Ausgabe Mai 2012

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    Neues vom Ferkelfahnder

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    Neues vom Ferkelfahnder

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    Maiausgabe

     

    „Das könnte mir ja nicht passieren !", dachte er, als er den Bericht in der Zeitung las über die Angler mit der voll gepackten Kühltruhe auf dem Anhänger, die eine drastische Geldstrafe zahlen mussten und ihre sorgfältig eingeschweißten Filets auch noch los waren.

    „Kühltruhe, so offensichtlich, da muss der Zoll doch was merken...", schoß es ihm durch den Kopf, den er energisch schüttelte.

    Er und seine Freunde packten drei prall gefüllte Styroporkisten immer ganz unten in den Kombi getarnt unter zwei Decken und ließen eine sichtbar oben drauf stehen. „Da kommen die Zöllner doch nicht auf dumme Gedanken..."

     

     

    „Wie kann man nur so blöd sein !", sagte er zu seinen beiden Kumpels, als sie durch die grüne Spur die Fähre verließen, zwar mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, aber die zu unterst gepackten Dosenbierlagen waren doch unter den Decken versteckt und die sechs Anderthalb-Liter-Mineralwasserflaschen, in die sie den Wodka gefüllt hatten, waren sorgfältig wieder mit der Plastikfolie eingeschweißt worden, quasi wie original verpackt.

    Die vier schauten durch die Heckscheibe des anderen Wagens auf die dort gelagerten zwei Tüten Kartoffeln, als dieser in die Garage gewunken wurde. So was wäre ihnen nie passiert...

     

     

    Mit einem Lächeln auf den Lippen packte er die Lage Dosenbier in den Stauraum des kleinen Bootes und blinzelte in die Morgensonne, die durch die Wolkenfetzen leuchtete. Die ersten beiden Tage hatte der Sturm sie abgehalten, zu „ihrer" Untiefe draußen vor der Küste raus zu fahren, aber heute war es so weit. Der Wind war zu einer leichten Brise abgeflaut und es regnete nicht mehr. 8 Döschen pro Nase und die Thermoskanne Heißer Tee mit Schuss dürften reichen für den Tag. Vor den Inseln sah man die Schaumkronen der Wellen, aber das Schaukeln hat ihm noch nie was ausgemacht. „Ist halt ein Sport für Männer und nicht für Memmen...", dachte er. Dass er sein Frühstück wieder von sich gegeben hat, war ihm noch nie passiert.

     

     

    Drei Boxen weiter stellten diese arroganten Idioten aus der anderen Hütte ihre viel zu leichten Ruten in die hinter dem Steuerstand montierten Rohre. Da war ja auch dieser hochnäsige Spinner, der gestern so blöde mit dem Kopf geschüttelt hat, als sie dabei waren, die vier Kisten voller Kleinköhler truhenfertig zu machen, die sie mit der Makrelenrute aus dem Straumen geholt hatten. Die waren doch bloß neidisch, weil sie den ganzen Tag durch die Schären geschleppt hatten und gerade mal 4 mickrige Meerforellen und zwei Pollacks nach Hause gebracht haben. „Wir haben wenigstens schon unsere Filets in der Truhe.", dachte er sich. „Ich zahl doch nicht das Schweinegeld für diese Woche hier, um mit leeren Händen heim zu fahren." Das könnte ihm nicht passieren.

     

     

    „Schau Dir diese Weicheier an, sehen aus wie die Michelinmännchen!", sagte er zu seinem Kumpel, als sie an dem anderen Boot vorbei fuhren. Sie lachten und feixten und prosteten sich mit ihren Bierdosen zu. Die Schwimmwesten hatten sie natürlich im Bootshaus gelassen, denn schließlich hatten sie sich diese teuren aber bequemen Floating-Anzüge gegönnt. Sie waren auf dem Weg zu „ihrer" Stelle vor der Küste und hatten keinen Blick für die Landschaft ringsum. Sie interessierten sich nicht für die Papageientaucher, die ihren Weg kreuzten und auch nicht für die entfernten imposanten Berge, auf deren Gipfeln vorhin noch der Schnee in der Sonne gefunkelt hatte, die jetzt aber in einem bleiernen Grau versanken. Er schaute in seine Köderbox und überlegte, welche Farbe wohl heute am ehesten Erfolg versprach. „Silber-blau ist wohl besser als rot, wenn die Sonne wieder hinter den Wolken verschwindet.", überlegte er und hielt sich mit der rechten Hand an der Reling fest, als das Boot über die schäumenden Wellenkämme sprang.

     

     

     

    Die eisige Kälte des Nordmeeres fraß sich ohne Erbarmen in seine Muskeln und Gelenke. Er fühlte nichts anderes als eine tiefe Müdigkeit, bevor ihn die Kräfte verließen und sich sein Griff an den Bootsrumpf löste. Sein letzter Gedanke war: „Dass mir so was passieren konnte...."

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