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Ausgabe Januar 2018

An manchen Tagen fängt man nichts...

An manchen Tagen fängt man nichts...

 

Es ist nach Zwei, als wir über die Talsperre gleiten. Das Wetter ist okay, das anzeige_zebco_50x50_2004.jpggeliehene Ruderboot fährt sich gut. Schlag um Schlag führe ich uns über das glitzernde Wasser. Der Herbst kommt schleichend, aber sicher. Mein Angelpartner zieht seine Jacke zu.

„Heute ist es schwierig. Wir hatten erst einen Hecht, so um die 60ig und einen kleinen Barsch. Ist aber auch allgemein sehr schwer, im Moment", hatte uns Dominik beim slippen des Bootes aufgeklärt. Zwar hatten wir am Vormittag beim Tauchen in der Listertalsperre auch schon keine Flossenträger zu Gesicht bekommen, doch auf dem Wasser könnte sich das doch ruhig anders gestalten - hatte ich gedacht. Doch Dominiks Aussage hatte schon beim Start unserer Angeltour meinen Optimismus getrübt.

Egal, immer weiter machen ist die Devise. Schließlich deutet sich Widerstand an meiner Schlepprute an, sie schlägt aus. Irgendwas hängt.

„Fisch?"

„Neee, das kann nur Müll sein", erwidere ich.

Kurz darauf hebe ich einen schwarzen Badelatschen aus dem Wasser.

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 „Der passt doch zu dem weißen Latschen, denn wir heute morgen am Grund bestaunt haben", lacht mein Angelpartner mir entgegen.

Wir kreuzen jetzt Dominik, der noch mit seinem Sohnemann unterwegs ist.

„Wir haben noch einen gefangen", ruft er herüber, „aber leider kein Großer". 

Offensichtlich beißt noch was. Vielleicht könnte es doch noch klappen, schließlich ist die Listertalsperre ja auch voll mit Hechten. Wir drehen  also noch ein paar Runden. Ich teste die verschiedensten Schleppköder. Doch leider bleiben alle Bemühungen ohne Erfolg. Nun ja, denke ich mir, was soll's. An manchen Tagen fängt man eben nichts.

 

 

...und an manchen Tagen fangen die Anderen

 

Neues Spiel neues Glück. So denke ich, als ich Sebastian am Wameler Vorbecken begrüße. Das Becken ist durch einen Überlauf mit der Möhnetalsperre verbunden.

„Na alles frisch?", werde ich begrüßt.

„Ja. Voll motiviert bis in die Spitzen!", antworte ich.

Sebastian grinst und meint: „Wo liegt denn das Boot?"

Kurz darauf betreten wir den Strandhof und suchen den Besitzer. Er hatte uns telefonisch sein Mietboot angeboten. Schließlich finden wir den guten Mann. Er führt uns auch ummittelbar zum Boot und wünscht uns viel Erfolg. Kann ich gebrauchen.

Der Wind bläst uns entgegen. Ruderschlag für Ruderschlag  kämpfe ich uns quer über den See. Sebastian hat bereits mein mitgebrachtes Echolot montiert. Wir nutzen es zum ersten Mal. Leider hatte ich vergessen die Batterie zu laden. Dennoch hat es glücklicherweise genug Saft, es läuft und zeigt 3 Meter Tiefe.

„Sollen wir erst mal auf die andere Seite schleppen und dann vor der Betonwand da drüben ein paar Würfe wagen?"

„Ja gut. Lass uns das machen. Danach können wir uns dann zum Damm hocharbeiten", vervollständige ich den vorläufigen Angelplan. Als Gastangler ist das ja nie so einfach. Da sucht man immer wieder aufs neue. Dazu kommt, dass wir beide heute zum ersten mal auf dem Vorbecken der Möhnetalsperre unterwegs sind. Der Bestand an Zandern ist hier sehr gut und wird nachhaltig vom Ruhrverband mit Besatz gestützt. Das hat uns Neugierig auf dieses Gewässer gemacht. Was uns sofort auffällt: Das Wasser ist sehr trüb. Der See ist relativ flach, der Nährstoffgehalt ist hier noch höher als in der Möhnetalsperre. Das sagt Zandern und auch Karpfen besonders zu. 

Wir erreichen jetzt unseren ersten Spot und holen die Schleppköder ein. Ich greife zur Ankerwinde, quietschend lasse ich den Anker über die Winde zum Grund. Sebastian entscheidet sich, sein Glück mit einem kleinen Gummifisch zu versuchen. Ich dagegen greife zu einem Wobbler. So können wir im gemeinsam testen, was heute gegebenenfalls schneller Fisch bringt.

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Das Geräusch von beschleunigten Kurbelumdrehungen lässt mich aufschrecken. Ich blicke zur Seite.

„Haste einen?"

„Ja!"

„Wunderbar!", freue ich mich als Sebastian kurz darauf den ersten Barsch des Tages ins Boot hebt. Wenig später krümmt sich seine Rute erneut.

„Der ist stärker. Hoffentlich ein Barsch!"

Doch im Wasser zu unseren Füßen schlägt ein kleiner Hecht wütend mit seiner Schwanzflosse. Die Landung gelingt. Wir freuen uns über den halbstarken Esox und ich meine: „Jetzt musst Du noch einen Zander fangen. Dann ist der Hattrick perfekt".

„Aber vorher bist Du noch an der Reihe. Fang mal was", witzelt er.

 

„Hängt!"

 

Wir wechseln die Angelstelle. Vor einem verdächtig nach Raubfisch riechenden, ins Wasser hängenden Baum ankern wir. Sebastian bleibt bei kleinen, Gummifischen und wirft das Geäst auf der Suche nach Barschen an. Ich versuche mein Glück mit Wobblern auf Hecht am vermuteten Ende des Baumes.

„Hängt!", ruft mein Bootspartner. Er kurbelt jetzt Barsch auf Barsch aus dem Geäst. Also entschließe auch ich mich auf kleinere Köder umzusteigen. Ich werfe die linke Totholzflanke an. Der Gummifisch trudelt zum Grund. Jetzt lupfe ich ihn an. Da, plötzlich, ein Zupfer. Doch der Fisch bleibt nicht hängen. Auch die Würfe darauf sind erfolglos. Offenbar sind die Barsche weitergezogen und haben verdacht geschöpft.

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Auch wir ziehen also weiter. Mittlerweile ist es schon tiefer Nachmittag. Gemächlich, aber bestimmt drückt der Bug unseres Bootes gegen die Wellen. Ich spüre den Wasserdruck wie eine Wand, die es immer wieder zu durchbrechen gilt, in meinem Rücken. Links und Rechts liegen die Schleppruten aus.

„Ey, da vorne raubt einer!", ruft Sebastian und deutet ans Ufer.

Vor einem Saum aus Wasserpflanzen will er einen Raubfisch das Wasser schaumig schlagen gesehnen haben.

„Nichts, wie hin! Los, hol deinen Wobbler ein und schmeiß hin. Ich rudere rüber!", bestimme ich.

„Alles klar."

Wenig später fliegt Sebastians Firetiger-Wobbler Richtung Wasserpflanzen.

„Mist!", flucht mein Bootspartner: „Könnte schwören, er hat grade zugepackt."

Leider lässt sich der vermeidliche Räuber danach nicht mehr Blicken.

 

Ein schöner Hecht durchbricht die Wasseroberfläche

 

Wir ziehen weiter. Der Wind ist wieder aufgefrischt. Die Wolken ziehen schneller und bilden bizarre Formationen über unseren Köpfen.

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Mittlerweile haben wir das Ende des Vorbeckens erreicht. Auf der anderen Seite, hinter dem Damm liegt die eigentliche Talsperre. Wir entschließen uns ein weiteres mal zu ankern. Sebastian wirft jetzt einen mittelgroßen Gummifisch in die dunklen Fluten. Mit seiner „Angelgerte" zupft er den Kunstköder über den Grund. Ich wende mich grade ab um selber auszuwerfen. Da, ganz plötzlich: Hecktische Bewegungen am Rande meines Gesichtsfelds. Sebastians Rute ist krumm!

Ich blick zu ihm rüber und will wissen: „Fisch?"

„Ja! Geil!"

Ich greife zur Kamera um ein paar Schnappschüsse festzuhalten. Deutlich zuckt die helle Angelschnur wild nach links und rechts. Es dauert ein paar Fluchten, dann durchbricht ein schöner Hecht die Wasseroberfläche.

„Jaaaaaaa", ruft Sebastian, als er mir den Esox nach geglückter Landung entgegen hält: „Heute ist ja ein richtiger Beißtag!"

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Nach diesem tollen Erfolg arbeiten wir uns ankernderweise von Stelle zur Stelle. Mittlerweile bin auch ich komplett auf Gummifisch am Jighaken umgestiegen. Vielleicht bekomme ich ja auch noch meine lang ersehnte Chance.

 „Schau mal, da drüben spritzen Fische aus dem Wasser", sagt mein Bootspartner und schlenzt seinen kleinen Gufi in Richtung der Wasserringe. Er ist grade auf seine Barschrute umgestiegen. Das nächste was ich höre, ist das knattern der Rollenbremse. Etwas zerrt vehement an Sebastians Leine.

„Hey, der zieht aber ganz schön ab!", meine ich.

Sebastian beklagt sich schon über schmerzende Schultern, als er den Fisch versucht nach oben zu dirigieren.

„Man wird nicht jünger", ärgere ich meinen Angelpartner, als ich ihn im Drill fotografiere. Der Fisch schlägt sich wacker am leichten Geschirr. Schließlich taucht der Esox auf und zeigt seine Flanke. Sebastian freut sich wie ein Schneekönig als den Fisch in seinen Händen hält.

Meine Bemühungen, endlich einen Flossenträger aus dem Vorbecken zu locken, bleiben allerdings weiterhin umsonst. Die Bisse sind heute irgendwie nicht normalverteilt...

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Loch Ness

 

Am Ufer tauchen jetzt einige Karpfenangler auf. Sie montieren grade ihre Rodpots.

„Ey, Alter was war den DAS?", ruft Sebastian.

Keine 20 Meter von uns entfernt hatte ein riesiger, dunkler Buckel die Wasseroberfläche durchbrochen.

Ich hab es auch gesehen und meine: „Das war ein Karpfen. Ein Monsterkarpfen!"

„Ne, das war ein Hecht!"

„Nein, glaub mir das war ein Karpfen!"

Da wir uns weder einigen können, was wir denn da gesehen haben, noch das vermeidliche Monster ein weiteres Mal aufgetaucht, einigen wir uns auf Loch Ness. Im Wameler Becken schwimmen jedenfalls ganz offensichtlich wirkliche Kracher herum. Der Fisch war mindestens einen gefühlten Meter lang.

Langsam aber sicher sinkt die Sonne immer tiefer. Ein paar richtig dunkle Wolken ziehen jetzt über unsere Köpfe, als ich meinen sichtlich zufriedenen Bootspartner beim mümmeln seiner Stulle fotografiere. Mir hingegen schieben sich ebenfalls dunkle Wolken in die Gedanken. Sie manifestieren sich in der Erkenntnis: An manchen Tagen fangen die Anderen. Petri Heil!

 

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Kurzinfo:

·        Das Wameler Vorbecken liegt direkt an der Möhnetalsperre, südlich von Soest.

·        Die Tageskarte kostet 6 €, die Jahreskarte für Erwachsene 60 € und für Jugendliche 30 € (Die Angelkarten gelten für die gesamte Möhnetalsperre inkl. Vorbecken).

·        Mehr Informationen unter: www.ruhrverband.de/sport-freizeit/angeln/moehnetalsperre

 

Clemens Strehl

Kommentare 

 
0 #1 bacalo 2010-11-15 12:27
Vielen Dank für den Bericht, ´s nächste mal fährst du mit einem Anderen hinaus, damit der Andere auch diese Erfahrung machen kann:-).
 
 
0 #2 Raubfischzahn 2010-11-23 20:41
Schöner bebilderter Bericht.Macht Spaß zu lesen!
 


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