Ausgabe Mai 2012

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    Standpunkte - Stammtisch: Verbandsfusion, Teil 2

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    Standpunkte - Stammtisch:

    Es gibt immer wieder Themen im Forum, da wird man nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Bei anderen lohnt vielleicht der Blick auf ein anderes Argument auch mal. Und manche Dinge lassen sich auch nicht immer rein argumentativ diskutieren, sondern sind eine Sache des persönlichen Standpunktes. Da dies naturgemäß in Foren oft untergeht, bieten wir mit dieser neuen Rubrik die Möglichkeit, verschiedene Standpunkte zu einem Sachverhalt - ohne die Diskussion drumrum wie im Forum - darzustellen. 

    Wenn ihr Themenvorschläge habt, könnt ihr euch gerne bei uns melden:

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     Verbandsfusion

    Nach wie vor schlägt die geplante Fusion der zwei deutschen Anglerverbände hohe Wellen, und beileibe nicht jeder ist davon begeistert. Daher nehmen wir das zum Anlass, hier nochmal einen zweiten Teil nachzuschieben, und falss nötrig, werden wir das auch weiter fortsetzen.

     

    Die neuen "Standpunkte" seht ihr jetzt oben, unten haben wir die vom letzten Monat angefügt, damit man schön alles zusammen hat.

     

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    Zunächst einmal möchte ich um Nachsicht bitten, wenn ich ab und an mal in „ Ossi „ und „Wessie „ unterteile. Das hat keinerlei politische Hintergründe, sondern dient nur dazu die Unterschiede in der Entwicklung uns Ausrichtung der beiden Verbände zu dokumentieren, sowie die Entwicklung nach der Wende.

    Über die idealistische Seite abzugrenzen möchte ich gerne auf einen Spruch eines anderen AB-Users zurückgreifen, der mir sehr gut gefallen hat.

    „ Die Mauer in den Köpfen ist immer so hoch, wie der Verstand den Platz dazu lässt."

    Nun aber zur Fusion.

    Drehen wir die Uhr zurück in eine Zeit, lange vor der Wende. Da hatten wir „ Wessies „ einen einzigen Verband, den VdSF. Fast alle Vereine waren in diesem demokratisch aufgebauten Verband Mitglied. Über viele Jahre hinweg wurde dies und das beschlossen und verkündet. Der Verband wurde stark und stärker und fand auch alsbald Gehör in der Öffentlichkeit. Just in dieser Zeit erlebte auch der Tierschutz in Deutschland seine Blütezeit. Tierschutz war „ in „ , Spenden flossen überreich und die Lobby der Tierschützer wuchs ungemein. Nun ist es ja so, dass Tierschutz und Angeln ( im Gegensatz zu Naturschutz und Angeln ) nicht unbedingt eine gemeinsame Basis haben. Der Tierschutz kümmert sich um das „ Leid „ des Individuums, der Angler bringt es um oder fügt ihm zumindest Verletzungen zu.

    Nun kommt auch das Angeln nicht gänzlich ohne Tierschutz aus. Auch wenn das Vorhandensein einer Wirbelsäule nicht unbedingt, und im Falle von Fischen sogar höchstwahrscheinlich nicht, auf ein Schmerzempfinden im menschlichen oder warmblütigem Sinne schließen lässt, so gibt es auch im Umgang mit Fischen Grenzen die nicht überschritten werden sollten. Das haben schon unsere Altvorderen bemerkt und die allerdings ungeschriebenen Regeln der Waidgerechtigkeit erstellt. Lange bevor der Begriff Tierschutz überhaupt eine Bedeutung hatte.

    Just also in dem Moment, wo der Tierschutz an Einfluss und Bedeutung zulegte wäre es an der Zeit gewesen, über einen starken Verband klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass die Angelfischerei nicht gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Das Angeln ein Recht der Allgemeinheit und ein Kulturgut ist, welche es zu bewahren, ja zu stärken gilt.

    Es war genau der Moment, wo sich die Basis der Angler einen starken Verband gewünscht hätte, der sich hinter sie stellt und ihnen den Rücken stärkt.

    Nun, zu dieser Zeit hat sich der Verband hinter die Angler gestellt. Allerdings hat er diese Position dazu genutzt, selbige in den Hintern zu treten. Statt eine breite Brust zu zeigen und Grenzen abzustecken wurde in vorauseilendem Gehorsam der lebende Köderfisch, der Setzkescher und das Wettfischen auf das schärfste verurteilt und diesbezüglich Einfluss auf die Gesetzgebung genommen. Angler wurden von eigenen Kameraden angezeigt, deren Verbundenheit mit dem damaligen Verbandsoberen sattsam bekannt war. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Andere wurden im Rechtstreit vom Verband alleine im Regen stehen gelassen, keine Hilfe, keine Unterstützung. Obwohl jedes Urteil gegen einen Angler richtungweisend für alle war. Natürlich gab es nicht wenige Angler, die dagegen protestierten. Und ebenso natürlich ist es in der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit einen so stark gewordenen Verband aus den Angeln zu heben. Der Verband hatte sich inzwischen so weit von der Basis entfernt, seine Position so sehr gesichert, dass eine schnelle Kurskorrektur von Seiten der Basis nicht mehr zu erreichen war. Spätestens ab da war klar, dass wir Angler einen Moloch herangezogen haben, dem wir nicht mehr Herr werden konnten. Ausgeliefert an Verbandsfunktionäre, die sich näher an der Tierschutzbewegung sahen, als an der Seite derer, für die sie eigentlich eintreten sollten.

    Doch dann änderte sich die Situation ganz plötzlich. Die Wende kam und mit dem Fall der Mauer auch ein anderer Verband, der DAV. Kleiner zwar als der VdSF, aber Basisorientiert. Ein Verband, der das Angeln an sich als schützens- und erhaltenswertes Gut aller Menschen einstufte. Ein Verband der es nicht nur geschafft hatte, Angler als Funktionäre einzusetzen, sondern auch riesige Gewässerflächen zum Allgemeingut zu erheben und zu erhalten. Ein Verband, in dem sich der Angler nicht mit dem Gesetzbuch unter dem Arm ans Gewässer begeben musste, sondern der nach wenigen, aber ausreichenden und klaren Regeln Jedermann und -frau ein entspanntes und natürliches Angeln erlaubte und ermöglichte. Ein Verband, in dem Kinder nicht vom Angeln ausgeschlossen wurden, sondern der es den Kindern leicht machte, das Angeln von der Pieke auf zu lernen.

    Ich gestehe, vor dem Mauerfall überhaupt nichts vom DAV gewusst zu haben. Wer hat sich im Westen schon für die Angler hinter der Mauer interessiert ?

    Um so größer war dann das Erstaunen als ich feststellte, wie einfach, ja geradezu freiheitlich und unkompliziert das Angeln bei den „ Ossis „ geregelt wurde. Nun ich denke die Überraschung auf der „ anderen Seite „ war ähnlich groß, allerdings mit umgekehrtem Effekt.

    Wie auch immer, das ging nicht nur mir so. Viele andere Angler und auch Vereine sahen mit neidvollen und im wahrsten Sinne des Wortes unverbauten Blicken, dass dort die Angelwelt noch weitgehend in Ordnung war.

    Das allerdings sah auch der VdSF. Hatte man bisher die Basis ganz locker ignorieren können ( was sollten die denn auch machen, welche Alternativen gab es denn ) und das Fähnchen nach dem Wind des Tierschutzes ausrichten können, so kam jetzt plötzlich Gegenwind. Das Fähnchen fing an zu flattern und wurde zunächst einmal auf Halbmast gesetzt. Zeigte man Anfangs noch „ denen da drüben „ die kalte Schulter, merkte man plötzlich, dass auch die Angler im Westen hier eine Alternative bekamen. So schaffte man es grade eben noch, die Notbremse zu ziehen und der Basis gegenüber einen etwas gemäßigten Kurs zu fahren. So wurde z.B. die angestrebte Entnahmepflicht in eine Empfehlung geändert.

    Nicht auszudenken, wenn die „ Wessie- Basis „ sich plötzlich mit dem „ Ossi-Verband „ identifizieren würde. Zum Glück des VdSF sind die Angler jedoch in dieser Beziehung sehr träge.

    Jedenfalls war sie nun plötzlich da, die Konkurrenzsituation. Und wie heftig diese Situation war, kann man aus den zurückliegenden Differenzen der beiden Verbände mit Leichtigkeit ablesen. Allerdings, und das ist der wesentliche Punkt, hat diese Situation auch dazu geführt, dass die Basis wieder einen höheren Stellenwert bekam. Das Damoklesschwert ( auch wenn es nicht allzu scharf war ) des Verbandswechsels hing quasi über jeder Entscheidung der Verbände.

    Mit der nun anstehende Fusion entfällt diese Konkurrenzsituation. Einmal in Amt und Würden ist bei dem entstehenden Einparteiensystem der Einfluss der Basis wieder auf jenen sehr schmalen Grat reduziert, der vor der Wende Bestand hatte.

     

    Weiter fällt es mir sehr schwer, einen vernünftigen Grund für eine Fusion zu finden. Einen Grund, der nicht Verbandsinterne Hintergründe hat, sondern für die Anglerschaft im allgemeinen wesentliche Vorteile bietet.

     

    Die beiden Verbände müssen sich doch in der Vergangenheit genähert haben, ansonsten wäre eine Fusion nicht denkbar. Ist das der Fall, steht einem Schulterschluss und gemeinsamen Vorgehen in wichtigen Fragen nichts im Wege. Zwei Verbände, die gemeinsam einen Weg gehen sind m.E. in der Außenwahrnehmung stärker, als ein einzelner. Auch und zudem die Masse der Mitglieder in Summe gleich bleibt. Sind die Meinungen geteilt, ist bei einem Zweiparteiensystem die Bedeutung der Basis viel größer. Diese hat die Wahl, welchen Schuh sie sich anzieht und kann alleine darüber stillen Einfluss ausüben. Der Verband, der einen der Basis nicht als richtig empfundenen Weg einschlägt, würde das früher oder später am Mitgliederschwund bemerken. Nach der Fusion bleibt nur zuschauen und hoffen, keinerlei Alternative.

    Wie der Leser meiner Zeilen leicht feststellen kann, halte ich vom VdSF nicht grade besonders viel. Zu sehr hat das Wirken in der Vergangenheit seine Spuren hinterlassen, zu plötzlich kam der vermeintliche Richtungswechsel und zudem zu halbherzig und schwammig.

    Stark bestätigt wird diese Einschätzung dadurch, dass der DAV sich der Basis öffnet, Diskussionsbereitschaft zeigt und bereit ist, mit der Basis zu diskutieren. Dagegen schottet sich der VdSF in seinem Verbandgemäuer nach wie vor von der Basis ab, zeigt weder Interesse noch Gesprächsbereitschaft. Man hat mit sich vielleicht zu viel zu tun.

    Oder aber, und das ist wahrscheinlicher, man sieht die Fusion schon als vollzogen und erledigt an. Wozu soll man sich dann jetzt noch mit der Basis auseinandersetzen.

    Mein Wunsch wäre, die scheinbare oder tatsächliche Annäherung beider Verbände noch einige Jahre auf den Prüfstand zu schicken. Sollen sie im Schulterschluss beweisen, dass sie gemeinsam in der Lage sind, zum Wohl der Angler zu agieren. Sollen sie sich noch einige Zeit die Option offen halten, eigene Wege zu gehen und die Basis entscheiden lassen, welche Weg sie mitgeht.

    Dem DAV gebe ich auf den Weg genau zu prüfen, ob die Nestwärme in einem fusionierten Verband nicht von der Reibungshitze herrührt die erzeugt wird, wenn man über den Tisch gezogen wird.

    Ralf Dahlheuser

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    Zur Fusion von VDSF und DAV


    Es steht ja nun an, dass 20 Jahre nach dem Mauerfall auch die beiden deutschen Angelverbände zu einer Einheit finden sollen. Was so lange währt, sollte gut werden!?

    Ich habe lange darüber nachgedacht, was das für uns Angler bringen wird, wo die Vorteile und wo die Nachteile zu sehen sein werden. Dabei stellte ich mit Bedauern fest, dass mir zum Wirken und der Existenz des VDSF eigentlich rein gar nichts einfällt, außer dass ich bestimmte Gewässerkarten nur mit dessen Sportfischerpass erhalten kann, oder aber einen ermäßigten Preis zu bezahlen habe, so ich denn Mitglied bin. Der DAV dagegen hat, aus meiner rein persönlichen Sicht, wenigstens noch seinen Gewässerpool, den man auch als Nichtmitglied des DAV sehr kostengünstig befischen darf. Zu meinem Bedauern fällt mir aber bei beiden Verbänden nichts ein, was ich einer intensiven Lobbyarbeit im Sinne der Anglerschaft zuordnen kann. An der Basis habe ich davon nie etwas entsprechendes bemerkt.

     Welche Vorteile dürfen wir uns denn nun von der kommenden Fusion erwarten?

    Zuerst einmal ist es sicher eine enorme Verbesserung, wenn nicht mehr zwei Verbände mit leicht unterschiedlichen Auffassungen am gleichen Strick ziehen werden. Sicherlich ist es auch von Vorteil, jedenfalls theoretisch und wirtschaftlich gesehen, dass sich so der Apparat der Verwaltungen halbieren kann; was aber vermutlich nicht der Fall sein wird.

    Ich hoffe dabei auch und wünsche es uns Anglern sehr, dass sich der neuformierte Verband endlich darauf besinnt, eine Lobby für den Angelsport zu bilden und den politischen Entscheidungsträgern gehörig auf den Pelz rückt. In diesem Bereich besteht ja enormer Handlungsbedarf. Nicht nur durch die mannigfaltigen Probleme die die föderalistische Fischereigesetzgebung in der BRD mit sich bringt. Gerade hier sehe ich durch die DAV-Anteile des neuen Verbandes Licht am Ende des Tunnels, da gerade sie es gewohnt sind mit relativ einheitlichen Maßgaben zu arbeiten. Möge die VDSF-Fraktion das zu würdigen wissen!

    Aber welche Nachteile wird es bringen?

    Leider sehe ich es kommen, dass diese Liste länger wird, denn die der Vorteile. Denn vereinigt man zwei Verbände, so wird rein rechnerisch jeder zweite Funktionär bedeutungslos, seines kleinen bisschen Macht beraubt. Das wird zu langwierigen und kräftebindenden Verfahren führen, oder mit der unsinnigen Praxis der Doppelbesetzungen enden, die wir aus parteipolitischen Spielchen leidvoll kennen.

    Ein weiteres Problem sehe ich in den unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Verbandsgewässer, der Gewässer-Pools und dem Eigentumsprinzip aufkommen. Hier vertritt ja der (westliche) VDSF vehement das Prinzip des Eigentums der Vereine und der (östliche) DAV traditionell die kollektive Bewirtschaftung der Fischereirechte an seinen zahlreichen Verbandsgewässern. Hier sind leider bereits Tendenzen zu erkennen, die darauf hinweisen, dass dem schnöden Mammon zu Liebe, der anglerfreundliche Ansatz des DAV auf der Strecke bleiben wird. Es ist zu hoffen, dass es nicht allzu schlimm ausfallen wird und dass nicht im Stile der politischen Wiedervereinigung der BRD das Tafelsilber verschleudert wird!

    Abschließen wünsche ich mir für uns Angler, dass die Fusion mit wenigstens einem 51%igen Anteil zu Gunsten des DAV ausfallen wird. Dann haben alle deutschen Angler die Chance, dass sich der Stand der Fischerei in unserem Staate zum Besseren wendet, dass wir alle bessere und unbürokratischere Bedingungen vorfinden werden.

    Den Mandatsträgern beider Verbändet schreibe ich hiermit mit dem fetten Edding ins Stammbuch: "Bedenkt um wen und was es hier geht. Jeder neue Verband, mag der dann heißen, wie er will, muss zuerst und beinahe ausschließlich an der Angler denken!"

    Andreas "Andal" Grunert

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    „Es wächst zusammen, was zusammen gehört." - Wie oft seit der Wiedervereinigung dieses unseres Landes ist diese Floskel schon in allen möglichen und unmöglichen Themengebieten ge-, ver- bzw. missbraucht worden. Aber bevor ich jetzt die obligatorischen 3 Euro ins Phrasenschwein werfe, möchte ich auch erläutern, wieso ich mich mit diesem einen Satz so positiv optimistisch zu den laufenden Fusionsverhandlungen zwischen DAV und VDSF äußere.

    Nun ist es ja allgemeine Lebenserfahrung, dass ohne Funktionäre nichts funktioniert, denn wenn das nicht so wäre, ging es auch ohne Funktionäre. Aber dass etwas funktioniert, ist nicht immer unbedingt der entscheidende Aspekt, viel wichtiger, gerade aus Sicht von uns Betroffenen, ist doch die Frage, wie etwas funktioniert. Die Meinungen darüber gehen sehr weit auseinander, auch und gerade in der Einzelbetrachtung der beiden großen Verbände. Wie immer und in allen Bereichen mit politisch-diplomatischen Hintergründen wird es mit oder ohne Fusion in einem Punkt keine Änderung geben. Nach wie vor bleiben als Ergebnis sowohl die eher Zufriedenen zurück als auch diejenigen, die das unzufriedene Fazit ziehen werden, dass sich irgendwelche Bedingungen nun noch mehr verschlechtert haben.

    Es ist wie vor und nach einer Bundes- oder Landtagswahl, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass wir alle, also wir Angler und Sportfischer, die eigentlich nur unserem Hobby nachgehen wollen, diesmal überhaupt keine Wahl haben, sondern einfach nur abwarten können, was aus den Fusionsverhandlungen letztlich wird. Doch machen wir uns nichts vor. So, wie seit Jahren bei fast jeder Wahl die Anzahl der Nichtwähler meist größer ist als die Anzahl derjenigen, die ihr Kreuzchen bei einer bestimmten Partei gemacht haben, ist es doch bei diesem Thema genauso. Die große Mehrheit aller Angler will nur eines: Angeln. So wie immer, so wie gewohnt, an den gleichen Gewässern, die man seit Jahren kennt, mit und ohne Vereinszugehörigkeit. Wen interessieren da Verbände und Funktionäre, Verbandssatzungen und Regelungen, Vereinbarungen und Verlautbarungen? Solange nicht der eigene Verein, das eigene Lieblingsgewässer oder die Schonzeiten des eigenen Lieblingsfisches betroffen sind, erstmal gar nicht und wenn überhaupt, dann nur in sehr begrenztem Rahmen.

    Klar, kein Verbandsfunktionär hüben wie drüben wird die Arbeitshandschuhe anziehen und die Sträucher an unserem Vereinsteich roden oder plötzlich mit einem LKW voll Neubesatz auf der Matte stehen. Also interessieren uns diese Leute erstmal nur am Rande. Dabei gibt es so viele Fragen, die uns letztlich alle unter den Nägeln brennen, wie man auch an den offensiv und teilweise aggressiv geführten Diskussionen im Anglerboard immer wieder erkennen kann. Sei es das überall leidlich bekannte Problem der Kormoranplage, das bevorstehende Aussterben der Aale, die sich immer mehr verschlechternden Fangaussichten für Dorsche in der westlichen Ostsee oder die teilweise sehr erfolgreiche Wiedereinbürgerung von Lachs und Meerforelle.

    Es geht gar nicht darum, diese einzelnen Rosinen raus zu picken und dann dahingehend zu beurteilen, welcher der beiden großen Verbände in welchem Thema die besseren Erfolge erzielt hat oder -negativ besehen- wem der größte Vorwurf bezüglich verbandsmäßiger Untätigkeit oder Unfähigkeit zu machen ist. Vielmehr sollte uns allen klar sein, dass wir Angler als einzelne genauso zu schwach sind, gerade bei solch überregionalen Fragestellungen etwas zu bewirken, wie ein einzelner Verein, egal ob ungebunden oder Mitglied des einen oder anderen Verbandes. Dafür und für viele andere Themen brauchen wir eine starke Interessenvertretung mit einer ansehlichen Größe und einem über Jahrzehnte gewachsenen Renommee bei verantwortlichen Entscheidern aus Lokal-, Landes- und Bundespolitik. Genau das sind die Themen, die nur mit Funktionären auch wirklich funktionieren, und genau dafür brauchen wir eine starke Organisation, die mit einer einheitlichen Stimme unsere Interessen nach außen hin vertritt und möglichst auch durchsetzt.

    Wir wissen alle noch nicht, ob und wie sie dieses Ziel umsetzen werden, wenn die Fusion denn endlich vollzogen ist, unsere neuen alten Funktionäre. Mein Aufruf in der Überschrift kann daher als Appell in genau diese eine Richtung gedeutet werden. Also ganz pragmatisch ausgedrückt an die Adresse der zukünftigen Delegierten eines zukünftigen gemeinsamen gesamtdeutschen Verbandes: „Seht zu, dass ihr endlich fertig werdet und dann spuckt mal kräftig in die Hände und tut was!" - Liegen geblieben ist in den vergangenen Jahren genug, was endlich mal angepackt werden könnte. Die sich wie zähes Kaugummi hin schleppenden Verhandlungen binden auf beiden Seiten genügend Ressourcen, die eigentlich woanders dringend gebraucht werden.

    Aber diese Zielgruppe alleine anzusprechen, erfüllt nicht den Zweck der Sache und bringt uns in Summe auch kein einziges Stück weiter. Was nützt uns ein Großverband, wenn er nicht mehr auf die Beine stellt, als seine beiden Vorgängerverbände? Und noch viel schlimmer: Was interessiert uns das denn überhaupt, wenn sich insgesamt nichts ändert? Wir haben weiterhin ein ganzes Heer von unfähig erscheinenden Sündenböcken, die sich von unseren Verbandsabgaben einen lauen Lenz machen und zu nichts anderes nütze sind, als mit immer dicker werdendem Rückenfell als Zielscheibe unseres geballten Unmuts hin zu halten. Dabei würden wir diese ganze Diskussion doch gar nicht führen, wenn es nicht vor über 30 Jahren Menschen gegeben hätte, die mutig, entschlossen und allen persönlichen Risiken zum Trotz ihr Schicksal und ihre Zukunft selbst in die Hand genommen haben. Und wieder wandern 3 Euro ins Phrasenschwein, wenn ich auch hier zur Besinnung auffordere und sage: „Wir sind das Volk!" -

    Wir sind nicht dazu verdammt, tatenlos zu zu sehen und als blökende Lämmerherde den Maximen unserer Verbandsfunktionäre treudoof hinterher zu laufen. Wir haben es gemeinsam in der Hand, zu steuern, wohin der Zug denn fahren soll, im Verein, in der Öffentlichkeit, in offenen Aktionen und Reaktionen. Die geplante Satzung regelt auch das Mitspracherecht. Und von dem sollten wir aktiven Gebrauch machen, um durchzusetzen, was durchsetzenswert erscheint, um dort für Bewegung zu sorgen, wo Stillstand vorherrscht und um auch unseren Beitrag zu leisten, dass unsere Funktionäre so funktionieren, wie wir uns das erhoffen.         

    Lasst all den großen Worten auch Taten folgen !  - für einen starken großen Verband, der genau das tut, wofür er eigentlich da ist: Die Interessen der Angler in Deutschland vertreten und möglichst auch durchzusetzen.                                                                              

     Heinz-Peter Lattko

     

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    Das Angeln ist gesetzlich in der BRD die gleiche Katastrophe - oder, je nach Sichtweise auch der letzte Ausweg - wie die Organisation der Anglerverbände.  Seit der Föderalismusreform wurde die Zuständigkeit der Bundesländer für das Angeln festgeschrieben. So herrschen nicht nur in jedem Bundesland andere Bedingungen und Voraussetzungen, sondern in fast jedem Gewässer, da die Bewirtschafter auch eigene Regeln aufstellen können, sofern sie als "Mindestmaß" die jeweiligen gesetzlichen Regelungen als Grundlage haben.

     

    Das führt dann z. B. auch dazu, dasss man in Bayern oder Baden - Württemberg eine Prüfung zu Erlangung des Fischereischeines braucht, und dazu muss man dan Kurse besuchen - mit einer Mindestanzahl Pflichtstunden.  Dagegen kann man im Urlaub in Schleswig Holstein oder Mecklenburg Vorpommern auch ohne Prüfung für 4 Wochen einen "Urlaubsschein" bekommen, in Brandenburg auch ganz regulär als "Einwohner" auf Friedfische "prüfungsfrei" angeln.

     

    Und bei dem Thema Prüfung/Schein sieht man auch schon die großen Unterschiede bei den zwei Verbänden. Während der Bundesverband vom  DAV schon immer dafür plädiert hat, möglichst unkompliziert  die Leute ans Wasser zu bringen, war der VDSF immer Verfechter von möglichst strengen Prüfungen. Als das Gesetz in Brandenburg gemacht wurde, ging das soweit, dass der  dortige DAV - Landesverband mit dem Gesetzgeber in Gesprächen war, während sich der VDSF - Landesverband trotz Einladung selbst Gesprächen verweigerte.

     

    So wünschenswert für die Lobbyarbeit ein einheitlicher Bundesverband  weäre, um die Kräfte zu bündeln und damit mehr Druck machen zu können,  so zeigt doch schon dieses kleine Beispiel, wie weit da Ansichten der verschiedenen Verbände auseinanderliegen.

     

    Während schon geschichtlich der DAV als ehemaliger "DDR - Verband"  immer eher den einzelnen Angler im Blick hatte, um denen gute Angelbedingungen möglichst im ganzen Land zu schaffen, ist der VDSF immer ein "Vereinsverband" gewesen. Es wurden die Interessen von Vereinen und Funktionären vertreten, aber weniger die Interessen der Angler (welcher Angler hat schon "Interesse" am z. B. vom VDSF vertretenen Nachtangelverbot, Wettangelverbot etc..).

     

    Und da ein Angler eigentlch kein Interesse an einem Verein hat, außer dem, in den Vereinsgewässern angeln zu können, konnten die Funktionäre im VDSF eigentlich immer mehr oder wengier unkontrolliert und unkommentiert schalten und walten wie sie wollten.

     

    Dass nun auf Grund des Statutes als Naturschutzverband des VDSF der DAV von diesem "geschluckt" werden soll (um diesen Status zu erhalten),  birgt in meinen Augen die große Gefahr, dass zukünftig dann eher die in meinen Augen nicht gerade anglerfreundlichen Positionen des VDSF Leitlinie sein werden als die eher anglerfreundlichen des DAV.

     

    Als Angler kann man nur hoffen, dass das anders kommt. Wer aber die "politische Landschaft" in Deutschland beobachtet - inklusive der vielen Organisationen und Verbände - der wird wohl meinen Zweifeln zustimmen, dass  da eher nichts Gutes dabei rauskommt für Angler, sondern dass das wieder auf die VDSF - Schiene rauslaufen wird...

     

    Es wäre schön, wenn mich da die Geschiche Lügen strafen würde - nichts hoffe ich mehr..

     

    Allein, es fehlt mir der Glaube.....

     

    Thomas Finbkbeiner

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