„Das große Buch vom BIG GAME ANGELN" von Jürgen Oeder und Kurt Lehr
Das Hobby Big Game,
mithin die Fischerei in den sonnigen Regionen der Weltmeere, ist bereits von
seinem Wesen her international ausgerichtet. Ohne Grundkenntnisse der
englischen Sprache wird es also schwierig. Will man sich informieren nutzt man
das WorldWideWeb und kommt zu brauchbaren Ergebnissen. Die Literatur im
Allgemeinen und die deutschsprachige im Besonderen ist überschaubar. Die Anzahl
von lesenswerten Werken in deutscher Sprache dürfte an einer Hand abzuzählen
sein.
Als Standardwerk
galt bis heute das erstmals 1979 in französisch erschiene und 1986 ins Deutsche
übersetzte Buch von Marc Richard
„Big Game - Das faszinierende Abenteuer".
Nunmehr erhält
die deutschsprachige Big Game Gemeinde ein Buch vorgelegt, welches sich
anschickt „den Richard" zu verdrängen. Jürgen
Oeder hat in Zusammenarbeit mit Kurt
Lehr nun sein Werk „Das große Buch vom Biggame Anglen - Fische, Köder und
Reviere" vorgelegt. Wer im Ansatz mitbekommen hat, welchen Aufwand die beiden über
rund sechs Jahre betrieben haben, um dieses Buch vorlegen zu können, der weiß,
dass es nicht wirtschaftliche Motive waren, welche sie zur Erstellung des
Buches motivierten.
Die Frage: „Ob
das noch was wird?", hörte man Ende 2009 immer häufiger, wenn man auf das Thema
zu sprechen kam. Das hier anzuzeigende Werk straft nun zum Glück all jene
Lügen, welche ernsthaft am Erscheinen zweifelten.
Allein die
anglerischen Erfahrungen von Jürgen Oeder
hätten die Herausgabe eines eigenen Buches gerechtfertigt, etwa in Form von Memoiren. Das nunmehr
vorgelegte Buch geht darüber indes weit hinaus.
Das rund 470 Seiten
starke sowie opulent bebilderte Buch bietet dem Leser eine allumfassende
Informationsquelle. Urlaubsberichtstypisches a la „die Rolle kreischt" sucht
man allerdings vergebens. Dagegen entspricht insbesondere der erste Teil, indem
die Zielfische dargestellt werden, durchaus wissenschaftlichen Ansprüchen. Die hier
zusammengetragenen Informationen gehen weit über „das Normale" hinaus.
Das Buch
gliedert sich im Wesentlichen in drei Teile. Im ersten Teil werden die
verschiedenen Zielfische näher beschrieben. Der Bogen reicht von den begehrten
Schwertträgern, über die Thune und Haie, bis hin zu den weiteren Zielfischen
Tarpon & Co. Mit rund 300 Seiten bildet dieser Bereich des Buches den
umfangreichsten Teil und zeugt von einer guten Schwerpunktsetzung.
Die Darstellung
der einzelnen Fischarten folgt dabei einem einheitlichen Aufbau. Das örtliche
Vorkommen der Fische wird - auch jeweils anhand einer Karte - veranschaulicht. Aussehen,
Identifizierungsmerkmale, Wachstumraten sowie weitere Besonderheiten der
verschiedenen Arten werden beschrieben und ihre Wanderwege grafisch dargestellt.
Teils daran anschließend, teils in Kästcheneinschüben erhält der Leser zudem spannende
weiterführende Infos etwa durch Schilderungen von Weltrekordfängen, Historie,
Überfischung und Ählichem. Die Ausführungen zum Sehvermögen der Schwertträger
stehen beispielhaft für das gute Niveau des Buches und belegen die solide
Recherche anschaulich.
Der zweite Teil
widmet sich dem Thema „Tackle & Technik" und informiert über die richtigen
Ruten, Rollen und Köder sowie die Drill- und Fangtechniken. Schwerpunkte sind
hier unter anderem das Riggen von und Schleppfischen mit Marlin-Lures, die
Ködefisch-Montage bis hin zu anschaulichen Erklärungen für den Drill im
Kampfstuhl oder Stand-Up.
Unter dem Topos
„Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied", macht das Buch
deutlich, dass die Big Game Fischerei der falsche Ort für Kompromisse ist. Wer
die vielen wertvollen Tipps und Tricks in diesem Bereich etwa auch zum Jiggen
oder Poppern berücksichtigt, wird wahrscheinlich auch nicht ohne Abriss durchs Anglerleben
kommen. Den einen oder anderen verhängnisvollen Fehler wird man aber nach der
Lektüre vermeiden können.
Der dritte und
letzte Teil des Buches beschäftigt sich mit den Reisezielen. Was helfen die
besten Informationen über die Zielfische und das dazugehörige Tackle, wenn man
das falsche Reiseziel auswählt oder aber zur falschen Zeit am falschen Ort ist
und daher keine Fische vorfindet. Für Reiseanbieter und Bootseigner ist - wer
könnte es ihnen verdenken - immer Saison.
Das Buch liefert
auch hier eine gute Grundlage für die zukünftige Urlaubsplanung. Berücksichtigt
sind darin die vielen Informationen, die Jürgen
Oeder in den vergangenen Jahrzehnten von Charterkapitänen, Eignern und
Angelkollegen weltweit gesammelt hat. Insbesondere in diesem Teil findet man
Bilder von bekannten Big Gamern. Das „Who is Who" der deutschsprachigen Big
Gamer ist vertreten. Herausragenden Persönlichkeiten sind überdies kleinere
Einzelbeiträge gewidmet, beispielhaft seien die zu IGFA-Repräsentant Jörg-Dieter Haselhorst oder Skipper Georg Blänich genannt.
Gibt es an dem
Buch überhaupt etwas zu kritisieren, so ist es die Schreibweise des
Kernbegriffs „Biggame". Sprachlich dürfte es sich wohl um die „richtige"
Schreibweise handeln. Ohne Zweifel wird sich aber trotzdem der eine oder andere
„Big Gamer" die Augen reiben, wurde der Begriff doch in den letzten Jahren weit
überwiegend anders geschrieben. Die Autoren werden es mir insoweit hoffentlich
auch nicht übel nehmen, dass ich zumindest diesem „Trend" nicht folgen werde und
bei der „alten" (vermeintlich auch falschen, dann aber immerhin gewohnten)
Schreibweise bleiben werde.
Welche Intention
das Werk verfolgt, hat Jürgen Oeder
im Vorwort nicht in aller Deutlichkeit, wohl aber kaum zu überlesend, klar
gemacht, wenn er schreibt: „Und wenn ich heute einen Fisch entnehme, dann mit
mehr Bedauern und Respekt als je zuvor. Sollte es dem geneigten Leser nach der
Lektüre ebenso ergehen, hat er meine ganze Sympathie."
Es geht Jürgen Oeder nicht darum, dem Angler zu
vermitteln, wie er möglichst schnell und problemlos bestimmte Fische fängt.
Dieses Buch möchte den Horizont eines jeden Anglers erweitern. Im Andenken an Konrad Adenauer „Wir leben alle unter
dem gleichen Himmel, haben aber nicht alle den gleichen Horizont!" kann man
dieses „Angleichungsbemühen" nur begrüßen.
Als Fazit bleibt
festzuhalten, dass mit dem hier besprochenen Buch der „Große Wurf" gelungen ist
- oder wie Dr. Henning Stilke im
Vorwort treffend formuliert hat, ein „neuer Grander" unter den Angelbüchernentstanden ist.
Für die
deutschen Big Gamer haben Jürgen Oeder
und Kurt Lehr, der für das schöne
Layout verantwortlich ist, eine nun bereits seit Jahren klaffende Lücke im
Bereich der Angelliteratur geschlossen. Es kann allen Interessierten nur
wärmstens empfohlen werden und ist seinen Preis mehr als wert. Es kann derzeit
bei Jürgen Oeder direkt bestellt
werden. Weitere Infos unter: www.biggamebuch.de.
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