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Ausgabe November 2017

Der Weg zur perfekten Karauschenmontage.... ....oder besessen vom Bauernkarpfen!

Redaktionell

Manches, was unsere User in "Sammelthreads" wie dem hier:
Zum wankelnden Ükel - Der Stammtisch für Friedfischangler
posten, ist einfach zu schade, um nicht in einem Extra-Posting gewürdigt zu werden!

Tolle, lesenswerte Geschichte - DANKE dafür!

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alt


Der Weg zur perfekten Karauschenmontage....
....oder besessen vom Bauernkarpfen!



Es muss anno 1981 gewesen sein als ich das erste Mal mit Bauernkarpfen in Berührung kam. Ich war noch ein Dreikäsehoch und war gerade in der Lage mit meiner kleinen Stippe ein paar Plötzen zu fangen, da brachte mein Verwandter - und damaliges anglerisches Vorbild(ich kannte sonst keinen Angler).
Zwei Karauschen in bratfähiger Größe mit nach Hause. Die goldglänzenden Fische faszinierten mich sofort aber es sollte noch 3 Jahre dauern bis ich selbst mit durfte zum Karauschenangeln.
Man traute mir vorher wohl nicht genügend Geduld zu.


So begann vor dreißig Jahren meine Liebe zum Bauernkarpfen und in den folgenden Jahren angelten wir auf althergebrachte Weise mehr schlecht als recht Karauschen und allerhand andere Friedfische.


Unser Gerät damals in der DDR war einfach und gab nicht viel Spielraum für Experimente. Es wie folgt aus:
Eine rollenlose 6m Glasstipprute mit 30er Hauptschnur, Gänsekielpose, 25er Vorfach mit etwas Wickelblei einem Goldhaken am Ende. Die überall vorkommenden Karpfen machten so starkes Gerät nötig aber zerfetzen meistens doch die Montage.
Als Köder dienten uns Würmer, Maden, Brot und Teig.


Nun ist es so, dass einige entscheidende Aspekte des Karauschenangelns sich auch mit diesem Gerät schon herausfinden ließen. Dass Karauschen flaches, warmes Wasser lieben, Kraut und Ufernähe schätzen und laut platschende Montage - besonders im flachen Wasser - hassen waren die wichtigsten Grundregeln die es an all „unseren“ Gewässern zu beherzigen galt.
Geeignete Gewässer um schnell zum Erfolg zu kommen sind möglichst nicht zu groß. Das Vorhandensein von Kraut ist kein Muss! Ich kenne mehrere Gewässer ohne nennenswerten Unterwasserbewuchs aber mit gutem Karauschenbestand.
Manchmal angelten wir in so flachem Wasser, dass die Pose direkt über dem nur 20cm langen Vorfach befestigt war.
Wir fütterten nur ein kleinen Portionen Haferflocken, Getreidebruch oder Semmelbrösel an und senkten die Montage vorsichtig an der Futterstelle ein.
So fingen wir regelmäßig Karauschen, in der selben Manier wie viel andere Angler damals auch. Inzwischen den anglerischen Kinderschuhen entwachsen, wollte ich mehr aber es sollte ein langer Weg werden bis zur Perfektion..............

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(R)Evolution des Karauschenangelns.


Die erste Veränderung, die ich als zwingend ansah, war der Umstieg auf eine beringte Rute um große Karauschen an feinerer Schnur alsbisher drillen zu könne und natürlich um die regelmäßig beißenden Schleien(meine 2. große Liebe, dazu an anderer Stelle mehr)
und Karpfen auch landen zu können.
Der Einfachheit halber und weil sich damit die Montage lautlos einsetzen ließ wie bisher, schaffte ich mir eine 6 Meter Bolorute an.
Damit kann man gut über kleinere Gelegestreifen hinwegangeln und ein Unterhandwurf ist auch möglich wenn auch seltenst nötig da die Karauschen fast immer so dicht stehen dass die meisten Angler drüber hinwegangeln.
Oftmals sehe ich kleinste Karauschenblasen direkt am Schilf, oft nur einen oder zwei Meter vom Ufer entfernt, während anwesende Angler Futterballen möglichst weit warfen um dann mit Matchrute schwungvoll auszuwerfen.
Ich setze mich meist etwas vom Ufer weg und angle so dicht wie möglich!
Gefüttert wird nur in kleinen Portionen. Eine gute Handvoll Streufutter(keinen Ballen) ist ausreichend und Störenfriede wie Karpfen oder Brassen ziehen schnell weiter wenn sie die geringe Menge vertilgt haben. Nachgefüttert wird erst wenn die Störenfriede wieder weg sind oder wirklich nur Karauschen da sind.
Es eignen sich viele Futtersorten und mal mögen die Fische dieses oder jenes mehr. Bewährt sind auf jeden Fall Sensas Tanches, Sensas Etang und X-Amorce 21, gestreckt mit etwas neutralem Allerweltsfutter. Die Zugabe von Hanf ist oftmals von Vorteil.

alt

Anhand der Blasen kann man sehr gut unterscheiden um welche Fischart es sich handelt wenn man sein Gewässer kennt.


Die Bisse, die ich bekam und die Anzahl gefangener Fische musste sich aber noch weiter steigern lassen.
Nach Tests mit verschiedenen Schnurstärken und -farben und dem Drang immer feiner zu angeln – soweit bis die Schnur regelmäßig riss – kehrte ich zurück zu solidem Material und stellte fest dass Karauschen nicht übermäßig schnurscheu sind und ein 0.18er Vorfach Feinheit und Drillsicherheit zur Genüge verbindet.
Nachdem feindrähtige Haken immer wieder mal aufgebogen sind ist mittlerweile ein stabiler Haken Gr.8 Standard , bei heiklen Fischen auch Gr.10. Der Kamasan B983 oder ähnliche Wide Gape Haken erfüllen meine Anforderungen.

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Trotzdem ärgerte ich mich immer wieder über die Nibbelbisse der Karauschen und ging anfangs davon aus dass ihnen der Köder nicht genehm wäre.
Also probierte ich nach und nach alles mögliche und unmögliche in den Jahren, Nudeln, Erbsen, Sauermilchkäse, zug Sorten Teig, Maden Würmer, Kartofel, sämtliche Sorten Brot die sich irgendwie am Haken befestigen ließen, Insekten usw.
Alles brachte Fische und es kristallisierten sich Favoriten heraus. Klare Nummer eins ist Teig, gefolgt vom Madenbündel und der Teig/Made Kombi. Der dritte Paltz geht an Mais und Mais/Made Kombi. Alle anderen Köder bringen Bisse und auch Fische aber leider nicht annähernd so viele.
Karauschen reagieren gut auf Farbe. Teig in den Farben rot, gelb und weiß sind am besten.


Trotzdem blieben die Bisse vorsichtig und die Fehlbissquote hoch. Mal wurde nur genibbelt, dann mal das Kontaktschrot auf dem Vorfach etwas gehoben so dass die Pose etwas weiter aus dem Wasser schaute. Es war schwierig den passenden Moment für den Anhieb zu finden.
Und doch war regelmäßig der Köder von Haken verschwunden.
Sie hatten also offensichtlich Hunger und bissen auch.
Kleinere Köder und größere Köder, kleinere Haken und größere Haken brachten auch keine Besserung und ich wechselte erfolglos von leichten zu noch leichteren Posen.
Das musste also andere Ursachen haben.
Die zündende Idee kam beim Betrachten von Karauschen in einem Aquarium des Zoos in der Nähe.
Dort nahm eine Karausche ein Futterteilchen auf und verspeiste ihn, dann noch einen und so weiter.
Dass sie dabei einen Kopfstand machte kann man sich vorstellen. Aber die Entfernung vom Boden war der springende Punkt.
Die Karausche machte ihren Kopfstand und saugte den Fussel ein. Dann richtete sie sich auf. Dabei wurde der Fussel nur so weit bewegt wie das Maul der Karausche sich nun über dem Boden befand(ca. 7-8cm). In dieser Position verharrte der Fisch bis er den Fussel auf seine Genießbarkeit überprüft hatte. Dann wurde er entweder ausgespien oder verschluckt und die Karausche schwamm weiter.
Wäre der Fussel in dieser Situation mein Köder gewesen, hätte ich wieder nur Gewackel an der Pose gesehen bis der Fisch losgeschwommen wäre, dabei hätte er den Köder die ganze Zeit im Maul gehabt und ihn(wie so oft) wohl auch wieder ausgespuckt wenn sie Schnur oder Haken bemerkt hätte.
Nun wurde meine Montage dahingehend verändert, dass alles daraufhin optimiert wurde mit möglichst wenig Gewicht auf der Schnur die Pose möglichst stark entlasten zu können.


Also zur Pose . Diese trägt etwa 2,5gr und weder Antenne noch Kiel dürfen Auftrieb haben!
Eine lange Glasfaser- oder Carbonantenne und ein Kiel aus dem selben Material sind von Vorteil.

alt

Die Hauptbebeleiung sitzt auf der Hauptschnur über dem Vorfach welches(wenn die Wassertiefe es zulässt) so lang sein sollte dass die Fische damit nicht in Berührung kommen können.
Das Gewicht wird so gewählt, dass der Schwimmkörper von unten gegen Oberfläche stößt und nur noch die Antenne aus dem Wasser ragt.


Nun kommt auf Vorfach noch soviel Blei, verteilt auf drei, vier kleine und möglichst leichte Schrote dass die Pose überbleit ist und auch ohne Köder langsam absinkt bis das unterste Blei auf dem Grund liegt.


Am wichtigsten ist der Abstand der Schrote vom Haken!
Man stelle sich wieder die Karausche beim Fressen vor und wie weit sie mit ihrem(recht kleinen) Maul den Köder einsaugen kann – schätzungsweise Haken + 3 cm.

alt

Das unterste Blei kommt also ca. 3cm über dem Haken auf die Schnur. Gerade so weit weg dass es der Karausche beim Einsaugen nicht gegen die Lippe knallt. Die anderen zwei, drei Schrote folgen in Abständen von je einem Zentimeter.
Dass man mit dieser Montage die Tiefe genau ausloten muss – und zwar so dass nur eine Kleinigkeit der Antenne aus dem Wasser schaut – ist klar aber lohnt sich!
Jetzt werden die Nibbelbisse plötzlich als glasklare Hebebisse angezeigt und die Fehlbissquote sinkt dramatisch!


Nachdem Futter, Platz und Montage klar sind, bleibt noch die Zeit. Karauschen haben keine allgemeingültigen Fresszeiten und beißen eigentlich immer, nur nicht überall gleich gut.
Das geht soweit, dass man morgens an ein Gewässer fährt und wenn gegen mittag nichts mehr geht, man an einen anderes fahren kann wo die Karauschen dann erst anfangen zu beißen.
Abends fährt man dann an Gewässer Nummer drei, wo die Karauschen nachtaktiv sind.

alt

Nachts ist sowieso eine super Zeit für Karausche, besonders an Gewässern mit reichlich Plötz und Rotfeder, da diese dann nicht mehr so aktiv sind.
Mini-Knickis eignen sich gut zum nächtlichen Posenangeln und behindern auch das Anheben der Pose nicht.


Immer wieder versuchte ich auch Karauschen mit Grundmontagen zu überlisten aber die Erfolge blieben weit hinter denen der Posenangelei zurück. Die zögerliche Art zu fressen läßt keine vernünftige Bissanzeige an der Schwing- oder Zitterspitze zu, so dass es immer wieder nur Fänge von besonders unvorsichtige Karauschen gab.


Blasen am Futterplatz sind immer ein gutes Zeichen.

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Und der erlösende Drill.

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Terence Drill 



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