Ausgabe Mai 2012

Linktipps

    Angler als Wirtschaftsfaktor

    Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

    Angler als Wirtschaftsfaktor

    Angler werden zwar von Betroffenen - Ferienhausvermietern, Angelkutter, Bootsvermieter, gewässernahe Campingplätze etc. - als „Wirtschaftsfaktor" wahrgenommen, viel zu selten jedoch von der Politik und von Entscheidungsträgern.

    Die Studie von Dr. Robert Arlinghaus (Der unterschätzte Angler - Angelfischerei in Deutschland - eine soziale und ökonomische Analyse) hat sich als erst einmal überhaupt mit dem Thema auseinandergesetzt. Momentan schlägt in der Diskussion unter Anglern die Pilotstudie „Dorsch-/Kabeljaufänge durch die deutsche Freizeitfischerei der Nord- und Ostsee, 2004 - 2006" vom Institut für Ostseefischerei Rostock (IOR) hohe Wellen.Anzeige_Zebco_50x250mm_2004

    Sicherlich nicht zu Unrecht befürchten da Angler „unter die Räder" zu kommen, wenn es um sinnvolle Bewirtschaftung von Fischbeständen geht. Und das, obwohl in der Studie des IOR betont wird, dass die Angler da mit ihren sozio-ökonomischen „Leistungen" unbedingt berücksichtigt werden müssen.

    Will man jedoch einmal verlässliche Zahlen haben, wird da nichts anderes übrigbleiben, als entsprechende Studien zu bezahlen und zu veranlassen. Was zuerst einmal Aufgabe der Politik (sowohl Bund, Land wie regional) wäre, aber auch der Anglerverbände und der Wirtschaftsverbände betroffener Regionen.

     

    Wenn man einmal mit Zahlen klar darlegen könnte, dass Angler eben nicht nur „einem seltsamen Hobby" nachgehen, sondern bereits ein durchaus bedeutender Wirtschaftsfaktor sind - und bei richtiger Gesetzgebung ein durchaus noch wesentlich bedeutenderer Faktor werden könnten:

    Da müsste es doch im Interesse nicht nur von uns Anglern liegen, solche Zahlen einmal wissenschaftlich klar ermittelt zu erhalten.

     

    Laut der allgemeinen Studie von Dr. Robert Arlinghaus sind ja in Deutschland bereits jetzt ca. 52.000 Arbeitsplätze von der Anglerbranche abhängig. Und das bei einem volkswirtschaftlichen Umsatz von jährlich 6,4 Milliarden Euro.

     

    Solche allgemeinen Zahlen sind ja aber immer nur schwer nachzuvollziehen und fordern - wie bei allen Studien - auch immer zu Bedenken oder Kritik an Datenerfassung und Systematik auf.

     

    Es wäre da doch einmal eine schöne Aufgabe für eine Uni oder Fachhochschule, einmal klare Zahlen in einem begrenzten Gebiet zu ermitteln und darzustellen. Volkswirtschaftler könnten das genauso machen wie Tourismusfachrichtungen.

     

    Ich könnte mir es z. B. äußerst interessant vorstellen, wenn einmal genau ermittelt werden könnte, welche wirtschaftliche Kraft Angler z. B. für die Insel Fehmarn, Heiligenhafen oder auch z. B. den Edersee oder die mecklenburgische Seenplatte jährlich einbringen. Und was dem am Fangmenge der Angler gegenübersteht.

     

    So könnte man dann leicht „ausrechnen", was ein Kilo von einem Angler gefangener Fisch volkswirtschaftlich für eine bestimmte Region „wert wäre".

     

    Und hätte dann auch bei Diskussionen in Gesetzgebungsverfahren - bei denen bisher ja zumeist die Angler mit relativ unsinnigen Beschränkungen überzogen wurden - ganz andere Argumentationen an der Hand.

    Denn je „wirtschaftlich wertvoller" die Angler auch in der Gesetzgebung angesehen werden, desto eher werden wir auch berechtigte Interessen durchsetzen können.

     

    Oder - auf die aktuellen Diskussionen bezüglich der Dorschstudie vom IOR bezogen:

    Eigentlich ist es gut, wenn der Gesetzgeber erkennen muss, dass Angler mit ihren Fängen einen nicht zu unterschätzenden Faktor darstellen.

     

    Wenn dann der Gesetzgeber untermauert von einer wie von mir oben geforderten Studie dann auch erkennen kann, das eine Bewirtschaftung von Anglern über Angeltourismus nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch mehr als sinnvoll wäre, erst dann können wir auch damit rechnen, dass eine zukünftige Gesetzgebung die Belange und Interessen der Angler deutlich mehr und positiver wertet und berücksichtigt.

     

    Zu diesem Themenbereich werden wir sowohl die Politiker in Bund, Land und betroffenen Regionen wie auch die beiden Anglerverbände befragen. Ebenso die Toursimusorganisationen der jeweiligen Länder. Vielleicht ist es ja einmal möglich, dass hier im Interesse der Angler die Kräfte gebündelt werden! 

     

    Thomas Finkbeiner 

     

    PS:
    Die erste Rückmeldung kam auch schon vom  Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein und war nicht mal von vorneherein gleich ablehnend, auch was eine eventuelle Finanzierung angeht! Vielleicht kriegt man da doch was hin.

    Der DAV hat sich bisher als einziger Angelverband gemeldet:

    Sehr geehrter Herr Finkbeiner,
    vielen Dank für Ihre Anfrage bzw. Anregung. 
    Für den DAV hat es zu einer Selbstverständlichkeit gehört, die Studie von Herrn Arlinghaus zu begleiten (auch finanziell), denn es war auch für uns notwendig, dass nun endlich auf diesem Gebiet etwas in Deutschland vorankam. Die Ergebnisse und deren Aufnahme von Teilen der Öffentlichkeit haben uns darin bestärkt!
    In einem unserer Grundsatzpapiere haben wir deshalb auch formuliert, dass es für den DAV unerlässlich ist, eng mit der Wissenschaft zusammenzuarbeiten. Dieser grundsätzliche Gedanke wurde dann noch durch einen ganz konkreten Beschluss des DAV-Vorstandes untermauert.
    Neben der Studie von Herrn Arlinghaus hat der DAV bereits andere Arbeiten unterstützt (finanziell und fachlich begleitend). So entstanden Diplomarbeiten rund um das Angeln, die auch schon mal die von Ihnen angesprochene Problematik beleuchtet haben.
    An der einen oder anderen Stelle auf diesem Weg hatten wir schon auch den Wunsch weitere Partner wie Industrie oder Tourismusverband mit ins Boot zu bekommen - aber leider...
    Da gegenwärtig eine Studie rund um das Angeln von Meschen mit Behinderung im Auftrage des DAV läuft, die Mitte 2008 vorliegen wird, sehe ich für den DAV gegenwärtig keine Möglichkeiten der Förderung anderer Arbeiten.
    Dessen ungeachtet dürfen Sie sowie alle Anglerinnen und Angler im DAV stets einen innovativen Partner wissen.
    Mit freundlichen GrüßenMichael WinkelBundesgeschäftsführer Deutscher Anglerverband e.V.Weißenseer Weg 11010369 BerlinTel. 030-97104379

     

    Kommentare 

     
    0 #1 Klaus Garnatz 2007-11-02 07:46
    Über so eine Studie in den USA habe ich bereits gelesen. Sinngemäß bringt die Berufsfischerei , die 97 % der in den USA verzehrten Fische auf den Markt wirft, ca. 7 Mrd. $ ein, während die 3 % durch Sportangler verzehrten Fische sage und schreibe 23 Mrd. $ einbringen sollen - alles in allem gerechnet....
    Zitieren
     

    Kommentar schreiben

    Sicherheitscode
    Aktualisieren


    Humminbird


    Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten! - Ein Projekt von anglerboard.de.
    Alle Grafiken und Warenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Recht der jeweiligen Eigentümer.
    Das Kopieren von Bildern und Texten von Anglerpraxis.de ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet!

    © 2003-2011 Anglerpraxis.de
    Weitere Projekte: Angeln in Norwegen , Angeltreff.org
    Technical support by MLIT