Ausgabe Mai 2012

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    Weitwürfe...

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    Weitwürfe...

    Möglichst weit zu werfen kann manchmal beim angeln - je nach Situation - vonnöten sein. Sei es dass die Dorsche oder Platten beim Brandungsangeln nur mit Gewaltwürfen erreichbar sind, sei es dass man als Spinnangler weit werfen muss um eine fängige Stelle zu erreichen, sei es um beim Karpfenangeln auf ein entferntes Plateau zu werfen.

      

    Mit dem aufkommen der multifilen Schnüre hieß es dann oft, dass man mit diesenanzeige_geoff-anderson_50x5 weiter

    werfen könne, da der Durchmesser geringer sei bei gleicher Tragkraft. Viele Erfahrungen und

    Tests haben ergeben, dass dies so nicht unbedingt stimmt. Denn die Hersteller und Vertreiber

    geflochtener Schnüre scheinen in großer Mehrheit dazu zu tendieren, die Durchmesser sehr

    gering und die Tragkräfte sehr hoch anzugeben.

     

    Und wir haben ja auch den Weitwurftest mit dem Fachversand Stollenwerk zusammen gemacht, der klar ergab, dass geflochtene Schnüre bei gleichem Gerät und mit gleicher Tragkraft nicht unbedingt zu Gunsten der geflochtenen Schnüre ausfallen muss.

     

    Vor allem schien es so zu sein, dass der persönliche Wurfstil und eine dazu passende, individuelle Zusammenstellung des Gerätes eine große Rolle zu spielen scheint. Da stellt sich dann aber die Frage, ob und unter welchen Umständen dann die Verwendung einer geflochtenen Schnur wirklich Weitenvorteile bringen kann.

     

    Der große Vorteil der geflochtenen Schnur - die geringe Dehnung - kann in meinen Augen auch beim Weitwurf eine Rolle spielen. Unter Umständen mehr als das Märchen vom „geringeren Durchmesser bei gleicher Tragkraft". Denn man darf auch nicht vergessen, dass dieser - wenn überhaupt vorhandene - dünnere Durchmesser von geflochtenen Schnüren auch mit einer raueren Oberfläche (dadurch schlechteres Abspulverhalten = weniger Weite) und einem nicht immer runden Querschnitt erkauft wird.

     

    Bei einigen Versuchen gerade mit leichten Ködern habe ich aber festgestellt, dass man trotzdem mit geflochtener weiter werfen kann. Obwohl eigentlich die Theorie nicht unbedingt dafür spricht.

     

    Dies könnte in meinen Augen daran liegen, dass die fehlende Dehnung der geflochtenen Schnur eine bessere Kraftübertragung und damit bessere Beschleunigung und dadurch gerade bei leichten Ködern auch mehr Weite bringt.

     

    Fast jede monofile Schnur hat deutlich mehr als 20, oft weit über 30% Dehnung. Da scheint es nur logisch zu sein, dass dann beim Wurf auf Grund der Dehnung auch ein guter ? Teil der Wurfkraft verloren gehen könnte. Oder andersrum gesagt: Bei geflochtener Schnur dürfte man auf Grund der fehlenden Dehnung wahrscheinlich die ganze Wurf- und Beschleunigungskraft in Weite umsetzen können, während bei monofiler ein Teil durch die Dehnung verloren gehen könnte.

     

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    Interessanterweise scheint dies aber nur bei leichteren Ködergewichten (bis max. 15 - 20 Gramm) und entsprechender Gerätezusammenstellung der Fall zu sein. Geht man zu schwereren Ködern über, scheint sich dieser Vorteil der geflochtenen zu minimieren, teilweise sogar ins Gegenteil zu verkehren.

     

    Ein bei mir persönlich auch oft beobachteter Nachteil sehr dünner geflochtener Schnüre ist auch, dass diese gerade bei „Gewaltwürfen", bei denen die Rute voll ausgelastet wird, oft zu Tüddel neigen - unabhängig von der Marke der Schnur und auch mit Qualtitätsrollen.

     

    Dieses Problem habe ich bei Ködern ab 20 Gramm am dafür geeigneten Gerät weniger. Nun beißt sich der Hund sozusagen in den Schwanz:

    Will man die optimale Wurfweite mit leichteren Ködern, scheint vieles für die geflochtene Schnur zu sprechen. Dafür „kauft" man sich damit auch den Ärger mit dem Tüddel ein, der wiederum dazu führt, dass durch entsprechendes abschneiden der Schnur und der damit verbundenen geringeren Füllung der Rollenspule die Wurfweite wieder abnimmt.

     

    Oder ganz anders gesagt:

    Könnte es vielleicht sinnvoller sein, statt den letzten Meter Wurfweite herausholen zu wollen, lieber etwas sicherer und mit mehr Komfort zu angeln. Also entweder doch monofile verwenden oder mit ganz dünner geflochtener eben keine Gewaltwürfe zu machen?

     

    Auch diese Frage ist letztlich nur für jeden einzelnen persönlich zu entscheiden. Es gibt nun mal Gewässer, an denen man alles was möglich ist an Wurfweite herausholen muss. Man muss sich dann überlegen, wie oft man wirklich in diese Situation kommt - und ob es nicht einfacher ist (sofern möglich natürlich) - lieber ein paar Meter weiter zu laufen als ein paar Meter mehr werfen zu müssen.

     

    Nach meinen persönlichen Erfahrungen scheint es zudem oft so zu sein, dass man als Angler dazu neigt, den Plätzen die man nur mit weiten Würfen erreicht, mehr Fisch zu zutrauen als dem Wasser direkt vor den Füssen.

     

    Wobei es sich schon oft genug rausgestellt hat, dass man auch leicht am Fisch vorbeiangeln - ihn „überwerfen" - kann. Und dass viele Angler dazu tendieren, nicht zuerst das Wasser direkt vor den Füssen abzuangeln, sondern gleich mit Weitwürfen zu beginnen.

     

    Seit ich mir das bewusst gemacht habe und jetzt konsequent zuerst einmal den direkten Nahbereich befische, brauche ich sehr oft keine Weitwürfe mehr, weil ich meinen Fisch schon im Nahbereich gefangen habe.

     

    Überlegt Euch also mal, ob das nicht auch an Eurem Gewässer für Euch sinnvoller sein könnte.

    Thomas Finkbeiner

    Kommentare 

     
    0 #1 peter 2008-05-10 10:18
    also die wurfweite ist ja nun nicht unbedingt das einzige argument eine geflochtene schnur auszuwählen (oder auch nicht), sondern viel mehr die bessere köderkontrolle und bisserkennung sowie ein "-)urchkommender" anschlag auf große entfernung...
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    0 #2 FelixSch 2008-06-01 13:47
    Fürs Brandungsangeln fällt mir eigentlich kein vernünftiges Argument ein, geflochtene Schnüre zu verwenden.
    Geflochtene bieten vielleicht subjektiv einen Weitenvorteil, allerdings wird dieser, wenn überhaupt, durch eine erhöhte Verletzungsgefa hr beim Wurf erkauft.
    Ab einem gewissen Durchmesser wird die Dehnung Monofiler auch so gernig, dass der Druckverlust, der in die Schnur geht, nicht mehr von Bedeutung ist. Und da aufgrund der großen Gewichte, die in der Brandung gefischt werden, ohnehin Schlagschnüre von 0,60 aufwärts eingesetzt werden, kann man davon ausgehen, dass hier keine allzu großen Verluste entstehen.
    Und ob sich die geringe Dehung beim schnellen Einkurbeln des Fanges als Vorteil herausstellt, wage ich zu bezweifeln.
    Aus diesen und anderen Gründen (nicht zuletzt der wesentlich geringere Preis) bleibe ich bei der Verwendung monofiler Schnüre beim Brandungsangeln .
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