Spinner tunen
Spinnertuning
Langsam kommt wieder der Herbst - für viele Raubfischangler mit die interessanteste Zeit im Jahr. Die Räuber haben abgelaicht, sich vom Laichgeschäft erholt, den Sommer durchgestanden und fressen sich nun den Winterspeck an. Kein Wunder dass nun Spinnruten geschnappt werden, Gummifische, Wobbler und Blinker sortiert, und dann ab ans Wasser.
Auch er Angler als solcher ist ja immer gerne bereit neues auszuprobieren - und vergisst dabei manchmal die „alten Schätze" in der Köderbox, die nur noch selten zum Einsatz kommen. Und das oft zu Unrecht. Wie zum Beispiel die Spinner.
Nicht umsonst zählt er zu den recht erfolgreichen Spinnködern. Sobald sich das Blatt dreht, hat er eine fängige Aktion. Man kann Spinner von sehr kleinen bis sehr großen Ausführungen in (fast) allen Farben bekommen. Man kann sie flach führen, man kann sie tief anbieten oder sehr tief - dann eben mit Vorschaltbleien. Man kann sie genauso erfolgreich in Seen wie in Fließgewässern einsetzen, solo, als Tandem oder auch als „Vorschalt" z. B. bei Gummifischen.
So vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten ist auch das Angebot an Spinnern. Das reicht vom 90 - Cent Billigteil bis hin zum 10 Euro - Spinnerbait. Egal ob billig oder teuer, wenn sich das Blatt nicht richtig dreht, ist jeder Spinner „wertlos" weil nicht fängig. Je leichter sich das Blatt dreht, desto eher kann man den Spinner auch mal mit der Strömung führen oder z. B. im Stillwasser auch mal sehr langsam.
Ein zweites Qualitätskriterium sind die Haken. Ich persönlich angle gerne meine Kunstköder mit Einzelhaken, weil ich die Erfahrung gemacht habe damit die Fische besser zu haken und weniger Fische im Drill zu verlieren. Zudem kann man mit Einzelhaken Fische, die zurückgesetzt werden sollen einfacher vom Haken lösen.
Das Tunen
Bei fast allen Spinnern - ob billig oder teuer, Marke oder Discount, kann man auf einfache Weise das Laufverhalten genauso verbessern wie man auch ein einfaches „Hakentauschsystem" bauen kann.
Dazu braucht man nur eine Kneifzange, eine Flach- oder auch Lösezange, Sprengringe und passende Einzelhaken (sofern man diese verwenden will, ansonsten eben Drillinge). Der Einzelhaken sollte dieselbe Bogenweite wie der gesamte Drilling haben, dann hat er die richtige Größe. Ich persönlich benutze da gerne auch langschenklige Haken, ein Bekannter von mir fischt aber mit gleichem Erfolg ganz kurzschenklige, so dass ich darüber keine Aussage wage, welche Lösung da besser sein könnte.
Das Spinnerblatt sitzt bei den meisten Spinnern in einer Art Reiter auf der Achse. Bauartbedingt bleibt da ein Rest Material vom Spinnerblatt über, wo der Reiter eingehängt ist. Denn meist wird dieser einfach in ein gebohrtes Loch im Blatt befestigt. Wenn man jetzt mit einer Flach- oder Lösezange dieses „Restmaterial" leicht nach oben biegt, kann das Wasser beim einziehen des Spinners leichter unters Blatt kommen und dadurch dreht sich dann das Blatt wesentlich leichter. Das ist eine Sache von ein paar Sekunden und bringt auch den billigsten „Discountspinner" zum laufen.
Dann haben wir noch das Problem mit den oft leider nicht unbedingt praxistauglichen Drillingen, da lässt sich gerade bei Billigspinnern eben gut Geld sparen beim Hersteller, wenn man Billighaken verwendet. Irgendwo muss der billige Preis ja herkommen. Noch ärgerlicher ist es aber, wen auch „Qualitätsware" oft Haken hat, die kaum diese Bezeichnung verdienen. Das nächste Problem mit den Haken:
Diese sind oft so auf der Achse befestigt, dass sie sich nicht austauschen lassen.
Also ist die „hakenmässige Situation" bei den meisten Spinnern nicht unbedingt befriedigend.
Abhilfe schafft hier ein von der Größe her zu Spinner und zu verwendendem Haken passender Sprengring. Um diesen anbringen zu können, muss natürlich zuerst mal der Originalhaken weg. Das geht am einfachsten mit der Kneifzange, indem man den Haken einfach am Öhr abknipst.
Danach braucht man nur noch den Sprengring auffädeln und ist damit gerüstet für viele Gegebenheiten. Wie oben beschrieben kann man nun einfach die oft mauen Drillinge gegen Qualitätsware tauschen, man kann statt des Drillings einen Einzelhaken verwenden, man kann damit auch zwei oder drei Spinner hintereinander schalten (wobei dann nur beim letzten ein Haken sitzt, je nach Bauart des Spinners kann es dabei sein, dass man auch mal zwei Sprengringe zum „Abstandhalten" zwischen den Spinnern verwenden muss).
Ebenso einfach kann man den Spinner dann z. B. einem Gummifisch vorschalten. Oder man montiert einen Wurmhaken, der auf dem Schaft Widerhaken hat und beködert diesen z. B. mit einem Twister. Gute Erfahrungen habe ich auch schon mit der Beköderung mit Fischfetzen gemacht.
Man sieht also, alleine durch das hochbiegen des Spinnerblattes und das anbringen eines Sprengringes zur Hakenaufnahme kann man einen Spinner wesentlich vielseitiger und letztlich auch fängiger einsetzen als mit der „Normalausführung".
Was man dennoch beim Spinnerkauf beachten sollte:
Nachdem man sich recht einfach die Laufeigenschaften und die Hakenauswahl gestalten kann, ist die Frage was man beim Spinnerkauf beachten sollte. Nachdem ich eh am „rumbasteln" bin, ist es mit Sicherheit zum einen der Preis. Da noch Sprengring und Haken zusätzlich beim Tausch dazu gerechnet werden müssen, sollte der Spinner selber nicht zu teuer sein. Dennoch sollte er eine stabile Achse haben und ein zum jeweiligen Einsatzbereich passendes Verhältnis von Blattgröße zu Gewicht des Spinners.
Ein weiterer Punkt ist bei Spinnern mit Reflexfolie deren Befestigung/Klebekraft. Denn die ist dem „harten Spinnalltag" auch bei Qualitätsprodukten oft nicht gewachsen. Ich habe zwar immer gerne ein paar gelbe oder rote Reflexfolienspinner in der Box, greife aber immer mehr zu den klassischen Farben Gold, Silber, Kupfer, Messing.
Das gleiche wie für die Reflexfolien gilt natürlich auch für lackierte Spinnerblätter. Da ich von eigentlich jedem Kunstköder auch gerne schwarze Exemplare habe (weil die sehr oft sehr fängig sind), sollte die Lackierung natürlich auch etwas aushalten und nicht schon beim dritten Wurf abblättern anfangen.
Überlegen sollte man sich noch die verschiedenen Spinnerblattformen. Da gibt es die eher rundlichen, die natürlich auch leichter zu drehen anfangen, und die eher weidenblattförmigen, die man einsetzt wenn man gegen eine Strömung spinnen will, damit sie nicht so schnell hochtreiben.
Da ich persönlich sehr selten gegen die Strömung fische, sondern - wo es geht - immer mit der Strömung (der Fisch steht ja normalerweise mit dem Kopf gegen die Strömung, sieht also alles besser was mit der Strömung kommt, bemerkt so den Spinnköder eher und hat auch mehr Zeit ihn zu packen), verwende ich inzwischen nur noch den eher rundlichen Typ. Denn gerade wenn man mit der Strömung fischt, ist es umso wichtiger dass sich das Blatt sehr schnell zu drehen anfängt, damit man nicht zu schnell einkurbeln muss. Die optimale Geschwindigkeit ist für mich die, wenn man nur etwas schneller als die Strömung kurbeln muss, um das Blatt zum laufen zu bringen.
Viel Spaß beim ausprobieren und testen.
Thomas Finkbeiner
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