Ausgabe Mai 2012

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    Am Haken: Ein neues Kapitel in der Geschichte Abraniens..

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    Am Haken

    VORSICHT: satirisch, sarkastisch, politisch unkorrekt, überzogen!!

    Wer dies nicht für richtig hält oder meint dies nicht ohne Schaden überstehen zu können, sollte nicht weiterlesen!

    Ein neues Kapitel in der Geschichte Abraniens..

     

    Die Jahre waren ins Land gezogen. Das Königreich Abranien gedieh und blühte auf unter der gütigen Regentschaft seines alten Königs. Auch die kleineren Nachbarstädte existierten weiterhin in scheinbar friedlichem Miteinander.

     

    Anzeige_Zebco_50x250mm_2004.jpgNafrano in der Meeresbucht wurde zwar auch von einzelnen fahrenden Händlern besucht, doch hatten diese schon bald bemerkt, dass nur mit den Meeresfreunden recht einseitiger Handel betrieben wurde, während die Handwerker, Viehzüchter und verschiedene andere Abranier auch verschiedene andere Waren begehrten.

     

    Der Hohe Rat hatte mittlerweile auch genauere Kenntnisse über den Abgelehnten und war schon in Überlegungen getreten, weiter gegen ihn vorzugehen. Doch der Abgelehnte war ihnen zuvor gekommen. Schon immer war es sein Ziel gewesen, eine Insel im Meere zu besitzen, und tatsächlich fand er sie, diese Insel, dessen Herrscher ihn bereitwillig als Bewohner aufnahm, sich wohl versprechend, dass viele Bewohner Nafranos und vielleicht auch der eine oder andere Wanderer zwischen den beiden Meeresdörfern Nafrano und Nafrino oder sogar der eine oder andere Abranier so bessere Kenntnis von ihr erhielten und ihm dort ihre Aufwartung machen würden. Das würde Zölle einbringen, und Umsatz in den Schenken und Herbergen. Im Gegenzug sollte der Abgelehnte die Gäste unterhalten, dann dürfe er auch sein Dorf aus der Ferne regieren, hier von Vrohijan aus, wo der lange Arm des Hohen Rates nicht hinlangte.

     

    Den Bewohnern Nafranos war dies egal. Sie trafen sich in der Dorfschänke zu ihren Gelagen, erfanden Regeln und Ausweispflichten für ihre Bürger, weil sie Angst hatten, dass sich Spione aus Nafrino oder Abranien einschleichen könnten und huldigten in blinder Treue ihrem Herrscher.

     

    Auch in Nafrino war dies keineswegs unbemerkt geblieben, aber der Regierende Magier und seine engsten Berater waren der Streitigkeiten überdrüssig geworden und sehnten sich nach Ruhe und Frieden und der endlosen Weite und Stille des Meeres. Zwar gab es immer mal wieder kleinere Meinungsverschiedenheiten, aber schon bald war man dazu übergegangen, sowohl Nafrano als auch Abranien als Nachbarn zu akzeptieren und anzuerkennen. So ging man in Ruhe seinen Geschäften nach und erwartete nichts voneinander, weder Gutes noch Böses.

     

    Ablenkung verschafften sich alle durch die neueste und populärste Erfindung: Das Momentum Holograficum.

     

    Mit Hilfe eines magischen Instrumentes konnte jeder, der es wollte ein genaues Abbild eines bestimmten Augenblicks erzeugen, das dann sofort in seinen Besitz überging. Dieses Momentum, kurz „MoHo" genannt, konnte man entweder ständig bei sich tragen, oder aber in eines der zahlreichen MoHo-Lager zur Aufbewahrung geben. Wenn man nun in der Schenke saß oder beim Lagerfeuer und so ein MoHo dabei hatte, konnte man es seinen Verwandten und Freunden zeigen. Viele Dinge, die bisher nur in Worten beschrieben worden waren, bekamen durch MoHos eine ganz andere Anschaulichkeit. Besonders praktisch war es auch, dass man MoHos selbst vervielfältigen und so den geflügelten Boten mitgeben konnte, die diese dann bis in die entferntesten Länder brachten.

     

    Doch trieb sich im ganzen Land zwielichtiges Gesindel herum, das sehr schnell den wahren Wert der  MoHoPortie erkannte, denn besonders gute MoHos konnten heimlich vervielfältigt und dann auf den schwarzen Märkten gegen Waren und sogar Münzen eingetauscht werden.

     

    Und so mancher unbescholtene Bürger fand plötzlich ein Abbild eines für ihn besonders erinnerungswerten aber doch äußerst privaten Augenblickes in den Händen Fremder oder sogar an öffentlichen Anschlagplätzen wieder.

     

    Der Hohe Rat tagte und nach vier Tagen und Nächten unentwegter Beratungen war man noch immer zu keiner Einigung gekommen. Die Einen wollten das Vervielfältigen der MoHos grundsätzlich verbieten, die anderen nur das öffentliche zur Schau Stellen und die nächsten wiederum sagten, jeder festgehaltene Augenblick gehöre nur dem, der ihn erlebt hat und der solle ihn auch behalten. Da kein Ergebnis zu erkennen war, zog man die Schriftgelehrten und Magier hinzu, die schon bald eine Idee hatten. Einer der Magier erschuf den MoHomat, ein handliches kleines Ding zum Vorzeigen von MoHos. So musste man nicht alle MoHos bei sich tragen, die man seinen Freunden und Verwandten zeigen wollte, sondern konnte einfach den MoHomat benutzen, um allen ein beliebiges MoHo zu zeigen. Man musste sich lediglich einen kleinen, für jedes MoHo eigenen Zauberspruch merken, den man in den MoHomaten flüstern konnte, damit dieser das MoHo anzeigte, egal wo es sich gerade befand.

     

    So beschloss der Hohe Rat, dass fortan jeder selbst über seine festgehaltenen Augenblicke verfügen dürfe, diese entweder bei sich oder in einem MoHo-Lager unterbringen könne und mit jedem beliebigen MoHomaten auch überall zeigen könne, wenn er dies wolle.

     

    An öffentlichen Anschlagplätzen und Schaustellungen durften nur dann MoHos gezeigt werden, wenn deren Eigentümer erklärt hatte, dass er damit einverstanden war. Jedem Bürger egal welchen Königreiches wurden schwere Strafen angedroht, wenn er dieses Gesetz bräche, und auch jeder König und Regent war von Strafe bedroht, wenn am Anschlagplatz seiner Stadt ein fremdes MoHo zur Schau gestellt würde.

     

    Der alte König Abraniens, der Regent-Magier von Nafrino, ja auch der Abgelehnte für Nafrano und natürlich alle Regenten der vielen Herzog- und Fürstentümer setzten die Gesetze des Hohen Rates alsbald um, legten eigene von ihnen verwaltete MoHo-Lager an und mahnten ihre Bürger zum gesetzestreuen Umgang mit den MoHos. So mancher bis dato unbescholtene Bürger handelte sich teils empfindliche Strafen ein, weil er einfach fremde MoHos rumzeigte.

     

    Alles hätte in Ruhe und friedlicher Koexistenz weiter gehen können, wäre da nicht der Abgelehnte gewesen und seine unbändige Wut über das schlimme Schicksal des Heimatlosen, der statt in Ruhm und Ehre am Throne des Alten Königs von Abranien die Geschicke dieses größten Reiches mit zu lenken, durch seinen Hochmut und seinen Stolz in die Verbannung geraten und sogar vom besseren Teil seines Volkes verlassen worden war und jetzt aus Furcht vor dem Zorn des Hohen Rates sein verbliebenes kleines Völkchen unwerter Nafranos von der fernen Insel Vrohijan im Meere regieren musste.

     

    Eines Tages verirrte sich eine Reisende zwischen den Welten auch ins ferne Nafrano und erzählte Geschichten von fernen Ländern und ihren interessanten Bewohnern. Sie zeigte den Gästen in Nafranos einziger Schänke auch einige der von ihr fest gehaltenen Augenblicke, die sie bei sich trug. Bald schon sprach sich dies rum in Nafrano und viele andere Bewohner und Gäste waren neugierig ob dieser tollen MoHos. Sie brachte diese daher kurzerhand ins MoHo-Lager Nafranos und erlaubte dem Lagerverwalter dort, diese in Nafrano allen zu zeigen.

     

    Schon bald darauf verließ sie das ungastliche Nafrano, um nach Nafrino und Abranien weiter zu reisen. Als sie auch dort ihre Geschichten erzählte, konnte sie sich ja mühelos ihres MoHomaten bedienen, um die schönsten von ihr fest gehaltenen Augenblicke allen zu zeigen.

     

    Hier, wie auch dort scharten sich die Neugierigen um sie, und schon bald verriet sie allen den MoHomaten-Spruch, den jeder in seinen eigenen MoHomaten flüstern konnte, um ihre Augenblicke zu betrachten. Die Leute waren begeistert und hingen stets an ihren Lippen. Als sie in Abranien weilte, ging alsbald die Kunde von ihren fantastischen Reisen und den viele tollen Mohos von Mund zu Ohr und verbreitete sich durch die ganze Stadt. So erhielt auch der König davon Kunde und begab sich in das Gasthaus „Zum Meeresreisenden", wo sie gerade nächtigte. Auch er war dermaßen angetan von ihren Geschichten und Augenblicken, dass er sie bat, sie möge ihm erlauben, diese dem ganzen Volke Abraniens und allen Reisenden schenken zu dürfen. Sie war erfreut ob des Königs Interesse und willigte freudig ein. Schon am nächsten Tag ließ der König ihre Geschichten an das große zentrale Anschlagbrett seines liebsten Marktplatzes beim Palazzo Praxico heften und übernahm auch die von ihr genannten Zaubersprüche für die dortigen Öffentlichen MoHoMaten, damit jeder sich nicht nur an den Worten sondern auch an den Augenblicken erfreuen könne.

     

    Das Interesse in Abranien und auch bei den Reisenden zwischen den Welten war groß, und viele kamen und staunten. Auch der eine oder andere fahrende Händler witterte die Chance, bei so vielen Besuchern bessere Geschäfte machen zu können, und bald schon war diese neue Attraktion weit über die Grenzen Abraniens hinaus bekannt.

     

    Wie immer, wenn Abranien oder auch Nafrino von sich reden machte und dies, von den Boten verkündet, durch die Länder hallte, überkam den Abgelehnten seine unbändige innere Wut und sein Hass auf die fremden Erfolge, von denen er und sein kümmerliches Dorf doch so weit entfernt waren. Doch wie so oft war da auch noch seine Neugier. Und so schlich er gut getarnt durch die stets offenen Tore Abraniens zum Palazzo Praxico, um selbst diese wundersamen MoHos zu betrachten. Doch plötzlich erkannte er eines der MoHos wieder, denn häufig, wenn er vor Unzufriedenheit und innerer Unruhe nicht schlafen konnte, war er in das MoHo-Lager Nafranos gegangen, um sich an den vielen schönen fremden Augenblicken zu erfreuen, hatte er selbst doch kaum noch eigene. Da blitzte es in seinen Augen und er fasste einen teuflischen Plan.

     

    So schnell der Wind ihn trug, reiste er zurück nach Nafrano und ging direkten Wegs in das MoHo-Lager. MoHoMagie war ja keine Fremdwissenschaft für ihn und mit MoHo-Zaubern kannte er sich aus. Alsbald fand er die fest gehaltenen Augenblicke der Reisenden. Auch er hatte zu Testzwecken ja hier den einen oder anderen alten Augenblick von sich gelagert. Mit Hilfe seiner MohoMagiekenntnisse entwendete er den Schutzzauberspruch eines der MoHos der Reisenden. Im Nu war dieses auch auf allen MoHoMaten im ganzen Land unsichtbar. Dann setzte er genau diesen Schutzzauberspruch auf einen hässlichen alten Augenblick, den er selbst festgehalten hatte. Da es Nacht war im Lande, die Schänken geschlossen und kaum ein anständiger Bürger sich an den öffentlichen Anschlagplätzen aufhielt, bemerkte weder in Nafrino noch in Abranien jemand, dass die MohoMaten jetzt plötzlich einen ganz anderen Augenblick anzeigten, als den der Reisenden.

     

    Mit einem hämischen und hinterlistigen Grinsen sank der Abgelehnte in seine Kissen, denn am nächsten Tag stand der zweite Teil seines Planes an. Kaum dass der Morgen graute und er erwacht war, begab er sich auf die Reise zum Hohen Rat, um sich dort Gehör zu verschaffen.

     

    „Oh hört, Ihr Weisen und Gerechten, welch Freveltat der Alte König Abraniens begangen hat. Hattet Ihr nicht verfügt, dass jeder selbst bestimmen möge, was mit seinen fest gehaltenen Augenblicken geschehen solle? Doch der Alte König selbst hat mir den Zauberspruch für eines meiner liebsten MoHos gestohlen und zeigt dies nun in aller Öffentlichkeit an seinem Palazzo Praxico!" - „Hört, hört!", antwortete der Sprecher des Hohen Rates. „So lasset uns erfahren, was er zu seiner Verteidigung vorzubringen habe."

     

    Der Hohe Rat sandte einen Boten an den Alten König, der entsetzt aufstöhnte, als er diese Nachricht las. Er hatte doch nichts Unrechtes getan. Sofort entfernte er den Mohomaten am Palazzo Praxico und rief seine engsten Berater zu sich. Als alle im Beratungssaal Platz genommen hatten, drang eine Frauenstimme an ihr Ohr, die offensichtlich um Einlass bat. Der Alte König erkannte die Reisende und hieß sie, zu ihm zu kommen, wo er sie befragte. Sie war sofort bereit, ihm zu bestätigen, dass sie ihm das Recht erteilt hatte, ihre schönsten Augenblicke öffentlich zur Schau zu stellen.

     

    Sofort schickte der König seine Boten aus. Den einen sandte er nach Nafrino, denn auch wenn man selbst untereinander keinen großartigen Kontakt hatte, so war es ein Gebot der Fairness, die kleine Nachbarstadt vor den Machenschaften des Abgelehnten zu warnen, denn man wusste ja nie, zu welchen Schandtaten dieser noch bereit war. Der andere überbrachte dem Hohen Rat nicht nur seine Stellungnahme zu den haltlosen Vorwürfen, sondern auch den Beweis, mit welcher schändlichen Hinterlist der Abgelehnte versucht hatte, den Hohen Rat zu täuschen, um seine niederen Rachegelüste zu befriedigen. Doch auch ein dritter Bote war unterwegs, denn die Reisende war sehr erbost, als ihr klar wurde, dass der Abgelehnte einfach ihren Schutzzauber entfernt hatte.

     

    Auch in Nafrino wurde Entrüstung laut. War man zum einen doch froh, dass die blinde Rachlust des Abgelehnten, sich zuerst gegen Abranien gerichtet hatte, so ahnte man schnell, wie leicht es ihm gewesen wäre, auch Nafrino beim Hohen Rat anzuschwärzen. Die fahrenden Reisenden meiden Nafrano immer mehr, wenn es nicht unbedingt auf ihrem Weg liegt. Auch viele fahrende Händler haben sich schon gefragt, ob es sich wirklich noch mit ihrem guten Ruf vereinbaren lässt, Geschäfte in einer Stadt zu machen, die einen Regenten mit derartig hinterlistigen Absichten hat. Dabei könnten doch alle so prima und friedlich nebeneinander existieren.

     

    Und der Hohe Rat weiß zwar, dass er einen langen Arm hat, aber bis in die Meerlande reicht er nicht und schon gar nicht bis nach Vrohijan. 

     

    Euer Kay Hai

     

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