Auf Tintenfischjagd im Mittelmeer – Teil 2: Die Driftmethode

NEU-Beitragsbild-Anglerboard 635x332PX Teil2-DieDriftmethode

 

Im zweiten Teil der Tintenfischjagd erklärt Euch unser Mitglied scorp10n77, wie Ihr die Räuber vom driftenden Boot fangt. Viel Spaß beim Lesen!

(zum ersten Teil der Serie "Tintenfische schleppen" kommt Ihr hier)

Das Driften betreibe ich gerne nach Sonnenaufgang, wenn die Kalmare auch bei Sonnenschein fressen. Diese Methode ist nämlich nicht so an diese Beißzeit gebunden und eine sehr spaßige Angelei.

Material und Methode

Die Driftangelei ist zwar nicht sehr aufwendig, es empfiehlt sich aber, zuhause schonmal die Montagen vorzubereiten. Diese sind recht simpel und wir können, je nach Bootsgröße, mit mehreren Ruten angeln. Dabei brauchen wir wieder keine speziellen Modelle, aber es ist schöner mit leichten Gerten zu Angeln. Es gibt dafür günstige Ruten, die speziell eine sehr weiche Spitze haben, um die Bisserkennung zu erleichtern. Nun zur Montage:

Bild-5

 

Anzeige Zebco 50x250mm 2004Wir benötigen 3er Wirbel und Karabiner sowie Mono oder Fluorocarbonschnur. Hier muss ich zugeben, dass ich überhaupt keinen Vorteil von Fluorocarbon feststellen konnte gegenüber Monoschnur. Wie oben zu sehen, knoten wir nun einen ca. 30 bis 40 Zentimeter langen Seitenarm an den ersten 3er Wirbel und dann einen Karabiner an. 1-1,5 Meter unterhalb des ersten 3er Wirbels kommt ein weiterer Wirbel und Seitenarm. In diesen Wirbel hängen wir das Blei ein. Dazu benutze ich wieder fluoreszierende Bleie in 40 bis 60 Gramm. Andere schwören auf weiße Bleie oder nehmen ein normales Blei. Für die Verbindung zwischen den beiden 3er Wirbeln empfiehlt es sich, eine dickere Mono zu nehmen als für die Seitenarme. Der Abstand zwischen beiden Wirbeln hängt von der Rutenlänge ab. Das benutzte Gewicht ebenfalls von Rute und der Stärke der Drift, sowie der Wassertiefe. Als Köder empfehle ich folgende Modelle:

Es handelt sich um unbebleite (!) Squidjigs verschiedener Marken. Es gibt auch bebleite Köder, wie den orangenen rechts unten. Diese sind zum Spinnfischen gedacht. Ich fische vor allem Squidjigs von DTD, Yozuri und Maria. Die Farbpalette und Auswahl an Modellen ist schier unendlich und kann großen Einfluss haben. Manchmal sind die Tiere total auf eine Farbe fixiert und es kann einen sehr großen Effekt haben. Prinzipiell ist es daher immer wichtig, viele verschiedene Köder im Wasser zu haben. Ich montiere diese dabei eigentlich immer so, dass ich eine grelle Farbe am oberen Seitenarm habe wie Pink, Orange oder Weiß. Die Kalmare gehen gerne auf diese grellen Farben und prinzipiell lieber auf die oberen Köder. Unten montiere ich meist eher natürliche Dekore wie Schwarz, Blau und Grün. Dort gehen dann vor allem die Sepien und Kraken drauf. Farben, die man meiner Meinung nach immer im Wasser haben sollten sind Pink, Blau, Grün und vor allem Schwarz. Mein mit Abstand bester Sepiafänger ist der Yozuri Ultra DX. Es gibt eine weitere Serie von Yozuri, den Ultra Cloth, wovon es komplett pinke und pink mit blauem Rücken gibt. Letztere funktionieren ebenfalls außerordentlich gut.

Stellenauswahl

Die Stellenauswahl fällt bei dieser Methode meist leicht. Ich achte nur darauf, nicht in Seegraswiesen und auf Felsen zu angeln. Sandboden ist der Untergrund, den ich bevorzuge. Auch hier sind Flussmündungen wieder gut. Es gibt teilweise leichten Bewuchs, der nicht weiter problematisch ist, solange man nicht hängenbleibt. Unbedingt zu beachten sind Fischernetze. Verhakt man sich mit fünf Ruten a zehn Köder und fünf Bleie wird’s ganz schnell teuer. Die Netze liegen aber natürlich oft dort, wo die Tiere sind. Ich versuche oft, alle Tiefen abzudecken. Von zwei bis 30 Meter Wassertiefe und tiefer. Meist erweisen sich bestimmte Stellen als deutlich besser, oft auch bestimmte Tiefen. Wenn also irgendwo nichts läuft, einfach eine andere Stelle probieren. Dazu braucht man nicht mal weit weg fahren.

 

Los geht’s!

Hat man eine Stelle ausgesucht ist es nun nicht sonderlich schwierig. Wir positionieren das Boot so, dass wir zu einer Seite raus angeln können. Dann lassen wir die Köder zum Grund, machen den Bügel zu und stellen die Rute in den Rutenhalter. Jetzt beginnt das Warten. Ein Kescher ist für diese Angelei unabdinglich und sollte immer bereitliegen. Die Drift, also vor allem der Wind, sollte nicht zu stark sein. Wir wollen immer am Grund sein mit unseren Ködern und diese dabei nicht in total flachem Winkel weit weg vom Boot. Absolute Windstille ist aber auch nicht ideal, denn je mehr Drift, desto mehr Fisch.
Ich beobachte nun die Rutenspitzen der Angeln. Durch die Bewegung des Boots sollte das Blei langsam über den Grund geschleift werden. Kommt eine Welle wird das Boot und somit auch das Blei ein wenig angehoben. Fällt es dann wieder auf den Boden, entspannt sich die Rute. Das ist als Tocken vor allem bei den speziellen Ruten sehr schön zu sehen. Beißt nun ein Tier an, so gibt es zwei Fälle. Kalmare attackieren oft aggressiv und schwimmen dann weg. Die Schwimmbewegung sieht man an den Rutenspitzen sofort. Dann wieder mal nicht anschlagen und langsam und konstant einkurbeln. Keschern und sich möglichst nicht besprühen lassen.

 

Bild-8

 

Vor allem Sepiatinte gibt üble Flecken, die nie wieder rausgehen. Auf dem Boot muss alles möglichst sofort weggewischt werden, denn trocknet die Farbe erstmal an, geht sie nur schwer wieder ab. Sepien machen bei einem Biss diese Schwimmbewegung meistens nicht. Jedoch verhindern sie durch ihren Wasserwiderstand das Tocken des Bleis am Grund. Vor allem bei Kraken ist die Rute nach einem Biss auch deutlich stärker gebogen und tockt nicht mehr. Spätestens beim in die Hand nehmen der Rute merken wir, dass die Montage schwerer erscheint. Die Bisserkennung erfordert etwas Übung. Ich schlage auch bei Sepien eigentlich nicht an. Sepien und Kraken packen sich oft den Köder und bemerken ihren Irrtum gar nicht. Dann lassen sie sich bis zur Oberfläche kurbeln und vorsichtig keschern. Auch ohne gehakt zu sein. Jedoch lassen sie auch gerne mal kurz vorm Kescher oder beim Hochholen wieder los und schwimmen davon. Deshalb sollte das Keschern ruhig und ohne abrupte Bewegung erfolgen und der Kescher schon im Wasser sein, bevor das Tier oben ankommt.

Bild-9

 

Da Tintenfische ihre Beute am Nacken packen, um dort mit ihrem schnabelartigen Gebiss das Rückgrat zu durchtrennen, halten sie teilweise dort fest und zerkauen den Köder. Es gibt auch Köder, die dort noch einzelne Haken haben, aber das halte ich nicht für besonders erfolgssteigernd. Von den Tieren sollte man sich übrigens nicht beißen lassen, denn das kann sehr schmerzhaft sein. Kraken machen erheblich mehr Druck als die anderen beiden Arten. Insbesondere ein großes Tier von 1,5 Kilo oder mehr kann am leichten Gerät schonmal zur Herausforderung werden. Ein Kraken fühlt sich dabei an wie ein Sack, den man vom Boden hochpumpen muss. Dabei lässt man sich am besten seine Zeit. Da die Köder keine Widerhaken haben sollte immer Spannung auf der Schnur sein.

Bild-10

Tintenfische tötet man übrigens mit einem Schnitt zwischen den Augen. Dort liegt das Riesenaxon, welches analog zu unserem Rückgrat ist. Auch wenn es sich bei Tintenfischen um die mit Abstand intelligentesten Wirbellosen handelt, können wir sie nach einem Fehlbiss erneut überlisten. Lässt also eine Sepia oder Krake im Drill los, so kann man den Köder sofort wieder ablassen und hat in 80 Prozent der Fälle danach erneut einen Biss vom selben Tier. Kalmare tun das meiner Erfahrung nach eher nicht.

Am Ende des Tages hat man dann im Idealfall einige Tintenfische, die es nun noch sauber machen zu gilt.

Bild-11

Bild-12

Bei Sepien entferne ich den Schulp, schneidet das Tier auf und ziehe mit dem Kopf die Eingeweide raus. Ich schneide die Arme ab, entferne das Maul und werfe den Kopf weg. Dann heute ich die Tiere noch, was sehr müßig ist. Bei Kalmaren ist die Prozedur in etwa die selbe. Da Kraken keinen Schulp haben, brauche ich nur die Eingeweide entfernen. Heuten spare ich mir, das wäre viel zu aufwendig. Kraken müssen jedoch sehr lange kochen, damit sie weich werden. Es empfiehlt sich, diese vorher einzufrieren und wieder aufzutauen. Dadurch platzen die Zellen und es werden Enzyme frei, die die langkettigen, strukturgebenden Eiweiße vorverdauen und das Fleisch so bereits weicher machen. Sepien und Kalmare können wir bereits so direkt auf den Grill hauen. Mit etwas Knoblauch schmecken sie vorzüglich. Außerdem gibt es viele Schmorrezepte wie schwarzen Reis (Arroz negro) oder Sepia mit Erbsen (Sepia con guisantes), um nur zwei meiner Favoriten zu nennen.
Tintenfische sind nicht nur zum Eigenverzehr bestens geeignet, sondern auch super gute Köder. Im Mittelmeerraum ist es üblich mit lebenden Kalmaren oder Sepien zu Angeln. Dabei sind sie Beute für einige der schmackhaftesten Bewohner des Mittelmeers wie Brassen. Allen voran die Zahnbrasse, welche über zehn Kilo schwer wird.

Bild-13

Aber auch Zackenbarsche, Bernsteinmakrelen und Schwertfisch(e) lieben Tintenfisch. Mit letzteren ist natürlich küstennah und in Anbetracht der Bestandssituation nicht wirklich zu rechnen, aber es soll schon vorgekommen sein!

Ich hoffe, ich konnte Euch diese exotische Angelei etwas näherbringen.

Ein Video zu dieser Angelei findet Ihr hier

Viel Erfolg und Danke fürs Lesen.
Euer Dario (scorp10n77)



Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten! - Ein Projekt von anglerboard.de.
Alle Grafiken und Warenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Recht der jeweiligen Eigentümer.
Das Kopieren von Bildern und Texten von Anglerpraxis.de ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet!

© 2003-2013 Anglerpraxis.de
Weitere Projekte: Angeln in Norwegen , Angeltreff.org
Technical support by MLIT