Plan B
"Plan B"
Sonntag Morgen - nichtsahnend schlürfe ich meinen Kaffee und blätter wahllos in der Zeitung vom Vortag. Plötzlich klingelt das Telefon, mein Kumpel Georg ist dran und fragt „Hey, Lust heute ans Wassser zu gehen?“.
„Selbstverständlich, wo wollen wir denn hin?“ antworte ich.
„Ach, lass mal an den Teich gehen.. mal schauen ob schon was auf Karpfen geht“ meinte Georg.
Alles klar, denke ich mir und packe meine, sich noch im Winterschlaf befindliche Ausrüstung ins Auto. Kurz nochmal im Kopf durchdenken ob man alles dabei hat:
Rutenhalter? – müssten noch vom letzten Herbst im Kofferraum liegen.
Jahreskarte? – liegt im Handschuhfach.
Messer, Fischtöter, Zollstab, Hakenlöser – ist alles in der Angeltasche.
Kescher – stecht in der Seitentasche des Futterals.
Köder??? – Oh weh, genau das wars. Keinen Dosenmais zu Hause, Würmer und Maden sowieso nicht, Die Frolic-Tüte hat der Nachbarshund heimlich geleert – kurzum es ist kein anständiger Köder im Haus, und es ist Sonntag! – somit auch keine Chance auf die Schnelle irgendwoher Köder zu besorgen.
Was bleibt also an Möglichkeiten? Klar, entweder den Angelausflug wegen nicht vorhandener Köder platzen lassen oder einen Köder besorgen.
Meine Angeltage sind mir zu schade um sie wegen solch „banalen“ Gründen ins Wasser fallen zu lassen, deswegen habe ich für solche Fälle immer Plan „B“ in der Schublade. Das „B“ steht für Brot.
Schnell finden ein paar Semmeln sowie eine Kante Brot den Weg in mein Gepäck und schon geht’s los ans Wasser.
Das gute alte Brot, ist ein Friedfischköder dessen Vorteile klar auf der Hand liegen:
1. Immer verfügbar
2. Unschlagbar günstig
3. Universell einsetzbar
4. Keine „Vorbereitung“ nötig
5. Absolut fängig
Ich fische meistens mit 2 Ruten, wobei ich eine mit einem größeren Stück Brotrinde am Haar auf Grund auslege, die zweite kommt als Posenrute zum Einsatz.

Die Grundmontage,
kommt zum Einsatz wenn man auf „Distanz“ angeln will. Ein Stück Brotrinde ist sozusagen der älteste „Pupupköder“ der Welt. Gerade in kleinen, recht flachen Teichen ist dies eine der besten Fangtechniken auf Karpfen die mir bekannt ist. Zu meiner Junganglerzeit machte ich mir bei gemeinsamen Vereinsfischen oftmals einen Spaß daraus gemacht mit simplen Brotmontagen den „alten Hasen“ mit ihren Tigernuss und Kichererbsen „Geheimködern“ die Schau zu stehlen. Durch die Länge des Vorfachs kann man kontrollieren in welcher Höhe die Brotflocke über dem Grund schweben soll. Je nachdem wie „tief“ man die Karpfen vermutet kann man so relativ flexibel auf alle Situationen reagieren.

Die Posenmontage,
verwende ich zum ufernahen Angeln. Hierbei sind nicht nur Karpfen, sondern auch alle anderen Friedfische Objekt der Begierde. Ich nehme lediglich etwas Teig von einer Semmel oder eben einem Stück Brot, feuchte es etwas (notfalls mit Spucke) an und forme es zu einer Kugel. Ohne „Dips“, „Flavours“ und was man sonst angeblich noch braucht um einen Karpfen zu fangen.


Achso, halt! Ich wollte euch ja noch erzählen wie unser erster Frühlingsansitz weiterging.
Wir hatten unsere Ruten kaum 10 Minuten im Wasser, da meldete sich bei Georg bereits der erste Karpfen an der nur 4m vom Ufer entfernt angebotenen Teigkugel an der Posenmontage.
Ein beherzter Anhieb und los gings:


Noch während Ich Georgs Karpfen kescherte, ging meine Grundrute los – zum Vorschein kam ein ca. 40cm langer Karpfen:

So wie es angefangen hatte ging es auch weiter, nach ca. einer halben Stunde war mir die permanente „Beisserei“ eindeutig zu stressig geworden – eigentlich wollte ich mich in Ruhe mit Georg unterhalten, doch stattdessen waren wir beide andauernd nur am Drillen, keschern, abhaken und „neu beködern“. So kam es, dass ich nach dem 3. Fisch meine Ruten wieder einpackte und mich lieber etwas mit meiner neuen Kamera beschäftigte.
Im Lauf des Tages fing Georg die gesamte Palette an Friedfischen die in dem Gewässer vorkommen, angefangen von Schleien:

über Brachsen:

bis hin zu strammen Rotfedern:

…..
ein wunderbarer Frühlingstag war es natürlich ausserdem:


Franz Hollweck
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