Vannoya 2006 - Teil3
Tag 8 – 02.09
The same Procedere as every Day und da´s Sonja wohl nicht geschafft hat, Diesel bereitzustellen, was ja wohl mal passieren kann und darf, tuckerten wir schnell gen Vanareid um uns dort das nötige Futter für unseren "Hengst" zu beschaffen. Berndl kam im Joker auch noch in den Genuß, an (kopfkratzkratz) einer schniggen und ich zitiere "optischen Augenweide" – an der Kasse stehend – seine Norwegischkenntnisse etwas aufzubessern und nach ihrer Rückkehr und dem obligatorischen Beraffeln polterten wir um 1030 los.
Heute stand Hippo auf´m Programm
aber alles Klopfen und Faulenzen mit den Dapozschen Giants half nix. Der Heilbutt hat halt nur gewisse Fressphasen, welche nicht alltäglich sind und gerade das (erfolgreiche) (Be)fischen des Butts kann ein sehr zeitraubendes sein und nicht selten geben viele dies Unterfangen nach erfolglosem mehrstündigen Driften auf. Man(n) sollte sich aber von solchen "Leerläufen" nie beirren lassen und hartnäckig Tag ein und Tag aus gezielt auf den Traum aller Angler fokussieren und mit diesem Vorhaben zogen wir uns nach 8-stündigem, gänzlich erfolglosen Rumstochern,
bei welchem wir uns aber dennoch köstlichst amüsiert hatten,
zurück um an den noch folgenden Tagen wieder anzugreifen.
Tag 9 – 03.09
"Moin ihr Luschen" – "Moin General": so musst dat sein, wenn der olle Jirko aus den Federn kraucht und sich an den gedeckten Frühstückstisch setzt – grins. Svebøn spuckte heute wieder in unseren Köpfen rum und man(n) kann sich, bei strahlend blauem Himmel und sanfter See, nicht der magischen Anziehungskraft dieses "Spots" entziehen und das, obwohl man auf dem langen Turn dorthin wohl den einen oder anderen hippoverdächtigen Parkplatz touchiert. Der Sog der Dickschädel war heute aber stärker und wir durften erstmalig erfahren, dass einem auch im hohen Norden die Fische nicht auf Zuruf folgen. Aber das ist ja auch das Gute an unserer Leidenschaft und wenn man(n) den Gesetzmäßigkeiten der Nahrungsflut auf Norges Fahrwassern ausgesetzt ist, dann ist dat halt so. Ich mach´s kurz: heute war essig und wir mussten uns unseren Fisch hart und ehrlich erkämpfen. Willy polkte dennoch nen knapp metrigen Leo aus´m Nass, ein paar gut 6-8pfündige folgten und das alles ne knappe h vor unserer Heimfahrt. Tagsüber lief gornix. Und dann purzelten auch noch auf ner abfallenden Sandbank in runden 60m Wassertiefe unsere "Blackies" durch´n Rotbarschschwarm – 50er Willy, 47er Jirko
und kein Paternoster auf´m Kahn – Shit. Klärchen hatte mittlerweile schon nen Tagesritt hinter sich und war schon völlig rot vor Erschöpfung und schien sich so langsam am Horizont zur Ruhe begeben zu wollen. Die roten Greifer schoben sich übers spiegelglatte Nordmeer und griffen sich die hinter uns liegende Bergkulisse von Fugløya und Arnøya – ein Anblick, der sich ins Hirn brennt und auf Ewigkeiten unser ist.
Aber es sollte noch besser kommen. Nach dem Einspachteln von Willys Genüssen zogen wir uns noch ein paar DVDs rein und schnaggelten über dies und jenes, stets begleitet vom nem guten SingleMalt, der an solchen Abenden in Norwegen einfach nicht fehlen darf. Die Rauchergarde: Michi, Georg, Rob und meinereiner verkrümelten sich in regelmäßen Abständen auf die holzgetäfelte Terrasse vor Jans Hütte. Mittlerweile war´s schon´n büschn duster und wir wurden an diesem Abend Zeuge von der fesselnden Kraft von Aurora Borealis. Was uns hier und heute geboten wurde, war schier gigantisch und nahezu unbegreiflich zugleich. Ich selbst habe ja nun mittlerweile schon ein paar Jährchen Norge auf´m Buckel, aber es hat mich im letzten Jahr erst das erste Mal in den hohen Norden verschlagen und selbst da hab ich solch ein phänomenales Lichtspiel nicht erleben dürfen. Uns wurde ein wahres Lichtfeuer geboten und das gleißende Spiel des Sonnensturmes hatte ein so dermaßen grelles Polarlicht zur Folge, dass man getrost hätte Zeitung lesen können. Einfach unbeschreiblich und irre. Georg holte kurzerhand seine Profiknippse raus und mit ner 15sekündiger Belichtungsphase fing er diese wunderschönen Aufnahmen ein.



Begleitet von diesen Eindrücken fielen wir alle in einen ruhigen, aber dennoch tiefen Schlaf und träumten weiter unseren Traum.
Tag 10 – 04.09
Der erste Tag, an welchem sich Klärchen etwas bedeckt hält, im wahrsten Sinne des Wortes. Noch nicht einmal die Greifer dringen durch das Wolkendickicht und um´s perfekt zu machen, piselt es auch noch und ne dicke Dunstglocke hängt über´n Fugløyfjord. Man kann ja nicht alles haben und unser Vorhaben, der Südspitze von Fugløya mal nen Besuch abzustatten, wird auch durch die widrigen Witterungsverhältnisse nicht beeinflusst und so holpern wir um runde 1000 los. Im Keller der abfallenden Kanten der Süd-Ostspitze Fugløyas sollen, so munkelt man(n), prächtige Rote mit Stückgewichten von bis zu 10pfund ihr Unwesen treiben. Und genau dieses rote Gold war heuer unser Ziel. Im Vorab galt´s aber erschtemal etwas Futter für Sebastes zu besorgen und wir flankierten auf der Fahrt zur größten Vogelbrutstätte Europas Gnittergrunnen, um dort nen paar Småseis als Köder festzunageln. Stellte sich zwar als etwas aufregender raus, als ursprünglich angenommen, da die lütten Schwarzjacken permanent von 4-6Pfünder Leos attackiert und inhaliert wurden, aber nach gut ner halben Stunde hatte wir unseren Vorrat und wir konnten auch alle Dorsche wieder unversehrt ins Tiefe schicken. Kurz auf´m Plotter die Südspitze Fugløyas markiert und wir schipperten los. Sind ja nur runde 20km – puh. Völlig irre das 3er-Gespann aber wir haben ja Urlaub, nääääch. Im Laufe der dann verrinnenden Stunde schien sich die imposante Felsformation der Westseite Fugløyas unaufhörlich auf uns zuzuschieben, aber der Blick auf´n Plotter belehrte uns immer wieder eines besseren > man hatte den Eindruck, man könnte ans Ufer spucken aber da standen immer noch 7.5km auf´m Kartenplotter! Schon beeindruckend, wie sehr man sich, was die Entfernungsschätzungen auf Norges Fahrwassern anbelangt, täuschen kann, was natürlich auch gewisse Risiken birgt! Egal wie, nach gut 60min standen wir mit unserem Kahn vor dieser phänomenalen Felskulisse und man wurde von "ihr" förmlich erschlagen – was für ein imposanter Anblick. Stellt euch nen Rudel Kiddies vor, die im zarten Alter von 5a Bekanntschaft mit DEM Weihnachtsmann machen, auf´n Schlitten sitzend mit Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner, Blitzen und Rudolph vorneweg und ihr könnt euch ungefähr vorstellen, in welcher Position sich unsere untere Kauleiste befunden hat.
Nach ner kurzen Träumerei schärften wir unsere Waffen und machten trotz auffrischender Winde nen Versuch.
Rotbarsch und Wind(drift) sind keine guten Partner wie ihr wisst aber dennoch klopften wir von der Süd-Westspitze über die Südspitze bis hin zum süd- östlichen Bereich bis in Tiefen von bummelich 150m einiges ab, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Wir setzten dann sogar Zick-Zack-Kurse um an der Ostkante eventuell ein paar standorttreue Schwärme zu finden, aber auch dieses Unterfangen sollte kein Glück bringen. Da wir nach guten 4h mit immer mehr Puste zu kämpfen hatten und die Schäfchen auf den Wellenkämmen rapide zunahmen fassten wir den Entschluss, in flachere Gefilde auszuweichen um dort noch´n büschn Eisen anzubieten. Auf der Fahrt gen Fugløya entdeckten wir ne Muschelbank, von 50m gen Nord auf 90m abfallend, und diese war nun unser Ziel. Wenn hier keine Dorsche rumstochern, wo dann? Angekommen setzten wir die Arvor in die Drift und reihten uns Steuerbords ein. S-Jigger und Sølvkroken Svenskes der 400-500g Kategorie mussten angeflanscht werden, um noch kontrolliert auf "Tiefe” zu kommen. Na ja, die Kajüte vom Boot schiebt natürlich auch noch einiges mehr bei etwas aufkommenden Winden und so sahen wir uns mit Driften von bummelich 1.5kn konfrontiert, was aber bei dieser geringen Tiefe noch akzeptabel war. Und die Post ging ab: Berndls Inliner > krumm, Willys Stecken > krumm, Jirkos neue einteilige > krumm. Unsere Eisen wurden schon im Mittelwasser von lebensmüden Småseis in Beschlag genommen und von den 500g gleich mit in die Tiefe genommen. Und unter´m Schwarm gab´s Schläge im Handteller, eiwei. Es war schier gigantisch, was sich in dieser einen Stunde abspielte und egal wo wir die Drift ansetzten, hatten unsere Pilker nicht einmal Kontakt mit norwegischen Boden. Meinereiner hatte bei 1.5kn natürlich auch den obligatorischen Quereinschläger und so´n sich quer stellender Leo mit nem 500g Svenske im Rücken iss nicht lustig.
Weitaus größer war aber das Problem, dass ich von notorischen Nonsmokern umgeben war und mir keiner ne Fluppe ins Gesicht stecken konnte oder vielleicht auch wollte, aber dass bekomm ich auch noch raus – grins. Egal wie, wir legten innerhalb einer Stunde 7 Dickschädel von runden 9-10kg Stückgewicht in die Kiste und trafen die Entscheidung, aufzuhören. Die Kühlboxen waren schon gut gefüllt und die im Kahn liegenden gaben ja auch noch einiges an Filets ab – ergo Ende and go back. Um diesen Bericht nun nicht ganz lang werden zu lassen (J), spare ich mir mal jetzt die Fortsetzung des weiteren Tagesverlaufes, welcher mit den obligatorischen "wat für die Kehle" einen würdigen Abschluss fand -schnarchschnarch.
Tag 11 – 05.09
Kaiserwetter küsste uns am September den 05. sehr zeitig aus den Federn, da wir heute bei auflaufendem Wasser um rund 0700 mit dem Angeln beginnen wollten. Gegen 0600 stampfte unser Kahn los.
um rund ne Stunde später am Ziel zu sein > Sollbaren, ein mit Rinnen durchsetztes Untiefenareal vor der Nordspitze von Nordkvaløy. Rinnen, welche sandige- und kiesige Struktur aufweisen und in welchen Hippos ihr Ruhelager aufgeschlagen haben (sollen). Hier in diesen Rinnenbereichen, die bei auflaufendem Wasser von massig Plankton > Krill > Futterfisch durchströmt werden, pickt sich der Heilbutt während seiner Fressphasen das raus, was er braucht und duldet dabei keinen in seinem Revier. Wenn´s hier also beisst kann man fast 100%ig davon ausgehen, dass nen hippoglossus den Köder attackiert hat muss dazu aber die Fressphase(n) abpassen. Wann diese sind, weiß nur der Gott aber die Spannung, welche beim Fischen auf Heilbutt vorherrscht, ist förmlich greifbar und ein jeder, sitzend auf´m Kahn, ist bis in die Haarspitzen in Alarmbereitschaft. Nachdem wir runde 3h erfolglos die Seibønrinne abgedriftet haben, wechselten wir auf die Nordseite von Sollbaren und tunkten dort in Tiefen von umdie 50m. Berndl, Willy und meinereiner fischten mit den Dapozschen Giants und 23er Gummifischen.
Ich habe den langen Schaufelschwanz, rein aus´m Bauch heraus, mit noch nem zusätzlichen Angstdrilling
bespickt, welcher an einer gecrimpten 1.2er Mono am Sprengring eingeschlauft wurde. Nach kurzen 15min bekam der olle Jirko seinen ersten Biss, welcher sich als lütter 60-70er Hippo enttarnte, der nach nem kurzen Blitzlichtgewitter wieder abtauchen durfte.
Wir boten unsere Jigheads runde 10m über Grund an, da das Wasser relativ klar war und Klärchen ihre Greifer ins Tiefe schickte – für eine gute Silhouette des Jigheads zur Wasseroberfläche optimale Voraussetzungen. Ab und an ließen wir den Köder runterpurzeln, um ihn dann wieder über Grund in der Strömung / Drift spielen zu lassen. Das Fischen mit den von Volker Dapoz entwickelten "Bleiköpfen" ist relativ einfach, knochenschonend aber auch spannend zugleich. Einfach, weil du meist völlig apart auf´m Kahn hockst und nur damit beschäftigt bist darauf zu achten, dass dir die Rute nicht aus´m Handteller fällt.
Knochenschonend, da das Pilken / Reißen völlig unnötig ist, da der Schaufelschwanz des Softbaits in der Strömung hervorragend spielt und neben der Funktion als "Eyecatcher" über Grund dabei auch noch feine Druckwellen an die Seitenlinie schickt. Tja, und warum´s spannend ist, bedarf hier und jetzt wohl keiner näheren Erläuterung (nääääch). Nachdem also der lütte Hippo wieder nach Hause durfte, polterte mein Köder wieder ins Tiefe um dann nach einmaligen Grundkontakt runde 8m-10m über Grund, an straffer Leine hängend, sein Dasein zu fristen. Der Tast- und Sehsinn sind dabei in Alarmbereitschaft. Da hock ich also auf der Motorenverkofferung, Rutengriff auf der Reling liegend, Zeigefinger auf die Multifile und Augen aufs Wasser gerichtet als urplötzlich die Köderspannung flöten ging und sich das Geflecht in Rundklängen aufs Wasser legt. Adrenalin klopft anner Schädeldecke, lässt den ollen Jirko in die Höhe schießen, Puls von 75 rasant auf 150 steigend, Panscher werden nass, 3 Stoßgebete in den Himmel und wie nen Berserker die schlaffe Leine einkurbelnd, dabei Kontrolle ob Schieber auf Strike steht, alles klar, Kontakt und nen vehementer Anhieb gehen fließend ineinander über – und er hängt. Mein Lamiglassblank macht´n knicks. Büschn besser als vorher. Nur kurze Fluchten, aber beim Hole ist die Rute brechend krumm was meine Hoffnung nährt, dass... Noch nix zu sehen... bloß nix falsch machen, wer weiß wo der Drilling sitzt... Spule wird voller... weißer Schatten... dunkler Schatten... die Sonnenstrahlen dringen tief ins Nass und "erleuchten" meine Hoffnung in gut 5m-6m Wassertiefe – Butt. Geschätzter Meter und er zieht 2-3 Kreise, die Wasseroberfläche durchbrechend.
Willy hat schon nen Gaff zur Hand – " Lass stecken Willy, der poltert gleich los". Haken sitzt bombenfest in der Maulpartie, der Angstdrilling. Gibt mir ein gewisses Gefühl der Sicherheit und prompt tobt er ab ins Tiefe. Den Schieber hatte ich im vorab natürlich schon auf ein vertretbares Maß für alle Eventualitäten eingestellt und er nimmt sich in einem Run runde 40m von der Rolle. Unten angekommen beginnt der 2. Stepp des "Holes" und er sträubt sich immer noch, aber ohne Fluchten nur noch mit ein paar "breitseitigen" Stopps. Schieber auf Strike. Etwas mehr Druck. Da passiert nix mehr. Er erblickt das 2. mal das Tageslicht
und gibt sich nahezu willenlos Willys Gaffattacke hin, welche mit Bravour vollzogen wurde und in einem Schwung fliegt der Hippo über die Reling und poltert auf die Bootsplanken > 95cm mit 10kg auf den Gräten und der olle Jirko ist einfach nur glücklich, ob seines bis dato größten Butts, der zwar nicht in die Kategorie Gigant gehört, aber dennoch ein für mich beeindruckendes Erlebnis darstellt, auf welchem sich aufbauen lässt (grins).
It´s smokingtime – haaach, einfach nur legger so´n Glimmstengel nach solch einem Erlebnis. Rauchend und in Ruhe vor mich hindenkend drückte ich derweil Berndl und Willy die Däumlein, dass beide – mittlerweile wieder beim rumstochern – auch ihren Butt fangen, was aber während der Folgezeit "leider" nur in 3 heftigen Attacken endete, welche allesamt bedauerlicherweise nicht verwertet werden konnten – Shit. Gegen 1300 drehten wir, bei gerade beginnenden, ablaufendem Wasser, ab und tuckelten gen Burøysund.
Jan Skorge, der Hüttenbesitzer und guter Freund von Sonja & Bjørnar, war seit heute auf vannøyaranischen Boden und kam prompt zu Besuch, was in einem heftigen Knuddeln und Umarmen endete da ich Jan bei dem Septembertörn in 05 "lieben" und schätzen gelernt habe. Erschtemal nen Siegerwasser in die Kehle und da ja unsere norwegischen Freunde auch nicht unbedingt abgeneigt sind, war die Bulle, die eiserne Reserve vom ollen Jirko, in Nullkommanix um runde 700g leichter (hehe). Und da solch ein Besuch natürlich auch des Abends einen gebührenden und feierlichen Rahmen finden muss, fand die Fortsetzung im Hause von Sonja & Bjørnar statt. Tja, wat soll ich sagen. Berndl frischte seine Norwegischkenntnisse auf, Willy, der nur ab und an mal nen Bierchen schlürft, konnte sich so gar nicht mit "Moonshine" (Insider J) anfreunden und meinereiner um so mehr. Dank der norwegischen Gastfreundschaft torkelte der olle Jirko um rund 0100 inner früh mit 2 Nüchternen, einer links und einer rechts, ins ca. 1.500m entfernte "Nachtlager". Aber auch nur nach heftigen Protesten Beider, wollten wir doch am Folgetag, unseren letzten "Fishingday" noch mal in aller früh zum Hippohunting läuten. Unterbrochen von ungefähr 97 Pieselpausen nahm dieser "Rückzug" dann doch´n büschn mehr Zeit in Anspruch und so gegen 0200 am frühen Morgen des 06. September verfielen wir alle in einem tiefen, wenn auch sehr kurzen Schlaf.
Tag 12 – 06.09
Berndl ist heute so charmant und weckt mich persönlich nach runden 3h Schlaf. 1.000 kleine, böse Geister sitzen in meinem Kopf und picken mir an meiner Schädeldecke das schlechtes Gewissen heraus – ohne Kompromisse. Ich möchte meine körperliche Verfassung an diesem frühen morgen mal so umschreiben: selbst Jennifer Lopez, vor mir auf der Bettkante sitzend wie sie die Natur geschaffen hat, hätte ich für ne Portion Schlaf vonner Kante geschubst... iss soooo!... ääährlisch! Egal, wer saufen kann, kann auch "arbeiten" und mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft kämpfe ich mich unter die Dusche und bin heilfroh, dass ich auf dem Weg dorthin nicht noch so einiges umtouchiert habe. Aber so was kaltes von oben wirkt Wunder, jedenfalls bei mir und nach nem Pott Kaffee und ner Kippe läuft der Motor auch wieder so halbwegs. Beim Verlassen des Hauses schlug uns ne Dunstglocke entgegen - wat für´ne Nebelbank. Die Hoffnung, dass diese nur stationär hier rumlungert ließ uns unseren Weg gehen und wir shuttleten gen Bootsanleger. "Sieht hier aber´n büschn komisch aus, auf´m Wasser". Ententeich, so weit man halt sehen konnte bei dieser Suppe, aber das Wasser sah aus wie´n frisch gezapfter Kakao von ner Frühstückstheke und lauter Grünes strömte langsam gen süd-ostwärts gelegenen Sundausgang. Sah verdammt nach ner heftigen Puste des Nächtens von West aus, aber dennoch ließen wir den Diesel warmlaufen und schraubten nach kurzen Beraffeln gen offene See > Hippos sollten uns heute am letzten Tag ein gebührendes Geleit für diesen megageilen Urlaub geben. Da dieser Turn einige Umdrehungen auf´n Minutenzeiger unserer Uhren hinterließ nutzte ich die Gunst der Stunde: die Abwesenheit von JeLo erleichterte mir mein Vorhaben ungemein, mich in die Kajüte zu verkrümeln um nochemal ne Mütze Schlaf zu tanken. Gesagt getan und hingelegt. Nach bummelich 15min, so kurz vor´m Ausgang vom Sund aufs Offene hab ich, auf der Pritsche liegend, dass Gefühl, der Kahn fällt in ein Loch um postwendend wieder nach oben gestemmt zu werden. Dunnerschlach, wat´n hier los!? Käptn Berndls Falten im Gesicht sehen auch nicht gerade sehr beruhigend aus und ich entschließe mich kurzerhand, auch mal nach dem Rechten zu schauen. Der erste Versuch scheitert an der oberen Pritschenkante, da wir wohl gerade in so´n Loch gefallen sind und sich diese in meine Stirn gräbt. Ich belege die Bootsbauer kurzerhand mit nem Fluch und setze nen 2. Versuch, der auch sehr gut gelingt und ich purzele Berndl und Willy, der Berndl linkerhand standhaft zur Seite steht, in die Arme. HolyMoly, hier kocht der Teufel wohl grad sein Süppchen!? Was meine Augen erblickten waren mal so geschätzte kurze, knaggige 1m-1.5m hohe Dünungswellen mit nem "kurzen" Wellental – Dunnerschlach. Break und go back war unser einstimmiger Tenor. Tja, nun versucht mal, bei solch kurzen Wellentälern ne Drehung hinzulegen – eiwei. Ich würde den Radius von Berndls Wendemanöver mal auf runde 200m schätzen, welche auch bitter nötig waren. Aber Käptn Kunze hat das mit Bravour gemeistert! Hmh - wat nu sprach Zeus? Erschtemal wieder heime und nen Kaffee schlürfen und ich war zu diesem Zeitpunkt auch wieder in der Lage, was Festes zu mir zu nehmen. Da über´n Sund immer noch ne stramme Nebelbank lag, legten wir kurzerhand "Hannibal" Lector auf und überbrückten so die eine oder andere Stunde. Berndl, auf der Couch liegend, wechselte dabei immer von ´aufrecht sitzend und spannend reinguggend´ in ´halb liegendabrutschend und wegratzend´ - wat für´n Schauspiel (grins). Willys Fegefeuer von nebenan, er hatte seinen Körper mittlerweile horizontal geparkt, kam dabei garnich so richtig zur Geltung – und dat muss wat heißen! Nach runden 3h verkrümelten sich die Nebelschwaden, Berndl und ich waren mittlerweile auch wieder richtig fitt und Willy kam völlig zerknittert durch die Tür, zerknittert aber zu allen Schandtaten bereit. Also ab in die Jolle und noch´n büschn Spaßangeln "am" Leuchtfeuer von Burøya – Klischenstippen. Die Futterbeschaffung stellte sich an diesem Tag als sehr zermürbend heraus und so rannen 1.5h dahin, bis wir endlich ein paar kleine Köhler für ein paar leggere Filethappen zusammengestippt haben. Aber umso besser lief es dann beim Naturköderfischen mit ultraleichtem Gerät und Nachläufermontagen in Tiefen von um die 8m – 10m. Die Ruten waren nach nahezu jedem Ablass krumm und wir beförderte feiste Klieschen bis zu knappen 40cm ans Tageslicht.
Imposante Kämpfer beim "lighttacklen" und ne allerfeinste Spaßspritze, zumal ich auch noch ein paar stramme Burschen für die Frosterbox haben wollte. Teilweise haben wir auf Sicht gefischt: waren die silbrig glänzenden Köder in 8m Wassertiefe nicht mehr zu sehen, gab´s nen Anhieb, der in aller Regel auch saß – hehe. Wir haben nach ner geraumen Zeit sogar mal Testweise ohne Kontakt gefischt und sofort den Anhieb gesetzt, sobald der Köder den Grund berührt hat mit dem Resultat, dass meist ne Kliesche am Hook hing – völlig irre. Das unser Willy nach nem "Klieschenhänger" auch noch nen Heilbutt neugierig machte, der majestätische Kreise um die Klische zog und zwischendurch immer kurze Attacken startete, setzte diesem kurzen, aber wunderschönen Nachmittag die Mütze auf – ein irres Schauspiel bei diesen klaren Sichtverhältnissen unter Wasser! Nach 2h beendeten wir unseren Pladdenturn und tuckelten wieder an den Anleger mit dem Bewusstsein, dass es die letzte Fahrt mit "unserem" Arvor sein wird – schniefschnief. Nachdem wir das Boot von allem uns Gehörenden befreit hatten, schrubbte der olle Jirko den Kahn und machte auch inner Kajüte eine ausgiebige Grundreinigung. Nach ner Stunde glänzte und blitzte alles und wir fuhren, nachdem Willy und Berndl unseren provisorischen Filetierplatz vernichtet- (wegen Copyright und so – hihi) und gesäubert hatten, wieder zum Häuschen um dort die Vorbereitungen für´s "Tackleverstauen" am Folgetag zu treffen. So ließen wir den heutigen Tag in Ruhe ausklingen und schnaggelten mit unserem Ösitrio über dies und das.
Tag 13 – 07.09
Der heutige Tag galt dem obligatorischen Dingen... ohne Angeln: mal´n büschn länger schnarcheln... ausgiebigst und lange frühstücken... Ruten und Rollen mit unter die Dusche und mal gehörigst mit lauwarmen Wasser abschrubben... dass was noch getrocknet werden muss, trocknen... Tacklekiste auseinander popeln um den Begriff Ordnung mal wieder Ausdruck zu verleihen... Kleinstkram sortieren... alles wat´n Haken hat wird geschrubbt und standesgemäß zur Schau gestellt... mal´n Päuschen zwischendurch... Bad, Küche, Wohn- und Schlafbereich(e) bzw. Flur wieder schnigge gemacht und auf Hochglanz poliert... was halt so alles anfällt an solch einem Tag und diesen ratzefatze dahinrinnen lässt. Macht aber dennoch Spaß und bei solch einem Team wie wir´s waren allemal. Meinereiner hat für Robs Scheibe (DVD – Nordnorwegen) dann noch ein paar Geräte- und Montagevorstellungen zum Besten gegeben und wir alle sollten uns schon heute auf dieses Meisterwerk freuen. Ich meine jetzt die DVD im allgemeinen und nicht die Passage mit dem ollen Jirko – tztztz ;) Am frühen Abend bekamen wir dann auch noch Besuch von Sonja, Leila, Bjørnar und Jan. Zu unserer aller Freude hatte Sonja was Süßes mitgebracht. Wir können Euch leider nicht sagen, was es war aber eines ist gewiss: es war verdammt legger! So wurde dieser frühe Abend auch noch mit der Anwesenheit unserer lieben Vermieter und Betreuer "versüßt" und endete in einer langen Diashow unserer Fotos, welche wir im Laufe des Aufenthaltes auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde auf unsere Digis gebrannt hatten. Was uns an aufopferungsvoller Bereitschaft aus dienstleisterischer Sicht von Sonja und Bjørnar widerfahren ist, spottet fast jeder Beschreibung. Wann immer wir ihre Hilfe in Anspruch nehmen mussten, sie waren da. Als wir ankamen, war die Arvor bereits am Bootssteg vertäut, was für Bjørnar bedeutete, den Kahn von Torsvåg über die Nordspitze Vannøyas zum Burøysund zu schippern – ist mal nicht so auf die schnelle bewerkstelligt, da dieser Turn runde 20km in Anspruch nimmt!... Das Fischen im Fugløyfjord war anfangs nur ohne Plotter machbar, da das Navionicsmodul auf der Höhe Burøya / Grimsholmen endete > nach 3 Tagen Aufenthalt bekamen wir von Sonja nen neues Modul für ebend diesen Bereich in die Panscher gedrückt!... Dieselengpässe, bis auf die eine Ausnahme, hatten wir nie > und das bedeutete für Bjørnar immer gen Vanareid zu tuckeln um dort an der Tanke beim Joker die Kanister für uns abzufüllen!... Die Herzlichkeit, die uns von den Beiden geschenkt wurde, war schon fast beängstigend > immer nen Lächeln auf´n Lippen, immer zu Späßen bereit und das zu jeder Tageszeit und Vollbelegung der Apartmentanlage in Torsvåg... kurzum: perfekt und beispiellos zugleich. Unser spezieller Dank gilt auch Jan, dem Hüttenbesitzer, der uns 3en seine Sommerresidenz vertrauensvoll für 2 Wochen überlassen hat. Mange takk - Jan und wir hoffen, dass wir uns bald wiedersehen... spätestens jedoch im Mai 08. Bei all dieser Freundlichkeit ist es nur allzu verständlich, dass uns der Abschied von Sonja, Leila, Bjørnar und Jan sehr schwer gefallen ist. Ihr habt einen nicht unerheblichen Anteil an diesen tollen 2 Wochen und dafür möchten wir uns bei Euch aufs herzlichste bedanken! Nun habe ich fertig und wir hoffen, Euch mit unserem Mehrzeiler nicht gelangweilt zu haben. Die Abreise und der weite Weg gen Süden soll hier nur flankiert werden, da es der selbige war wie vor 2 Wochen. Daher möchte ich hier und jetzt die Gelegenheit wahrnehmen und mich im speziellen bei Willy und Berndl bedanken. Danke, für diese wunderschönen 2.5 Wochen... es war einfach gigantisch mit Euch Pappnasen! Bernd kenne ich ja nun mittlerweile schon einige Jahre und habe ihn schätzen und auch´n büschn "lieben" gelernt – hehe. Willy war für mich "Neuland" und ich hatte mir im vorab schon so meine Gedanken gemacht, ob sich 2 völlig Fremde miteinander verstehen... ohne Hürden. Aber da war einfach keine. Die Chemie stimmte von Anfang an. Um so bemerkenswerter, da ich manchmal selbst nicht ganz einfach zu nehmen bin, wenn ich (mal) "meine Tage" habe ;)... und schon gar nicht, wenn im Gefährt bei solch einer langen Hin- und Rücktour Rauchverbot ausgesprochen wird – grummelgrummel. Danke meine Lieben und ich zähle schon jetzt die Tage bis Sarnes vor der Tür steht! Fin – tata.
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