Rezension: Vorwärts zur Natur
Vorwärts zur Natur - Ökophilosophie für Jäger und Angler
Buchinformation:
Titel: Vorwärts zur Natur - Ökophilosophie für Jäger und
Angler
Autor: Alexander Schwab
Verlag: Salm Verlag, 3033 Wohlen/Bern, Telefon +41-31-822 01 01
E-mail:
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/ (www.salmverlag.ch)
Umfang: 176 Seiten
Format: 15 x 23 cm
Ausstattung: Gebunden mit Schutzumschlag
Nummerierte Ausgabe (1 bis 100) für Sammler: Fr. 88.-- (52.--)
Standardausgabe: Fr. 68.- (€ 40.--)
ISBN: 978-3-7262-1418-0
Zusammenfassung
Das Buch erklärt auf allgemeinverständliche Weise die aktuellen ökophilosophischen Denkweisen und beschreibt die sich daraus ergebenden ethischen Probleme und Argumente der Jagd- und Anglereigegner. Die Ziele der Jagd- und Anglereigegner erschöpfen sich nicht in der Abschaffung von Jagen und Angeln. Nutz- und Haustierhaltung stehen einer neuen gewalt- und grausamkeitsfreien Gesellschaft ebenso im Wege wie das Jagen und Angeln. Ein Glossar und eine kommentierte Bibliographie ergänzen den Text. Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.jagen-fischen.ch, über die jedermann mit dem Autor Kontakt aufnehmen.
Der Autor
Alexander Schwab (1953) wuchs in Brugg (AG) auf und hat in Aberdeen Philosophie und Geschichte studiert. Als Autor ist er in der englischsprachigen Welt bekannt. Seine beiden Bücher „Hook, Line & Thinker - Angling and Ethics" (2003) und „Dear Jim - Reflections on the Beauty of Angling" (2004) wurden von Presse und Publikum begeistert aufgenommen. Sein einzigartiges Pilzbuch „Mushrooming Without Fear" (2006) ist ein Bestseller. Alexander Schwab arbeitet zurzeit mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern zusammen, die sich im Rahmen der FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations) mit aktuellen Fragen im Zusammenhang mit Freizeitangeln und Tierschutz bei Fischen beschäftigen.
Kontakt zum Autor: Telefon +41-31-702 04 44 oder E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Publikationen
Bücher
Lake Thun, Bergli Books, Basel 2002
Hook, Line & Thinker, Merlin Unwin Books, Ludlow 2003
Dear Jim, Merlin Unwin Books, Ludlow 2004
Merlin's Daily Fishing Calendar, Merlin Unwin Books, Ludlow 2006 / 2007
Mushrooming Without Fear, Merlin Unwin Books, Ludlow 2006
Lätt och säkker svampplockning, Codus, Götebörg 2007
Mushrooming Without Fear, Skyhorse Publishing, New York 2007
Vorwärts zur Natur, Salm Verlag, Wohlen 2007
Artikel
Reviews in Fisheries Science 2007, Understanding the Complexity of Catch-and-Release in Recreational Fishing: An Integrative Synthesis of Global Knowledge from Historical, Ethical, Social, and Biological Perspectives, Mitautor
Fishery Science 2007, Fish welfare: a challenge to the feelings-based approach, with implications for recreational fishing, Mitautor
http://www.about-flyfishing.com: Trout Trauma Puts Scientists on the Hook?
Rezension: Vorwärts zur Natur - Ökophilosophie für Jäger und Angler
von: Alexander Schwab
Erschienen im Salm Verlag (2007), ISBN978-3-7262-1418-0
Nicht nur in Deutschland, sondern unter anderem auch in der Schweiz und in England, sehen sich sowohl Jäger als auch Angler einem immer höheren Rechtfertigungsdruck in Bezug auf ihr Hobby ausgesetzt. Das hier anzuzeigende Werk von Alexander Schwab „Vorwärts zur Natur - Ökophilosophie für Jäger und Angler" greift diese Problematik auf und weist in erfrischender Deutlichkeit auf die wenig bis gar nicht überzeugenden Meinungen der realitätsfernen Kritiker des Jagens und Angelns hin. Dabei weist er zunächst anhand der Entwicklungen der letzten Jahre nach, dass die Kritiker die Oberhand gewinnen. Ebenso richtig wie erschreckend ist seine Feststellung, wonach Jäger und Angler immer mehr in die „Defensive" gedrängt werden, indem die Legitimation des Jagens und Angelns generell in Frage gestellt wird, was zu einem stetigen Rechtfertigungsbedürfnis führt.
Dies muss insoweit überraschen, als den Menschen das Jagen (und zweifelsohne auch das Angeln) gleichsam von der Geschichte wegen in die Wiege gelegt ist. Auch wenn wir über das Industriezeitalter derweil in der Dienstleistungsgesellschaft angekommen sind, so sollte das Bild des Menschen als „Jäger und Sammler" noch nicht so weit aus den Köpfen verschwunden sein, als dass die Menschheit meinen darf, auf Jagen und Angeln generell verzichten zu können, wie es einige gerne Glauben machen möchten. Ausgehend von diesem historischen Topos widerlegt Schwab die kritischen Ansätze der Jagd- und Angelkritiker.
Im ersten Teil des insgesamt in zwei große Blöcke eingeteilten Werkes beleuchtet Schwab die theoretischen Grundlagen der Ökophilosophie. Der dem philosophischen Ansatz entsprechend abstrakte Teil wird für den „bedingt vorgebildeten" Nichtphilosophen durch stetige Begriffserklärung lesbar und nachvollziehbar. Damit wird das Buch seinem Anspruch - welchen der Autor im Vorwort selbst vorgibt - gerecht, sich an Jäger und Angler zu wenden. Hervorzuheben ist der sich auch im zweiten Teil, welcher sich der praktischen Ökophilosophie zuwendet, durchgehaltene umfangreiche Gebrauch von teilweise auch längeren Zitaten. Schwab eröffnet damit dem Leser einen genaueren Blick auf die teilweise wirren (anders kann man es nicht bezeichnen) Ansichten der Gegner des Jagens und Angelns.
So weist Schwab zutreffend darauf hin, dass in der evolutionären Entwicklung bis heute eine kaum zu beschreibende Vielzahl an Tierarten ausgestorben ist, ohne dass der nach Meinung der Jagd- und Angelgegner am Ursprung allen Übels beteiligte Mensch auch nur verdächtig wäre, darauf Einfluss genommen zu haben.
Anhand einer Vielzahl von Konstellationen gelingt Schwab der Nachweis, dass der biozentrische Ansatz, wonach stets die Natur im Mittelpunkt steht, zu diversen Absurditäten führt. Berücksichtigt man ferner, dass der biozentrische Ansatz im krassen Widerspruch zur christlich abendländischen Tradition, welche den Menschen als Ausgangspunkt sieht und dass deshalb die „Ökofetischisten" die Überwindung westlich/christlicher Werte anstreben, so muss man sich - wieder einmal - mit Henryk M. Broder die Frage stellen: „Bin ich verrückt, oder sind es die anderen?" die diesen Unfug nicht durchschauen.
Muss man wirklich mit Leuten, die den Holocaust mit heutigen Geflügelfarmen gleichsetzen und dazu raten der Geschichtsbewältigung bezüglich ersterem etwas weniger Aufmerksamkeit zu schenken, um das zweite Thema mehr in den Mittelpunkt zu rücken, (ernsthaft) diskutieren? Kann man es überhaupt?
Kann man ernsthaft mit Leuten diskutieren, welche es für erstrebenswert halten, ihre Haustiere vegan zu ernähren? Und wie können wir eigentlich rechtfertigen, dass wir Pflanzen essen. Wo verläuft die Grenze? Mensch - Tier? Tier - Pflanze? Wer hat die Entscheidungsgewalt darüber zu entscheiden? Ist Selbstverleugnung bis hin zum „Rette den Planet, töte Dich selbst!" der richtige Weg?
Es ist der große Verdienst von Alexander Schwab, dass er mit vielen dieser pseudopositiven Gutmenschenthesen aufräumt und den Irrweg, den unsere Gesellschaft partiell eingeschlagen hat, schonungslos aufzeigt, auch wenn einige Erkenntnisse, welche man beim lesen erhält, so frappierend sind, dass es einem Angst und Bange werden kann.
Wenn es an dem Buch überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann ist es der auch mit dem Titel gewählte und damit verkürzte Adressatenkreis. Ausdrücklich wendet sich Schwab an Jäger und Angler. Selbstredend sollte es für diese zur Pflichtlektüre erhoben werden, damit sie in der Lage sind falsche Argumente zu erkennen und zu widerlegen. Wichtiger wäre aber ein gesellschaftlicher Wandel zu diesen Fragen, weshalb es wichtig ist, dass das Buch auch weit über Jäger- und Anglerkreise hinaus an Bekanntheit gewinnt.
Nur so kann verhindert werden, dass der - wie es Thomas Meinelt in seiner Rezension so treffend beschrieben hat - zeitgenössische Ablasshandel nach dem Motto „Spendet für die lieben Tiere und die Natur und rettet Euer Seelenheil!" sich weiter verfestigt, ohne dass die altruistisch eingestellten Spender erkennen, wohin uns der Weg von PETA und Co führt.
Die Diskussion die Anglern und Jägern weiter führen müssen, wird immer schwerer. Wie kann man denn gegen Tierschutz und gegen Tierrechte sein? Gleichwohl bedarf es der Fortsetzung der Debatte. Alexander Schwab liefert den theoretischen Hintergrund für diesen schweren Weg - dafür gebührt ihm Dank. Die Jäger und Angler müssen den Ball, der ihnen zugespielt wurde, aber aufnehmen und ihrerseits versuchen, das Möglichste zu tun, um zu verhindern, dass die Realitätsflucht einiger Teile der Bevölkerung auf die Mehrheit übergreift.
Kai Jendrusch
Melsungen, im Dezember 2007
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