Unterwegs bei Boardies: Diesmal bei "Case"
Unterwegs bei Boardies: Diesmal bei "Case"
Richtig viel Stress hatte ich im September - umso besser, dass ich für "unterwegs bei Boardies" da Case auf dem Plan stehen hatte. Denn der wohnt sozusagen "um die Ecke" (jedenfalls in automobilen Zeiten), und da wir beide als Schwaben alles außer hochdeutsch können, gab es auch keine Sprachprobleme..
Während mein Hausrevier der Neckar ist, am Mittellauf in der Heilbronner Gegend, befischt Case zwar auch den Neckar, aber im Oberlauf, grob in der Tübinger Gegend. Bei mir ist der Neckar auch von großen Frachtschiffen befahren, breit, relativ flach, warm und nahrungsreich. Mit entsprechender Vielfalt an Fischen und Fischarten in allen Größen, allerdings oft in städtischer Umgebung, oft auch kanalisiert, an Industrieanlagen vorbei..
Ganz anders präsentiert sich da die Strecke am Oberlauf, die Case befischt. Das einzige was den Oberlauf befahren könnte, wären Kanus oder Kajaks, ein eigentlich typischen Barbenregionsfluss, allerdings auch durch Wehre "gezähmt" und daher auch eine Menge verschiedener Plätze auch mit tieferem Wasser bietend.
Statt dröge einen "Interviewtermin" zu machen, gings also ab an den Neckar, um zumindest "alibimäßig" die Angeln im Wasser zu haben. Neben der Zeit für die Gespäche fallen da natürlich auch schönere Fotos ab....
Und da Case ja zu den Anglerboardurgesteinen gehört, gabs da schon eine Menge Gesprächsstoff, Fragen und Anmerkungen... Case ist 50 Jahre alt, arbeitet als Maschineneinsteller und ist verheiratet.
Seine angelrische "Karriere" begann schon vor über 40 Jahren. Wie beio so vielen mit dem Köderfischsstippen für den Vater, wenn dieser an Baggerseeen oder auch dem Oberlauf der Donau mal eine Stellangel auslegte..
Wie bei so vielen Leuten im "fortgeschrittenen Alter" wie bei Case und mir, war das Angeln nie der "reine Spaßfaktor" - das essen der Fische war auch immer grundsätzlich Bestandteil eines erfolgreichen Angeltages. Das mag aber auch mit unserer schwäbischen Mentalität zu tun haben, dass man eben immer auch was "davon haben will"...
Man geht eben nicht nur so zum Spaß angeln. Der in vielen C+R - Diskussionen auch immer wieder auftauchende Begriff des C+D (catch and decide) passt wie die Faust aufs Auge bei der Einstelllung, die Case zum angeln hat - und das ist auch eine, die mir persönlich sehr naheliegt. Man geht angeln, um einen Fisch für die Küche zu bekommen, ohne allem auf den "Kopp zu hauen", was man am Haken hängen hat.
Geade die immer wiederkehrenden C+R - Diskussionen gaben dann auch den Anlass, über die Entwicklung des Anglerboards zu reden, auch und gerade weil Case das ja fast von Anfang an kennt. Wenn jemand solange dabei ist, wundert es kaum, dass auch Case wie viele andere "Urgesteine" die Anfangszeiten des Forums persönlicher, familiärer und "gemütlicher" fand als den heute teilweise doch "regen Betrieb".
Aus den "Stressdiskussionen" wie C+R, Laichdorsch etc. hält sich Case deswegen auch raus - was das schreiben angeht. Er schreibt inzwischen sowieso relativ wenig, da er nach seinen Worten ja eigentlich schon so gut wie alles geschrieben hat in der Zeit, was er meinte schreiben zu müssen. Da er dennoch die Informations- und auch Meinungsvielfalt schätzt, ist er aber nach wie vor - aber eben meist lesenderweise - viel im Forum unterwegs.
Auch deswegen, weil man über das Forum eben auch viele Leute, Gewässer, Fischarten und Methoden kennen lernen kann, über die man sonst nicht viel erfahren würde.
Aber trotzdem ist er nach wie vor immer noch der "Allroundangler", der eben so gerne mit Feederruten ansitzt, wie auch zur Spinnrute greift oder auch mit der Pose angelt. Schwäbisch - reell geht er dabei gerne dem Hype um überteuertes Markengerät aus dem Wege. Vernünftige Ausrüstung zu einem rellen Preis ist da die Devise. Auch wenn sich nach seinen Angaben gerade durch die Lektüre im Forum sein Horizont sehr erweitert hat, gerade was Gerät angeht.
Obwohl Case auch sehr testfreudig ist, was neue Methoden und Geräte angeht, kommt er letztlich immer wieder auf bewährte Methoden und Geräte zurück. Und ist dabei aber auch immer flexibel. "Specimen- Hunter" zu sein, der unbedingt eine bestimme Fischart fangen möchte, das ist nicht sein Ding. Schwäbisch - pragmatisch könnte man da seine Einstellung nennen:
"Ich will die Fische fangen, die da sind, nicht die, die vielleicht da sein könnte...".
Währen wir da gemütlich am Neckar in der Sonne sitzen, wird schnell klar, was gemeint ist. Ein guter Platz für Karpfen, an dem Case auch schon öfters welche gefangen hat. Nicht mit Boilies, Pellets und Flavours, sondern ganz schlicht mit Wurm, Mais oder Frolic.. Auch nicht mit Festblei- und Selbsthakmontagen, sondern klassisch bei der Rute sitzend und aufpassend, ob die Spitze zuckt oder nicht. Das findet er auf jeden Fall spannender, als auf einer Liege zu warten, bis irgendein Bißanzeiger piepst.
Ein solcher "Liegenangler" hätte wohl auch kaum gesehen, wie am Übergang vom tieferen zum flacheren Wasser plötzlich Fische auftauchten, augenscheinlich am suchen und fressen. Nach einigen Zupfern, Fehlbissen oder Schnurschwimmern, kam dann der Anhieb, welche diesen schönen Brassen zum Vorschein brachte.
Vielleicht hätte der sich auch an einer Selbsthakmontage gefangen, spannender war das so auf jeden Fall - Nicht nur für Case, auch für mich..
Ein Brassen ist ja nun nicht unbedingt das kulinarische Highligt, aber er gab zumindest mal Anlass, über die Vorlieben von Case als bekennendem Fischgeniesser zu sprechen. Wie bei vielen andere nauch, steht der Barsch oder Zander auch bei Case kulinarisch weit oben auf der Liste. Da er die Möglichkeit hat, in guten Forellengewässern auch "wilde" Forellen zu bekommen, haben auch diese einen Platz weit oben auf der Liste.
Und er mag sehr gerne Hecht - auch und gerade deshalb, weswegen er von vielen Anglern auch verschmäht wird:
Weil er einen typischen Eigengeschmack hat.
Mir hat dieser Tag am Neckar sehr gefallen. Gerade die natürliche Einstellung zum Angeln, ohne Dogmen oder Hypes hinterzurennen, aber mit großer Kenntnis von Gewässern und Fischen,die ich bei Case kennen lernen durfte, entspricht auch sehr meiner eigenen Einstellung.
Thomas Finkbeiner
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Kommentare
Altbewährte Methoden in schöner Natur und einem tollem Gewässer lassen sich durch keinen Modernen Krims-Krans ersetzen,
Dennoch finde ich moderne Utensilien zum Karpfen oder Spinnfischen oft hilfreich.
Wie dem auch sei- ein gelungener Bericht!
Grüße :-)