Ausgabe Februar 2012

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    Wie Frauen uns Männer entspannen (lassen)

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    So richtig heiß, oder: Wie Frauen uns Männer entspannen (lassen)

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    Am Donnerstag erhielt ich von meiner Frau eine eMail. Das ist nichts ungewöhnliches, stutzig machte mich aber der Satz: „Wie sieht es bei Dir am Samstag aus, gehst Du angeln?".

    Ja - angeln war ich schon lange nicht mehr. Das letzte mal im Urlaub und das ist jetzt auch schon wieder acht Wochen her. Irgendwie bin ich ja schon so richtig heiß darauf, mal wieder einen gepflegten Ansitz zu machen. In den letzten Wochen habe ich mit Job und Ehrenamt regelmäßig mehr als 70 Stunden pro Woche verbracht und für das Wochenende standen auf meiner Liste solche Dinge wie: kochen, einkaufen, Rasen mähen, Beete vom Unkraut befreien, Keller saugen, Straße, Eingang und Mülltonnenecke fegen und für Sonntag ein längerer Trip nach Bielefeld und abends Gäste zu Hause. Friseur wäre auch mal wieder angesagt. Meine Frau schreibt was von ANGELN???

    Wir haben Vollmond und der Wind soll von Südwest auf Ost drehen. Nicht wirklich die Traumbedingungen um erfolgreich zu sein. Also ließ ich die Frage meiner Frau unbeantwortet.

     

    Freitag im Büro setzte sich die Vorstellung einfach mal wieder entspannt am Rhein zu sitzen dann doch fest. Aber bei meinem Dreibein waren die Rutenauflagen gebrochen. Auseinander montiert hatte ich es schon, es wartete auf das Einsetzen neuer Rutenauflagen.

    Also um 17:00 Uhr das Büro abgeschlossen, zum Tackle-Dealer meines Vertrauens gefahren und Futter und Rutenauflagen gekauft. Kurzer Stopp zu Hause, dann bei meinem Vater in der Werkstatt Löcher in die Schiene gebohrt, Gewinde geschnitten und die Rutenauflagen eingesetzt. Lebensweisheit gelernt: Nach ganz fest kommt immer ganz ab!!! Eine Auflage hat es beim Anziehen gleich zerbröselt. „Darauf kannst Du rumspringen, die gehen nicht kaputt!" hatte mein Dealer noch gesagt. Hektik kam auf, denn um 19:00 Uhr war noch eine Besprechung im Zusammenhang mit meinem Ehrenamt. Irgendwo hat Daddy doch immer Kleber gehabt? Sekundenkleber gefunden, das Ding kräftig eingeschmiert und wieder zusammengesetzt. Fertig!!!

     

    19:05 Uhr: So eine Besprechung mit schmutzigem Sekundenkleber an fast jedem Finger ist übrigens unanahngenehm!

     

    22:00 Uhr: In der Garage und montiere ich zwei Heavy-Feeder-Ruten mit Schlaufenmontage und packe mein Tackle ins Auto.

     

    22:30 Uhr: Letzter Blick ins Internet, Pegel für die Stelle gecheckt, die Sonne geht um kurz vor 7:00 Uhr auf. Das Wetter soll angeblich für Meteorologen langweilig sein, nur Sonnenschein.

     

    5:20 Uhr: Der Wecker ist bereits beim Dauerton angelangt, ich finde ihn nicht, muss Licht anmachen. Ein Grunzer aus dem Bett neben mir.

     

    5:40 Uhr: Wach geworden, muss wohl noch mal eingeschlafen sein. Jetzt aber leise aus dem Bett. Unser Kater pocht in der Küche auf sein vermeintliches Recht auf Leckerchen. In der Sorge, dass meine Frau wach wird, gebe ich nach und er bekommt etwas.

     

    6:45 Uhr: Endlich am Wasser. Der Pegel sinkt weiterhin und zum Keschern müsste man die Steinschüttung ziemlich weit hinunter klettern. Ich suche mir eine Stelle, an der es einigermaßen geht. Es geht nur wenig Wind, zu meiner Überraschung immer noch aus Südwest, aber die Luft ist mit 6° Celsius doch verflixt kalt. Endlich Sonnenaufgang.

     

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    7:45 Uhr: Eine Stunde am Wasser und schon vier kleine Barben (ca. 25 bis 35 cm) haben sich das Madenbündel einverleibt. Kein schlechter Auftakt, an der Größe kann man ja noch arbeiten.

     

    8:30 Uhr: Die linke Rute reißt es trotz eingeschaltetem Freilauf vehement nach unten, die zusammengeklebte Rutenauflage hält genau so gut wie der Kleber an meinen Fingern. Endlich eine gute Barbe die sich in der Strömung austobt. Keschern ist wie oben beschrieben nicht einfach aber nach zwei bis drei Minuten habe ich den Fisch im Griff. Knappe 50 cm ist er lang, das Gewicht schätze ich auf ca. 1,5 kg. Auf der rechten Rute (sie liegt auf gleicher Entfernung stromauf) beißen immer wieder Rotaugen.

     

    9:00 Uhr: Circa 30 Meter stromab wird es lebendig. Eine Plattform wird mit viel Aufwand zusammengebaut und ans Wasser getragen. Tackle wird montiert, Futter angerührt, einer springt immer umher und filmt alles akribisch. Manches mal steht er sogar in Wathose im Wasser und filmt von dort aus. Klar werde ich neugierig und wackel mal dahin. Sie drehen für irgendeine DVD, waren recht wortkarg. Dafür aber mit Aufklebern und Aufnähern von Futterherstellern zugepflastert.

     

    9:30 Uhr: Boardie Meckes hole ich mit meinem Anruf aus dem Bett. Nach drei Sätzen schlägt wieder die linke Rute Alarm. Der Fisch ist gehakt und als ich drillend über die Steinschüttung nach unten klettere sehe ich aus dem Augenwinkel, dass die rechte Rute sich auch heftigst verneigt. Ein echt feister Brassen, goldbronce-farben kommt langsam zum Kescher. Nachdem er eilig versorgt ist nehme ich die andere Rute auf und beginne mit dem Drill. Eine mittlere Barbe bekomme ich bis auf wenige Meter ans Ufer, als der Haken ausschlitzt. Schade.

     

    10:30 Uhr: Es beißen keine Rotaugen mehr, dafür immer wieder mittlere Brassen um die zwanzig Zentimeter. Plötzlich Vollalarm beim Filmteam! Sie haben den ersten Fisch erwischt. Der Bursche in der Wathose klettert wieder ins Wasser um alles ganz genau zu dokumentieren. An Land werden dann immer wieder Videokamera und normale Kamera getauscht.

    Bei mir steigt wieder eine kleine Barbe ein.

     

    11:15 Uhr: Nach mehreren Brassen ist endlich mal wieder eine ordentliche Barbe dran. In Größe und Gewicht liegt sie knapp hinter der 50-er.

     

    12:00 Uhr: Die Beißphase scheint vorbei zu sein. Zwei kleinere Zupfer, die ich jedoch nicht verwerten konnte, ansonsten passiert nichts mehr. Ich fange an einzupacken und freue mich über das Ergebnis. Als ich um kurz vor 13:00 Uhr gehe ist der Kameramann wohl mittlerweile eingeschlafen. Bei dem „Profi" ist nichts mehr passiert.

     

    14:30 Uhr: Sehr zufrieden und völlig entspannt sitze ich frisch geduscht und mit einer großen Tasse Tee auf der Terrasse und erzähle meiner Frau wie ich den „Profi" mit Kamerateam „in Grund und Boden geangelt habe". Selbst wenn man genügend Fisch gefangen hat - irgendwo müssen wir Angler dann doch ein klein wenig übertreiben. Zuspruch von der Frau: „Toll, das freut mich für dich. In den letzten Tagen warst du echt unausgeglichen, das konnte ich mir denken, dass dir ein Tag am Wasser gut tun wird."

     

    14:32 Uhr: Die Realität hat mich wieder. Irgendwo in Deutschland erinnert eine Frau einen stolzen Ehemann an seine todo´s ergänzt mit dem Punkt: Fische versorgen!

     

     

    Bis die Tage

     

    Karsten Zygowski

    (petrikasus)

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