Leicht, Leichtsinn oder einfach nur zu schwer??
Es gibt Methoden, da braucht man schlicht Ruten mit hohem Wurfgewicht um
entsprechend schwere Montagen weit genug werfen zu können
(Brandungsangeln z. B. oder feedern). Unabhängig davon, wie groß die zu
erwartenden Fische dann sind.
Gerade bei den Spinnfischern erlebe ich
immer wieder Fragen, welche Rute mit welchem Wurfgewicht für Hecht, Zander oder
Barsch geeignet sei. In meinen Augen eine völlig falsche Fragestellung, da es
nicht unbedingt ursächlich auf die zu beangelnde Fischart ankommt, welches WG
eine Rute haben sollte, sondern auf die verwendeten Köder.
Deswegen heißt
es ja auch Wurfgewicht und nicht "Drillgewicht"....
Selbstverständlich
kann es immer wieder mal Umstände geben, die einen zu einer Rute mit höherem
Wurfgewicht greifen lassen, auch wenn die zu erwartenden Fische mit Ruten mit dem
halben WG locker ausgedrillt werden könnten.
Unverständlich ist es mir
aber immer wieder, wenn ich mitbekomme, was manche für WG - Klassen empfehlen um
z. B. auf Hecht zu fischen. Mit dem Argument, dass man eine so starke Rute
brauchen würde, um einen großen Hecht bändigen zu können.
Seit ich vor
anderthalb Jahren angefangen habe mit dem UL - blinkern und dabei auch große
Fische an wirklich leichter Rute (12 - Gramm Skeletor) landen konnte, habe ich
mir mal so Gedanken gemacht, was man eigentlich wirklich an "Rutenkraft" braucht
um welche Fischgröße sicher drillen zu können.
Dass man nicht zu leicht
fischen sollte im Sinne der Waidgerechtigkeit ist sicher kein Thema und muß wohl
kaum extra erwähnt werden.
Ich habe allerdings immer öfter den Eindruck,
als ob viele Angler die Reserven ihrer modernen Ruten nicht mal ansatzweise
ausschöpfen und so eigentlich zu schwer fischen. Auch empfindliche
Kohlefaserruten kann man eigentlich im Drill kaum kaputtkriegen - sofern Schnur
und Rolle zur Rute passen und die Rollenbremse passend eingestellt ist - eine
Grundvoraussetzung, die man eigentlich keinem Angler erklären müssen
sollte..
Ausgegangen bin ich bei meinen "Berechnungen" (sagen wir mal
eher groben Schätzungen..) von dem 10,5 Kilo Waller, den ich an der 12 Gramm -
Skeletor im Neckar bei Hochwasser landen konnte.
Das entspricht dann also
pro Gramm WG 875 Gramm "fangbarem" Fisch.
Das war dann aber auch in
meinen Augen die Obergrenze dessen, was mit der Rute wirklich sicher machbar
ist. Zieht man dann davon rein zu Sicherheit und um Bedenken wegen evtl.
"Waidgerechtigkeitsdiskussionen" vorzubeugen ca. 1/3 ab, kommt man für Ruten mit
folgendem WG auf "problemlos zu bewältigende Fischgewichte" von:
12 Gramm
WG>> ca. 7 Kilo
20 Gramm WG>> ca. 12 Kilo
35 Gramm WG>>
ca. 20 Kilo
50 Gramm WG>> ca. 30 Kilo
75 Gramm WG>> ca. 45
Kilo
100 Gramm WG>> ca. 60 Kilo
150 Gramm WG>> ca. 90
Kilo
200 Gramm WG>> ca. 120 Kilo
Bedenken muss man dabei
natürlich auch, dass die WG - Angaben vieler Hersteller/Vertriebe auch eher
geschätzt als ermittelt sind. Auch von daher ist die Einrechung entsprechender
Reserven (s.o.: -1/3) sicherlich sinnvoll.
Dennoch sollte es vielleicht
einige Angler nachdenklich machen, mit welchem wie dimensionierten Gerät sie
teilweise - viel zu schwer in meinen Augen - am Wasser unterwegs
sind.
Auch wenn nach obiger grober Schätzung mit einer 50 - Gramm - Rute
ein 30 - Kilo - Fisch zu landen ist, heißt das ja aber nicht automatisch, dass die
beste Rutenwahl zum Beispiel zum Karpfenangeln (wer hat schon mal nen 60 -
Pfünder gefangen??) eine 50 - Gramm - Rute wäre.
Ob man aber unbedingt Ruten braucht mit 3 oder 4 lbs (sofern man nicht entsprechend schwere Bleie bei Selbsthakmontagen verwendet), darüber kann man sicher mal nachdenken. Denn 3lbs entsprechen ja so ungefähr 90 - 100 Gramm WG, was dann drilltechnisch auch für Fische jenseits der Zentnermarke reichen würde.
Nochmal:
Das soll kein
Aufruf sein, um "leichtsinnig zu leicht" zu fischen. Sondern nur mal eine
Anregung zum drüber nachdenken, ob man als Angler beim Gerät nicht oft mal "mit
Kanonen auf Spatzen schießt".
Denn eines sollte man nicht vergessen.
Fischt man leichter, kann man Köder (ob Kunst oder Natur) im allgemeinen auch
unverdächtiger präsenteren und damit die Chance auf einen Fang erhöhen.
Thomas Finkbeiner
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Kommentare
Zur Tabelle: Im unteren Bereich würde ich alles \\\"unterschre iben\\\" - so ab 35g wird\\\'s dann aber m. M. nach problematisch. 20kg-Fisch im Süßwasser - heißt bei uns \\\"mindestens \\\" Großkarpfen oder Wels - da darf man sich nicht den kleinsten Fehler erlauben, das Gerät muss von bester Qualität sein, Glück braucht man obendrein. Realistischer wird das Ganze wieder im oberen Bereich, wobei hier die Rutenlänge/Aktion/Art entscheidend ist - eine gute 120g-Spinnrute wird wohl mit einem 50 - 60kg-Waller fertig, mit einer 3, 60m langen, 3,5lb Karpfenrute wird man zumindest im Strom wieder Probleme bekommen.
Nicht zuletzt ist natürlich auch das Können/die Erfahrung des Anglers und wie erwähnt die Qualität der einzelnen Gerätekomponent en entscheidend ... davon ausgehend, dass die meisten doch nicht sooo oft ans Wasser kommen und viele \\\"Fake-Produkte\\\", die um einiges mehr versprechen als sie halten am Markt sind - könnte man auch zu \\\"mehr\\\" raten - der abgerissene Hecht an der 80g-Tele-Rute in Kombination mit \\\"Hofer (Aldi)-Rolle\\\" und 0,30er-Mono ist keine Seltenheit!
Generell kann man vielleicht sagen, dass der so genannte \\\"Speciman-Hunter\\\" meist zu schwer angelt - er hat es ja auf den \\\"ultimative n\\\" Fisch abgesehen, der \\\"Funfaktor\ \\" hält sich in Grenzen bis vielleicht wirklich einmal das \\\"Monster\\\ " einsteigt. \\\"Otto Normalangler\\\ " hingegen ist \\\"leichtsinn ig\\\" unterwegs - \\\"gepiercte\ \\" Fischmäuler sind die Folge ...
Noch eine kleine Ergänzung zur Rutenwahl zum Spinnangeln:
Nicht ausschließlich das Gewicht des Köders ist relevant, noch wichtiger ist der Widerstand den der Köder beim Einholen verursacht. Kann beispielsweise ein No-Action-Gufi in Kombi mit einem 20g Bleikopf im Strom noch gut mit der 35g-Rute \\\"gejiggt\\\ " werden, stößt man mit einem gleich großen \\\"Schaufelsc hwanz\\\" an gleich schwerem Bleikopf bereits auf Grenzen...
\\\"Tight Lines!\\\"
wünscht
Martin Klein
Besonders für Angelneulinge ist es schwierig, den richtigen Kompromiss zwischen ausreichender Reserve und Feinfühligkeit bei der Köderpräsentati on/beim Drill zu finden. Anfänger haben noch nicht das richtige Feeling entwickelt, sind unsicher und entscheiden sich häufig für viel zu kräfiges Gerät. Für eine grobe Orientierung ist die Gegenüberstellu ng ein guter Ansatz.
Aber wirklich nur grob. Wenn das so einfach wäre, würden uns sicher die Hersteller diese Hilfen zur Hand geben. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die gegen eine Pauschalisierun g sprechen. Hier nur einige:
Ein Karpfen von 7 Kilo kämpft ganz anders als ein Hecht mit dem gleichen Gewicht. Während es der Karpfen ruhig (aber unaufhaltsam) angehen läßt kämpft der Hecht impulsiv, schlägt, springt und schüttelt . Eine Schleie im Kraut ist etwas anderes als eine Forelle im Forellensee. Selbst ein Flußkarpfen kämpft ganz anders als einer im See. Neben der Fischart spielen die Gewässerverhält nisse, das Rutenmaterial und die Rutenaktion eine ganz wichtige Rolle. Ich muß einem Karpfen, der in eine Krautbank flüchten will, die volle Kraft entgegensetzen, brauche also eine Rute mit Rückgrat und parabolischer Aktion.
Mein Fazit: Wirklich interessant zur Orientierung, aber nen 12 Kilo-Karpfen mit ner 20gr Rute lieber doch nicht. Die Drillgewichte würde ich auf jeden Fall um eine Zeile nach unten verschieben. Der Grundgedanke ist aber völlig richtig: Einen Barsch mit einem Besenstiel zu fangen macht einfach keinen Spaß - also das Gerät auf den Zielfisch abstimmen - so kräftig wie nötig.
Die Auswahl der \\\"richtigen\ \\" Rute wird häDas aüßert sich oft darin, dasMit wachsender Erfahrung bekommt man ein Feeling dafür.
Besonders für Angelneulinge ist es schwierig, den richtigen Kompromiss zwischen ausreichender Reserve und Feinfühligkeit bei der Köderpräsentati on/beim Drill zu finden. Anfänger haben noch nicht das richtige Feeling entwickelt, sind unsicher und entscheiden sich häufig für viel zu kräfiges Gerät. Für eine grobe Orientierung ist die Gegenüberstellu ng ein guter Ansatz.
Aber wirklich nur grob. Wenn das so einfach wäre, würden uns sicher die Hersteller diese Hilfen zur Hand geben. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die gegen eine Pauschalisierun g sprechen. Hier nur einige:
Ein Karpfen von 7 Kilo kämpft ganz anders als ein Hecht mit dem gleichen Gewicht. Während es der Karpfen ruhig (aber unaufhaltsam) angehen läßt kämpft der Hecht impulsiv, schlägt, springt und schüttelt . Eine Schleie im Kraut ist etwas anderes als eine Forelle im Forellensee. Selbst ein Flußkarpfen kämpft ganz anders als einer im See. Neben der Fischart spielen die Gewässerverhält nisse, das Rutenmaterial und die Rutenaktion eine ganz wichtige Rolle. Ich muß einem Karpfen, der in eine Krautbank flüchten will, die volle Kraft entgegensetzen, brauche also eine Rute mit Rückgrat und parabolischer Aktion.
Mein Fazit: Wirklich interessant zur Orientierung, aber nen 12 Kilo-Karpfen mit ner 20gr Rute lieber doch nicht. Die Drillgewichte würde ich auf jeden Fall um eine Zeile nach unten verschieben. Der Grundgedanke ist aber völlig richtig: Einen Barsch mit einem Besenstiel zu fangen macht einfach keinen Spaß - also das Gerät auf den Zielfisch abstimmen - so kräftig wie nötig.
Gruß
Olaf.