Ausgabe Mai 2012

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    Pantanal-Report

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    Pantanal-Report

    (Teil 1)

     

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    Eine erwartungsfrohe Truppe von 32 Sportanglern war am Abend zuvor im Hafen von Corumbá dem Hotelschiff ALBATROZ  zugestiegen. ARARATURS hatte in Zusammenarbeit  mit dem auf  Angeltourismus spezialisierten Unternehmen TAQUARI von Mario Takahashi diese Tour bis ins letzte Detail vorbildlich vorbereitet und organisiert. 

    Hochkarätige Spezialisten, mit teilweise mehr als 1600 km Anreiseweg, hatten sich zu diesem Anglertrip in den Pantanal (portugiesisch für Sumpf, Moor, Feuchtgebiet) eingefunden.

    Mit dabei war auch eine drei Mann starke Equipe des Fernsehsenders BANDEIRANTE. Für die regelmässig jeden Samstag ausgestrahlte Sportangler-Spezial-Sendung sollte dieses Abenteuer in Bild und Ton festgehalten werden.

     

    Der Pantanal, das grösste Feuchtgebiet der Erde

    Gute 600 km in der Länge und bis zu 300 km in der Breite ist das Plateau im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Bolivien und Paraguay: Der Pantanal, das grösste Feuchtgebiet unserer Erde! Er ist absolut flach und auf seinem über 500 km langen Weg durch die Ebene sinkt der Hauptfluß, der Rio Paraguay (Gesamtlänge 2549 km), nur um 30 m.

    Dieses geringe Gefälle läßt die kaffeebraunen, fruchtbaren Wasserfluten denn auch nur  langsam fließen. Unzählige Verästelungen des Flusses überfluten deshalb jedes Jahr von Oktober bis April ein Gebiet von über 230’000 km2 (= Grösse der Bundesrepublik vor 1989.).

    Dabei bilden sich riesige Buchten und Seen mit einem überwältigenden Fischreichtum.

    Ein Teil dieser wundervollen, unberührten Landschaft steht unter Naturschutz; im Jahr 2002 erklärte es die Unesco zum Biosphären-Reservat. Brasiliens Regierung schickt inzwischen regelmäßig schwer bewaffnete Aufseher in die von Wilderern am stärksten bedrohten Gebiete.

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    In der Nacht schipperte unser Hotelboot den Rio Paraguay hinauf und legte sich nach ca. 80 km Anfahrtsweg im Gebiet der Fazienda Coqueiro (Bom Fin) vor Anker. Das erste Ziel war somit erreicht.

    Antonio, der professionelle Guia

     „Gestatten, meine Name ist Antonio Ferreira. Ich bin ihnen als Guia (Guide, Führer) für die nächsten fünf Tage zugelost worden!“ Antonio (55), mit dem typischen Gesichtsschnitt eines Eingeborenen aus dem Mato Grosso (dichter Wald) lächelt meinen Kollegen Fausto Eduardo Mello Castro, Redaktor beim TV-Sender BANDEIRANTE, und mich freundlich an.

     

    pa_1-4 Antonio, der professionelle Guia zeigt wie man anködert

    Diese speziell geschulten und ortskundigen Begleiter sind jeweils für zwei Sportfischer und ein Angelboot (7m Alu-Kahn mit 25 PS-Motor) verantwortlich. D.h. um 04.30 Tagwache, Köder und Ersatzmaterial für die Angelausrüstungen besorgen, Getränke und Snacks in die Kühltruhen verstauen, Treibstoffbehälter auffüllen und einen Motoren-Test durchführen, Schwimmwesten kontrollieren und für Angler ohne eigene Ausrüstung die entsprechenden Ruten montieren. Inklusive diese Vorbereitungszeit, dem effektiven Angeln und der küchengerechten Aufbereitung der Tagesbeute am Abend, also ein 16-Stunden-Tag! Und das alles für 25 brasilianische Reais (etwa 8 Euro) pro Tag....

    Jeden Morgen wird durch den Obmann der Guias ein entsprechender „Tagesbefehls“ ausgegeben, der  die  tägliche Angelroute, die Wahl des Zielfisches und der Köder, sowie den Zeitplan für den laufenden Tag festlegt.

    Surubim/Cacharra

    Der Himmel war etwas bedeckt und eine leichte Brise wehte von Nordwest. Das erfolgversprechende Wetter für das Angeln auf Surubims, die bei den Einheimischen auch Cacharras genannt werden!

     

     

    Antonio steuerte unser Boot gekonnt zwischen den schwimmenden Tellern der „Vitoria Regina“ durch, lenkte dann in diverse Seitenarme des Flusses ein und erreichte schlussendlich ein grösseres, stilles Gewässer.

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    Hier also sollte der bis zu 1,5 m lange und über 20 kg Gewicht erreichende Zielfisch sein Zuhause haben.

    „Durch ein Auge einführen und die Hakenspitze beim Brustpanzer wieder nach aussen durchstechen!“ Das richtige Anködern der noch lebenden Krabben (Caranguegos) musst zuerst geübt werden. Der Angelhaken, Grösse 8/0, kam mir ungewohnt gross vor und das „Drahtseil“ an dem er befestigt war erinnerte mich an Big Game-Angeln!

    „Wirf etwa 40 m weit und bewege den Köder alle 5 Minuten!“, riet mir Antonio und montierte auch seine Gerätschaften. Meine Montage mit einem 40 gr Grundblei und der Krabbe am Haken schwirrte durch die Luft und landete im erwähnten Zielgebiet. „Hier ist das Wasser überall nur 4m tief, aber der Grund ist fest und es hat keine Hindernisse!“ ergänzte mein Guia und versuchte umständlich, sich eine Zigarette anzuzünden!

    Bei den herrschenden Windverhältnissen keine leichte Sache!

    Während wir gespannt auf einen Anbiss warteten, schweifte mein Blick über die wunderschöne, naturbelassene Fluss-Landschaft. Und dabei entdeckte ich „es“ - nur die Augen waren sichtbar – aber es war tatsächlich ein Krokodil, das langsam auf unser Boot zusteuerte. Und etwas weiter rechts ein zweites Tier derselben Gattung! Doch als ich zur Kamera griff, um den „Besuch“ im Bild festzuhalten, tauchten die beiden „Jacarés“ ab!

    „Macht nichts - Krokodile hat es hier im Dutzend – Du wirst schon noch welche vor die Linse bekommen!“ tröstete mich Antonio – und er sollte Recht behalten...

    Da - unvermittelt ein harter Anbiss! Die Schnur lief von der auf Freilauf geschalteten Rolle zügig ab. Aber als ich nach der Rute greifen wollte, erschlaffte die Schur. „Das war kein Surubim – das war ein Piaú!“, deutete Antonio die Situation. Er musste es ja wissen, mit seiner beinahe vierzigjährigen Erfahrung im Pantanal!

    Der Köder war natürlich weg und musste ersetzt  werden. Antonio hatte jedoch plötzlich Zweifel an seiner Köderwahl und meinte: „Wir haben zuwenig Bisse, versuchen wir es mit Minhocaçus – den Riesenwürmern!“

    Antonio zeigte mir nun seine besondere Art, den Minhocuçu auf den Angelhaken zu bringen: Der Wurm wird am Kopfteil eingestochen und danach in seiner gesamten Länge auf Vorfach und Haken gezogen. Bei einer Länge von bis zu 1,5m keine ganz einfache Sache – die Haut des Tieres ist sehr zäh und auch die Innerein bieten einigen Widerstand!

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    Zehn Minuten geschah nun überhaupt nichts mehr. Dann fing mein Guia einen Piaú: 66 cm – kein Riese! Und während er noch mit seinem Fang beschäftigt war, hatte ich plötzlich einen „Gewalts-Biss“ - die Schnur sauste zügig durch die Ringe! Rute aufnehmen und Anschlag!

    Die Rollenbremse fing an zu keischen! Antonio startete sofort den 25 PS-“Klotz“ und schipperte ins freie Wasser. Das musste ein ganz gehöriges Kaliber sein; ich konnte den Fisch jedenfalls nicht stoppen. Also Bremse etwas nachstellen und pumpen! Nach ein paar  weiteren Flucht, (eine davon unter dem Boot durch!), konnte ich den Fisch endlich sehen: Ein Surubim von ganz beachtlicher Grösse. Wie sollte ich nur den Fang an Bord bringen? Kein Feumer und keine Fanggreifzange (Lip-Grip) weit und breit!

    Antonio deutete mir an, den Fisch jetzt an die Oberfläche zu bringen. Schwupps – ein blitzschneller Griff mit der behandschuhten Hand an den Unter-Kiefer des Cachara und das Tier schlug auf dem Boots-Boden wild um sich! Das war saubere, gekonnte Arbeit!

     

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    96 cm, mein erster Surubim – ein wirklich schöner und stattlicher Fisch!

    In der Zwischenzeit waren die Uhrzeiger auf 15.30 Uhr vorgerückt! Und nun erlebten wir eine Biss-Orgie, wie ich sie nie für möglich gehalten hätte! Wir fingen noch 8 Surubims, aber keiner erreichte die 96 cm mehr!

     

    Mit 3 Surubims (5 liessen wir wieder frei), 4 Piaús, einem grossen Pacu und drei über 30 cm grossen, schwarzen Piranhas kehrten wir beim Eindunkeln zur ALBATROZ zurück.

    Der Smutje (Schiffskoch) war zufrieden – seiner schon im voraus hochgelobten Fisch-Suppe für den kommenden Tag stand damit nichts mehr im Wege!

     

     

    Copyright by René Sehringer  Belo Horizonte  Brasilien

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