Ausgabe Mai 2012

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    Uschis Angelerlebnisse Teil 15

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    Uschis Angelerlebnisse Teil 15

    Karpfen mögen keine Fototermine

     

    Die Nächte waren zwar noch sehr kalt, aber wenigstens schien tagsüber ab und zu die Sonne. Da stellte sich mir erst gar nicht die Frage, was tun. Natürlich angeln! Achims Ziel war es, endlich einmal eine Schleie an den Haken zu bekommen. Das hatte er schon am Wochenende zuvor vergeblich probierte.

    Am Samstagmittag bauten wir unsere Ruten am Südstadtteich auf, wo das Wasser wieder einmal vor Kleinfischen nur so brodelte. Eine Schleie zu fangen stellte ich mir recht schwierig vor, da Tinca tinca als ein sehr vorsichtiger und misstrauischer Flossenträger beschrieben wird. Aber über einen schönen Barsch, wie ihn Achim vor einer Woche gefangen hatte, würde ich mich auch freuen, dachte ich. 

    barsch1

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    barsch2

    Der Barsch (33 cm, 650 g) ging Achim bei Einbruch der Dämmerung an den Haken. Als Köder hatte er 2 Dendrobenas (Riesen-Rotwurm) die uns Hubert Brehm als kostenlose Probe zugeschickt hatte, gewählt. Von den Würmern waren wir begeistert. Sie waren super quirlig. Und weil sie sich sehr lange aufbewahren ließen, bestellten wir gleich darauf 400 Stück davon. 

    Als ich Achims Barsch ausnahm, quoll mir eine große Menge Rogen entgegen. Ja, diese verfressenen Weiber... Können den Magen nicht voll genug bekommen und landen dann in der Auflaufform. (Rezept siehe auf meiner HP).

    Mit einer Made am 14er oder 16er Haken hätten wir jede Menge Rotfedern und auch kleine Barsche fangen können. Aber Köderfische hatten wir inzwischen genug. Jetzt wollten wir lieber größere Exemplar an den Haken kriegen.

    Den Südstadtteich kann man im Vergleich zum Sennesee als eine Pfütze bezeichnen. Die tiefste Stelle beträgt vielleicht 2,5 Meter. Ich überlegte erst gar nicht lange, welche Ruten ich wählen sollte. Wie meistens entschied ich mich einen Köder auf Grund zu legen und den anderen an einer Posenmontage anzubieten. Den Haken an der Grundrute bestückte ich mit einem einzigen dicken Dendrobena. Dann legte ich die Rute in den elektronischen Bissanzeiger. An der Posenrute bot ich auf einem 14er Haken 3 Maden ab. Als sich die Pose auf dem Wasser aufgerichtet hatte, tauchte sie auch schon wieder ab. Eine Rotfeder hatte sich auf die Maden gestürzt.

    Kaum hatte ich die Posenmontage wieder ausgeworfen, ging das Spiel von vorne los und die nächste Rotfeder hing am Haken. Ich fand es zwar aufregend, wenn die Pose abtauchte, aber Rotfedern wollte ich nicht unbedingt fangen. Was tun? Statt Maden bot ich noch an der Pose ebenfalls einen Dendrobena an. Das gefiel einem kleinen Barsch sehr gut.

    Achim hatte mir erzählt, er hätte im Internet gelesen, dass Kitekat ein sehr fängiger Köder für Schleien und Karpfen sei. Wir hatten uns eine Dose gekauft, um die Wirkung selbst zu testen. Noch zuhause hatten wir an die Haken je ein Fleischstückchen geknetet und sie dann samt Vorfach ins Gefrierfach gelegt, damit sich der Köder später besser auswerfen ließ. Den Rest des Katzenfutters formten wir zu kleinen Bällchen, die zum Anfüttern gedacht waren. Auch sie froren wir ein.

    Als wir am Südstadtteich saßen probierte Achim diesen neuen Köder als erstes aus. Aber nachdem sich darauf nichts tat und das Fleisch auch schon angetaut war, wechselte er ihn aus. Er nahm einen Maishaken und bestückte ihn mit 4 Maiskörnern. Dann warf er seinen Köder in die rechte Bucht des Teiches. Leider war der Grund dort sehr verkrautet und man musste schon etwas weiter werfen, um den Köder genau dort präsentieren zu können, wo sich die Schleien und Karpfen aufhielten. Aber damit hatte Achim im Gegensatz zu mir überhaupt kein Problem. Achim kann supergenau und auch sehr weit werfen. Ich dagegen hatte immer noch meine Schwierigkeiten damit.
    Ich saß nun schon längere Zeit in meinem Stuhl und beobachtete gespannt meine Bissanzeiger, aber es tat sich absolut nichts. Hätte ich wieder auf Maden gewechselt, wären mit bestimmt weitere Rotfedern an den Haken gegangen. Aber ich wollte ja ebenfalls gerne eine Schleie oder einen Karpfen fangen. Also konnte ich nichts weiter tun als geduldig abzuwarten, ob ein Fisch doch noch meinen Köder nahm.

    Die Sonne war schon untergegangen und die Zahl der Spaziergänger hatte endlich abgenommen. Nicht, dass ich etwas gegen Spaziergänger hätte, aber manchmal gingen mir die dummen Kommentare ganz schön auf den Geist. Ich war froh, dass endlich etwas Ruhe am Südstadtteich eingekehrt war, da tauchte doch schon wieder ein Spaziergänger auf. Die meisten Leute blieben stehen und staunten, wenn sie sahen, dass ich, eine Frau (!), fischte. Meiner Meinung nach gibt es noch viel zu wenige Frauen, die sich für dieses schöne Hobby interessieren. Dabei gibt es nichts Schöneres, als in der freien Natur zu sein und das Treiben der Tiere im und am Wasser zu beobachten. Ich genieße besonders die Stimmung am Wasser beim Sonnenauf- und -untergang.

    Gerade als der Mann sich zu mir gesellte und ein Gespräch mit mir anfangen wollte, piepste neben mir Achims Bissanzeiger. Ein Blick auf seine Rolle zeigte mir, dass der Fisch viel Schnur nahm. Achim stand schon bei seiner Rute und schlug an. Am Drill konnten wir erkennen, dass es sich um einen größeren Fisch handeln musste. Beiden wünschten wir uns, dass es ein Karpfen oder eine Schleie war. Der Fisch zog so kräftig, dass sich die Rutenspitze manchmal fast bis zum Wasser bog.

    Ich nahm unsere Digitalkamera zur Hand um ein paar Fotos vom Drill zu machen. Immer wieder versuchte der Fisch unter die Bäume, die am rechten Ufer standen, zu flüchten. Aber Achim ließ das nicht zu, sondern dirigierte ihn geduldig in Richtung Kescher.

    achim

    karpfen1

    Als er ihn landete, sahen wir, dass es ein schöner Lederkarpfen von 59 cm war. An Land gefiel es ihm überhaupt nicht, denn er schlug im Kescher wie wild um sich. Achim hatte gerade den Haken aus seinem Maul entfernt, da befreite sich der Karpfen aus dem Kescher und landete im Gras. Schnell packte ich zu und legte ihn in eine Plastiktüte um ihn zu wiegen: 4,5 kg! Dem Karpfen gefiel diese ganze Prozedur anscheinend überhaupt nicht. Als ich ihn anschließend mit der Tüte wieder auf den Boden legte, schlüpfte er erneut heraus. Achim wollte ihn erst einmal vom Gras und den Dreck befreien, bevor ich von den beiden Prachtkerlen eine Foto machen konnte und ging mit ihm zum Ufer, um ihn abzuwaschen. Als ich sah, was er vorhatte, riet ich ihm davon ab. „Lass es lieber sein, bevor er dir noch abhaut", wollte ich gerade sagen, doch ich kam gar nicht mehr dazu. Achim stand schon am Ufer und wusch den Karpfen. Kaum spürte dieser das nasse Element, schlug er einmal mit der Schwanzflosse - und ward nicht mehr gesehen! Aus einem schönen Fangfoto wurde nun nichts mehr. Wir hatten gar nicht vor gehabt den Karpfen mitzunehmen, er sollte doch nur für 2 Minuten ausharren, bis ich das Foto gemacht hätte, dann hätten wir ihm wieder seine Freiheit gelassen. Aber dieser Karpfen war wohl nicht fotogen!

     

    karpfen2

     

    Am nächsten Tag war es wieder sonnig und warm, so dass wir erneut an den Südstadtteich fuhren.  Unser Ziel war weiterhin eine Schleie zu fangen. Auch dieses Mal bestückte ich den Haken an  der Pose erst einmal mit 3 Maden. Doch kaum lag der Köder im Wasser schnappte ihn sich eine Rotfeder. Ich überlegte angestrengt: Mit was konnte ich eine Schleie zum Anbiss locken? Nach ein paar Minuten  nahm ich die Maisdose und steckte zusätzlich zu der Made noch 2 Maiskörner auf den Haken. Vielleicht half das ja.

    karpfen3
    Während ich hoffnungsvoll auf meine Pose starrte und wartete, dass endlich einmal eine Schleie anbiss, piepste der Bissanzeiger an meiner Grundrute. Sofort war ich zur Stelle, hob die Rute und schlug an. Auf diese schnelle Meldung war ich gar nicht vorbereitet und vor lauter Aufregung hatte ich nicht mehr daran gedacht, dass der Freilauf eingeschaltet war. Die Quittung bekam ich prompt: Schnursalat! Ich war wütend und enttäuscht zugleich.

    Aber ich hatte vorher auch vergessen die Bremse zu kontrollieren, obwohl mich Achim, gleich nachdem ich die Rute ausgeworfen hatte, noch drauf hingewiesen hatte. Da stand ich nun und hatte statt eines schönen Fisches einen dicken Knäuel Schnur vor meinen Füßen! Noch Stunden später ärgerte ich mich über meine eigene Dusseligkeit. Vielleicht war es ja endlich die ersehnte Schleie gewesen, die ich am Haken gehabt hatte. Oder ein schöner dicker Barsch oder ein Aal oder ... Das würde ich nun nie erfahren.

     

    Nachdem ich die Schnur entwirrt hatte, warf ich meine Rute erneut aus. Vorher kontrollierte ich aber die Bremse, damit mir nicht wieder so etwas Dummes passieren konnte. Dann  wartete ich geduldig auf den nächsten Biss. Inzwischen waren unser Angelfreund Willi, seine Frau Ulla und meine Tochter Heike zu uns an den Teich gekommen.

    willi

    Wir unterhielten uns angeregt. Ab und zu sah ich zu meiner Pose rüber, die ruhig auf dem Wasser schwamm. Als ich kurze Zeit später erneut hinsah konnte sie nicht mehr ausmachen. Sie schien abgetaucht zu sein.  „Meine Pose ist nicht mehr da" rief ich den anderen zu. Ohne groß zu überlegen, nahm ich die Rute in die Hand und schlug an. Aber schon beim Einholen merkte ich, dass leider kein Fisch dran war. Als ich mir den Köder anschaute, sah ich, dass die beiden Maden abgebissen und ein Maiskorn angebissen war. Nun ärgerte ich mich erneut. Hätte ich auf meine Pose geachtet, satt mich nicht mit den anderen zu unterhalten, hätte ich sicher einen schönen Fisch landen können.

    Als sich bis 21 Uhr nichts mehr tat, packten wir unsere Sachen und fuhren heim. Leider wieder ohne Fisch!

     

    Ursula Kluck

     

    Uschis Angelseiten: http://www.angelberichte.de

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