Am Haken Oktober - Gammelfleisch und die Zukunft der Angler....
Am Haken
VORSICHT: satirisch, sarkastisch, politisch unkorrekt, überzogen!!
Wer dies nicht für richtig hält oder meint dies nicht ohne Schaden überstehen zu können, sollte nicht weiterlesen!
Gammelfleisch und die Zukunft der Angler..........
Juli 2008, Neckar bei Gundelsheim
Die Basecap war mit dem Schirm so tief ins Gesicht gezogen, dass man den Mann nicht erkennen konnte. Dazu noch das diesige Wetter und die einbrechende Nacht, also eine gute Chance unbemerkt an dem Mann vorbeizukommen.
Sich immer wieder nach links und rechts umschauend, schleicht der Mann am Flussufer entlang. Plötzlich bleibt er stehen, er scheint gefunden zu haben was er sucht. Oder doch nicht? Oder hat er mich bemerkt? Plötzlich beschleunigt er und taucht zwischen den Uferbüschen unter.
Ich gehe vorsichtig hinterher um unbemerkt vorbeizukommen. Als sich der Basecapmann plötzlich umdreht, kann mich in der Nähe gerade noch verstecken. So dass ich nicht nur sehen kann was passiert, sondern, solange kein Verkehr auf der danebenliegenden Straße ist, auch hören was gesprochen wird.
Ich sehe wie der Mann mit der Basecap dem Angler ein Bier anbietet. Zwei Rutenspitzen ragen in den Fluss hinaus. Sanftes rhythmisches Wippen im Takt der Strömung zeigt, dass sich momentan wohl kein Fisch für die Köder interessiert.
„Ahja,, mit Wurm..."
höre ich den Basecapmann sagen, woraufhin vom Angler ein gutturales Brummen kommt, welches man durchaus als Zustimmung auffassen könnte.
„Aber bis jetzt geht nicht viel"
war der Satz des Anglers nach dem Brummen.
Dann Schweigen, ich war wohl zu spät gekommen, um mitzukriegen was vorher besprochen wurde, denn sowohl der Bascapmann wie der Angler hüllten sich jetzt in Schweigen, nippten an und zu am Bier und beobachteten die sanft wippenden Rutenspitzen.
Ich wollte mich schon auf den Weg machen um an anderen Plätzen mein Glück zu versuchen, denn hier war mir wohl der Basecapmann zuvorgekommen. Ein bei Anglern beliebter Platz war auch die Ausfahrt des Hafens. Aber auch hier scheine ich zu spät gekommen zu sein. Denn bei allen drei hier tätigen Anglern saßen schon meine Konkurrenten.
Aber ich bin ja nun auch schon lange genug dabei, um auch ein paar der Plätze zu kennen, die nicht jeder Anfänger aufsucht. Aus meinen Gesprächen mit Anglern - obwohl diese sich in letzter Zeit immer bedeckter halten - kannte ich eine Stelle am Kanal, wo ein großer Stein unter Wasser nahe am Ufer eine schöne Rückströmung und Wirbel verursacht. Ein idealer Platz zum Zanderfang, aber auch alle Weißfischarten sind angeblich dort gut vertreten.
Und richtig, ich habe Glück. Gut versteckt hinter einem Holzstapel sitzt ein Petrijünger. Und, noch wichtiger, er ist scheinbar schon erfolgreich gewesen. Denn man sieht, wie er eben in der neben ihm stehenden Kühlbox eine Plastiktüte verstaut, aus der noch ein Fischschwanz ragt. Ich glaube es dürfte ein nicht zu kleiner Brassen sein.
Bevor ich mich zu dem Angler begebe, erst mal alle Vorsichtsmassnahmen treffen. Ein schneller Rundblick zeigt, dass weder Konkurrenten noch Schupos oder Wapos zu sehen sind. Der Angler verstaut die Kühltasche hinter dem Holzstapel, so dass sie nicht zu sehen ist, außer man wüsste genau wo man zu suchen hätte. Ein Profi!!
Also gut, ich werde den Versuch wagen. Es sind jetzt fast zwei Wochen her, dass wir - meine Frau und meine zwei Töchter - etwas anderes außer Vegetarisches zu uns genommen haben. Nun ja, man stirbt nicht dran, aber es wird doch langsam mal wieder Zeit für tierisches Eiweiß.
Der Angler hat mich bemerkt. Wirklich ein Profi!! Auch er blickt sich sofort um, geht sogar die Böschung hoch um zu „sichern". Also kann ich davon ausgehen, dass er weiß um was es geht.
Zielsicher gehe ich nun auf ihn zu, auch ich biete erst mal ein Bier an. Während er noch einen schnellen Rundblick macht, öffnet er die Flasche und nimmt einen ersten, kräftigen Schluck.
Ein anerkennendes Nicken.
Ja, auch ich kenne mich aus. Einem Angler ein warmes Bier ausgeben zu wollen um ins Gespräch zu kommen, das machen nur Amateure. Und wer ein kaltes Bier anbietet, das aber sichtbar in einer Kühltasche transportiert, der wird ja auch gleich erkannt. Meine weiter Parka bietet jedoch die Möglichkeit in einer Thermotüte aus dem Supermarkt 2 Flaschen kühles Bier zu transportieren und dies so, dass man es kaum erkennen kann.
Wirklich ein Profi!
Die eine Rute scheint eine Grundrute zu sein, mit der er auf Zander angelt, die andere ist augenscheinlich eine leichte Feederrute. Der Mann weiß was er macht. So ist auch schnell das Gespräch begonnen. Ja, er bestätigt mir meine Vermutung. Eine Rute auf Zander, eine auf Weißfisch.
Zander war leider noch nix, aber Brassen hatte er wohl schon eine Ladung. Naja, besser als nix, dachte ich, nach über zwei Wochen Gemüse ist man nicht mehr so anspruchsvoll. Ich öffnete mir die andere Flasche Bier und mimte den Zuschauer. Die Verhandlungen begannen. Erwar wirklich ein Profi, das musste man ihm lassen. Nicht nur dass er erfolgreich angelte, er kannte das Geschäft und die Preise.
So waren wir uns schnell einig. Ich sollte für die zwei jeweils ca. 3 Pfund schweren Brassen 50 Euro bezahlen - ein durchaus angemessener Preis für einen soeben absolut frisch gefangenen Fisch. Ein Zander wäre mir natürlich lieber gewesen, hätte aber auch gut das doppelte pro Kilo gekostet. Aber besser „nur" Brassenfrikadellen als wieder 2 Wochen Gemüse.
Schnell waren die Brassen in meine Thermotüte umgepackt und ich bezahlte. Natürlich vermied ich auf dem Weg nach Hause die erleuchteten Straßen, ich nutzte die nicht so bekannten Seitenwege.
Denn seit den Gammelfleischskandalen im September 2006 und dem darauf folgenden „Fleischersterben" gibt es ja kaum noch eine andere Möglichkeit an frisches, unbedenkliches tierisches Eiweiß zu kommen als frisch gefangenen Fisch vom Angler zu kaufen. Natürlich kann man das auf Grund der Gesetzesänderungen inzwischen auch offiziell bei den Anglern einkaufen - die haben ja inzwischen alle ein Nebengewerbe angemeldet.
Da aber der Staat immer mitverdienen will, macht die erhobene Frischfischsteuer von 50% es für den Normalverdiener fast unmöglich sich tierisches Eiweiß leisten zu können. Dazu kommt ja noch der normale Mehrwertsteuersatz von zur Zeit 24%. Kein Wunder dass der Schwarzmarkt floriert und inzwischen mehr Polizisten nachts an den Gewässern die Runden drehen als dass sie Parksünder aufschreiben. Kommt für den Staat einfach mehr rüber.
Was waren das noch für Zeiten, als ich selber angeln gehen konnte. Aber die heutigen Prüfungen sind so schwer, dass es schon fast einer Berufsausbildung gleich kommt. Und das obwohl ja der Gammelfleischskandal gezeigt hat, dass weder eine Ausbildung noch Kontrollen das kriminelle Gebahren verindern konnten. Nun ja, seitdem kann ich eben nicht mehr selber angeln, sondern muss meinen Fisch schwarz kaufen.
Aber vielleicht zeigt ja die letzte Verbraucherschutzreform endlich Wirkung, so dass es wieder Fleischer geben wird und das Angeln wieder zum Hobby werden kann, so wie es noch vor dem September 2006 war..............
Kai Hay
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