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Ausgabe November 2017

Rapfen - Rasende Räuber

Rapfen
Rasende Räuber


Für viele stellt der gezielte Fang eines Rapfens eine Herausforderung dar. Nachdem ich dieses Jahr den absoluten Durchbruch beim Rapfenangeln hatte, mit Tagesfängen bis über 20 Stück und weit über 150 Fischen bis über 80cm, kommen natürlich viele Fragen von befreundeten Anglern. Ich möchte versuchen, auf Basis meiner Erfahrungen etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Meine Ausführungen beinhalten nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, aber vielleicht helfen sie ja dem einen oder anderen zum Fisch. Für mich sind Rapfen die faszinierendsten Räuber des Süßwassers, da sie sehr kampfstark, zickig und herausfordernd, im richtigen Gewässer zahlreich vorhanden und mit leichtem Gerät fangbar sind. Für mich sozusagen die Meerforelle des Flusses, da die Angeltechnik sich stark ähnelt. Nur der kulinarische Genuss ist nicht vergleichbar. Was allerdings den Vorteil hat, dass die Rapfen selten durch die Angler dezimiert werden. Aber Stück für Stück. Zuerst zum Wichtigsten:

I Das WO
Meine Erfahrungen beziehen sich auf verschiedene kleine und mittlere Flüsse und Kanäle meiner Region. Daher kann ich nicht mit Erfahrungen im Stillwasser dienen. Rapfen sind allerdings durchaus nicht nur in großen Strömen zu finden, sondern auch in schnell fließenden Bereichen kleinerer Gewässer wie stark durchströmten Nebenarmen.
Rapfen lieben Strömung! Man wird Rapfen im Fluss immer im Bereich der stärksten erreichbaren Strömung finden. Außenkurven, Rückströmungen, Zusammenflüsse, an Einläufen, Brückenpfeilern, Buhnenköpfen, unterhalb von Wehren…überall da, wo sich weißes Wasser findet, findet man auch die Rapfen. Auch wenn man denkt, da kann doch kein Fisch sein- sie sind da, wo es rauscht und brodelt oder am Rande dessen! Das ist eigentlich der wichtigste Grundsatz. Jede Unregelmäßigkeit, die für erhöhte Strömung sorgt, zieht die rasenden Räuber an. Sehr gern stehen die Rapfen auch an stark angeströmten und beschilften Prallhängen größerer Flüsse und rauben aus der Deckung der Vegetation. Häufig kann auch der Augenschein helfen. Rapfen verraten sich gern bei ihren Patrouillen durch Bewegung an der Oberfläche. Die Rückenflossen furchen wie bei Haien. Wenn die Fische wirklich rauben, ist es kaum zu übersehen. Daher auch mein Rat, Augen offenhalten. Rapfen halten sich leider nicht immer an meine Grundsätze. Auch wenn die Stelle noch so perfekt erscheint- wenn es 200m weiter klatscht und knallt, wechsele ich so schnell wie möglich dahin, auch wenn es dort anscheinend zu ruhig ist. Wie alle Räuber folgen auch Rapfen ihrer Beute. Und diese Jagdszenen sind ein sicheres Anzeichen für aktive und fresswillige Fische. Hier gibt es fast auf Ansage Bisse im Minutentakt. Allerdings hält der Segen leider selten lange an.

II Das WANN
Rapfen sind leider weitgehend ein Räuber der warmen Jahreszeit. Als einfache Faustregel, ungeachtet der Schonzeit usw., würde ich sagen, dass die Rapfen beißen, wenn man schon oder noch baden kann. Also ab ca. 12-15 Grad Wassertemperatur. Danach und davor sind immer mal einzelne Fische drin, aber im Großen und Ganzen sind die Fische dann sehr schwer zu lokalisieren und zu fangen. Ich arbeite noch daran, die Rapfen in der kalten Jahreszeit zu finden und zu fangen. Daher geht meine Saison von Mai bis Oktober.
Zur Tageszeit ist zu sagen, dass die Fische während des gesamten Tages beißen können. Sehr gut sind die Morgen- und Abendstunden. Aber auch mittags kann es richtig krachen. Da gibt es eigentlich keine richtige Gesetzmäßigkeit. Entgegen der Lehrbuchmeinung habe ich festgestellt, dass Rapfen zeitweise zu fast reinen Nachtjägern werden können. Insbesondere im Frühsommer hatte ich nahezu nur im Dunklen Fische. Während es im Hellen höchstens dann und wann mal einen kleinen gab, wenn überhaupt, so gab es im Dunklen zahlreiche und teilweise auch sehr große Fische. Die ausgeprägte Beißzeit ging so weit, dass ich teilweise überhaupt nicht mehr im Hellen geangelt habe und im Dunklen auf Ansage 70+ Fische fing. Das geschah so regelmäßig, dass es kein Zufall mehr sein kann.
Das Wetter scheint Rapfen ziemlich egal zu sein. Ich hatte Fische an heißen Sommertagen in der Sonne, im Regen im Dunklen, an kalten Frühherbstmorgen, in heißen Sommernächten, ich sehe hier keine Gesetzmäßigkeit. Etwas Wind ist hilfreich, insbesondere an relativ ruhigen Stellen. Ich versuche die Stelle mit Rückenwind zu wählen, um Wurfweite zu schinden.
Auffällig ist, dass es am gleichen Tag bzw. der gleichen Stelle entweder zahlreiche kleinere Fische bis 50-60cm gibt. Oder einzelne, richtige Granaten von 70-80cm. Besonders nachts war der Effekt einzelner, sehr großer Fische deutlich ausgeprägt.

III Das WOMIT
Spezielles Rapfengerät ist auf dem Markt dünn gesät und wenn dann auch häufig eher unpassend. Immer wieder liest man von Meerforellengerät oder auch von ganz leichtem Gerät im Barschbereich zur gezielten Rapfenangelei. Beides halte ich für suboptimal.
Meerforellenruten sind meistens zu schwer, kaum eine Meerforellenrute mit 30, 40, 50 Gramm Wurfgewicht wirft einen Rapfenköder optimal. Die Wobbler haben 8, 10 oder auch mal 15 Gramm. Kaum mehr. Und Weite kann wirklich entscheidend sein.
Barschgerät dagegen ist für Rapfen deutlich zu schwach. Die Fische erreichen 60, auch 80cm…sind kampfstark und werden in starker Strömung beangelt. Da dauert der Drill ewig und deutlich zu lange. Außerdem sind viele moderne Barschruten viel zu kurz um auf ordentliche Wurfweiten zu kommen und ggf. noch einen tobenden Rapfen vom Uferbewuchs fernzuhalten.
Ich verwende zwei Ruten für Rapfen. Einmal eine 2,40er mit realen ca. 30 Gramm Wurfgewicht für etwas größere und schwerere Köder in richtig harter Strömung und wenn ich richtig große Fische erwarte. Und einmal eine 2,70er mit 20 Gramm für alles andere. Als Rolle nutze ich eine 3000er, um das nötige Tempo zu erreichen. Als Schnur dient mir eine 5kg Geflochtene mit ca. 1m 46er Fluocarbon. Entgegen meiner sonstigen Grundsätze verwende ich für Rapfen keinen Stahl da ich den Eindruck habe, dass das die einzigen Räuber sind, die sich von Stahl wirklich abschrecken lassen. Hechte sind bei dieser Angelei eher selten zu erwarten und wenn, dann gibt das relativ starke Fluo eine gewisse Sicherheit. Allerdings muss ich zugeben, dass ich schon einen Abbiss hatte, weil eben doch ein Hecht den Wobbler erwischte.
Die Aktion der gewählten Rute sollte eher semiparabol sein. Zumindest von harten Gummiruten rate ich ab. Das produziert zu viele Fehlbisse und Aussteiger.
Insgesamt muss die ganze Zusammenstellung stark genug sein, um auch einen starken Rapfen ggf. gegen die starke Strömung zurückzuholen.

IV Das WIE
Tempo Tempo Tempo! Rapfen sind schnell, Rapfen reagieren auf vorbeizischende Köder! Also kurbeln, kurbeln was die Rolle hergibt. Ein lahm daherwackelnder Köder interessiert die Fische eher selten. Also weit werfen, fix kurbeln. Es schadet nix, mal einen Twitch oder Stop einzubauen, nötig ist es meistens nicht. Es gibt aber Ausnahmen, wenn sie sonst nicht wollen. Dann kann es helfen. Daher bevorzuge ich auch Köder, die eine Eigenaktion haben und flanken. Rein linearer Köderlauf fängt selten. Ob man den Köder mit, gegen oder seitlich zur Strömung führt, kommt auf die Stelle an. Die Rapfen interessiert es eher weniger. Man kann für Rapfen eigentlich nicht zu schnell kurbeln, sie sind immer schneller, wenn sie wollen. Im Dunklen kurble ich minimal langsamer, um den Räubern die Chance zu geben, den Köder zu orten.
Da Rapfen auch nicht dumm sind und im Schwarm unterwegs, nimmt die Beißfreudigkeit nach dem Fang von zwei drei Fischen stark ab. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Stellungswechsel, meistens reicht es, wenn man 50m weiter geht. Oder Pause. Mehr als zwei drei Fische in einem Durchgang von einer Stelle klappt selten.

V Die KÖDER
Wichtigste Forderung an den Köder ist, dass er unter Tempo noch stabil läuft und nicht über die Oberfläche schlittert. Außerdem sollte er fliegen. Optimale Ködergröße bei mir sind 6-12cm. Zu kleine Köder erregen zu wenig Aufmerksamkeit, zu große sprechen Rapfen wohl auch nicht an.
Die besten Fänge hatte ich bei mir mit naturnahen schlanken sinkenden Wobblern, die ca. 30-50cm tief laufen. Wenn diese gut fliegen, unter Druck und Strömung stabil laufen und etwas flanken, hat man einen Köder. Reizfarben benötige ich nicht, naturnahe, silbrige Dekors fangen eigentlich immer, auch im Dunklen. Wenn man mehr Wurfweite braucht, sind auch entsprechende Gummis mit einem Kopf entsprechend der Wurfweite sehr gut. Ich halte Gummifische auf Rapfen für stark unterschätzt. Sie lassen sich mithilfe des Jigkopfes auf das nötige Gewicht für die benötigte Weite bringen, laufen unter Tempo stabil. Quasi das moderne Rapfenblei. Bei Ködern ab 10cm würde ich immer einen Stinger verwenden, da Rapfen gern von hinten unten zufassen. Deshalb hängen auch sehr viele Fische am Kopfdrilling des Wobblers!! Als Farbe bevorzuge ich auch hier natürliches wie Salt&Pepper und weiß. Achtet unbedingt auf stabile Haken, egal an welchem Köder. Ein 70+ Rapfen biegt zu dünne werksseitige Drillinge problemlos auf!!
Blinker, insbesondere Meerforellenblinker, sind keine optimalen Rapfenköder. Warum? Erstens sitzt der Drilling hinten. Damit gibt es schon mal viele Fehlbisse. Zweitens laufen die meisten Blinker unter hohem Tempo zu stark rotierend. Eigentlich überzeugen mich nur zwei Blinker gelegentlich. Ein spezielles polnisches Modell namens Rapa. Und auch ein Abu Toby brachte schon Fisch.
Spinner sind für Rapfen nahezu unbrauchbar. Sie fliegen schlecht, rotieren wie wild unter hohem Zug und haben den Drilling hinten.
Die speziellen ASP-Spinner sind meines Erachtens für Rapfen auch nicht besonders reizvoll…sie fangen eher Barsche als Rapfen bei mir und sinken zu schnell für eine oberflächennahe Führung. Jedenfalls fangen sie bei mir schlecht.
Gleiches gilt für die topmodischen Oberflächenköder wie Popper, Pencil Baits und Co. Grade große Rapfen sind bei mir selten gewillt, sich Nahrung von der Oberfläche zu holen. Ab und an kann so ein Köder den Tag retten und noch einen Fisch bringen, aber meistens sind es kleinere. Köder, die knapp unter der Oberfläche laufen, bringen deutlich mehr und bessere Fische.

VI BISS, DRILL UND LANDUNG
Normalerweise erfolgt der Biss eines Rapfens knallhart aus dem Nichts. Plötzlich ist die Rute krumm. Damit erübrigt sich ein Anhieb. Ich setze meistens reflexmäßig trotzdem noch einen leichten. Viel Druck ist nicht notwendig, Rapfen haben kein so hartes Maul wie Hecht oder Zander, aber auch nicht die pergamentartige Haut von Barschen Deshalb hängen sie meistens relativ gut.
Im Drill geht die Post ab. Rapfen sind schnell, ausdauernd und kraftvoll und stehen meistens voll in der Strömung. Deshalb gilt es geduldig und kraftvoll zu drillen und vor allem anfangs die Bremse nicht zu fest zu stellen. Das Gerät kann für die Fischgröße ziemlich leicht gewählt werden, da Rapfen eigentlich nur an der Oberfläche kämpfen, man sie also selten von Fluchten zum Grund oder in Hindernisse abhalten muss. Wenn der Fisch nur noch kleinere Fluchten macht, ist er reif für die Landung. Ich bevorzuge einen geräumigen Kescher, eine Handlandung ist kaum möglich, da es keinen Ansatzpunkt zum Greifen gibt, wie ihn Hechte und Zander haben. Einzig das Ausheben am kräftigen, langen Vorfach ist bei kleineren Fischen möglich, wenn die Haken gut sitzen.
Danach Foto, Hakenlösen und zurück ins Wasser. Bitte die Fische aufrecht in die Strömung halten, bis sie zu Kräften kommen. Die Rapfen verausgaben sich im Drill gern derart, dass sie sonst hilflos umkippen und abtreiben. Entnehmen von Rapfen ist relativ sinnlos, denn…

VII KULINARISCHES
Rapfen sind der (??) Süßwasserfisch bei uns mit den meisten Gräten. Daher sind sie in der Küche nicht sehr beliebt, was ich nachvollziehen kann. Trotzdem kann es ja vorkommen, dass ein Fisch stark verletzt ist oder sich nicht erholt. Dann kommt er eben doch mit. Daher wurde einige bei mir doch verwertet. Als einzig gangbarer Weg entpuppte sich schuppen, „filetieren“, braten und im Stile von Bratheringen sauer einlegen. Nach einigen Tagen kann man die Rapfen dann zusammen mit einem kalten Bier und Bratkartoffeln genießen.
Manche mögen auch Fischbouletten aus Rapfen.

VIII LITERATUR
Eigentlich gibt es nur ein einziges gutes Buch übers Rapfenangeln. Florian Läufers „Rapfen- Jäger der Flüsse“ von North Guiding. Viele seiner Erfahrungen decken sich mit meinen. Ansonsten wäre da noch das historische Werk "Döbel, Rapfen, Aland" von Wolfgang Zeiske.

IX SONSTIGES
Wem bis hierher noch nicht langweilig ist, ein paar ergänzende Hinweise zur Ausrüstung, Sicherheit und so.
Da Rapfen gern in den am stärksten strömenden Bereichen unterwegs sind, achte ich immer auf trittsicheres, festes Schuhwerk. Ein unsanfter Abgang auf den glitschigen Steinen in den Hauptstrom kann ganz böse enden. Aus dem gleichen Grund nehme ich immer einen langstieligen Kescher mit.
Wenn ich auf harten Untergründen angel, leg ich mir einen nassen Lappen zum Abhaken bereit. Ich weiß nicht genau, wie empfindlich Rapfen sind, aber sicherlich tut es ihnen nicht gut, sie im Sand zu panieren.
Fürs Nachtangeln nutze ich eine Kopflampe mit Rotlicht zum Keschern. Weißlicht macht die Fische vorm Kescher noch einmal zusätzlich wild.
Und, ganz wichtig in warmen Sommernächten, das gute alte Mückenschutzmittel. Sonst wird die schönste Beißzeit zur Qual.
Beifänge sind bei der Angelei auf Rapfen selten zu erwarten. Ab und an schnappt sich mal ein Barsch den Köder, Hechte reagieren auf die rasenden Köder schlecht. Häufiger hat man noch sehr gute Döbel zwischen den Rapfen. Oder im schlimmsten Falle einen dicken Wels, dem man in der Strömung mit Rapfengerät so gut wie nichts entgegen setzen kann.


So, nun aber ran ans Wasser, noch sind die Rapfen aktiv. Petri Heil.

 



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