Der "Welswerftest"
Der Welswerftest!
Nein, nein, nicht mit Welsen werfen, sondern
auf/nach Welsen werfen - mit
Spinnködern. Dazu gehört angesichts der
erreichbaren Gewichte auch in deutschen Gewässern robustes Gerät. Nun bin ich
zwar als Traditionalist bekannt - aber man kann ja auch mal was Moderneres
ausprobieren.
Das Moderne kam bei mir zu Hause an in folgender
Gestalt:
Quantum World Seajigger Unlimited, 3,10 m lang und mit einem WG von
50 - 170 Gramm.
Wenn schon Quantum, dann auch gleich die Rolle dazu:
Die
Multi Hypercast SP 540
Und meine Lieblingsschnur, die Quantum PT Braid.
Und zwar in 0,25 mm Ausführung mit 16,5 Kilo Tragkraft.
Mag manchem wenig
erscheinen zum „wallern", dazu aber zwei Dinge:
Zum einen stimmen die
angegebenen Werte der PT Braid relativ genau mit der Wirklichkeit
überein.
Und zum anderen muss man 16,5 Kilo erst mal „ziehen" (dazu
später mehr)...
Meine Welsspinnköder haben Gewichte so ab 50 Gramm
aufwärst bis zu (geschätzten) 120 Gramm. Deckt sich also recht gut mit dem
Wurfgewichstspektrum der Rute.
Also Auto beladen und ab an den Fluss. Und dann die Rute
aufbauen. Modern ist ja ok., und Farbe ist Geschmackssache. Denn hellen Blauton,
fast „metalic", da muss ich mich dran gewöhnen. Sagt ja aber nichts über die
Qualität der Rute sondern höchstens was über mein unterentwickeltes
Farbempfinden.
Also Rolle drauf und mal in die Hand genommen. Sehr
stabile Rute, dafür recht leicht. Und schöne „Biegekurve" unter Belastung. Hab
ich gesehen als ich die Bremse der Rolle einstellte. Wie gewohnt indem der Köder
in einen Baum eingehängt wurde, ca. 10 Meter weglaufen und dann mit aller Kraft
ziehen. Dann muss die Bremse die Schnur freigeben, kurz bevor die Rute knackt.
Da hab ich dann zum erstenmal bemerkt, was die Rute für ein gewaltiges
Rückrat hat. Hab mich mit meinem gesamten Lebendgewicht „in die Seile gehängt",
ohne dass die Rute an die Belastungsgrenze kam. Bremse dann eben so eingestellt,
dass sie Schnur freigibt, wenn ich die Rute gerade noch halten kann - sollte für
jeden Fisch in deutschen Gewässern reichen.
Dann werfen, angefangen mit
den leichteren Ködern, bis hin zum „Buttlöffeldoppelpack mit Gufi". Wie immer
bei neuem Gerät kurze „Eingewöhnungszeit", natürlich auch einstellen der
Wurfbremse bei der Multi, und dann auch mal richtig durchziehen.
Da die
Rute keinen „klassischen" Griff hat, sondern quasi ein „verdicktes Endteil", hat
man die Sache gut in der Hand und merkt recht deutlich, wann man beim Wurf den
Daumen von der Schnur nehmen kann. Die Rolle mit dem Auslöser hinten ist dabei
sehr komfortabel zu bedienen.
Vom werfen her gegenüber anderen von mir
gefischten schweren Spinnkombis machte diese eine recht gute Figur. Wurfweiten
zwar nicht nachgemessen, aber anderes Ufer ist nun mal anderes Ufer, egal mit
welchem Gerät man wirft. Und um das zu erreichen brauchte ich mich weniger
„anstrengen" als mit anderen Kombis - zumindest nicht mehr!
Fazit: Gut
aufeinander abgestimmt!
Am besten wäre es jetzt natürlich gewesen, wenn
in der knappen Stunde gleich ein 2 - Meter - Waller zum testen der
Drilleigenschaften draufgeknallt wäre. Das reale Leben machte aus dem erträumten
2 - Meter - Waller einen kapitalen Hänger.
Und jetzt zeigt sich zum
einen, dass die Rute richtig was abkann. Zum anderen, dass die Bremse wie
eingestellt Schnur freigibt. Und zum dritten, wie verdammt kräftig 16,5 Kilo
Tragkraft sein können, wenn es ein realer Wert ist wie bei der PB
Braid.
Ich hab gezogen wie ein Ochse ohne den Hauch einer Chance auch
unter voller Belastung von Rute und Rolle die Schnur zu sprengen. Da dicke 8/0er
und 10/0er Haken montiert waren, war auch nix mit aufbiegen.
Glücklicherweise liegt da ja immer Holz rum, einen Prügel suchen, die
Schnur drum wickeln und dann langsam rückwärts gehen bis die Schnur reißt. Muss
für manchen Vorbeigehenden recht spannend ausgesehen haben, als ich nach hinten
gebeugt (um das volle Gewicht auf die Schnur zu bringen) rückwärts lief - bis
dann endlich die Schnur mal riss.
Ich würde mal behaupten, dass auch
kein 2 - Meter - Waller die Kraft aufbringen würde, um da Rute, Rolle oder
Schnur zu überlasten. Das wird hoffentlich später dann zu beweisen sein. Denn an
der 2 - Meter - Grenze arbeite ich schon ne Weile, aber vielleicht kommt ja
wieder mal einer mit knapp 1,90m, das würde mir dann zum beurteilen der
Drillqualitäten „fürs erste" genügen..........
Thomas Finkbeiner
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