Vertikal genial!
Vertikal genial!

Wenn es darum geht in der kalten Jahreszeit an großen Seen Zander zu fangen, ist das Vertikalangeln oftmals das beste Mittel um die trägen Stachelritter aus der Reserve zu locken.
Die Vorteile dieser Methode im Vergleich zum Wurfangeln bestehen
darin, dass der Köder über lange Zeit im fängigen Bereich gehalten werden kann
und dabei eine sehr langsame Führung möglich ist. Bei niedrigen
Wassertemperaturen stehen die Zander oft in dichten Trupps an den tiefsten
Stellen des Sees und liegen passiv am Grund. Ein per Wurfrute gejiggter oder
gefaulenzter Köder verlässt den „heißen“ Bereich dann meistens zu schnell und da
die wintermüden Zander selten gewillt sind, den Verführer über längere Strecken
zu verfolgen, bleibt der Biss meistens aus. Der vertikal angebotene Köder kann
hingegen dauerhaft im Bereich des Zanderschwarms präsentiert werden und so
mancher Fisch schlägt zu, wenn die vermeintliche Beute immer wieder vor seinem
Maul entlang hüpft.Neben einem Boot mit Elektro-Motor, ist ein Echolot für diese Angeltechnik nahezu unerlässlich. Es dient dazu die tiefen Stellen und Kanten ausfindig zu machen und wenn dort auf dem Bildschirm Sicheln in Grundnähe angezeigt werden, kann man relativ sicher sein, dass es sich hierbei um Zander handelt.
Sind die Zander ausfindig gemacht, gibt es verschiedene Möglichkeiten diese effektiv vertikal zu beangeln. Hierbei ist die Stärke des Windes ein ausschlaggebender Faktor. Stehen die Fische sehr partiell, muss man insbesondere bei lebhaftem Wind per Elektromotor immer wieder das Boot über den Zanderschwarm steuern. Das erfordert Übung, wird mit etwas Training aber jedem gelingen. Sind die Fische hingegen großflächiger verteilt, reicht es in der Regel aus, das Boot mit einem Driftsack abzustoppen. Hierbei muss es sich nicht um ein relativ teures Fabrikat der Angelgeräteindustrie handeln. Gerade für kleinere Boote ist ein per Seil befestigter Ikea-Beutel völlig ausreichend. Bei schwachem Wind sind meistens weder der Einsatz eine Driftsackes noch die Steuerung per Motor notwendig. Man kann sich einfach treiben lassen und angeln. An windstillen Tagen sind gelegentliche kurze Anschübe durch den Motor notwendig, denn ein punktgenau auf einer Stelle angebotener Köder bringt nur selten Erfolg. Eine gemächliche Bewegung ist schon von Nöten.
Egal wie man das Boot bewegt oder bewegen lässt, ist die Köderführung relativ gleich. Zunächst lässt man seinen Köder an gestraffter Schnur zum Grund ab und braucht dann kaum noch etwas tun. Durch die Bewegung des Bootes hebt der Köder meist von ganz allein immer wieder leicht vom Gewässergrund ab. Es reicht aus, die Rutenspitze um 5 bis 10 cm nach oben zu zupfen, sobald der Köder wieder auf den Grund auftippt. Dieses Auftippen sollte allerdings regelmäßig erfolgen und für den Angler auch deutlich spürbar sein. Merkt man diesen häufigen Grundkontakt nicht, so ist davon auszugehen, dass der Köder deutlich über dem Gewässerboden schwebt und sich somit außerhalb des Blickfeldes der Zander bewegt. Das kann zwei Ursachen haben. Entweder überdriftet das Boot gerade eine etwas tiefere Stelle, was man mit dem ständigen Blick aufs Echolot aber genau nachvollziehen kann. In diesem Fall muss mehr Schnur gegeben werden. Im umgekehrten Fall ist es logischerweise notwendig etwas Schnur aufzukurbeln, damit der Köder nicht nur über den Grund schleift. Es kann aber auch sein, dass der Bleikopf zu leicht ist und durch die Bootsdrift nicht regelmäßig den Grund erreicht. Für Einsteiger ins Vertikalangeln ist es ratsam im Zweifelsfall lieber einen Tick zu schwer, als zu leicht zu fischen.
Das Gerät fürs Vertikalangeln muss nicht hochspeziell sein, sollte aber ein paar Anforderungen erfüllen. Eine relativ kurze Rute von etwa 2 Meter Länge lässt einen wesentlich direkteren Köderkontakt und eine bessere Registrierung der Bisse zu, als ein längerer Stock. Der Handel bietet inzwischen viele spezielle Vertikalruten an. Die Rute sollte relativ hart sein und eine Spitzenaktion besitzen. Ob Stationärrolle oder Baitcaster ist zwar Geschmackssache, jedoch finde ich persönlich letztere Form wesentlich angenehmer, gerade was das Ablassen und Nachkorrigieren der Schnurlänge angeht. Die Schnur selbst sollte tendenziell dünner sein als beim Wurfangeln. Da der Hauptzielfisch Zander ohnehin kein großer Kämpfer ist, reicht eine Geflochtene mit ca. 5 kg Tragkraft völlig aus. Also Vorfachmaterial ist Fluorocarbon gut geeignet.
Als Köder kommt in erster Linie Gummi in Frage. Prinzipiell kann jeder Shad, der auch beim Wurfangeln fängt, auch vertikal eingesetzt werden. Trotzdem sind schlanke Gummis mit wenig oder keiner Aktion meistens im Vorteil. Gut geeignet sind zum Beispiel der Fin-S-Fish (Lunker City), der Octo Tail (Rozemeijer), die Stinte und Aidos (MB-Fishing) und noch diverse andere Shads in ähnlichen Formen. Was am besten funktioniert muss man für sein Gewässer selbst herausfinden. Unabhängig vom Köder ist es sinnvoll eine Montage mit kurzem Jighaken (Größe 2/0 bis 3/0) und Zusatzdrilling zu verwenden. Die Bisse erfolgen beim Vertikalangeln oft viel verhaltener als beim Werfen, so dass es ohne Zusatzdrilling Fehlbisse hagelt. Als Jigköpfe sind runde Modelle oder die Footballform empfehlenswert. Was die Köderfarbe angeht, gilt es sich an der Wassertrübung zu orientieren. Bei recht klarem Wasser benutze ich gerne brauntöne. Hat der See hingegen eine Sichttiefe von weniger als einem Meter, sind an bewölkten Tagen Grüntöne eine gute Wahl, bei sonnigem Wetter fängt in diesem Fall weiß sehr gut.
Außerdem besteht auch die Alternative mit kleinen, toten Köderfischen vertikal zu angeln. Hierzu bietet der Fachhandel spezielle Fireball-Jigs an. Diese haben einen extrem kurzen Haken, welcher sich gut im Kopf des Fischchens verankern lässt. Außerdem ist eine zusätzliche Öse zu Anbringung eines Kurzvorfaches mit Zusatzdrilling vorhanden.
Eine Bitte noch: So erfolgreich das Vertikalangeln auch ist, so groß kann auch der Schaden sein, den man damit anrichten kann. Es sollte jedem Angler daran gelegen sein, die tollen Bestände in unseren Gewässern zu erhalten und nicht sinnlos Fische zu verangeln. Aus diesem Grund gilt es, sich bei der Wahl der Gewässertiefe zu disziplinieren. Bei Tiefen von 15 Meter oder mehr, ist das Risiko sehr hoch, dass gefangenen Zander nach dem Hochdrillen an Trommelsucht zu Grunde gehen. Die Anzeichen dafür sind eine aus dem Maul gedrückte Schwimmblase und hervortretende Augen. Solche Fische sollte man abschlagen, da sie höchstwahrscheinlich nach dem Zurücksetzen sterben. Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich daraufhin eine etwas flachere Stelle zu suchen.
Veit Wilde
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Kommentare
Alex etwas fischkunde were net schlecht oder????
allen dickes petri!
gruß Alex
Der verantwortungsb ewusste C+R'ler angelt in der kalten Jahreszeit nicht unter 8m (auch wenn dadurch die Fangmenge ggf. niedriger ausfällt)!
Gruß
@ Lars: Bevor man Bellt sollte man schon ein bissel Ahnung haben! Es ist 100% der Magensack, der bei zu tief geangelten Zander rausquillt!
Ändere es doch einfach ab, Veit!!