Ausgabe Mai 2012

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    Erinnerungen....

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    Erinnerungen

    Geht’s euch im Moment eigentlich auch so wie mir?


    Der Raubfisch ist vielerorts geschont, die Forellensaison in meinen Breiten ist auch noch nicht angelaufen, die Ostsee ist leider zu weit weg für einen kurzen Angelausflug und das warme Frühlingswetter, um mit der Feederrute den Weißfischen nachzustellen, lässt auch noch auf sich warten.
    Und wenn mal gutes Wetter wäre, um angeln zu gehen, dann sitzt man entweder im Büro und guckt sehnsüchtig aus dem Fenster, oder aber man ist am Wochenende zu Hause mit Arbeiten verplant!
    Dann ist es bei mir immer so, dass ich anfange zu träumen und versuche mich an schöne Angelerlebnisse zu erinnern.

    Anzeige_Zebco_50x250mm_2004.jpgDamals, so im Alter von 8-15 Jahren war glaube ich so die Zeit, wo ich das Angeln mit am intensivsten wahrgenommen und auch ausgelebt habe.
    Allein schon die Vorbereitung war fesselnd und hat mich in den Bann gezogen.
    Wenn mit den Eltern abgemacht war, dass man sonntags den ganzen Tag zum „Mücke“ durfte, um zu fischen, dann war das für mich das Größte.
    Der „Mücke“ war ´86 ein etwa 3 ha großer Vorläufer, der heute als „Forellenpuffs“ verschrieenen Teichanlagen. Für 15 D-Mark konnte man von 6 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags dort fischen.
    Neben den obligatorischen Regenbogen- und Bachforellen, die auch hier schon morgens pro Angler gesetzt wurden, war der See auch mit anderen Fischarten besetzt.
    Zwar nicht übermäßig, aber man hatte immer die Chance auf einen dicken Karpfen oder eine feiste Schleie.
    Sogar Aale, Zander und auch Welse wurden von Spezies damals gefangen.
    Für mich als Achtjährigen natürlich ein großer Traum!

    Na ja, erst mal die Vorbereitungen treffen.
    Das allein war ja schon aufregend. Freitags am späten Nachmittag meistens schon meine beiden damaligen Teleskopruten rausgekramt (eine 2,7m und eine 3,6m) und mit den dazu passenden Heckbremskunststoffrollen ( Cormoran und Silstar irgendwas) montiert. Schwimmer an die Eine, Wasserkugel an die Andere.
    Den Angelkoffer sortiert und auch sonst schon alles gepackt. Die Vorfreude war kaum noch auszuhalten.
    Samstags dann großes Köderbesorgen! Den Garten und Kompost nach Würmern umgraben, Heuschrecken jagen, eine Dose Mais aus der Speisekammer stibitzen und das Karpfenteigrezept aus meinem ersten „Blinker“ ausprobieren...
    Freudestrahlend das Päckchen Maden entgegennehmen, was mir mein Vater bei einem Angelladen erstanden hatte.

    Am Vorabend dann kaum schlafen können vor lauter aufgeregt sein.
    Dann endlich, der Wecker klingelt. Es ist fünf Uhr!
    Schnell ins Bad und anschließend anziehen.
    Kaffeemaschine anstellen und extra einen Löffel mehr Kaffeepulver nehmen, um dem Vater eine Freude zu machen. Da meine Eltern keine Angler sind, war’s damals immer ganz schön Gebettel ans Wasser gefahren zu werden.
    Nachdem dann Paps aufgestanden, den Kaffee geschlürft und ich in der Zwischenzeit schon das ganze Angelgeraffel ins Auto gepackt hatte, ging’s dann endlich los.
    Um viertel vor sechs an der Schranke zur Anlage angekommen, stand da natürlich schon ein Schlange an wartenden Autos voller Angler.
    Tja, der frühe Vogel fängt den besten Wurm, in diesem Fall die besten Plätze!
    Aber na ja, nicht schlimm, Hauptsache angeln und so hat man ja auch die Chance, den erfahrenen Hasen bissel auf die Finger und die Montagen zu schielen.

    Endlich am Wasser angekommen, dann allgemeines, hektisches auspacken und aufbauen in der Morgendämmerung.
    Doch jeder hat irgendwann sein schönes Plätzchen gefunden, auch ich habe einen klasse Platz.
    Etwas abseits von den anderen Anglern, aber in Reichweite zu tieferem Wasser und auf der anderen Seite zu einem kleinen Seerosenfeld, wo ich bei meiner Ankunft schon Bewegung sehen konnte.
    Mit fliegenden Fingern die Haken in die Wirbel eingehängt, anschließend die lange Rute mit der Wasserkugel und Made/Mistwurm ins tiefe Wasser und die Kürzere mit dem Schwimmer und dem „neuen“ Teig vor den Seerosen platziert.
    Erst jetzt kann ich meinen Klappstuhl aufstellen, mich reinsetzen und den wunderschönen Sonnenaufgang über dem Wasser genießen.
    Nebelfetzen huschen über das, wie ein Spiegel daliegende Wasser, ein Reiher steht im Flachwasser, beim Einlauf und hier und da sieht man Ringe auf dem Wasser oder sogar schon einen Fisch springen.
    Es sind zwar auch ein paar Schäfchenwolken am Himmel, aber das tiefe Blau dahinter lässt einen schönen Tag vermuten.

    Da, war meine Wasserkugel nicht gerade in Bewegung? Ich hab die ein bisschen arg voll gemacht, nur ein kleines Stück des roten Körpers ist noch zu erkennen... Nehme mir vor, beim nächsten Auswurf etwas Wasser raus zu lassen.

    Mein einer Nachbar, etwa 50 Meter entfernt drillt auch gerade seinen ersten Fisch.

    anzeige_pitsangelreisen_50x.jpgOh ja, die Kugel setzt sich in Bewegung, wandert, wird schneller und ist dann plötzlich weg.
    Ich kurbele etwas Schnur ein und setze den Anhieb. Heftiger Widerstand auf der anderen Seite und dann schießt der Fisch, weit draußen auf dem See (na ja, soweit wie ein Achtjähriger eben mit einer Wasserkugel kommt), aus dem Wasser und zerteilt eines der letzen Nebelfelder. Mein Kinderherzchen schlägt mir bis zum Hals!
    Doch die Forelle ist sicher gehakt und nach kurzem Drill kann ich sie über den Kescher führen.
    Schnell abgehakt und in den damals noch erlaubten und nicht verpönten Setzkescher verfrachtet. Gott sei Dank hab ich den schon direkt bei meiner Ankunft gewassert.

    Wieder das Ding mit den fliegenden Fingern. Haken beködert und wieder rausgeschlenzt.
    So kann’s weitergehen!

    Was macht eigentlich meine andere Rute?

    Hm, der Schwimmer steht zwar noch an derselben Stelle, doch irgendwie steht die Pose eine Ecke weiter aus dem Wasser.
    Also reingeholt und siehe da, der Teig ist ab. Neue Teigkugel dran und wieder reingeworfen.

    Der Reiher war auch erfolgreich, wie ich aus dem Augenwinkel sehe!
    Gerade verschlingt er einen kleinen silbernen Fisch.

    Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und Tautropfen in den Spinnennetzen glitzern wie Diamanten. Vögelgezwitscher in der Morgenluft und irgendwo ruft ein Kuckuck.
    Der achtjährige Dirk sitzt am Wasser und genießt die Welt!

    Und da ist sie, die nächste Forelle, die sich für meinen Köder interessiert. Diesmal reißt es die Kugel kurz zwei - dreimal hintereinander unter Wasser, um dann beim vierten Mal ganz zu verschwinden. Nach meinem blitzschnellen Anhieb gibt der Fisch Gas und will sich ins Tiefe retten. Doch ich bleibe Sieger und kann auch diese Forelle nach kurzer Zeit keschern.


    Aus dem Augenwinkel (ich glaube, Angler sehen oft mit dem AW) sehe ich auf einmal die Pose der anderen Rute aus dem Wasser kommen.
    Das muss ein Schleienbiss sein!
    Ich habe schon von diesen Bissen gelesen, aber bisher noch nie Einen selbst gesehen, geschweige denn eine Schleie gefangen.
    Die Forelle hat glücklicherweise ganz vorne den Haken sitzen. Schnell gelöst und in den Setzkescher gleiten lassen, dann die andere Rute aufgenommen...
    Der Schwimmer hebt sich wieder an, senkt sich wieder ab, hebt sich wieder, wandert bisschen, senkt sich wieder ab und dann rührt sich nichts mehr.
    Nein, sollte ich meinen ersten Schleienbiss wirklich versiebt haben???
    Hätte ich doch anhauen sollen? Mein Junganglerhirn zermartert sich.
    Ganz urplötzlich, mit einem Schlag ist die Pose weg und ich, obwohl ich die Rute schon in der Hand halte, bin so verdutzt, dass ich dann den Anhieb wirklich verpatze.
    Spüre zwar, wie der Fisch an der gespannten Schnur zieht, doch als ich dann einen um bestimmt zwei Sekunden verspäteten Anhieb setze, fliegt mir die Montage entgegen und es entsteht ein wunderbare Verwicklung!

    Ja, auch Achtjährige können fluchen!!! Aber nützen tut das auch nix!

    Nachdem beide Ruten wieder auf ihren Plätzen im Wasser sind, gönne ich mir erst mal ein Frühstück. Schmeckt ja so viel besser am Wasser!
    Obwohl im Kopf der vergeigte (bestimmt riesige) Fisch immer noch Wellen schlägt...

    Am See herrscht mittlerweile geschäftiges Treiben!
    Man sieht überall Fische im Drill und auch der Besitzer fährt um den See, kassiert und setzt Fische ein.
    Eben denke ich noch, dass es schön wäre, auch wieder einen Fisch zu haben, da sehe ich auch schon die Wasserkugel wandern. Mit einem Ruck ist sie unter Wasser und die Schnur der abgelegten spannt sich.
    Ui, der hat Dampf drauf!

    Ich greife mir die Rute und setze sicherheitshalber doch noch mal einen kleinen Anhieb.
    Spüre direkt, dass der Fisch größer sein muss.
    Wütende Gegenwehr und die Bremse knarrt. Die Forelle nimmt Schnur.
    Doch irgendwann kommt auch sie langsam näher.
    Ich erkenne rote Punkte auf der Flanke und sehe eine gute Bachforelle auftauchen.
    Sie sieht mich auch und gibt nochmal alles!
    Der Besitzer hat meinen Platz erreicht, sich mit dem Kescher bewaffnet und hilft mir bei der Landung.
    Anerkennendes „Gut gemacht!“ kommt von ihm, als der Fisch anschließend in den Setzkescher plumpst.
    Ich bezahle die Karte, er setzt seine Fische ein und wir sprechen noch ne Weile.

    Und dann, während ich die Forellenrute neu beködere, bewegt sich wieder die Pose.
    Wieder hebt sie sich aus dem Wasser und fängt an zu wandern, diesmal allerdings recht zügig und auf die Seerosen zu.
    Ich nehm die Angel in die Hand und haue beherzt an. Die kleine Rute biegt sich ordentlich, die Bremse singt und mein Gegenüber versucht mit aller Gewalt ins rettende Kraut zu kommen.
    Unter Anweisung von dem Teichbesitzer gelingt es mir aber den Fisch von seinem Vorhaben abzubringen und ich kann ihn ins Freiwasser dirigieren.
    Kurz vor dem Kescher sehe ich es dann das erste Mal golden aufleuchten und dann ist meine erste Schleie endlich an Land.
    Mit gut 40cm für mich damals ein richtig toller Fang.
    Der Jubelschrei war auch glaube ich um den ganzen See zu hören!

    Alles in Allem war der Tag für mich damals sehr erfolgreich. Ich habe noch drei oder vier Forellen gefangen und eine Menge Spaß gehabt.
    Mit anderen Anglern fachgesimpelt, so andere Montagen gelernt und die wunderbare Natur genossen.
    Ich glaube, solche, oder halt ähnliche Tage, in den verschiedensten Arten des Angelns machen unser Hobby aus.
    Die Erinnerungen an solche Tage helfen uns über Tage wie heute (mit Schneeregen und Sturm) hinweg und lassen hoffen auf bessere Zeiten.

    Und vielleicht fällt euch ja, wenn ihr das hier gelesen habt, auch so eine ähnliche Geschichte ein und ihr gebt euch eurem Tagtraum hin...


    Gruß

    Dirk

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