon hatten wir die Zeiten der Gezeiten auch langsam intus. Intus ist das Stichwort. So kam ich mir vor, als er kam. Als das ich was intus gehabt hätte, und zwar ganz gewaltig. Da stand ich doch unschuldig wie ein angelnder Angler nur sein kann am Ufer unseres Sees und sah der Pose bei ihrem lustig Spiel mit den Strudeln zu als er plötzlich kam. Langsam, gemächlich. Scherte sich um nichts. Hier mal ein kleiner Wink mit der linken Brustflosse, da ein eleganter Schlag mit der Schwanzflosse. Und schön war er. Fein marmoriert die Haut, in einem kräftigen orangebraun gehalten, jede Zelle ein Kraftwerk, verteilt auf gute siebzig (70!!) Zentimeter...Dorsch! Noch mal Leute, es war nicht etwa so, dass Papa Østrebø kam: „Hey, ich høbe nøch øin kløines Ø-Bøøt in der Scheune, lass øns øine Føhrt nach ønten machen!", um sich in 80 Meter Tiefe von Dorsch&Co. ans Bullauge klopfen zu lassen. Nein, ich stand an einem Seeufer und dieser Fisch schwamm zwei Meter von mir entfernt in 30 Zentimeter flachen Wasser umher, so als müsste man kein teuer Geld für Echolote ausgeben um in zweihundert Meter Tiefe wenigstens noch den ehemaligen Trawler erkennen zu können. Der schwamm da, wie ein, wie ein, ja wie ein Koi! Ich mein´, in Norge ist ja vieles ein wenig größer als bei uns, aber das die sich gleich 80 ha große Gartenteiche anlegen, halte ich ja dann doch für etwas übertrieben. Nein, im Ernst, ich stand also da, mit ausrangierter Kinnlade und sah einem Koi-Dorsch dabei zu, wie er in aller Seelenruhe den Ufersaum des Sees entlang schwamm. Hier ein Stopp, da mal kurz `n Kiesel umdrehte, hätte er jetzt noch nach Luft geschnappt, ich hätte die Angel weggeworfen und mit Stepptanz angefangen. So aber wurde ich an diesem See langsam zum Angelagnostiker, so nach dem Motto: Alles ist möglich!
Euch kann ich es ja verraten. Nachdem ich meine Kinnlade wieder aufgesammelt habe, habe ich doch auch glatt versucht, ihm, dem Norge-Koi, den Wurm anzubieten. „Dorsch, gefangen auf Tauwurm, in 30 cm Tiefe", aber sonst keine Hallus! Er hat natürlich nicht gebissen. Hätte die recht feine Montage wahrscheinlich auch eher als Zahnseide benutzt. Ist auch O.K. so, aber der Versuch war es wert. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, einen Dorsch auf Sicht zu beangeln.
Und ich wusste da schon, das ich beim Verfassen des Berichts an diesem Erlebnis noch mal richtig Spaß haben werde! 30 Zentimeter, ha, ha!
Atschö
Frank Dengel
Frangø
| < Zurück | Weiter > |
|---|
