Pressemeldung: Sandfänge und Kiesbetten: Sportfischer initiieren Renaturierung der Wörpe
Pressemeldung
Der Sportfischereiverein (SFV) Bremen e. V. und der Fischerei- und Gewässerschutzverein Lilienthal und Umgebung e. V. realisieren natürliche Laichzonen für Meerforellen: Sandfänge und Kiesbetten sollen natürliches Ablaichen ermöglichen.
Bremen, den 14. Oktober 2008. Hobby-Fischer aus Bremen und Lilienthal sowie Privatpächter anliegender Gewässerstrecken liefern 5.000,- € als Grundstock für eine Teilrenaturierung der Wörpe. Diese Summe geht als Spende an den Träger der Maßnahme, dem Gewässer- und Landschaftspflegeverband (GVL) Teufelsmoor. Im Zuge der EG-Wasserrahmenrichtlinie, nach der Gewässer in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden sollen, wurde die Spende für die Wörpe aus dem Geldtopf der Europäischen Union für das „Modellprojekt Wümme“ verfünffacht. „Den Anglern ist es seit etwa zwei Jahren ein besonderes Anliegen, dass der Oberlauf der Wörpe wieder ihren kiesgeprägten Charakter erhält“, sagt Artenschutzbeauftragter Martin Schüppel. „Von einer Renaturierung würden sehr unterschiedliche Tierarten profitieren, insbesondere aber unser Programm zur Wiedereinbürgerung der Meerforelle, das wir seit 15 Jahren erfolgreich betreiben.“
Die Geschäftsführung der Maßnahme liegt beim Niedersächsischen Landesamt für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), deren Planung den Gewässerverlauf in acht Abschnitte unterteilt. Drei dieser Abschnitte werden in die kurzfristige Umsetzung einbezogen: Die Arbeiten im Abschnitt 7 begannen am Montag, den 13. Oktober und dauern circa drei Wochen. In diesen Arbeitsbereich fließen im Wesentlichen die EU-Mittel aus der Wasserrahmenrichtlinie sowie darin enthaltene Drittmittel der Sportfischer und des Landkreises Rotenburg / Wümme. Die Ausführung unterstützt das Planungsbüro Helmut Heuer-Jungemann und das Bauunternehmen Schröder aus Schneverdingen. Den Abschnitt 6 bearbeiten die Sportfischervereine in Eigenleistung im kommenden Jahr in Form von Kieseintrag in den Flusslauf. Die finanzielle Grundlage dafür schaffen die Biologische Station Osterholz (BIOs) sowie die Koordinationsstelle für naturschutzfachliche Verbandsbeteiligung (KnV). Der Abschnitt 8 folgt voraussichtlich in den darauf folgenden Monaten, sobald die Akquise der notwendigen Geldmittel vollständig abgeschlossen ist.
Seit 1994 betreiben Sportfischer ein Programm zur Wiederansiedlung von Meerforellen in heimischen Gewässern. Dazu unterhalten Vereine aus Lilienthal und Bremen ein Bruthaus in Grasberg – mit steigendem Erfolg. Die aufwendige, arterhaltende Bruthilfe ist notwendig, weil die Fische keine optimalen Laichverhältnisse vorfinden: Durch Flussbegradigungen führen die Flüsse zu viel Sedimente mit, welche die Gelege abdecken und eine ausreichende Sauerstoffversorgung der Eier verhindern. „Die Sandfänge sollen Schwebeteilchen zurückhalten und freiliegende Kiesbetten den laichfähigen Meerforellen einen natürlichen Untergrund liefern“, beschreibt Artenschutzbeauftragter Martin Schüppel den Nutzen. „Wir hoffen, dass wir damit das Wiederansiedlungsprogramm in absehbarer Zukunft ohne Bruthaus fortführen können.“
Meerforellen waren vor langer Zeit in unseren Gewässern heimisch. Zum Laichen ziehen die Wanderfische aus dem Atlantik in kleine Flüsse; die Jungfische kehren immer wieder in ihr „Schlüpfgewässer“ zurück. In der Vergangenheit drängten Flussbegradigungen und steigende Gewässerverschmutzung die stattlichen Salmoniden aus unserer Region.
Von November bis Januar entnehmen die Hobby-Fischer mit dem Elektrofanggerät die Rückkehrer aus dem Ozean. Direkt nach dem Fang streifen sie Rogen der Weibchen und Milch der Männchen zur kontrollierten Befruchtung ab. Die abgestreiften Fische gelangen anschließend sanft in ihr Gewässer zurück.
Die befruchteten Eier lagern in so genannten Wiegen, wo sie unter ständigem Wasserwechsel bei einer Idealtemperatur zwischen zwei und vier Grad Celsius sowie optimalen Sauerstoffwerten heranreifen. Mindestens jeden zweiten Tag kontrolliert ein Mitarbeiter die Anlage. Nach acht bis zehn Wochen schlüpfen kleine Meerforellen. Sie bleiben weitere vier Wochen in ihren Wiegen, während sie von ihrem Dottersack zehren. Danach gelangen sie in die ursprünglichen Laichgewässer. „Ohne die Hilfe der Sportangler funktioniert eine Wiederansiedlung nicht“, benennt der Vorsitzende des SFV Bremen e. V. Joachim Heuer die Situation. „Im Jahre unseres 100-jährigen Bestehens bedeuten die bewilligten Geldmittel, und die dadurch möglichen Baumaßnahmen an der Wörpe, ein großes Geschenk und vor allem Anerkennung für unser Engagement, mit dem wir diese wundervollen Fische wieder in der Weser und ihren Zuläufen ansiedeln wollen.“
Die nun anstehenden Arbeiten teilen sich in die Abschnitte 6, 7 und 8. Den Abschnitt 6 bewältigen die Sportfischer 2009 in Eigenleistung. Den Abschnitt 7 realisieren die Initiatoren sofort, die Mittel dafür stammen aus der Wasserrahmenrichtlinie. Der Abschnitt 8 folgt ebenfalls im nächsten Jahr, finanziert durch Ausgleichsmittel zur Weservertiefung.
Über das Bruthaus:
Die Wiederansiedlungsmaßnahmen Mitte der 90er Jahre bestanden im Ausbrüten von Meerforelleneiern in kleinen Plastikgefäßen, die im Uferbereich der Wörpe befestigt waren. Nach fünf Jahren stellten sich erste Erfolge ein: Meerforellen kamen tatsächlich zurück in ihr Brutgebiet. Danach entschlossen sich die befreundeten Vereine zur Errichtung eines ersten Bruthauses, das allerdings 2006 nach einem Brandanschlag zerstört wurde. Ein neues Gebäude steht nun geschützt auf dem Gelände einer Kläranlage in Grasberg. Das Haus bietet derzeit eine Kapazität für 320 000 Eier.
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PR-Bremen
Ingo Schmidt
www.pr-bremen.de
Sandfänge und Kiesbetten: Sportfischer initiieren
Renaturierung der Wörpe
Der Sportfischereiverein (SFV) Bremen e. V. und der Fischerei- und Gewässerschutzverein Lilienthal und Umgebung e. V. realisieren natürliche Laichzonen für Meerforellen: Sandfänge und Kiesbetten sollen natürliches Ablaichen ermöglichen.
Bremen, den 14. Oktober 2008. Hobby-Fischer aus Bremen und Lilienthal sowie Privatpächter anliegender Gewässerstrecken liefern 5.000,- € als Grundstock für eine Teilrenaturierung der Wörpe. Diese Summe geht als Spende an den Träger der Maßnahme, dem Gewässer- und Landschaftspflegeverband (GVL) Teufelsmoor. Im Zuge der EG-Wasserrahmenrichtlinie, nach der Gewässer in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden sollen, wurde die Spende für die Wörpe aus dem Geldtopf der Europäischen Union für das „Modellprojekt Wümme“ verfünffacht. „Den Anglern ist es seit etwa zwei Jahren ein besonderes Anliegen, dass der Oberlauf der Wörpe wieder ihren kiesgeprägten Charakter erhält“, sagt Artenschutzbeauftragter Martin Schüppel. „Von einer Renaturierung würden sehr unterschiedliche Tierarten profitieren, insbesondere aber unser Programm zur Wiedereinbürgerung der Meerforelle, das wir seit 15 Jahren erfolgreich betreiben.“
Die Geschäftsführung der Maßnahme liegt beim Niedersächsischen Landesamt für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), deren Planung den Gewässerverlauf in acht Abschnitte unterteilt. Drei dieser Abschnitte werden in die kurzfristige Umsetzung einbezogen: Die Arbeiten im Abschnitt 7 begannen am Montag, den 13. Oktober und dauern circa drei Wochen. In diesen Arbeitsbereich fließen im Wesentlichen die EU-Mittel aus der Wasserrahmenrichtlinie sowie darin enthaltene Drittmittel der Sportfischer und des Landkreises Rotenburg / Wümme. Die Ausführung unterstützt das Planungsbüro Helmut Heuer-Jungemann und das Bauunternehmen Schröder aus Schneverdingen. Den Abschnitt 6 bearbeiten die Sportfischervereine in Eigenleistung im kommenden Jahr in Form von Kieseintrag in den Flusslauf. Die finanzielle Grundlage dafür schaffen die Biologische Station Osterholz (BIOs) sowie die Koordinationsstelle für naturschutzfachliche Verbandsbeteiligung (KnV). Der Abschnitt 8 folgt voraussichtlich in den darauf folgenden Monaten, sobald die Akquise der notwendigen Geldmittel vollständig abgeschlossen ist.
Seit 1994 betreiben Sportfischer ein Programm zur Wiederansiedlung von Meerforellen in heimischen Gewässern. Dazu unterhalten Vereine aus Lilienthal und Bremen ein Bruthaus in Grasberg – mit steigendem Erfolg. Die aufwendige, arterhaltende Bruthilfe ist notwendig, weil die Fische keine optimalen Laichverhältnisse vorfinden: Durch Flussbegradigungen führen die Flüsse zu viel Sedimente mit, welche die Gelege abdecken und eine ausreichende Sauerstoffversorgung der Eier verhindern. „Die Sandfänge sollen Schwebeteilchen zurückhalten und freiliegende Kiesbetten den laichfähigen Meerforellen einen natürlichen Untergrund liefern“, beschreibt Artenschutzbeauftragter Martin Schüppel den Nutzen. „Wir hoffen, dass wir damit das Wiederansiedlungsprogramm in absehbarer Zukunft ohne Bruthaus fortführen können.“
Meerforellen waren vor langer Zeit in unseren Gewässern heimisch. Zum Laichen ziehen die Wanderfische aus dem Atlantik in kleine Flüsse; die Jungfische kehren immer wieder in ihr „Schlüpfgewässer“ zurück. In der Vergangenheit drängten Flussbegradigungen und steigende Gewässerverschmutzung die stattlichen Salmoniden aus unserer Region.
Von November bis Januar entnehmen die Hobby-Fischer mit dem Elektrofanggerät die Rückkehrer aus dem Ozean. Direkt nach dem Fang streifen sie Rogen der Weibchen und Milch der Männchen zur kontrollierten Befruchtung ab. Die abgestreiften Fische gelangen anschließend sanft in ihr Gewässer zurück.
Die befruchteten Eier lagern in so genannten Wiegen, wo sie unter ständigem Wasserwechsel bei einer Idealtemperatur zwischen zwei und vier Grad Celsius sowie optimalen Sauerstoffwerten heranreifen. Mindestens jeden zweiten Tag kontrolliert ein Mitarbeiter die Anlage. Nach acht bis zehn Wochen schlüpfen kleine Meerforellen. Sie bleiben weitere vier Wochen in ihren Wiegen, während sie von ihrem Dottersack zehren. Danach gelangen sie in die ursprünglichen Laichgewässer. „Ohne die Hilfe der Sportangler funktioniert eine Wiederansiedlung nicht“, benennt der Vorsitzende des SFV Bremen e. V. Joachim Heuer die Situation. „Im Jahre unseres 100-jährigen Bestehens bedeuten die bewilligten Geldmittel, und die dadurch möglichen Baumaßnahmen an der Wörpe, ein großes Geschenk und vor allem Anerkennung für unser Engagement, mit dem wir diese wundervollen Fische wieder in der Weser und ihren Zuläufen ansiedeln wollen.“
Die nun anstehenden Arbeiten teilen sich in die Abschnitte 6, 7 und 8. Den Abschnitt 6 bewältigen die Sportfischer 2009 in Eigenleistung. Den Abschnitt 7 realisieren die Initiatoren sofort, die Mittel dafür stammen aus der Wasserrahmenrichtlinie. Der Abschnitt 8 folgt ebenfalls im nächsten Jahr, finanziert durch Ausgleichsmittel zur Weservertiefung.
Über das Bruthaus:
Die Wiederansiedlungsmaßnahmen Mitte der 90er Jahre bestanden im Ausbrüten von Meerforelleneiern in kleinen Plastikgefäßen, die im Uferbereich der Wörpe befestigt waren. Nach fünf Jahren stellten sich erste Erfolge ein: Meerforellen kamen tatsächlich zurück in ihr Brutgebiet. Danach entschlossen sich die befreundeten Vereine zur Errichtung eines ersten Bruthauses, das allerdings 2006 nach einem Brandanschlag zerstört wurde. Ein neues Gebäude steht nun geschützt auf dem Gelände einer Kläranlage in Grasberg. Das Haus bietet derzeit eine Kapazität für 320 000 Eier.
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PR-Bremen
Ingo Schmidt
www.pr-bremen.de
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