Ich habe unsere neuen Redakteure gleich von Anfang an zu Arbeit verdonnert.
Nämlich zu einer Vorstellung hier im Magazin.
Nachfolgend die von Honeyball, im realen Leben Heinz - Peter Lattko
Honeyball, Board-Moderator und Ferkelfahnder
aber das bin ich natürlich nicht
von Geburt an, sondern halt wie das Leben so spielt, schrittweise.
Angefangen hat alles an meinem 9.
Geburtstag. Als Sommergeburtstagskind bin ich es schon immer gewohnt, meine
Geburtstage irgendwo zu feiern, nur nicht zuhause. Das war 1971 nicht anders.
Mein Onkel hatte sich in Dänemark und in eine nette Dänin verliebt, und in
jenem Sommer 1971 fand dort die Hochzeit der Beiden statt.. Für meine Eltern
und mich war das die Gelegenheit, auch dort die Ferien zu verbringen, im
tiefsten Nordjytland, im (damals noch recht kleinen und beschaulichen)
Badeörtchen Løkken auf dem
Campingplatz Furreby.
Der Vater meiner zukünftigen
Tante hatte erfahren, dass ich Geburtstag hatte und besuchte uns auf dem
Campingplatz, in der Hand ein ca. 1,90m langes Ding aus hellgrüner Glasfaser
mit gelben Kuntstoffgriff, an dem eine braune, metallene Rolle hing, meine
erste Angel.
Natürlich habe ich nicht lange
still gehalten. Im Isenkram-Laden von Poul Andersson in Løkken wurde alles mögliche verkauft,
unter anderem auch Sandormen für 10 Kronen und einfache Buttvorfächer mit 2
Haken und Grundblei. Also ging es los an die Mole und bald schon trieben Dünung
und Strömung die angehakten Würmer über die Sandflächen.
Tatsächlich gelang es uns damals
sogar, einen Fisch zu fangen, ob es eine Scholle oder Flunder war, konnte ich
damals noch nicht unterscheiden, aber natürlich schmeckte sie viiiel besser als
die am einlaufenden Kutter dazu gekauften Schollen, von denen die Familie satt
werden sollte.
Der Anfang war gemacht, und in
den ersten Jahren beschränkten sich meine anglerischen Erlebnisse auf die
Sommerurlaube in Dänemark, denn in das Land und die Landschaft hatten sich auch
meine Eltern mittlerweile verliebt und so fuhren wir von da an fast jedes Jahr
dort hin. Irgendwann mit 14 erfuhr ich dann eher zufällig von zwei
Klassenkameraden, die den Angelschein gemacht hatten und bereit waren, mich mit
zur Ruhr zu nehmen, dann ausgestattet mit dem Jugendfischereischein NRW und
meiner einteiligen Rute. An einem kalten Spätwintertag mit einzelnen Schnee-
und Regenschauern fing ich meine erste Brasse und ein Rotauge, dass mit viel
Wohlwollen ganz genau das Mindestmaß von 18cm erreicht hatte. Als nächstes
wurde eine anständige Stipprute vom Taschengeld und Omas Wohlwollen finanziert.
Von da an wurde die Ruhr zwischen Schwerte-Westhofen und Wetter so etwas wie
mein Heimatgewässer. Schulfreie Tage waren Angeltage, und die damals riesigen
Brassenschwärme wurden des öfteren mal um einige Kilo dezimiert, die allesamt
von meiner Oma zu leckeren Frikadellen verarbeitet wurden. Bald kamen auch
schon der erste Karpfen und die ersten Schleien dazu und über die
Mitgliedschaft in einem Vorort-Angelverein und die von dort aus veranstalteten
Fahrten für die Jugendabteilung auch eine Vielzahl anderer Fische, wie z.B.
Teichforellen, Dorsch vom Kutter und Barsche aus Kanal und Sorpesee hinzu.
Jahreshöhepunkte blieben jedoch
die Sommer- oder Osterurlaube in Dänemark. An der Mole in Løkken hab ich meinen ersten
Brandungsdorsch und meinen ersten Köhler gefangen, in der Nähe, im
Küstenflüsschen Ryå meinen ersten
Aal, meinen ersten Hecht und vor allem meine bisher einzige Meerforelle
(allerdings eher versehentlich an der Köderfischstippe auf einem Maiskorn am
16er-Haken).
Mit dem Älterwerden und dem Führerschein wurde das Angeln noch
einfacher. Mein Jagdrevier erweiterte sich um die Umgebung des Ruhrgebiets, die
Stever und die Alte Fahrt bei Olfen, Möhne-, Sorpe- und Biggesee im Sauerland
und die Lippe-Verbandsstrecke.
Nur mit den Kanälen habe ich mich nie wirklich anfreunden können,
obwohl sie von jeher die einzigen Gewässer waren, die ich innerhalb einer
Stunde Fahrt mit dem Fahrrad erreichen konnte.
Als es mich nach dem Studium beruflich für zwei Jahre nach Köln
verschlug, lernte ich einen kleinen See in der Nähe von Delbrück kennen, der
mir als absoluten Überraschungsfang meinen ersten Wels einbrachte. Doch zurück
in Dortmund mit meiner Hochzeit und der Geburt meiner Kinder ließ die
Angelleidenschaft etwas nach oder beschränkte sich dann auf gelegentliche
Versuche in den Ferien.
Der nächste anglerische Wendepunkt in meinem Leben kam dann genauso
plötzlich wie unerwartet. Wie bei Kinderwagenbekanntschaften üblich, kommen
Mütter ja, sobald sie aufeinander losgelassen sind, auf die abstrusesten Ideen,
wie man das Wochenende mit der Familie zu verbringen hat. Dieses Mal war es die
Verkündigung, dass wir am nächsten Samstag mit den Kindern zum rodeln gehen
werden, eine gewisse Andrea mit ihrer Tochter käme auch mit und natürlich auch
deren Mann, und die seien ganz nett und das wird bestimmt lustig und... Naja,
was sollte lustig daran sein, mit wildfremden Leuten durch die Kälte zu
latschen und den schweren mit dick eingepacktem Kind beladenen Holzrodelschlitten
irgendwelche steilen Waldwege hochzuschleppen, nur um dann wieder runter zu
fahren und am nächsten Tag vor lauter Muskelkater bewegungsunfähig zu sein?
Na zumindest sah der andere Vater namens Heinrich genauso motiviert aus
wie ich, und zum Glück gab es dort ein Ausflugslokal, wo die Kinder nach der
Kälte unbedingt einen heißen Kakao brauchten (und die Männer ein oder zwei
kühle Pils, also, geht doch!). „Wie, Du angelst?" - „Ach, ihr macht auch
Campingurlaube!" - Tja, so geht es, dass man ganz plötzlich merkt, dass man auf
ein und derselben Welle funkt, gemeinsame Interessen und Hobbies hat und sich
einfach nur bestens versteht. Auf einer gemeinsamen Campingtour zum Herthasee
bei Rheine haben wir mit der Spinnrute eine wahre Barsch-Sternstunde am Kanal
gemeinsam erlebt, aber auch an manchen Schneidertagen war es einfach nur schön,
gemeinsam unterwegs zu sein.
Irgendwann verschlug es uns dann mal zu einem gemeinsamen Campingurlaub
nach Middelfahrt (Gals Klingt). Freund Heinrich hatte sich ein Aluboot mit
5PS-Außenborder gekauft und dank netter Tipps freundlicher Mitcamper hatten wir
bald schon den Bogen raus. Die Bootstouren brachten genug Fisch für4 Erwachsene
und 4 Kinder, und weil es so einen Spaß machte, wurden diese auch immer länger,
übrigens genau so wie die Gesichter der Mütter, die wohl grundlegend andere
Vorstellungen von Familienurlaub hatten als wir...
Ergebnis dieses Urlaubs war es dann, dass wir unser Touren alleine
machen durften und unsere Frauen dafür kinderfreie Wellness-Wochenenden zelebrierten.
Als die Fischlage im Kleinen Belt sich stetig verschlechterte, kamen
wir irgendwann mal darauf, es mal weiter nördlich zu versuchen. Gelandet sind
wir dann im Skottevig Feriesenter, also zum ersten Mal in Norwegen. Und dies
kennen ja viele hier im Anglerboard, einmal Norwegen - immer Norwegen, das Land
wird man nicht los. Auf der Suche nach Infos über das Angeln in Norwegen bin
ich dann irgendwann über das Anglerboard gestolpert, habe festgestellt, dass es
hier sehr viele sehr hilfsbereite und vor allem sehr nette Menschen gibt, die
mit Tipps und Tricks nicht hinterm Berg halten und einfach das Herz auf dem
rechten Fleck haben.
Da es meine persönliche Einstellung ist, dass Nehmen und Geben zusammen
gehören, fühle ich mich hier auch pudelwohl und bin jetzt mit einigen eigenen
Erfahrungen gerne bereit, auch selbst mit Tipps zu helfen, wenn ich kann. Und
als jemand, der selbst auch gerne und viel lacht, macht mir der
Ferkelfahndungsjob natürlcih besonders Spaß. Mit meiner Kolumne im Magazin ist
der Anfang für redaktionelle Mitarbeit gemacht. Mal sehen, was noch so dazu
kommt.
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