Ausgabe Mai 2012

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    Freude am Angeln

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    Freude am Angeln

     

    Heute ist es endlich so weit. Der Kalender kündigt den 1.Juli 2020 an, endlich wieder angeln. Was ist doch die angelfreie Zeit lang geworden. Seit drei Jahren dürfen wir ja nur noch vom 1. Juli bis 1.September fischen. Ab September kommen nämlich die Zugvögel durch Deutschland, und die wollen ungestört sein. In den folgenden Wintermonaten ist die Natur so mit Überlebensstress belastet, dass der zusätzliche Druck durch die Angler nicht zu vertreten ist. Ja, und ab dem Frühjahr brüten die heimischen Vögel und es beginnen die Laichzeiten vieler Fischarten. So hat man halt alles zusammengefasst und eine generelle Schon- und Schutzzeit erlassen. Na ja, vielleicht macht es ja Sinn.

    Gestern schon hab ich mein Angelzeug im Auto verstaut und so fahre ich bei Sonnenaufgang Richtung See. Dort angekommen parke ich die vorgeschriebenen 500 m vom Ufer entfernt. Ich bin etwas früh dran. Noch ist die Sonne nicht in vollem Umfang aufgegangen, und vorher dürfen wir ja nicht zum Wasser. Damit sich die nachtaktiven Lebewesen in Ruhe ihren Tagesunterschlupf suchen, und die tagaktiven sollen sich erst einmal in Ihren Tagesablauf einleben.

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    Nachdem eine Viertelstunde vergangen ist, kann ich endlich los. Vorschriftsmäßig habe ich das Schild „ Angler „ hinter die Windschutzscheibe gelegt. Genauso wie die Karte vom See, auf der ich meinen heutigen Standort markiert habe. Schließlich muss die Naturpolizei ja wissen, wo sie mich zwecks Kontrolle finden kann.

    So mache ich mich auf den Weg und folge dem beschilderten Pfad zum Wasser an einen der ausgewiesenen Angelplätze. Ich erinnere mich noch dunkel, wie ich früher mit meinem Vater quer durch die Natur, Wildpfaden folgend, einfach an irgendeine  uns zusagende Angelstelle gegangen bin. Oft war es noch fast dunkel und nicht selten sind wir gestolpert oder haben uns mit unserem Gerät in Brombeerranken verheddert. Da haben wir es doch heute viel bequemer.

    Nun ja, Ich möchte schon gern mal an dem Seerosenfeld an der anderen Uferseite fischen. Aber da führt nun mal kein ausgewiesener Pfad hin. Was soll es, die Fische werden schon an meine Angelstelle kommen.

    Endlich am Angelplatz angekommen, baue ich meine Geräte auf. Stuhl und Sitzkiepe sind schnell ausgerichtet. Etwas mehr Mühe habe ich mit den Dreibeinen der Rutenhalter. Einfacher wäre es ja, wenn die Dinger einfach einen Erdspeer hätten. Aber damit würde man ja die Uferböschung beschädigen.


    Der Betäubungsbottich ist auch schon aufgestellt, nun muss ich nur noch schnell Wasser einfüllen und dasanzeige_pitsangelreisen_50x Betäubungsmittel hinzugeben. Fertig.

    Nun die Rute. Zusammenstecken und Rolle montieren kann ich im Schlaf. Hundertmal hab ich das während der angelfreien Zeit im Keller geübt. Nun noch die Schnur durch die Ringe, Wirbel angeknotet und den Vorfachhaken eingehängt. Welches Grundblei hänge ich denn
    ein ?
    Dabei muss ich doch grinsen. „ Grundblei „. Eigenartig, wie sich eine Bezeichnung über all die Jahre hartnäckig hält. Dabei darf man ja schon seit zehn Jahren kein Blei mehr verwenden. Ist ja schließlich umweltschädigend und die Stahlgewichte tun es ja auch. Bloß bei der Posenfischerei ist es eher lästig. Man kann sie schließlich nicht anklemmen, sondern muss sie auf die Schnur fädeln und mit einem Stopper fixieren. Wohl dem, der genau weiß, wie viele Gewichte in welcher Größe seine Pose trägt.

    So, nun aber. Heute sollen mir Tauwürmer den ersehnten Erfolg bringen. Schnell hab ich einen der Gesellen aus dem Köderbehälter geklaubt. Nun tunke ich ihn für 15 Sekunden in den Betäubungsbottich. So schläft er zunächst ein und gleitet dann durch die Überdosis sanft ins Schattenreich. Praktisch, dass dieses neue Betäubungsmittel für Köder und Fische gleichsam wirkt. Noch letztes Jahr musste ich zwei unterschiedliche Mittel verwenden.

    Ich bin mal gespannt, wie die neue Generation Kunstwürmer ausfallen wird. Dem Vernehmen nach sollen sie aus mehreren verschiedenen Materialien bestehen. Diese quellen im Wasser unterschiedlich schnell auf und dadurch wird der „ Wurm „ in Bewegung gesetzt. Er soll sich am Haken winden wie ein echter Wurm. Das die Verwendung dieser Köder für Jugendliche unter 18  Jahren schon verboten ist bevor der Köder auf dem Markt erscheint, zeigt wie schnell die Behörden heute reagieren. Durch den vermeintlichen Todeskampf des Wurms bestehe die Gefahr, das bei den Jugendlichen die Hemmschwelle sinkt oder diese traumatisiert werden. Zum Glück bin ich ja schon volljährig.

    Alles klar, Bügel auf und raus mit dem Köder.

    Halt !!!!

    Mann o Mann, bald hätte ich es vergessen. Da hab ich Schussel doch beinahe meine Schnur rausgefeuert, ohne sie vorher mit Konservierungsmittel zu präparieren. Das wäre teuer geworden. Diese neuen Schnüre lösen sich im Wasser nämlich nach zehn Minuten vollständig auf, damit sich im Falle eines Abrisses kein Tier darin verheddern kann. Mit dem Konservierungsmittel wird der Prozess um eine Stunde verzögert. Es ist schon ein bisschen lästig dauernd die Schnur nachzubehandeln, aber was tut man nicht alles für die Natur.

    Immer noch schaudert es mich ob dieser Beinahenachlässigkeit. Erst letzte Woche habe ich meine Rolle neu bespulen lassen, so wie jedes Jahr. 120.-€ kostet die Schnur und dazu noch mal 15 € für das Konservierungsmittel. Wenn die Schnur unbehandelt nass wird, ist das Geld zum Fenster rausgeworfen.

    Jetzt aber wirklich. Mit einem leichten Schwung fliegt der Köder Richtung See. Nun heißt es warten.

    Noch mal alles durchdenken, hab ich nichts vergessen ?

    Fischereischein, Tagesschein, Personalausweis, Auszug aus dem Stammbuch, alles dabei. Da kann nun kommen wer will, alles ist vorschriftsmäßig.

    Kaum ist eine halbe Stunde vergangen, da kommt auch schon der erste Biss. Der Anhieb sitzt und schnell ist der Fisch vor dem Unterfangkescher. Verflixt, es ist eine Karausche, und noch nicht mal besonders groß. Der 20 Kg tragenden Schnur hat sie nichts entgegen zu setzen.

    Es ist die schwächste zulässige Schnur, denn schließlich soll der Fisch ja so schnell wie möglich gelandet werden. Dünnere Schnüre würden den Drill unnötig in die Länge ziehen.

    Dennoch ärgerlich, die Karausche. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, sie wieder zurück zu setzen. Aber nur kurz. Zu groß ist die Gefahr, das ich beobachtet werde. Dann ist nicht nur der Angelschein weg, sondern ich bekomme noch eine saftige Geldstrafe wegen Tierquälerei. Das Angeln dient ja ausschließlich dem Nahrungserwerb, also muss ein gefangener Fisch auch mitgenommen werden. Also dann, den Fisch über den Unterfangkescher ziehen, herausheben und sofort in den Betäubungsbottich damit. Nach wenigen Sekunden erlahmt die Karausche und ich kann sie durch einen gezielten Herzstich töten. Jetzt noch schnell den Kopf abtrennen, sicher ist sicher. Jetzt der Eintrag in mein Fangbuch. Datum, Uhrzeit, Art und Größe.

    Ich werfe wieder aus und erneut beginnt das Warten auf einen Biss. Währenddessen überlege ich, wem aus meiner Familie ich die Karausche auf den Teller lege. Einer von uns muss sich schließlich opfern. Wahrscheinlich wird es meine jüngste Tochter sein, die kann sich am wenigsten wehren.

    Weiter geht's. Kaum ausgeworfen, beisst die nächste Karausche. Zum Glück mit etwa 15 cm etwas größer als die erste. Da ist schon etwas mehr Fleisch dran. Wenn das so weiter geht, ist bald Schluss mit angeln, weil ich die zulässige Fangmenge erreicht habe.

    Überhaupt, ich bin noch gar nicht kontrolliert worden. Seltsam.

    Die Zeit vergeht, die Karauschen sind fort und so harre ich dem nächsten Biss entgegen.

    Da raschelt es hinter mir und die Naturpolizei erscheint.

    „ Guten Tag „

    „ Guten Tag „

    „Ausweis und Angelschein bitte"

    „Selbstverständlich"

    Während der Polizist meine Papiere prüft, hole ich die Angel ein und öffne meine Kühltasche.

    „ Ja, die Angelmontage und der Köder sind in Ordnung. Was haben Sie gefangen?

    Aha, zwei Karauschen. Sehr schön „

    „ Ja, sehr leckere Fische, meine Tochter freut sich sicher schon darauf „

    „ Nun gut, sie dürfen weiterfischen. Aber achten Sie auf die zulässige Fangmenge „

    „Selbstverständlich. Auf Wiedersehen und einen schönen Tag „.

     

    Der Polizist ist gerade verschwunden, da kommt auch schon der nächsteanzeige_zebco_50x50_2004 Biss. Mann, wie der zieht, das ist kein kleiner.

    Vermutlich ein Karpfen. Die Rute biegt sich durch, aber dank der starken Schnur hat der Fisch keine Chance. Jetzt sehe ich ihn, ein dicker Karpfen. Zu dick. Verd........

    Leider kann sich der Fisch nicht vom Haken befreien und so muss ich ihn wohl oder übel landen. 8 Pfund wird er sicher haben.

    Nachdem der Fisch im Betäubungsbottich sanft entschlummert, und von mir waidgerecht ins Jenseits befördert wurde, liegt er nun vor mir im nassen Gras. Wunderschön goldgelb leuchtet sein Schuppenkleid. Ein herrlicher Fisch !

    „ Was machen Sie denn da „ tönt es barsch hinter mir.

    Erschreckt sehe ich mich um, und dem Polizisten ins Gesicht. Böse schaut er aus.

    „ Was denn „ stammele ich unsicher, „was hab ich falsch gemacht ?"

    „ Sie haben gerade gelächelt „

    „Was habe ich?" frage ich irritiert.

    „ Sie haben gelächelt „ raunzt der Polizist.

    „ Ich habe nicht gelächelt, sondern nur etwas den Mund verzogen weil ich Mitleid mit dem Tier habe „

    „ Faule Ausrede. Sie wissen ganz genau, dass Sie keine Freude am Drill und am Fang eines Fisches empfinden dürfen. Schließlich quälen und töten sie ein lebendiges Wesen. Das ist nur gerechtfertigt, weil es dem Nahrungserwerb dient. Und Sie lächeln angesichts des Todes. Das ist nicht nur strafbar, das ist abscheulich „

    „ Aber ich habe wirklich nicht gelächelt"  erwidere ich sorgenvoll.

    „ Schauen Sie, ich habe Kinder und allein schon wegen deren Seelenheil würde ich mir so etwas nicht erlauben „

    „ Haben Sie einen Fotoapparat ? „ fragt der Polizist unwirsch.

    „ Ja, aber natürlich nicht dabei „ erwidere ich.

    „ Ihr Glück. Ich kenne Typen wie Sie. Zuerst weiden die sich an den Qualen der Kreatur, und dann wird noch schnell ein Foto gemacht um mit dem Fang angeben zu können. Aber ich warne Sie ausdrücklich. Die Anglerszene ist von Zivilfahndern unterwandert, und jedes herumzeigen eines Fotos wird unweigerlich zur Anzeige gebracht. Damit wir uns recht verstehen, dann wandern Sie ins Gefängnis „.

    „ Das ist mir bekannt, und ich versichere Sie, dass ich mich an die Vorschriften halte „

    „ Das sagen alle. Aber ich will noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen und sehe von einer Anzeige ab. Allerdings muss ich nun prüfen, ob Sie die zulässige Fangmenge nicht überschritten haben „

    „ Wir sind vier Personen. Ich darf demnach pro Woche acht Pfund Fisch fangen. Das dürfte so gerade noch ausgehen".

    „ Wir werden sehen. Packen Sie Ihre Sachen zusammen und folgen Sie mir zum Streifenwagen „.

    Gehorsam komme ich der Aufforderung nach. Am Streifenwagen angekommen, öffnet der Polizist seinen Kofferraum und holt die Digitalwaage hervor.

    „ So, nun werden wir sehen „

    Er legt die drei Fische auf die Waage, die darauf hin ein Gewicht von 4234 Gramm anzeigt.

    „ Ihr Stammbuch bitte „

    „ Ich habe nur eine beglaubigte Kopie dabei. Wissen Sie, das Original ist mir zu schade um es mit ans Wasser zu nehmen".

    „ Das reicht, wenn es in diesem Jahr notariell beglaubigt wurde „ erwidert er.

    „ Also, Ihrem Stammbuch zur Folge besteht Ihre Familie aus vier Personen. Jede ist über drei Jahre alt und hat somit Anspruch auf 1000 Gramm Fisch pro Woche. Das macht dann zusammen genau acht Pfund. Sie haben aber 234 Gramm zuviel."

    „ Ja, das tut mir auch Leid. Aber man kann sich ja nicht aussuchen, was an den Haken geht."

    „ Nein, kann man nicht. Trotzdem muss ich Ihnen nun eine Übergewichtsgebühr von zehn Cent pro Gramm berechnen und außerdem in Ihrem Fischereischein eine zweiwöchige Angelsperre eintragen „.

    Etwas zerknirscht trete ich den Heimweg an. Während der Fahrt denke ich an Heinz. Er hatte letzte Jahr das Pech einen Karpfen von 24 Pfund zu fangen. Und das als Junggeselle! Ohauwaha, das war teuer, 1150 €. Und dazu noch fast  ein Jahr Angelverbot.

    Aber so kann es gehen.

    Auf der Heimfahrt lasse ich das Geschehene noch einmal Revue passieren. Insbesondere den Fang des dicken Karpfens.

    Gerade mit den Gedanken dabei bemerke ich erschreckt, dass ich lächle.

     

    Ralf Dahlheuser

     

    Kommentare 

     
    0 #1 timmä89 2008-05-02 20:09
    Ich glaube jeder, der das hier gelesen hat muss schmunzeln. Entweder weil man sich über diese kleine futuristische anekdote einfach amüsiert oder weil man schon heute ansätze dieser "bestimmung en" erkennt. Natürlich sind solche gesetze notwendig, aber manchmal sieht es so aus, als hätten einige bürokraten langeweile und erlassen dann einfach neue gesetze, bestimmungen etc. Heutzutage fehlt meistens schon die transparenz vor lauter gesetzen und man weiß nicht ob man sich überhaupt noch trauen sollte zu angeln, weil man ja gegen irgendeine regel verstoßen könnte.
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