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Ausgabe Januar 2018

Zahlenspiele: VdSF versus Anglerboard

Zahlenspiele: VdSF versus Anglerboard


Wie viele Angler gibt es denn nun in Deutschland eigentlich?
Welches sind die "richtigen" Zahlen, die auch "richtig" erhoben wurden?

Eine Frage, die man sich durchaus stellen muss und kann.

Warum wir dies hier "verarbeiten"?

Das liegt an der Antwort des VdSF -Präsidenten Mohnert auf unsere Fragen zur Fusion der Bundesverbände:
Antworten auf unseren offenen Brief an die Verbände

Dort hat er mir - zu Recht! - unterstellt, meine genannte Zahl von ca. 5 Millionen am Angeln Interessierter sei nicht die einzig relevante.

Ich behaupte aber , dass auch die von Herrn Mohnert genannten Zahlen nicht die "einzig relevanten" sind.

Wenn man Zahlen und Statistiken bemüht, macht man dies ja immer aus einem Kalkül heraus.

Das gebe ich für mich zu und behaupte dies aber auch von Herrn Mohnert, der eben für den VdSF andere Zahlen heranzieht.

Würde ich die Interessen der Angler (insgesamt) vertreten, würde ich die Zahl verwenden, welche die höchste Zahl aus den Umfragen/Erhebungen ist. Das ist dann auch die, welche ich verwende (5,02 Millionen am Angeln grundsätzlich Interessierte, laut Institut Allensbach, Werbeträgerumfrage).

Arlinghaus dagegen splittet die Zahl in seiner Unterschung mitt einer anderen Erhebungsweise auf in:
3,365 Mio. aktive Angler (einmal mindestens im Jahr los gewesen) und 0,519 Mio. inaktiver , was dann ca. 3,8 Mio. Angler ergibt.

Und dann gibts noch die Zahl von ca. 1,6 - 1,8 Mio. ausgegeben Fischereischeinen/Erlaubniskarten.

Dass die Verbände da eher zu den niedrigeren Zahlen tendieren ist klar und auch ganz einfach zu erklären:
Je "höher" der Organisationsgrad, desto "wichtiger" ein Verband.

Resultierend aus oben genannten Zahlen und den ca. 900.000 in den Verbänden organisierten Anglern ergibt sich da folgender "Organisationsgrad" für die einzelnen Zahlen:
> Allensbachzahl: Organisationsgrad nur knapp 20%

> Arlingauszahl: Organisationsgrad immerhin schon um die 25%

> Ausgestellten Scheine: Organisationsgrad schon 50%

Wer also eh davon ausgeht, nur etwas für organisierte Angler tun zu wollen, wird dann die niedrigstmögliche Anglerzahl verwenden um einen möglichst hohen Organisationsgrad vorweisen (vortäuschen?) zu können und damit die "Wichtigkeit" der Verbände für "die (richtigen?) Angler" darzustellen.

Das zeigt die Antwort von Herrn Mohnert ja auch ganz deutlich:
Zitat:
Unabhängig von der mündlichen Befragung einer Reihe von Bundesbürgern, die Herrn Prof. Dr. Arlinghaus bei seinen Erhebungen geantwortet haben und daraus etwa 3,7 Mio. Angler hochgerechnet worden sind, Sie sprechen in der Zwischenzeit sogar von „knapp 5 Millionen Menschen, die sich selbst als Angler sehen“, halten wir uns lieber an belastbare Zahlen. Eine unumstößliche Tatsache ist, dass entsprechend der belastbaren Angaben der einzelnen Bundesländer in Deutschland etwa 1,75 Mio. gültige Fischereischeine existieren.

Diese Zahl korreliert sehr deutlich mit der ebenfalls unbestrittenen Tatsache, dass in den einzelnen Bundesländern etwa 50% der Fischereischeininhaber in Vereinen organisiert sind, 50% aber nicht. Das schwankt in einigen Bundesländern um bis zu 8%, der statistische Mittelwert ist gesichert.

Wer etwas positiv für die Angler insgesamt erreichen möchte, wird aber dagegen die höchste Zahl der am Angeln Interessierten verwenden, um deren Präsenz und Wichtigkeit in der Gesellschaft zu dokumentieren, ebenso wie das Wählerpotential, dass die Angler und ihre Familien darstellen könn(t)en..

Und genau deswegen ziehe ich die Allensbachzahl heran.

Denn genau diese Differenz, die ja auch Herr Mohnert anspricht, zeigt zum einen das eigentliche "gesellschaftliche Machtpotential", das Angler haben könnten, würde man nicht nur von der recht geringen Zahl orgnisierter Angler oder Scheininhaber ausgehen..

Zum anderen zeigt das eben auch klar und deutlich, dass die Hürden in vielen Bundesländern zur Erlangung eines Fischereisscheines schlicht zu hoch und bürokratisch sind.

Wäre dies anders, würden auch viel mehr Menschen in Deutschland angeln gehen, daraus resultierend mehr in Vereine und auch Verbände gehen.

Da aber gerade die Verbände oft leider eher besitzstandswahrend als angelpolitisch strategisch vernünftig denkend arbeiten, sehen die das eben anders.

Und profilieren sich lieber mit einem hohen Organisationsgrad (Herr Mohnert nennt ja nicht umsonst die 50% Organisationsgrad bei "Scheininhabern" als Zahl - jeder andere ist ja für ihn keine Angler...)

Das darf er und er hat mit seinen Zahlen auch recht.


Aber wird dürfen und werden auch weiterhin behaupten, dass Politik und auch gerade Verbände es falsch sehen, wenn nur der Scheininhaber als am Angeln Interessierter gesehen wird.

Will man Besitzstände für seine Mitglieder (im Veband) wahren und daher die Zahl der Angler begrenzen oder ist als Poilitiker daran interessiert, den Anglern nicht zu viel gesellschaftliche Macht und Relevanz zukommen zu lassen, dann mag dies der richtige Weg sein.

Wir haben da eine klar andere Vorstellung und wollen weiterhin für ALLE, die am Angeln interesiert sind, schreiben, informieren und kämpfen.

Thomas Finkbeiner

Kommentare 

 
0 #1 Arnd HeiderFreier Angler 2010-11-05 11:23
Ich finde es sehr interessant und unterstütze als freier Angler durchaus ihre Argumentation bezgl. der einzelnen Verbände.
Ich bin auch der Meinung, dass die Verbände nur Ihre eigenen Mitglieder im Auge haben, egal wie die Zahlen sich in Wirklichkeit gestalten Fakt ist dass die Verbände zu wenig Angler vertreten und die Interessen der restlichen unonorganisiert en Angler, hier immerhin fast 50 % unter den Tisch fallen.
Bezüglich der Hürden durch die Angelgesetze hier speziell die Prüfungen zur Fischerei Erlaubniss muss ich Ihnen widersprechen.
Nicht die Prüfungen sind dass Problem, sondern die immer verrückter werdenden Satzungen der Einzelnen Vereine, die immer mehr das Ziel haben eine Auslese zu treffen und normale Angler von den Gewässern fernzuhalten und den Angelsport einer nur noch einer priviligierten Klientel zugänglich zu machen.Da werden immense finanziellle und weitere Hürden wie Bürgschaften, Probezeiten ohne Kostenrückersta ttung aufgebaut.
Aufnahmegebühre n die mit allen anderen verbundenen Kosten über die 500 Euro und an die 1000 Euro reichen, sind im Süden der Republik keine Einzelfälle mehr . Ebenso, dass diese Vereine durch keine oder nur sehr begrenzte Gastkarten Verkäufe weitere Angler von den Gewässern fernhalten.
Diese Probleme sehe ich als viel höher an als die Prüfungsvorschr iften.
Ich komme aus Baden Württemberg wo die Prüfungsvorschr iften neben anderen Bundesländern zu den strengsten gehören ( Teilnahmepflich t an Kursen, vorgeschr. Stundenzahl der Kursteilnahme usw. ) wir hatten bei der Prüfung einen sehr guten Schnitt an bestandenen Prüfungen und auch die Teilnehmer die nicht in Deutschland geboren wurden hatten eine fast 100% Erfolgsquote. Dies kann also nicht das Problem sein, zumal ein verantwortungsv oller Umgang mit Fischen, Flora und Fauna am Wasser usw. doch durchaus im Sinne aller Angler und Naturliebhaber sein dürfte.
Mfg
A:Heider
 


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