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Ausgabe November 2017

Der Uropa zu Besuch - vom Forellenangeln

 Der Uropa zu Besuch - vom Forellenangeln

 


Im Herbst heißt es für viele Fischarten nochmal richtig zulangen - der entbehrungsreiche Winter naht! Als Angler dürfen wir jetzt an vielen Gewässern die wohl die beste Zeit des Jahres erleben.

anzeige geoff-anderson 50x5Egal ob Hechtangler, Karpfenangler und Barschangler sie alle zieht es jetzt raus ans Gewässer. Auch ich liebe den Herbst.

Wenn die Bäume und Gräser ihre ganze Farbenpracht entfalten, und man oftmals noch den letzten angenehm warmen Tage erleben darf hält es mich nicht zu Hause. Ich muss raus ans Wasser!
Doch nicht nur die beeindruckende Natur im Herbst lockt mich.

Nach den heißen Sommermonaten sind jetzt an den Bächen und Flüssen fast immer niedrige Wasserstände garantiert!

Gerade am Bach ist das für mich die Top Zeit für dicke Fische.

Denn besonders Äschen und Forellen gehen jetzt in kapitalen Größen an die Angel.

So kam es auch, dass ich zum ersten Mal in diesem Jahr bei echten Top-Bedingungen, also geriner Wasserstand mit klarem Wasser, an meinen Bach konnte.

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Ich hatte mir vorgenommen rund 2 Kilometer des Bachlaufs relativ zügig zu befischen und nur an den Hot Spots für kurze Stops anzuhalten. Mehrstündige Aufenthalte an einer Stelle sind am Bach meistens nicht gefragt - alleine durch mehrfaches auswerfen des Köders verschreckt man die Fische.

Am Wasser angekommen sah man bereits das erste Laub fallen, aber zum Glück war es noch so wenig, dass es dem Spinfischen nicht im Wege stand.

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An den ersten Stellen war der Erfolg durchaus sehr ernüchternd, was aber noch viel schlimmer war:

Ich sah eine schwarze Bachforelle.

Für die die damit nichts anfangen können:
Schwarze Bachforellen treten im Süden der Bundesrepublik im Spätsommer bis zum Herbst auf. Diese Forellen erblinden und färben sich auf Grund der fehlenden Sehkraft und somit Anpassungsfähigkeit mit der Zeit schwarz und sterben danach.

Leider ist dieses Phänomen bis dato relativ unerforscht und man kann dieser „Krankheit“ , die bis zu 90% des Bestandes kosten kann, nicht wirklich entgegenwirken,.

Mit leicht getrübter Miene marschierte ich zum nächsten Platz weiter und servierte den Forellenzopf an einem weit ausgespülten Baum unter dem sich mittlerweile ein Gumpen von über 1m Tiefe gebildet hat. Wenn hier keine hockt, dann nirgends dachte ich mir.

Als ich den Köder heraus aus dem Gumpen, wieder ins flache Wasser zog erspähte ich ein hervorhuschen eines gewaltigen Schattens. Zu spät - ich hatte den Köder schon wieder vor den Füßen.


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Den nächsten Wurf servierte ich etwas oberhalb des Gumpens und lies den Zopf in kurzen Sprüngen über den Kies hüpfen. Die Strömung sorgte dafür, dass der Köder dann ganz natürlich in den Gumpen hineintauchte.

Plötzlich ein typischer Hänger. Da ich es aber vom Huchenfischen gewohnt bin jeden Hänger mit einem Anhieb zu quittieren tat ich das dem gewohnten Automatismus folgend auch hier. Und dann wurde schnell klar, dass das kein Hänger ist - sondern einer der Uropas des Gewässers zugepackt hat.

Der stattliche Milchner nahm zügig Fahrt auf und versuchte immer wieder unter seinen ausgespülten Baum zu flüchten und sich mit wilden Kopfschlägen vom Haken zu befreien.

Es sah für mich mehrmals nicht sehr gut aus, denn der Biber hatte in den letzten Tagen gute Arbeit geleistet und sich mehrfach am Maisfeld bedient. Die übrigen Maistängel waren hinter dem Baum in der Kehre zum einem großen Teppich verflochten und auch dort wollte sich Grandpa immer wieder mit wilden Kopfschlägen befreien.

Doch langsam wurde er müde und ich gewann die Oberhand über den Drill. Nach wilden ein zwei Minuten lag er nun im Kescher.

Gut 50cm lang und wenn man bedenkt, dass die Fische mit max 25cm dort besetzt worden sind doch ein ziemlich alter Hase.

AAllein der bullige Schädel und die lange Maulspalte lassen erahnen, dass dieser Fisch kein Vegetarier ist.


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20 Minuten am Wasser und schon zufrieden mit dem Tag, so solls doch sein. br>
Da in dem kleinen Gewässer nach einem Drill im größeren Umkreis nichts mehr beißt bin ich schnell zum nächsten Platz weiter. Zu meiner großen Freude konnte ich dort feststellen, dass eine Äsche sich kleine Mücken von der Oberfläche pflückte. Der Besatz im letzten Jahr konnte sich also halten, bzw. es sind noch einige alte Fische vorhanden und somit blicke ich sehr zuversichtlich in die nächsten Jahre was die Trockenfliegenfischerei angeht.

Mit diesen Eindrücken zog ich weiter und die nächste halbe Stunde passierte bis auf einen Anfasser nichts Spektakuläres.
DDer Bach hatte vor einigen Jahren vom Wasserwirtschaftsamt einige Rauschen spendiert bekommen, die einen zusätzlichen Sauerstoffeintrag ins Gewässer bewirken, was den Forellen natürlich sehr zu Gute kommt und sie sich gerne dahinter aufhalten.

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Durch die hohe Fließgeschwindigkeit sind diese Stellen allerdings schwer zu befischen und mit Spinnern und Wobblern ist man dort eher aufgeschmissen. br>
Ich wollte schon fast die Rausche wieder verlassen, da kam ein heftiger Biss mitten in der Strömung. Wenige aber heftige Kopfschläge lassen wieder einen großen Fisch vermuten, was sich auch gleich danach durch einen heftigen Sprung der Forelle bestätigen sollte. Leider blieb ich dieses Mal nur zweiter Sieger in diesem Duell, denn sie konnte den Zopf abschütteln und mit einem Schwanzschlag in die tosenden Fluten abtauchen. Shit happens.

Normalerweise führe ich den Zopf immer gegen die Strömung, zwei Plätze weiter allerdings war das auf Grund des Uferbewuchs nicht möglich. Beim zweiten Wurf spürte ich eine kleine Unregelmäßigkeit beim Einholen, was entweder einen Fisch signalisiert oder einfach nur einen Stück Holz oder Laub am Boden. Gleiches passierte an derselben Stelle bei den nächsten zwei Würfen, mit dem Unterschied, dass ich einen Schwall im Wasser erkennen konnte. Also doch kein Hänger sondern ein Fisch und sicher kein Kleiner. Der Vorteil vom Forellenzopf ist eindeutig, dass er extrem Variantenreich geführt werden kann und wenn ich solche Fehlbisse erhalte, ändere ich einfach das Führungsverhalten.

Nächster Wurf also wieder am Baum vorbei geschlenzt, möglichst weit Flussauf, damit der Fisch durch das Aufkommen des Köders nicht erschreckt und in ganz langsamen Sprüngen mit kurzen Pausen am Grund den Köder auf mich zugeführt. Plötzlich stillstand. Kurz gewartet - denn oft fassen die Forellen nochmal nach - und Anhieb.

Der Fischt hängt.

Sofort geht es gegen die Strömung wieder Richtung Baum, was dieses Mal aber kein Problem ist, denn ich weiß dort ist kein Hänger zu erwarten. Doch dann dreht der Fisch und schwimmt in rasantem Tempo auf mich zu und will in das am Ufer liegende Totholz, kurzer Schlenker dran vorbei und in Richtung Rausche unterhalb von mir.

GGott sei Dank konnte ich die Flucht dann abfangen, denn sonst wäre der Fisch garantiert verloren gewesen. Jetzt bekam er noch kurz Zeit zum Austoben und schon gleitet eine schöne ü45 Regenbogenforelle über den Kescher.

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Die Forellen sind bereits jetzt bis zum Anschlag vollgefressen, was ein gutes Zeichen ist falls der Winter wieder hart werden sollte. br>
Das erklärt auch die grandiose Kampfkraft im Drill.
Der perfekte Tag wird also noch perfekter und er ist ja noch nicht ganz zu Ende.

Einen Platz weiter wieder das Gleiche Spiel wie vorhin, eine Äsche am Steigen. Einfach wunderbar diesem Treiben in der Natur, fernab von jedem Verkehrslärm, Horden von Spaziergängern mit Hunden und Betonbauten zu beobachten.
Irgendwie dachte ich schon die ganze Zeit: „Heute wärs mal wieder toll einen Saibling zu fangen“.

Da ich in diesem Gewässer aber keine Saiblinge besetzt habe und auch der Verein oberhalb keine besetzt bleibt diese Vorstellung wohl ein reines Wunschdenken. Doch heute war mein Tag!
AAn der nächsten Rausche bekomme ich einen zaghaften Biss und was kommt tatsächlich zum Vorschein, ein kleiner Bachsaibling. Das sind einfach unheimlich schöne Fische mit ihren schneeweißen Flossensäumen und gelben Punkten.

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Entweder kam der kleine Einwanderer von weit oben mit dem Hochwasser oder er ist mal beim Besatz mit reingerutscht. br>Egal. Auf jeden Fall ein tolles Erlebnis.

Dadurch, dass ich doch sehr viel Glück heute hatte und der Bach gnädig mit mir war, befischte ich die nächsten Stellen doch eher im Eiltempo und ergötzte mich lieber an dem Gewässer als solchen.

Denn was gibt es schöneres wenn dann noch der Eisvogel ein Einsehen hat und vor deinen Füßen eine Runde dreht?
Danach gab es auch nur noch eine kleinere Forelle und ein paar Anfasser, ernsthafte Drills waren aber nicht mehr zu verbuchen.

DDa mein heutiger Erfolgsköder mittlerweile ziemlich hergenommen war und seinen Dienst geleistet hatte, beendete ich sehr zufrieden meinen Angeltag und trat die Rückreise mit tollen neuen Eindrücken an.

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Seele



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